07.06.2016

Waffen im Visier

Von Novo-Redaktion

Anstatt Schusswaffen pauschal zu dämonisieren, sollten wir lieber nach den eigentlichen Ursachen von Gewalt fragen

Bei kaum einer politischen Angelegenheit gibt es hierzulande einen so breiten Konsens wie bei der Frage des Waffenbesitzes. Waffen gelten per se als übel. Nur mit immer strengeren Regeln und härteren Kontrollen gegenüber den Besitzern legaler Waffen, z.B. Jägern oder Sportschützen, glaubt man ihr Bedrohungspotential bändigen zu können. Gerade die vergleichsweise liberalen Waffenkontrollgesetze in den USA werden immer wieder in den hiesigen Medien problematisiert. Der US-Verfassungsartikel, der den freien Waffenbesitz garantiert, gilt als historischer Fehlgriff und Zeichen für die kulturelle Rückständigkeit Amerikas. Schließlich sterben in den USA im Jahr 30.000 Menschen durch Schusswaffengewalt. Darunter auch die Opfer von „Mass Shootings“, also Vorfällen, bei denen ein Bewaffneter auf mehrere Menschen schießt. Wären Waffen nicht so frei verfügbar, so die einfache Logik, könnten Menschen auch nicht so einfach erschossen werden. Dabei wird leicht vergessen, warum der Waffenbesitz einst zu einem Bürgerrecht erklärt wurde. Dies geschah nicht, um schießwütigen Bürgern zu gefallen oder auf Betreiben der Waffenlobby. Der Bürger sollte mit Waffen seine Freiheit verteidigen können. Die US-Bürger haben seit Jahrhunderten Waffen besessen – aber plötzlich scheint es, als würde der Besitz einer Waffe automatisch dazu führen, dass man damit um sich schießt. Bewaffnete Menschen werden als großes Problem angesehen – statt nach der Ursache zu fragen, warum es heute vermehrt zu individuellen Gewaltausbrüchen kommt. Daran würde nämlich auch kein Waffenverbot etwas ändern können. Vielmehr sagt die Forderung nach Waffenkontrolle etwas über das trostlose Menschenbild unserer Tage aus.