28.10.2014

Editorial

Von Novo-Redaktion

Der Paternalismus schmückt sich heute mit den Adjektiven „liberal“ oder „libertär“, um sein autoritäres Antlitz zu verbergen. Der Antisemitismus gibt sich als „Israelkritik“ aus. Und was als Forderung nach „Tierrechten“ daherkommt, ist oft nicht weniger als das nur schlecht versteckte Vorurteil gegen die eigene Art – den Menschen. Nicht immer steckt hinter den Begriffen, was diese vorgeblich zum Ausdruck bringen. In aufklärerischer Tradition analysieren die Autoren von NovoArgumente die aktuellen politischen Debatten und beziehen klar Stellung.

Es war wohl nur eine Frage der Zeit: Ende August berichtete die Bild, dass Bundeskanzlerin Merkel sich von Verhaltenswissenschaftlern beim „wirksamer Regieren“ beraten lassen will. Der mit den irreführenden Adjektiven „libertär“ oder „liberal“ versehene Paternalismus ist also auch in Deutschland angekommen. Er will die Menschen angeblich ohne Zwang zum besseren Leben „anschubsen“ (engl. nudge). Mit Freiheit hat das wenig zu tun, umso mehr mit Manipulation. Damit reiht er sich in einen Trend zur immer kleinteiligeren Regulierung von ehemals als privat erachteten Lebensbereichen ein, der die Politik im jungen 21. Jahrhundert bestimmt. In einem umfangreichen Kapitel untersuchen wir die verschiedenen Formen, in denen Paternalismus heute auftritt.

Daneben widmen wir uns in der aktuellen Ausgabe fünf weiteren Schwerpunkten: In der Kontroverse über den letzten Gaza-Konflikt schwappte eine Welle antijüdischer Ressentiments durch Europa. Grund genug den neuen Antisemitismus in den Fokus zu nehmen. In vielen Ländern der Welt wird Marihuana legalisiert. Ist dies der Beginn einer wirklich liberalen Drogenpolitik oder steckt etwas anderes dahinter? Zerfallende Staaten in Nahost, supranationale EU-Strukturen und ein aufgeblähter Sozialstaat hierzulande: Vielen gilt der Nationalstaat als überholt, Souveränität als Konzept von gestern. Wir fragen nach der Rolle des modernen Staats. Menschenrechte für Affen oder ein generelles Verbot von Tierversuchen zu fordern, ist modern. Aber: Können wir Tieren Rechte zugestehen ohne den Status des Menschen zu gefährden? Im Schlusskapitel fragen wir, was hinter dem zweifelhaften Aufstieg der Corporate Social Responsibility zum Leitbild moderner Unternehmen steckt.

Die Autoren von NovoArgumente beziehen deutlich Stellung, stellen unbequeme Fragen und fordern zum Widerspruch heraus. Es geht um das bessere Argument und die rationale Debatte. Gerade in Zeiten globaler Umbrüche ist es wichtig seine Urteilskraft scharf zu halten.

Ihre
Novo-Redaktion