01.05.2003

Leben zwischen Yin und Yang

Essay von Eva Balzer und Matthias Heitmann

Gegen Wohlfühlen und Entspannen ist nichts einzuwenden. Gegen Wohlfühlen und Entspannen als Lebensziel schon. Von Matthias Heitmann und Eva Balzer.

Kaum eine Branche, die in diesen Tagen nicht über rückläufige Umsätze lamentiert, den Teufel an die Wand malt oder zumindest zweifelnd in die Zukunft schaut. Vage Hoffnungen werden bemüht, und Hochrechnungen werden angestellt, die Besserung versprechen sollen. Doch Unsicherheit und Skepsis sitzen tief, fast überall. Fast. Denn es gibt sie noch, die wenigen Hoffnungs- und Boom-Sektoren. Einer von ihnen hört auf den Namen Wellness.
Unter diesem Überbegriff tut sich was: Wellness-Tempel schießen aus dem Boden und machen dem klassischen städtischen Hallenbad oder dem Sportverein Konkurrenz. Auch alteingesessene Sternehotels sind infiziert und warten mit Whirlpools, Massagesalons, Ayurveda-Kuren und Edelstein-Behandlungen auf. Selbst ehedem elitäre oder auf alternde Kassenpatienten ausgerichtete Kurorte schwimmen auf der breiten Wohlfühl-Welle in der Hoffnung, ihre nach der Gesundheitsreform leeren Einrichtungen mit einer neuen Klientel aufzufüllen.
In der stagnierenden Wirtschafts- und Konsumwelt ist Wellness ein Zauberwort, das jeder nur zu bereitwillig aufgreift. Dementsprechend findet er sich als Namenszusatz sowohl bei Möbeln und Wohnungseinrichtungen als auch bei Joghurts, Kosmetika, Reisen, Kaffee (und natürlich auch bei Tee), bei Schokoriegeln, Badezusätzen, auf Bierflaschen oder auf Herrensocken. Heute nennt sich alles Wellness, was „in“ sein will: Frisöre betreiben Haar-Wellness; Sprudel heißt nicht mehr bloß „XY-Quelle“, sondern „XY-Wellnesswasser“ und kommt in den Variationen „Balance“ und „Vitalité“ daher, und sogar Vierbeiner und Federviecher können heute von ihren Besitzern (oder mit ihnen) auf Wellness-Kuren geschickt werden.

Konsumkritische Geister vermuten hinter der Allgegenwart von Wellness das altbekannte Marketingkonzept, demzufolge sich alter Wein in neuen Schläuchen besser umsetzen lasse. Ihrer Ansicht nach ist Wellness eine „Modeerscheinung“ und der Begriff vor allem durch seine inhaltliche Beliebigkeit multifunktional einsetzbar, ohne dass dabei wirklich Neues angeboten wird.
Nun kann man den Erfolg einer Modeerscheinung nicht dadurch erklären, dass sie gerade en vogue ist. Es ist offensichtlich, dass die Wellness-Welle den Nerv der Zeit trifft. Dies ist umso erstaunlicher und auch verblüffender, als der Wellness-Begriff auf den ersten Blick nicht besonders griffig ist. Er kreist um sehr individuelle Lebensgefühle und private Sehnsüchte, um persönliche Vorstellungen vom Wohlfühlen, von Entspannung und von sinnlicher Abgeschiedenheit – im Grunde also um intime Lebensaspekte und Allerweltsgefühle, die sich nicht unbedingt als kernige Werbebotschaft für Massenartikel oder Pauschalreisen aufdrängen. Auch ist der Begriff offensichtlich nicht direkt an erfolgsversprechende Schlüsselbegriffe wie „Sport“ oder „Discount“ gekoppelt: Wer schon einmal ein opulentes Wellness-Wochenende genossen hat, weiß, dass körperliche Anstrengung, ausgewogenes Essen oder niedrige Preise nicht zwingend Bestandteile des organisierten Wohlfühlens sein müssen. Wellness-Programme können sowohl asketisch als auch luxuriös ausgerichtet sein. Zahlreiche Marktstudien und Konsumentenbefragungen bestätigen die Vermutung: Der Wellness-Begriff wird auf ganz unterschiedliche Arten ausgelegt.

