01.09.2013

Editorial

Von Novo-Redaktion

Deutschland ist freiheitsmüde geworden. Der Staat mischt sich mit Verboten, Geboten und Regeln in immer mehr Lebensbereiche ein – und wir lassen es über uns ergehen. Die Wirtschaft leidet unter Überregulierung, die Geheimdienste überwachen das Internet und die EU schottet ihre Außengrenzen ab. Das wachsende Klima der Unfreiheit speist sich aus dem verbreiteten Vorurteil, zu viel Freiheit sei ein Problem. Wir meinen: Freiheit ist die Lösung! Heute geht es vor allem darum, das Bewusstsein für ihren Wert zu schärfen.

Freiheit. Das Ergebnis der Bundestagswahl hat dem Thema dieser Novo Sonderausgabe besondere Relevanz verliehen. Nur jeder zweite Einwohner im wahlfähigen Alter wird überhaupt noch von den Abgeordneten im Parlament repräsentiert. Verdruss und Ratlosigkeit angesichts inhaltsleerer Politik und restriktive Wahlbestimmungen, wie die 5-Prozent-Hürde und das illiberale Staatsbürgerrecht, machen aus immer mehr Menschen Zaungäste der repräsentativen Demokratie.

Eine große Koalition wird sehr wahrscheinlich den technokratischen Politikstil der letzten Jahre fortsetzen und weiter in allen Bereichen der Gesellschaft an der Regulierungsschraube drehen. Von der marginalisierten Opposition aus Grünen und Linken ist kein Widerstand dagegen zu erwarten. Das katastrophale Abschneiden der FDP belegt, in welch traurigem Zustand sich der politische Liberalismus hierzulande befindet. AfD und Piraten werden gewählt, weil viele sich nach neuen politischen Impulsen sehnen. Doch auch sie bieten kaum überzeugende Ansätze für eine freiheitsbejahende Politik.

Zum Glück gibt es aber immer noch genug Menschen, die von Politik mehr erwarten, als die etablierten Kräfte zu liefern in der Lage sind. Hier gilt es anzusetzen, um kontrovers und ohne Scheuklappen über den Wert der Freiheit in unserer Gesellschaft zu diskutieren. Denn die Freiheitsidee muss zu Beginn des 21. Jahrhundert neu artikuliert werden. Das geht nur aus einer humanistischen Perspektive. Die Hauptursache für das wachsende Klima der Unfreiheit ist die verbreitete Skepsis gegenüber der Fähigkeit des Menschen, individuell sein Leben und kollektiv die Welt zu gestalten. Wie soll Freiheit möglich sein, wenn wir uns und unseren Mitmenschen nicht mehr zutrauen, konstruktiv und verantwortungsbewusst mit ihr umzugehen? Deshalb präsentieren wir in dieser Ausgabe neben vielen Beiträgen namhafter Autoren ein „Freiheitsmanifest“. Es geht uns darum, eine Diskussion darüber anzustoßen, wie wir mit Mut und Vertrauen in uns selbst und unsere Mitmenschen eine offene und zukunftsbejahende politische Kultur fördern können.