02.07.2010

Lächerlich ernsthaft: Sportbekleidungs-Werbespot für ARD nicht dopingfeindlich genug

Von Matthias Heitmann

Sport ist die ernsteste Nebensache der Welt. Nicht nur, weil es um viel Geld geht, sondern auch, weil in anderen gesellschaftlichen Bereichen – wie etwa in Politik, Schulen und Kirchen – die Produktion von moralisch einwandfreien Vorbildern zum Erliegen gekommen ist. Wo es noch dazu so staatstragend zugeht wie in der ARD, da darf Sport nicht einfach nur Spaß machen oder mit ironischen Anspielungen arbeiten – auch nicht die dazugehörige Werbung.

Daher hat die ARD nunmehr einen provokanten Werbespot zu Betrug und Doping im Sport im Umfeld der anstehenden „Tour de France“ abgelehnt. Der australische Sportbekleidungshersteller Skins schaltet im Kontext des bekanntesten Radrennens der Welt einen Werbespot, der Sportler zeigt, die mit unsauberen Mitteln – einer „Schwalbe“, präparierten Boxhandschuhen oder Doping – zum Erfolg kommen wollen. Der Kommentar dazu lautet: „An alle Motzer, Trickser und Pfuscher: Macht nur weiter so! Wir brauchen die Herausforderung.“ Im Anschluss werden Sportler in der Funktionsbekleidung des australischen Unternehmens gezeigt – das ganze unter dem Titel „Cheat Legal“ (Betrüge mit legalen Mitteln) 


Während das ZDF den Spot ab dem 3. Juli zeigen will, ist er der ARD offenbar zu kontrovers, das ZDF zeigt ihn hingegen. „Bei der Entscheidung, diesen Spot in der vorliegenden Fassung nicht zur Ausstrahlung anzunehmen, waren die darin enthaltenen Aussagen und Aufforderungen wie ‚Spritz Dich zum Sieg‘ oder ‚Pump Dir EPO ins Herz‘ ausschlaggebend”, wird der für die ARD zuständigen WDR-Justiziars zitiert. Mit Verwunderung reagierte Skins auf die Ablehnung: „Der Spot spielt zwar provokativ und ironisch mit dem Thema illegale Leistungssteigerung auch durch Doping, bezieht in seiner Aussage aber letztlich klar Stellung gegen Doping“, heißt es in einer Pressemitteilung.


Weitaus offenherziger wird seit Jahren in der TV-Werbung für Alpecin mit dem Thema umgegangen – wobei auch hier immer wieder Kritik laut wirde. „Doping für die Haare“ lautet der Slogan, mit dem der Bielefelder Kosmetik-Herstellers Dr. Kurt Wolff GmbH seit 2005 sein Koffein-Shampoo anpreist.


Immerhin: Koffein steht seit ein paar Jahren nicht mehr auf der Verbotsliste der Doping-Agenturen, insofern kann dem Alpecin-Spot keine tatsächlich Doping-Verherrlichung vorgeworfen werden. Funktionskleidung hingegen gerät – wie wir im Schwimmsport erleben durften – immer stärker ins Visier der Anti-Doping-Apostel. Mal sehen, wann die Freikörperkultur bei der Tour de France, der Fußball-WM oder der Vier-Schanzen-Tournee Einzug hält – aua!