Wellness: Flucht auf Zeit

Was ist es also, was beim Wörtchen Wellness den Rubel rollen lässt? Der Kern des Begriffes wird erst dann klar, wenn – unabhängig von den verschiedenen Wellness-Produkten und -Dienstleistungen – die Wünsche und Erwartungen von Wellness-Konsumenten und -Nutzern in Betracht gezogen werden. Es lässt sich ein Impuls isolieren, der allen Wellness-Formen gemein ist: Sie versprechen eine zeitlich begrenzte, individuelle Flucht aus dem Alltag, versprechen Verwöhnung, stressfreie Erholung sowie persönliche Freiräume. Das Produktversprechen gefühlter Authentizität sowie körperlichen und seelischen Gleichgewichts, herbeigeführt durch spezielle Entspannungs- und Behandlungstechniken zum Zwecke der Wiederherstellung von Balance und Vitalität, macht die Anziehungskraft von Wellness aus. Sinnbildlich für die Flucht aus dem als stressig und grau empfundenen Alltag steht der Begriff der „Wellness-Oase“: Hier tankt man auf nach einem langen und beschwerlichen Ritt durch wüstenhaftes, verwüstetes und feindliches Terrain, um sich anschließend gestärkt und mit neuem Mut wieder auf die Söckchen zu machen. Wo, womit und auf welche Art aufgetankt wird, bleibt der individuellen Gestaltung vorbehalten: Viele suchen die Wellness-Tempel auf, andere buchen Kurzurlaube und gönnen sich mehrere „Fluchtversuche“ pro Jahr, wieder andere bauen ihr Badezimmer zum „Wohnbad“ mit Whirlpool-Wanne, Sauerstoffdusche und Duftsauna aus und zelebrieren den Feierabend in ihrer Home-Wellness-Landschaft – und in ihren Lieblingssocken.

Nun haben Menschen schon immer Privatheit zelebriert und Rückzugs- und Entspannungsmöglichkeiten gesucht. Auf diesem Drang fußen seit Urzeiten ganze Erwerbszweige und Industrien, und sie trugen nicht unerheblich zur kulturellen Bereicherung unseres Lebens bei. Die Ergebnisse dieser Entwicklung kann man in den modernen luxuriösen Wellness-Einrichtungen auf sich einwirken lassen: Die heutige Wohlfühl-Kultur bietet eine kultur- und epochenübergreifende Mixtur aus griechisch-türkisch-finnisch-russischen Bäderkulturen, buddhistischen Meditations- und Konzentrations- sowie fernöstlichen und indianischen Heilungskünsten, gewürzt mit einer ordentlichen Prise modernen Ökobewusstseins und einem Hauch von 68er-Aussteigertum. Ein Lügner, wer behauptet, er ließe sich nicht gern ab und zu an solchen oder anderen Orten fallen, um einfach nur mal zu relaxen, sich zurückzuziehen oder, wie es so schön heißt, „in sich hineinzuhören“.

„Der Wellness-Gedanke erscheint deswegen so attraktiv, weil ansonsten in der Gesellschaft in Sachen nutzbarer Freiraum und freie Entfaltung relative Ebbe herrscht.“

