26.10.2015

Dummheit oder Lüge?

Kommentar von Uwe Knop

Süße Softdrinks werden gerne verteufelt. Die Behauptung, dass sie zu Übergewicht bei Kindern führen, können anhand aktueller Studien jedoch widerlegt werden. Kritisiert werden die gezielte Panikmache von Ernährungsaktivisten bei Limo & Co.

Derzeit ist es angesagt, die von Kindern geliebten süßen Softdrinks zu verbieten, zu versteuern, zu verteufeln. Doch wie bei allem ernährungsapostolischen Übereifer offenbart auch hier ein Blick hinter die Studienkulissen die Gehaltlosigkeit dieser Forderungen: Es existieren keine konsistenten Korrelationen zur hypothetischen Ableitung dick- oder krankmachender Effekte von Limo & Co. – von Beweisen ganz zu schweigen. Und es kommt sogar noch „besser“: Aktuelle Studien zeigen überraschende Korrelationen, die der Gesundheitspolizei gar nicht schmecken.

Die aktuelle Auswertung von 13 Reviews ergab: Der Zusammenhang zwischen dem Konsum gesüßter Getränke und dem Gewicht von Kindern ist absolut unklar. [1] Damit bestätigt dieser „Review of Reviews“ eine weitere aktuelle Publikation, die das generelle Fehlen von Beweisen beim Zusammenhang von Zuckerkonsum und Körpergewicht beklagt. [2] Diesen ökotrophologischen Normalzustand – „Wir wissen, dass wir nichts wissen“ – verdeutlichen folgende aktuelle Studien: Der hohe Konsum gesüßter Getränke war bei Mädchen mit einem höheren BMI, aber nicht mit höherer Fettmasse verbunden. Bei Jungen bestand weder ein Zusammenhang mit BMI noch Fettmasse – jedoch waren sie umso größer, je mehr gesüßte Getränke sie konsumierten. [3] Das ist doch toll: Limotrinkende Buben werden nicht dicker, aber größer. Und welche Eltern wollen denn kein großes Kind?

„Zugesetzter Zucker steht in keinem Zusammenhang mit Fettleibigkeitsfaktoren bei Kindern“

Eine weitere Studie ergab: Kinder verzehren zugesetzten Zucker nicht vorwiegend als Limo & Co., sondern verspeisen 78 Prozent davon in fester Form – und der tendenzielle Zusammenhang zeigte: Je höher dieser Verzehr, desto niedriger die Faktoren für Fettleibigkeit (BMI, Fettmasse, Taillenumfang). Und das ist dann ja noch toller: Die Softdrinker-Kids sind also sogar dünner. Kleiner Wermutstropfen für alle Befürworter des „juvenilen Limo-Abspeckismus“: Dieser „added sugar“ liefert insgesamt nur zwölf Prozent der Energie, die Kinder täglich aufnehmen. [4]

Der gleiche Studienleiter konstatierte übrigens in einer Publikation im Jahr zuvor: Zugesetzter Zucker in fester und flüssiger Form steht in keinem Zusammenhang mit Fettleibigkeitsfaktoren bei Kindern. [5] Dies gilt jedoch nicht für hundertprozentigen Fruchtsaft: Zweijährige Kleinkinder, die regelmäßig Fruchtsäfte trinken, haben ein höheres Risiko, bis zum vierten Lebensjahr übergewichtig zu werden. [6] Also besser auf eine O-Saft-Steuer umschwenken?

Natürlich nicht. Denn für alle Restriktionsaktivisten und Anti-Ernährungs-Irgendwas-Propagandisten gilt gleichermaßen: Entweder sie sind nicht in der Lage, die Daten aktueller Studien zu analysieren; dann sind sie zu dumm für diesen Bereich und sollten etwas anderes verbieten wollen. Oder aber die Panikmacher kennen die Inkonsistenz und Aussagekraft oder besser Aussageschwäche öktrophologischer Arbeiten, dann darf man mutmaßen: Sie täuschen die Öffentlichkeit bewusst, um mit ihren frei erfundenen Verbots- und Besteuerungsforderungen ihre eigenen Machtansprüche zu demonstrieren und die „gesundheitsrelevante“ Deutungshoheit für sich zu beanspruchen. Wer das weiß, kann seinem Kind die nächste Limo mit gutem Gewissem gönnen.