26.09.2016

„Mehr Waffen, weniger Verbrechen“

Interview mit John Lott

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Foto: jasongillman via Pixabay (CC0)

Führt ein liberales Waffenrecht zu weniger Verbrechen? Statistische Erkenntnisse lassen diesen Schluss zu, meint der US-amerikanische Ökonom John Lott

Novo: Amerikaner, die Waffen stärker regulieren (oder sie sogar verbieten) möchten, berufen sich häufig auf internationale Vergleiche. Der Anteil an Gewaltverbrechen allgemein und genauer der Anteil an mit Waffengewalt ausgeübten Gewaltverbrechen ist in den USA höher als in Kanada, Australien und in verschiedenen westeuropäischen Nationen. Was können uns solche internationalen Vergleiche sagen?

John Lott: Wir können etwas aus internationalen Vergleichen lernen, aber man sollte bedenken, dass die Häufigkeit von Gewaltverbrechen aus zahlreichen Gründen von Land zu Land verschieden ist. Man vergleicht etwa häufig die geringe Häufigkeit von Tötungsdelikten in England im Verhältnis zu den USA und geht davon aus, dass dies einfach an den strengen Waffengesetzen in England liegt. Allerdings ist die Häufigkeit von Tötungsdelikten in England nach dem Handfeuerwaffenverbot von 1997 in den folgenden acht Jahren um 50 Prozent gestiegen. 1 Erst, als man 18 Prozent mehr Polizisten einstellte, fiel die Häufigkeit wieder auf das Niveau der Zeit vor dem Verbot zurück.

Tatsächlich ist das auch anderswo geschehen. In jedem Land, in dem Waffen verboten wurden, ist die Mordrate gestiegen. 2 England hat zwar eine geringere Häufigkeit von Tötungsdelikten, aber die Häufigkeit stieg im Verhältnis zu den USA nach einem Waffenverbot an. Den Unterschied zwischen den beiden Ländern kann also nicht der Waffenbesitz, sondern nur ein anderer Faktor erklären.

Die Kriminalitätsrate von Australien hat sich auch nicht so entwickelt, wie sie es nach der Logik der Waffenregulierer hätte tun müssen. 3 Der staatliche Waffenrückkauf der Jahre 1996 und 1997 hat dazu geführt, dass eine Million Feuerwaffen abgegeben und zerstört wurden. Dadurch ging die Zahl der Waffen im Land von 3,2 Millionen auf 2,2 Millionen zurück. Seitdem hat der private Waffenbesitz allerdings stetig zugenommen. Im Jahr 2010 war der private Waffenbesitz wieder auf dem Niveau von 1996.

„In jedem Land, in dem Waffen verboten wurden, ist die Mordrate gestiegen“

Der Anteil an Tötungsdelikten mit Schusswaffen war im Jahrzehnt vor dem Rückkauf stetig gesunken. Er sank im selben Verhältnis nach dem Rückkauf weiter. Es gab keinen plötzlichen Einbruch der Waffengewalt, sondern einen ziemlich gleichmäßigen Rückgang, der sogar weiterging, als der Waffenbesitz wieder das vorherige Niveau erreicht hatte.

Was bedeutet Ihre Wendung „Mehr Waffen, weniger Verbrechen“ für das verdeckte Tragen von Waffen? Meinen Sie, dass eine liberalisierte Gesetzgebung bezüglich des verdeckten Tragens dazu geführt hat, dass die Leute mehr Waffen zur Selbstverteidigung besitzen, sie häufiger bei sich tragen oder beides? Wie schätzen Sie die Auswirkungen dieser Gesetze auf Waffenbesitz und auf das Mitführen von Waffen ein?

Die Strafverfolgungsbehörden verhüten Verbrechen mit Hilfe von häufigeren Festnahmen, mehr Verurteilungen oder längeren Haftstrafen. Die Tatsache, dass sich Opfer verteidigen können, macht das Begehen von Verbrechen ebenfalls riskanter. 4 Das gilt nicht nur für Waffen Zuhause, sondern auch für Waffenscheine, die einem das Mitführen von Waffen erlauben. Die Zahl ausgestellter Waffenscheine ist in den letzten Jahren explodiert – sie stieg von 4,6 Millionen im Jahr 2007 auf 12,8 Millionen im letzten Jahr an. 5 Das ist noch eine Untertreibung, weil die Zahl der Staaten, in denen man Waffenscheine für den Waffenbesitz benötigt, von fünf auf zehn angestiegen ist.