Die Oase als Lebensziel

Dennoch: Die heute zu beobachtende Sinnsuche im privaten Rückzug ist ein Ausdruck gesellschaftlicher Trends, die eher beunruhigen als entspannen. Der Wellness-Gedanke erscheint deswegen so attraktiv, weil ansonsten in der Gesellschaft in Sachen nutzbarer Freiraum und freie Entfaltung relative Ebbe herrscht. Das liegt nicht an den luxuriösen Wellness-Tempeln der Chilling-Out-Industrie, sondern an dem uns umgebenden sozialen Klima der Stagnation und der individuellen Verlorenheit, das den Rückzug aus der Öffentlichkeit hinein in die Privatheit als das scheinbar einzige Refugium individueller Freiheit und Selbstverwirklichung erscheinen lässt.
Die empfundene Öde des Alltags bewirkt eine grundlegende Veränderung der Lebensgestaltung: Galt früher der Urlaub, das wochenendliche private Event oder einfach nur der faule Feierabend als Aktivität, die neben dem Privatleben auch dem Kräftesammeln für das eigene öffentliche Leben mit all seinen Verpflichtungen, Erwartungen, Ambitionen und Ansprüchen diente, so hat heute die öffentliche Sphäre im Leben vieler Menschen an positiver Wichtigkeit eingebüßt. Als Gegenpol zum Privatleben wird sie in erster Linie als sinnlose Belastung und Stress, als kompliziert, unübersichtlich, unsicher und bedrückend wahrgenommen, als Ort von Misstrauen, Missgunst und Konflikt und nicht als Ort, der dem Individuum Entfaltungschancen, Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Man hangelt sich von Kurzurlaub zu Kurzurlaub und versucht, möglichst unversehrt die Zeit dazwischen zu überstehen. Im Gegensatz dazu scheint das Privatleben genau diese Art von Freiräumen zu eröffnen, in denen man „endlich mal tun und lassen kann“, was man will.

Immer mehr Menschen denken heute so. Sie nehmen die Fremdbestimmung und Beschränkungen im sozialen und beruflichen Alltag wahr, wenden sich ab von öffentlichen Aktivitäten und Verantwortlichkeiten und suchen ihr Heil in der Flucht – ins Privatleben. Selbst die berufliche Karriere als erstrebenswertes persönliches Ziel verliert da an Stellenwert. Die Vorstellung, man könne im beruflichen Leben persönliche Erfüllung finden, lehnen inzwischen viele Menschen ab. Arbeit wird eher als bloße inhaltsleere Pflicht wahrgenommen und erfüllt, um nicht zu verhungern. Je weniger Arbeit dazu nötig ist, desto besser. Kein Wunder, dass berufliche Konstellationen wie die Vier-Tage-Woche heute auf große Akzeptanz stoßen: Viele hängen ihre Ambitionen in Sachen beruflicher Anerkennung, Verantwortung und Karriere niedriger, um mehr Zeit für sich und das Privatleben zu haben. Traditionelle Wertvorstellungen, geistige Bindungen, gesellschaftliche Visionen und praktische Perspektiven, die einst im öffentlichen Leben von Bedeutung waren und dazu führten, dass sich Menschen über ihr berufliches Engagement hinaus auch sozial oder politisch engagierten, haben enorm an Anziehungskraft eingebüßt.

Was bleibt, ist das Bedürfnis nach mehr Freizeit und nach Erfüllung im Privatleben. Auf diesem Bedürfnis baut das Wellness-Gedankengebäude auf. In ihm sind die Werte, die mit dem öffentlichen Leben verbunden werden, nicht angesagt: Es geht um Balance, um Beschäftigung und Aussöhnung mit sich selbst, um die „Leichtigkeit des Seins“. Warum strampeln und sich schinden, wenn’s auch leichter geht? Gerade diese Gegenpositionen zu den Werten der Leistungsgesellschaft machen die Wellness-Philosophie für viele so attraktiv. Dem Wunsch nach geistiger und körperlicher Ausgeglichenheit und Erfülltheit sowie dem Anspruch, dieses auch im normalen Leben zu „leben“, wird in vielen Wellness-Konzepten begegnet, manchmal mit ernst zu nehmenden gesundheitlichen Empfehlungen, nicht selten aber auch mit meditativ-esoterischen, teilweise auch mit schamanischen Lebensberatungsangeboten. Hier weicht dann der – eigentlich profane – Wunsch nach Verwöhnung und Erholung einer die Lebensziele von Grund auf neu gestaltenden Philosophie. Um bei der eingangs genannten Metapher zu bleiben:
Die (Wellness-)Oase ist nicht mehr ein bloßer Zwischenstopp, sondern wird zum Sinn und Ziel der Reise.

