15.01.2018

Mythen über Palmöl

Von Bill Wirtz

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Foto: tristantan via Pixabay / CC0

Produkte werden damit beworben, kein Palmöl zu enthalten. Dabei besteht kein Anlass für Gesundheitsbedenken und sein Anbau ist vergleichsweise effizient.

In unseren Supermärkten haben sich allerlei Produktaufschriften durchgesetzt, die vom fairen Handel bis zu verschiedenen Umweltstandards reichen. „Ohne Palmöl“ ist eine Beschriftung, die mittlerweile auf einer großen Menge von Produkten zu finden ist. Verbraucher fragen sich vielleicht: Was ist so schlimm an Palmöl?

Palmöl ist ein Pflanzenöl, das aus den Früchten von Palmen gewonnen wird, die ursprünglich aus Westafrika stammen, aber überall angepflanzt werden können, wo es Hitze und Regen gibt. Das Produkt verzeichnet in Asien großen Zulauf, wobei Malaysia (über die Hälfte der Palmölexporte) und Indonesien (32 Prozent der Exporte) die größten Produzenten sind. Der dritte Platz, der die Bedeutungslosigkeit der Herstellung außerhalb Asiens zeigt, geht an die Niederlande mit nur 4 Prozent der weltweiten Exporte. Deutschland produziert 1,3 Prozent.

Missverständnisse beim Palmöl treten in zweierlei Hinsicht auf. Zum einen scheinen die Label für viele Verbraucher den Anschein zu erwecken, dass Palmöl schlecht für ihre Gesundheit sei. Man hört unter anderem, dass Palmextrakte zu erhöhten Herzproblemen führen können. Eine 1991 veröffentlichte Studie über die kardiovaskuläre Wirkung von Palmöl sieht in angeblichen Gesundheitsrisiken von Palmöl jedoch einen „Handelstrick“ von Konkurrenz-Interessen und weist darauf hin, dass das Öl über „kaum cholesterin-steigerndes Potenzial“ verfügt.

„Ernährung sollte auf Ausgewogenheit beruhen, nicht auf einer unwissenschaftlichen und emotional geführten Debatte.“

Eine ähnliche Studie der School of Medical Science and Technology des Indian Institute of Technology im Jahr 2009 kam zu folgendem Schluss: „Ein beträchtlicher und wachsender Umfang an wissenschaftlichen Erkenntnissen zeigt, dass die Wirkung von Palmöl auf Blutcholesterin im Vergleich zu anderen Fetten und Ölen relativ neutral ist.“ In einer begutachteten Studie des World Journal of Cardiology aus dem Jahr 2015 wird festgestellt, dass Palmöl im Rahmen einer gesunden Ernährung das Risiko kardiovaskulärer Krankheiten nicht erhöht.

Es bleiben natürlich gesündere Alternativen zu Palmöl, wie die Harvard Medical School betont: „Harvard-Ernährungsexperten zufolge ist Palmöl besser als High-Trans-Fettverkürzungen und wahrscheinlich eine bessere Wahl als Butter – aber pflanzliche Öle, die bei Raumtemperatur natürlich flüssig sind, wie Oliven- und Rapsöl, sollten immer noch Ihre erste Wahl sein."

Obwohl es bei unseren Ernährungsoptionen immer solche Alternativen geben wird, wären wir schlecht beraten, Aufkleber auf ein bestimmtes Produkt zu setzen, um es zu stigmatisieren. Jede Ernährung sollte auf Ausgewogenheit beruhen, nicht auf einer unwissenschaftlichen und emotional geführten Debatte. Pseudo-Wissenschaft sollte nicht die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen in Gefahr bringen und die Wahlmöglichkeiten der Verbraucher einschränken.

„Palmöl liefert bis zu acht Mal mehr Ertrag als vergleichbare Öle.“

Der zweite Einwand gegen Palmöl sind Auswirkungen auf die Umwelt. Hier wird behauptet, dass die Palmölernte unverhältnismäßig stark für die Entwaldung in Ländern wie Indonesien verantwortlich ist. Schätzungen hinsichtlich des Beitrags von Palmöl zur Entwaldung variieren (bis zu zehn Prozent). Die Industrie hat jedoch das Potenzial einer deutlichen Steigerung des Ernteertrags bewiesen, was bedeutet, dass auf der gleichen Fläche mehr produziert wird.

Besonders wenn wir Vergleiche anstellen, wird dies sehr offensichtlich. Betrachtet man die Zahlen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation Vereinten Nationen (FAO), so zeigt sich, dass der Ertrag von Palmöl größer ist als der Ertrag von Kokosnuss, Soja, Raps, Erdnüssen und Sonnenblumen zusammen. Eine Studie aus dem Jahr 2015 ergab, dass Palmöl bis zu acht Mal mehr Ertrag liefert als vergleichbare Öle. Damit sieht Palmöl im Vergleich sehr gut aus: So benötigt beispielsweise Sojaöl sechs Mal mehr Energie, sieben Mal mehr Stickstoff und vierzehn Mal mehr Pestizide pro Tonne als Palmöl. Palmöl durch land- und input-intensivere Pflanzenöle zu ersetzen könnte daher kontraproduktiv sein.

Schlussendlich sollte die Entscheidung, welche Fette er konsumieren möchte, dem Verbraucher überlassen bleiben. Für die öffentliche Debatte ist es zudem notwendig, dass wir bei den Fakten bleiben und unsere Entscheidungen nicht an den Absichten von Umweltschützern ausrichten, die keine Lösung für globale Probleme finden können.