09.05.2018

Klima, Konsens, Kohlenstoffdioxid

Von Matthias Kraus

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Foto: derwiki via Pixabay / CC0

CO2 gilt als Klimakiller schlechthin. Wie es wirklich mit dem Klimawandel aussieht und was getan werden sollte, verdient eine skeptische Betrachtung.

Am 2. August 2017 hob in meiner Facebook-Timeline ein großes Klagen an – es war mal wieder Earth Overshoot Day. Das ist der Tag im Jahr, an dem wir alle natürlichen Ressourcen, die uns die Erde zur Verfügung stellt, aufgebraucht haben, von da an machen wir Schulden. Woher wissen wir das auf den Tag genau? Wie kommt die Zahl zustande?

Bjørn Lomborg, Ex-Greenpeace-Aktivist, Statistiker und Gründer des Copenhagen Consensus Center, schreibt, dass wir zum Ende des Jahres gemäß der Berechnungsmethode des Global Footprint Networks (die den Overshoot-Tag eingeführt haben) eigentlich bei 67 Prozent landen würden, und damit voll im grünen Bereich – wären da nicht die vertrackten CO2-Emissionen. Sie werden wie folgt berücksichtigt: Man berechnet die Waldfläche, die nötig wäre, um das von Menschen freigesetzte CO2 komplett einzuatmen (CO2 ist kein Schadstoff, sondern Pflanzennahrung). Dieses Areal wurde 2017 mit 101 Prozent der Erdoberfläche ausgewiesen, insgesamt kommen wir dadurch auf einen „Verbrauch“ von 168 Prozent. Damit ist CO2 der einzige Grund, weshalb wir angeblich nicht mehr mit diesem einen Planeten auskommen.

Hypothetische Wälder sind eine denkbar ineffektive Methode, um CO2 zu verringern: Eine Tonne Kohlendioxid rechnet das Global Footprint Network mit 2000 Quadratmetern Wald auf. Würde man stattdessen beispielsweise Windräder und Solarzellen „pflanzen“, so Lomborg, schrumpften die 101 Prozent auf 0 bis 2 Prozent – und wir wären fein raus. Ich bin kein Wissenschaftler und kann deshalb nicht beurteilen, ob er Recht hat. Mir scheint seine Argumentation arg vereinfacht, denn auch Windräder und Solarzellen sind wiederum massive Ressourcenschleudern. Mehrere Studien bestätigen aber, dass die Berechnung des ökologischen Fußabdrucks irreführend ist und weder in Wissenschaft noch politisch brauchbar. Selbst Leute vom WWF und von Greenpeace halten seine Berechnung für nicht nachvollziehbar.

Die Politisierung des Klimas

Wo wir gerade beim Kohlendioxid sind: Wenn es die eine reine Wahrheit auf der Welt gibt, dann ist es der menschengemachte, katastrophale Klimawandel durch CO2. Dieses Gas ist die schlimmste, folgenreichste – und eben auch menschengemachte – Gefahr für die Erde, korrekt? Dabei fing alles ganz anders an: Anfang der 1970er-Jahre war CO2 als Geoengineering-Maßnahme der ersten Stunde im Gespräch, nämlich als mögliches Helferlein zur Verzögerung der kommenden Eiszeit. Statt dem Eis kam die Energiekrise. Als schließlich auch noch streikende Kohlebergbauarbeiter das britische Stromnetz lahmlegten, hatte Margaret Thatcher die Nase voll. Raus aus der Kohle und ihren umstürzlerischen Minensozialisten, raus aus dem Öl und der fatalen Scheich-Abhängigkeit, rein in die Kernenergie, das war ihr Plan. Gelegen kam ihr, dass es nun, in den 1980ern, nicht mehr Jahr für Jahr kälter wurde und deshalb eine Erwärmungsthese Fahrt aufnahm. Hauptverdächtiger: CO2. Kernkraftwerke stoßen kein Kohlendioxid aus und so hatte Frau Thatcher ein schönes neues Argument zur Hand. Sie wandte sich an die Royal Society, um den Zusammenhang zwischen CO2 und Temperatur mit finanzieller Unterstützung zu beweisen. Die nahmen das Geld und kamen der Bitte umgehend nach.