Der Kriminologe Gary Kleck hat beide Aspekte Ihrer Behauptung, dass mehr Waffen zu weniger Verbrechen führen, in Frage gestellt, wie Sie wissen. Er sagt, dass liberalisierte Gesetze für das verdeckte Tragen von Waffen tatsächlich nicht dazu führen, dass Menschen häufiger Waffen besitzen oder sie gar häufiger verdeckt mitführen. Er sagt auch, dass Verbrechen in Folge dieser Gesetze nicht erkennbar abnähmen. Ich weiß, dass diese Auseinandersetzung äußerst komplex ist, aber könnten Sie die wichtigsten Belege diesbezüglich zusammenfassen?

Gary und ich haben verschiedene Auffassungen davon, wie sich Menschen verhalten. Ökonomen gehen davon aus, dass es so etwas wie das Gesetz der Nachfrage gibt: Wenn etwas günstiger wird, machen Leute mehr davon oder sie kaufen sich mehr davon. Das trifft auf die Leute zu, die mehr Äpfel kaufen, wenn deren Preis sinkt, aber es gilt auch für Waffenscheine. Es gibt eine Menge Nachweise, dass die Zahl der Waffenscheine zunimmt, wenn die Kosten sinken, an sie heranzukommen, seien dies die Gebühren oder die Ausbildungskosten für den Umgang mit einer Waffe. 6

Gary ist nicht der Meinung, dass Preise das Verhalten von Menschen beeinflussen. Soziologen im Allgemeinen neigen zu dieser Auffassung. Meiner Auffassung nach stützt die Faktenlage diese Meinung nicht und es ergibt für mich auch nicht viel Sinn. Ich kann auch nicht nachvollziehen, warum Gary und andere Soziologen nicht davon ausgehen, dass die Polizei Verbrechen verhütet.

„Würden Sie ein Schild aufstellen, das Ihr Haus als waffenfreie Zone ausweist?“

Wo wir gerade dabei sind: Gary behauptet, dass der Besitz von Waffenscheinen, die das verdeckte Tragen erlauben, von 2007 bis 2015 von 4,6 auf 13 Millionen zugenommen hat, während nicht mehr Menschen als zuvor Waffen legal mit sich führen. 7 Sicher trägt nicht jeder eine Handfeuerwaffe bei sich, der sich einen Waffenschein besorgt. Wenn jedoch der Anteil der Leute mit Waffenschein, die Waffen mit sich führen, nicht drastisch gesunken ist, muss die Zahl der Menschen, die Waffen tragen, in den letzten 20 Jahren dramatisch zugenommen haben. Alleine zwischen 2007 und vor einer Weile im Jahr 2015 hat sich die Zahl der Waffenscheinbesitzer, die verdeckt Waffen mit sich führen dürfen, von 4,6 auf 13 Millionen verdreifacht. Da ist die schnell wachsende Zahl der Staaten noch nicht einbezogen, die nicht mehr den Erwerb von Waffenscheinen für das verdeckte Mitführen verlangen.

Ich habe herausgefunden8, dass die Besitzer von Waffenscheinen, die ihnen das verdeckte Mitführen erlauben, extrem gesetzestreu sind. 9 Ich muss davon ausgehen, dass sie keine Waffen mehr mit sich führen, wenn es ihnen nicht mehr erlaubt ist. Es gibt eine Menge Studien, die Folgendes aufzeigen: Wenn die Zahl der Waffenscheine für verdecktes Tragen als Folge einer Gesetzesänderung ansteigt, dann nimmt die Verbrechenshäufigkeit ab. 10 Zu diesem Ergebnis gelangt sogar die große Mehrheit der Studien. 11

Ich stelle gerne denjenigen, die nicht an Abschreckung glauben, folgende Frage: Würden Sie ein Schild aufstellen, das Ihr Haus als waffenfreie Zone ausweist? Würden Sie sich sicherer fühlen? Meiner Erfahrung nach würden auch die überzeugtesten Waffenregulierungs-Befürworter niemals „Waffenfreie Zone“-Schilder zuhause anbringen. Das sieht für mich nach einem klaren Beleg dafür aus, dass selbst die Befürworter von Waffenkontrolle an eine funktionierende Abschreckung glauben.