Ist das alles?

Nun steht nirgendwo geschrieben, dass der Mensch dazu verdammt sei, sein Dasein in der Wüste zu fristen und es nur in Ausnahmefällen zu genießen. Tatsächlich genießen viele ihre neu gefundenen Beschäftigungen im Privatleben: sie knüpfen neue Kontakte, pflegen Hobbys und suchen sich Aufgaben, für die sie sich einsetzen. Der Rückzug ins Private und die Ausrichtung des Lebens auf die eigenen Bedürfnisse wird von vielen als Befreiung und Bereicherung empfunden.

Dass es das Leben bereichert, hin und wieder einmal Pause zu machen und sich zu verwöhnen, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Das beginnt schon in der Grundschule, in der man nichts intensiver tut, als die Zeit zwischen zwei Pausen totzuschlagen, um endlich spielen gehen zu können. Aber ist es für einen erwachsenen Menschen auch noch bereichernd, sein Leben danach auszurichten, wie man möglichst schnell die nächste Pause machen kann? Und vor allem: Fühlt man sich dann wirklich frei und erfüllt?

„Als Abwechslung zum normalen Leben mag der „Ausstieg auf Zeit“ ganz entspannend und belebend sein. Zur Lebensphilosophie aufgebläht, bietet er jedoch nur eine sehr isolierende und begrenzende Freiheit.“

Was zunächst als Bereicherung und Befreiung wahrgenommen wird, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Ausdruck niedriger Erwartungen bezüglich des eigenen Lebens, der persönlichen Ziele und dessen, was unter individueller Freiheit verstanden wird. Das Aufgehen im Privatleben geschieht zumeist als Reaktion auf die ernüchternde Erkenntnis, dass außerhalb dieser klar umrissenen Sphäre wenig oder kein Raum für Individualität und freie Entfaltung zu existieren scheint. Interessant ist, dass Menschen in unterschiedlichen Epochen häufig zu der selben Erkenntnis kamen, aber zuweilen gänzlich andere Schlussfolgerungen daraus zogen. Das Aufkommen der bürgerlichen Gesellschaft und letztlich die bürgerliche Revolution wurde getragen von dem Bestreben der Menschen, ihre Rolle in der Gesellschaft auszubauen und in einer Art und Weise auf die Ereignisse einzuwirken, die über das Privatleben hinausging und mithin öffentlich war. Die demokratische Teilhabe jedes einzelnen an politischer Macht und gesellschaftlicher Organisation ist das Produkt eines Kampfes um mehr Freiheit und um mehr Öffentlichkeit. Auch in der Arbeitswelt rangen die Menschen um mehr Rechte, um mehr Mitbestimmung und um mehr Einfluss. Bis heute begehren Menschen sowohl in beruflichen als auch in politischen Zusammenhängen gegen die Beschneidung ihrer Rechte auf und drücken damit aus, dass ihnen ihre öffentliche Rolle wichtig ist.

Dem Wellness-Gedanken liegt dagegen ein anderes Verständnis von Erfüllung und, wenn man so will, Freiheit zugrunde. Die gepriesene Neuentdeckung der Privatheit, der Befreiung durch Selbstfindung sowie der Wiederherstellung des Gleichgewichts von Körper und Seele klingt wie der Gegenentwurf zur Öffentlichkeitsorientierung. Im Vergleich zu den Zielen und Vorstellungen, für die sich Menschen in anderen Zeiten und Situationen einsetzten, klingt die Zielsetzung, sich wohlfühlen und vom Stress abschalten zu können, ziemlich banal. Als Abwechslung zum normalen Leben mag der „Ausstieg auf Zeit“ ganz entspannend und belebend sein. Zur Lebensphilosophie aufgebläht, ist der Ausstieg jedoch eine sehr isolierende und auch begrenzte Freiheit. Spätestens nach wenigen Wochen wird der Verlust von Freiheit deutlich, und die Frage stellt sich: Ist das alles?