„Der Anfang politisierter Klimaforschung war neoliberal, wer hätte es gedacht?“

Der Anfang politisierter Klimaforschung war neoliberal, wer hätte es gedacht? Wie die Pilze schossen nun Institutionen aus dem Boden, um das Klima zu untersuchen – unter besonderer Berücksichtigung von CO2. 1988 richtete der britische Wetterdienst in Thatchers Auftrag eine Klimaabteilung ein, einen Vorläufer des Weltklimarats. Am 23. Juni des gleichen Jahres bezeugte NASA-GISS-Chef Dr. James Hansen vor dem schweißgebadeten amerikanischen Kongress die tödliche Gefahr, die von CO2 ausginge, wenn wir so weitermachen wie bisher. Wegen der Dringlichkeit des Anliegens – die globale Erwärmung habe bereits begonnen – überließen er und Senator Timothy Wirth die Wirkung der Anhörung auf den Kongress nicht dem Zufall. Als Termin hatten sie den historisch heißesten Tag des Jahres anberaumt – und in einer Art Lausbubenstreich am Vorabend die Klimaanlage lahm gelegt. Sie hatten Glück, das Wetter spielte mit.

Noch in diesem Jahr wurde der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz: IPCC) gegründet. Die Aufgabe des IPCC besteht nicht etwa darin, den Klimawandel zu erforschen, sondern vielmehr den menschlichen Einfluss auf selbigen. Natürliche Faktoren wie Erdachsenneigung, Sonnenflecken, kosmische Strahlung oder Meeresströmungszyklen sind nicht Gegenstand des Auftrags und für die Causa kontraproduktiv, denn dass unser Anteil an der wahrgenommenen planetaren Klimaunwucht der Gegenwart signifikant sein muss, gilt als genauso gesetzt wie für die katholische Kirche die Erbsünde.

Das IPCC produziert alle paar Jahre Sachstandsberichte, Zusammenfassungen hunderter Forschungsergebnisse. Weil die für Laien unverständlich sind, erscheinen sie auch in gestraffter Form. Was in dieser „Zusammenfassung für Politiker“ steht, dazu haben nicht etwa Wissenschaftler das letzte Wort, sondern Regierungsbeamte. Nach Jahren der Forschung geht es nun um die Kunst des Weglassens: Nächtelang wird um Formulierungen gerungen, manche wissenschaftliche Außenseiterposition wird zugunsten der Prägnanz weggekürzt. Politische Handlungsoptionen empfehlen sich so wie von selbst. Darüber hinaus erzeugt solch enge Verzahnung von Politik und Wissenschaft einen Bewilligungsmechanismus für Fördergelder. Wenn zum Beispiel die Entwicklung der Kaninchenpopulation in Hamburg-Eimsbüttel untersucht werden soll, dann geschieht das heute „unter Berücksichtigung des Klimawandels“, um die Finanzierungsaussichten zu verbessern. Und die Presse hat hinterher vielleicht eine schöne Story.

Autorität als Argument

Trotz der Dauerberieselung weiß kaum jemand in meiner sozialökologischen Blase so richtig, wie das mit dem CO2 eigentlich funktioniert. Oft wird die Wirkung verwechselt mit Smog in den Städten, der ist ja auch nicht schön. Niemandem, den ich kenne, käme in den Sinn, es könnten irgendwelche Zweifel bestehen an der Theorie vom Kohlendioxid als dem alleinigen Schurken, sind sich doch 97 Prozent aller Experten einig. Worin, ist übrigens recht banal und auch so ziemlich jeder sogenannte Klimaleugner würde es bestätigen: Der Mensch hat einen (nicht bezifferten) „signifikanten“ Anteil am Klimawandel. 97 Prozent Einigkeit? Das kann nur bedeuten, dass die anderen drei Prozent komplette Idioten sein müssen. Wobei, als 1931 das Buch „Hundert Autoren gegen Einstein“ erschien, kommentierte dieser trocken: „Warum Hundert? Hätte ich Unrecht, würde ein einziger Autor genügen, um mich zu widerlegen.“