Kleck behauptet: „Es gibt Regionen übergreifend keine Auswirkung von Waffenbesitz auf Verbrechensraten, inklusive Tötungsdelikte.“ Was sagen Sie dazu?

Nun, ich weiß, dass Gary sehr überzeugt ist, dass Waffenbesitz keine größere Sicherheit verschafft, aber ich würde sagen, dass die Beweislage ziemlich eindeutig ausfällt. Ein Beispiel: Können Sie mir auch nur einen Ort auf der Welt nennen, wo die Mordrate nach einem Waffenbesitzverbot gesunken ist? Ich kann es nicht. An jedem Ort der Welt, wo entweder Handfeuerwaffen oder alle Waffen verboten wurden, ist die Mordrate gestiegen. 12 Amerikaner wissen, was in Chicago und Washington D.C. geschehen ist, aber die Regel gilt auch für das ideale Waffenkontrollexperiment: Inselnationen, die keinen Nachbarn für ihre Waffen verantwortlich machen können. Hätte Gary Recht, müsste es zumindest ein paar eindeutige Fälle geben, bei denen die Mordrate unverändert geblieben ist.

„In Staaten mit dem größten Zuwachs an Waffenbesitz lässt sich der stärksten Rückgang an Gewaltverbrechen verzeichnen“

Es liegen zudem Belege vor, dass die Staaten mit dem größten Zuwachs an Waffenbesitz den stärksten Rückgang an Gewaltverbrechen verzeichnen konnten. 13 Gary gewichtet reine Querschnittsdaten viel stärker. Ich habe vorhin erklärt, warum dieser Ansatz sehr irreführend sein kann, aber selbst in diesem Fall, auch wenn ich diese Belege nicht stark gewichte, zeigt sich, dass Länder mit den niedrigsten Waffenbesitzraten tendenziell die höchste Häufigkeit an Tötungsdelikten verzeichnen.

Kleck zufolge haben die amerikanischen Waffengesetze „keine Auswirkung“ auf die Häufigkeit von Waffenbesitz und „zielen nicht einmal auf eine Auswirkung ab“. Was halten Sie davon?

Diese Aussage ist eindeutig falsch. Würde es zum Beispiel die Waffenbesitzhäufigkeit nicht beeinflussen, wenn Waffen verboten wären? Sie ist in noch einfacherer Hinsicht unzutreffend. Die Gesamtkosten, um einen Waffenschein für verdeckt getragene Waffen zu erhalten, betragen in Illinois 500 US-Dollar, in Pennsylvania aber nur 19 US-Dollar. Glaubt irgendwer ernsthaft, dass dies nicht zu relativ gesehen weniger ausgegebenen Waffenscheinen in Illinois führen wird? Damit kommen wir wieder zu unserer vorherigen Diskussion über die Unterschiede zwischen Ökonomen und Soziologen zurück.

Mit Garys Weltanschauung kann man wohl nicht nachvollziehen, warum Befürworter der Waffenregulierung die Art von Waffengesetzen fordern, die sie nun einmal fordern. Es erscheint mir zumindest eindeutig, dass die Regulierungen auf eine Erhöhung der Kosten des Waffenbesitzes abzielen, um den Waffenbesitz zu reduzieren und schließlich Waffenkontrolle einfacher durchsetzen zu können. Der Waffenkontrollaktivist Tom Smith, der den amerikanischen General Social Survey (eine große Bevölkerungsumfrage) leitet, sagte mir zum Beispiel im Jahr 1997, dass ein großer Rückgang des Waffenbesitzes es „Politikern erleichtern würde, in Punkto Waffen das Richtige zu tun“ und restriktivere Regulierungen einzuführen. 14

„Es wird in den Studien viel Rosinenpickerei betrieben“

Wie soll der Laie an widersprüchliche Behauptungen herangehen, die auf einer Regressionsanalyse beruhen? Ist es fair zu sagen, dass die statistischen Trends nicht offensichtlich sind und dass verschiedene Forscher sie unterschiedlich interpretieren, also eine allgemeine Skepsis eine vernünftige Ausgangsposition ist?