Baden im Stillstand

Die Attraktivität dieser sehr ich-bezogenen Weltsicht ist oberflächlich betrachtet zunächst durchaus nachvollziehbar, erscheint doch die heutige Welt tatsächlich als in vielen Bereichen unkontrollier- und unüberschaubar und daher auch unveränderbar. Das Nischensuchen sowie das Ausblenden gesellschaftlicher Realitäten zugunsten einer kleinen, aber heilen privaten Welt wäre auch angesichts der Tatsache, dass es weder Alternativen noch ermutigende gesellschaftliche Visionen zu geben scheint, eine höchst rationale Entscheidung.
Doch diese Sichtweise ist problematisch, denn obwohl auf realen Beobachtungen basierend, verdreht sie die Zusammenhänge: Die Gesellschaft und der öffentliche Raum sind nicht per se unerklärbar, unkontrollier- unveränderbar und somit feindlich, nicht grundsätzlich Individuen in ihrer Entfaltung beschneidend und diese daher nicht natürlicherweise unfrei. Die Gesellschaft erscheint erstarrt und unmenschlich, weil so viele Menschen ihr den Rücken zukehren. Diese Stagnation ist menschgemacht, und sie lässt sich nur durch denkende und handelnde Menschen überwinden. Sich stattdessen aus Frust ob der Lage der Welt aus dieser weiter zurückzuziehen, reproduziert das Problem. Zudem kann der Rückzug die individuelle Sinnsuche nur kurzzeitig befriedigen: Es ist ein Trugschluss zu glauben, im Schlammbad könne der Mensch seinen inneren Seelenfrieden finden. Er kann zwar Ohren und Augen vor der Realität verschließen, aber erfüllter, ausgeglichener oder glücklicher wird er so nicht – im Gegenteil. Nur allzu schnell beginnt die Suche nach neuen Reizen, die das Wohlfühlen stimulierend machen sollen. Insbesondere die Wellness-Branche bekommt dies zu spüren: Im Wettbewerb um immer anspruchsvollere Konsumenten wird sie zu immer neuen Innovationsanstrengungen getrieben.

„Menschen, denen es nur noch um Wohlfühlen und innere Ausgeglichenheit geht, entwickeln sich rückwärts, ohne es zu merken.“

Langfristig verstärkt der Rückzug den Problemdruck, die Unfreiheit und auch die Ohnmacht des Einzelnen – von den Konsequenzen für die Gesellschaft ganz zu schweigen. In ihrer Geschichte haben die Menschen Probleme ausschließlich dadurch überwinden können, dass sie ihnen nicht ausgewichen sind. Auch das Erschließen neuer „Freiheiten“ im Privatleben und entsprechender neuer Lebensarten, wie sie die Wellness-Philosophie anbietet, ändert nichts daran, dass das Leben „da draußen“ nicht ausgeblendet werden kann. Wird der öffentliche Raum nicht genutzt, verödet er, und die Öde breitet sich aus und gefährdet jede noch so kleine und private Oase.

Wer die Wüste nicht mag, muss sie kultivieren. Das ist nicht immer angenehm, entspannend und auch nicht immer auf den ersten Blick befreiend. Für den Oasen-Besitzer mag die Bewässerung der Wüste gar eine Bedrohung darstellen. Fest steht: Eine Gesellschaft, der es nur noch um Wohlfühlen und innere Ausgeglichenheit geht, entwickelt sich rückwärts, ohne es zu merken. Für das einzelne Individuum gilt dasselbe. Dass Menschen sich heute aussuchen können, ob sie ihre Freizeit in einem Wellness-Tempel oder sonst wie verbringen, haben sie nicht Privatiers und Aussteigern zu verdanken, sondern ihrem gemeinsamen Gestaltungswillen, ihrer Kreativität und ihrem Selbstbewusstsein, die Dinge verbessern zu können. Diese Eigenschaften werden wir brauchen, um uns auch in Zukunft auf unserem Planeten wohl zu fühlen.