„Der Konsens lag schon oft gnadenlos daneben.“

Es gehört zum Wesen der Wissenschaft, das Bekannte immer wieder aufs Neue herauszufordern. Da ist es mit dem Konsens so eine Sache. Er lag schon oft gnadenlos daneben, aber weil die Mehrheit dahinter steht, fällt es selbst den klügsten Koryphäen schwer, der sozialen Zentrifugalkraft zu entkommen, selbst wenn die Herausforderer-These so klar auf der Hand liegt, dass jedes Kind dies erkennen kann. Z.B. dass die Kontinente Südamerika und Afrika erstaunlich gut ineinanderpassen. Der Meteorologe Alfred Wegener bemerkte das auch. 1912 schreckte er die Geologen mit der Idee der Kontinentalverschiebung auf. Die spöttelten ob der offensichtlichen Fantasterei, denn wie um Himmels Willen sollte es möglich sein, dass die Kontinente auf der Erdoberfläche umher schwimmen – und überhaupt, was entblödet sich ein Quereinsteiger zu solchen Dreistigkeiten? Erst 50 Jahre später bemerkten sie, dass sich die Ozeanböden weltweit über tausende von Kilometern spreizten und 1963 ploppte die Vulkaninsel Surtsey vor Island auf, genau an einer solchen Kontinentalplattengrenze – Bingo!

Wissenschaftliche Thesen müssen falsifizierbar sein – so beschaffen, dass es theoretisch möglich ist, sie zu widerlegen. Z.B. könnte ein Wissenschaftler die zulässige Behauptung aufstellen, alle Schwäne seien weiß. Die anderen Wissenschaftler ziehen nun nicht los, um möglichst viele weiße Schwäne zu finden und selbst wenn Heerscharen von Forschern tausende von weißen Exemplaren registrieren würden, genügte ein einziger schwarzer Schwan, um die These zu widerlegen. Deshalb ist es seltsam, dass in der Welt des Klimas mit Mehrheiten argumentiert wird, als ob hier die richtige These durch Wahlen legitimiert wäre. Die angeblichen 97 Prozent aller Forscher sind ein Appell an die Autorität und damit als Argument unwissenschaftlich.

Autorität ist nicht gleichbedeutend mit Wahrheit, auch wenn wir darauf immer wieder gerne hereinfallen. 1961 hat das Milgram-Experiment unsere tiefe Autoritätsgläubigkeit nachgewiesen. In diesem haben die Probanden angeblichen Versuchspersonen vermeintlich heftige elektrische Schläge für Falschantworten auf triviale Fragen verpasst, weil „Forscher“ es ihnen aufgetragen hatten. Selbst wenn die Befragten im Nebenraum noch so schrien in ihrer vorgetäuschten Agonie, mit jeder weiteren falschen Antwort erhöhten die vermeintlichen Tester die Intensität der Elektroschockstrafe bis weit in die Todeszone. Wenn die Schmerzensschreie mit Zunahme der „falschen“ Antworten allzu schrill gellten oder gar wimmernd verstummten, herrschten die Weißkittel moralisch angefasste Bestrafer an, „im Rahmen der wissenschaftlichen Notwendigkeit“ die nächste Eskalationsstufe auch wirklich zu betätigen. Und sie wurde. Autoritätsgläubigkeit scheint eine menschliche Universalie zu sein. Nach wie vor fürchten auch wir aufgeklärten Infojunkies jede Gefahr, vor der Forscher warnen. Sie müssen es ja wissen und das behaupten sie auch.

„Eine weltweite Durchschnittstemperatur ist als Messlatte für den Klimawandel von geringer Aussagekraft.“

Ich weiß es leider nicht. Ich weiß nur, dass mir weder die unwissenschaftliche Argumentation gefällt, noch, wie abweichende Meinungen – noch nicht einmal zur Erderwärmung durch CO2 selbst, sondern einfach nur zu den daraus folgenden humanitären Schritten – mit Getöse zum Schweigen gebracht werden. Dieser Zweig der Forschung hängt an Billiarden von Dollar, an mehr Geld, als jemals zuvor kollektiv verbraten wurde. Ist es vielleicht das, was die Gemüter so erhitzt? Oder ist es doch die reine Physik? Ich habe mich ein wenig eingelesen, um mir selbst einen Überblick zu verschaffen. Bitteschön:

  • Wie funktioniert der Treibhauseffekt?