Das ist eine hervorragende Frage. Es ist auch eine schwierige Frage. Es gibt da draußen eine Wahrheit, die auf ihre Entdeckung wartet. Viele Menschen, die sich an der akademischen Debatte beteiligen, sehen sich nur ihre Schlussfolgerungen an und nicht, wie sie an diese gelangt sind. Dennoch sollte man bei jeder Studie auf bestimmte Dinge achten:

Verwenden die Forscher alle verfügbaren Daten? Falls jemand nicht alle verfügbaren Daten verwendet, sollte er besser einen äußerst guten Grund dafür haben und ich wäre sehr skeptisch. Stellen Sie sich vor, sie werfen 20 Mal eine Münze und haben zehn Mal Kopf und zehn Mal Zahl. Falls sich jemand nun selektiv die Münzen aussucht, kann er das von ihm gewünschte Ergebnis erhalten (wie fünf Mal Kopf).

Verwenden sie sogenannte „Paneldaten“? Das sind Daten, die sich auf viele verschiedene Orte über einen bestimmten Zeitraum beziehen. Nur sehr wenige Akademiker sehen sich entweder nur Querschnittswerte an (die sich auf verschiedene Orte zu einem Zeitpunkt beziehen) oder nur Zeitreihen (die einen Ort über einen bestimmten Zeitraum betrachten). Paneldaten kombinieren die beiden Ansätze und ermöglichen viele Experimente, mit denen man viele verschiedene mögliche Erklärungen entwirren kann.

Sehen sie sich nur ein Waffenkontrollgesetz an? Viele Linksliberale behaupten, dass alle möglichen Waffenkontrollgesetze wichtig wären, aber dann befasst sich ihre Studie nur mit einem davon. Daran erkennt man, wie viel Rosinenpicken sie mit ihren Ergebnissen betrieben haben könnten.

„Hintergrundprüfungen halten vor allem gesetzestreue Bürger ab“

Gehen sie ihre Untersuchung zumindest mit einer Herangehensweise von anderen Akademikern an? Wenn sie zum Beispiel Paneldaten verwenden, beachten sie dann geografische und zeitliche Unterschiede (so genannte „fixe Effekte“ 15)? Fassen sie die Forschung anderer falsch zusammen? Davon abgesehen ist es viel Arbeit, Studien durchzuarbeiten (vor allem Studien mit gegensätzlichen Ergebnissen), aber mit je mehr Studien man sich beschäftigt, desto mehr versetzt man sich in die Lage, seine eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Die vorgeschlagene Waffengesetzreform, die den meisten Menschen am vernünftigsten erscheint, ist wohl die Erweiterung und Verbesserung des Systems zur Hintergrundprüfung von Leuten, die eine Waffe kaufen möchten. Sie haben dieses System allerdings auf der Grundlage kritisiert, dass es nicht allzu gut funktioniert und sogar einige sehr gefährdete Bürger davon abhält, eine Waffe für die Selbstverteidigung zu beschaffen. Kann man das System verbessern oder sollte man es einfach aufgeben? Falls man es aufgeben sollte, was sollte man stattdessen machen?

Durch die Hintergrundprüfung fühlen sich die Leute offenbar sicherer, aber das System ist tatsächlich Murks. Praktisch jeder, der davon abgehalten wurde, sich eine Waffe zu kaufen, ist ein gesetzestreuer Bürger, der das Recht gehabt haben sollte, sich eine zu kaufen. Man hielt ihn einfach davon ab, weil er einen ähnlichen Namen hatte wie jemand anderes, den der Staat eigentlich am Waffenkauf hindern wollte.

Der US-Präsident behauptet immer wieder, dass „Hintergrundprüfungen über zwei Millionen gefährliche Menschen daran gehindert haben, eine Waffe zu kaufen.“ 16 Jemanden, der einen ähnlichen Namen wie ein Verbrecher hat, davon abzuhalten, eine Waffe zu kaufen, ist aber nicht dasselbe, wie einen Verbrecher am Waffenerwerb zu hindern.

„Ablehnungen bedeuten Verzögerungen für viele gesetzestreue Waffenkäufer“

Das ist dasselbe Problem wie mit der Flugverbotsliste. Erinnern Sie sich, dass der inzwischen verstorbene Senator Ted Kennedy ganze fünf Mal „zunächst“ nicht fliegen durfte, weil sein Name auf der „No-Fly“-Liste steht, auf der eigentlich nur Terroristen auftauchen sollten? 17 Sein Name hatte schlicht eine zu große Ähnlichkeit mit dem Namen von jemandem, den wir wirklich nicht in einem Flugzeug haben wollen. Nach Obamas Zählweise bedeutet dies aber, dass die Flugverbotsliste fünf Terroristen vom Fliegen abgehalten hat.

Die Sicherheitsbehörde für Alkohol, Tabak, Schusswaffen und Sprengstoff hat ganze 94 Prozent ihrer „vorläufigen Ablehnungen“ nach der ersten Vorab-Überprüfung zurückgezogen. 18 Der jährliche Bericht über das System zur Hintergrundprüfung von Kriminellen zeigt auf, dass diese Ablehnungen zurückgezogen wurden, weil entweder zusätzliche Informationen zeigten, dass die falschen Leute gestoppt wurden oder weil die Vergehen so viele Jahrzehnte zurücklagen, dass sich die Regierung gegen eine Verfolgung entschied. Wenigstens fünf der verbliebenen sechs Prozent stellten sich als weitere falsche Ablehnungen heraus.

Diese ganzen Ablehnungen bedeuten Verzögerungen für viele gesetzestreue Waffenkäufer. Während das den meisten Betroffenen nur eine Unannehmlichkeit bereitet, bedeuten diese vorläufigen Ablehnungen eine gefährliche Verzögerung für diejenigen, die schnell aus einem legitimen Grund eine Waffe für die Selbstverteidigung brauchen, wie etwa eine Frau, die von einem Exfreund oder einem Ehemann verfolgt wird. 19

Vom Abstürzen der Computer, die für die Hintergrundprüfungen genutzt werden und den vorläufigen Ablehnungen abgesehen, sollte man die sechs Prozent der Prüfungen bedenken, die nicht innerhalb von zwei Stunden beendet werden, wobei die meisten Verzögerungen bis zu drei Tage dauern.

„Obama ignoriert diejenigen, die sich bedroht fühlen“

Präsident Obama ignoriert, was mit denen geschieht, die sich auf einmal bedroht fühlen. Eine Waffe kann wirklich entscheidend sein, um sich vor Angreifern verteidigen zu können. Meine eigene Forschung legt nahe, dass diese Verzögerungen im System zur Hintergrundprüfung die Gewaltverbrechen wahrscheinlich sogar in die Höhe treiben, wenn auch nur geringfügig. Die Vergewaltigung scheint das Verbrechen zu sein, das am ehesten von diesen Verzögerungen profitiert – was wohl nicht allzu überraschend ist.

Weder Kriminologen noch Ökonomen können echte wissenschaftliche Belege vorweisen, dass Gewaltverbrechen durch Hintergrundprüfungen wirklich reduziert werden. Ein Ausschuss der Nationalen Akademie der Wissenschaften kam im Jahr 2004 sogar zum Ergebnis, dass die Hintergrundprüfungen nach dem Brady-Gesetz von 1993 keine Art von Gewaltverbrechen verringern konnten. Auch spätere Studien haben keine positive Wirkung feststellen können.

Es wurden auch nur wenige Kriminelle durch die Hintergrundprüfungen aufgehalten. Im Jahr 2010 gab es über 76.000 vorläufige Ablehnungen, aber nur 44 der Antragsteller wurden strafrechtlich verfolgt und nur 13 Individuen wurden verurteilt.20 Selbst diese 13 Fälle sind eher nicht die „gefährlichen“ Kriminellen, von denen Obama glaubt, dass sie gestoppt würden.

Die Verzögerungen haben noch weitere Folgen. In 20 Prozent der Staaten, die bei Privatbürgern Hintergrundprüfungen durchführen lassen, finden weniger Waffenausstellungen statt, die sogenannten „Gun Shows“. 21 Diese sind für viele Ärmere eine relativ günstige Quelle, um an Waffen heranzukommen. Gun Shows dauern für gewöhnlich nur zwei Tage, also kommt bei einer Verzögerung von drei Tagen kein Kauf zustande.