Treibhausgase lassen kurzwellige Lichtstrahlung von der Sonne auf die Erde durch, behindern aber die langwellige Wärmerückstrahlung von der Erdoberfläche am Verschwinden im Weltall. Ohne diesen atmosphärischen Treibhauseffekt betrüge die mittlere Erdtemperatur -18° C, also 33° C kälter als die 15° C der Normatmosphäre. Wasserdampf ist das mit Abstand stärkste Treibhausgas. Eine um 1,3 bis 4 Prozent höhere relative Luftfeuchtigkeit entspricht im Ergebnis einer Verdoppelung von Kohlendioxid. Dieses wiederum ist für circa 11 Prozent des Treibhauseffekts verantwortlich, danach kommen Methan und Ozon. Jedes dieser Treibhausgase ist in bestimmten Wellenlängen aktiv, wobei Wasserdampf das breiteste Spektrum abdeckt. Teilweise innerhalb dieses Wasserdampfspektrums liegen auch die Wellenlängen, in denen CO2 aktiv ist, die energiereichsten bei 12 bis 15 Mikrometern. In der Atmosphäre vorhandener Wasserdampf „besetzt“ diese Wellenlängen partiell. Es gilt also: Je höher die Luftfeuchtigkeit, desto weniger Treibhauswirkung kann das Kohlendioxid entfalten. Selbst in heißen Wüstengebieten ist die Luftfeuchtigkeit manchmal erstaunlich hoch, niedrig ist sie vor allem dort, wo es kalt ist. Deshalb kommt der CO2-Effekt eher in Polnähe zum Tragen als in den Tropen, eher im Winter als im Sommer und eher nachts als tagsüber. Weil das Thermometer durch CO2 also nicht überall und zu allen Jahres- und Tageszeiten gleichmäßig steigt, ist eine weltweite Durchschnittstemperatur als Messlatte für den Klimawandel von geringer Aussagekraft.

  • Welchen Anteil an der gesamten Wärmeenergie der Erdoberfläche hat die Atmosphäre?

Etwas weniger als 0,1 Prozent. 99,9 Prozent der Energie steckt in den Ozeanen.

  • Was steigt zuerst: die Temperatur oder das CO2?

Die Temperatur. Innerhalb von 500 bis 800 Jahren steigt dann CO2 in die Atmosphäre auf, gelöst aus den sich sehr gemächlich erwärmenden Ozeanen. Für die letzten 800.000 Jahre ist das nachprüfbar an antarktischen Eisbohrkernen, für die letzten 130.000 Jahre auch in Grönland. Das bedeutet nicht, dass CO2 nicht auch ein Grund für den beobachteten Temperaturanstiegs seit 1850 wäre, sondern lediglich, dass die Wechselwirkung zwischen Kohlendioxid und Temperatur nicht ganz so einfach ist, wie man immer wieder zu hören meint.

  • Wie groß ist unser Anteil an der Temperatur?

Der aktuelle CO2-Anstieg stammt größtenteils nicht aus dem Meer, sondern von fossilen Brennstoffen. Das Kohlendioxid, das Menschen zwischen 1850 und 1950 in die Atmosphäre pusteten, kann aber nicht Verursacher der bereits damals ansteigenden Temperaturen und Meeresspiegel sein, dazu waren die Mengen zu gering. Als wir dann nach 1950 unseren CO2-Verbrauch deutlich erhöhten, erwärmte sich die Erde zumindest phasenweise schneller. Dann wurde es bei ansteigendem CO2 zwischendurch aber auch mal für eine Weile kühler und ein anderes Mal stagnierte die Temperatur für mindestens zehn Jahre. Der Zusammenhang von CO2-Konzentration und Temperatur ist demnach nicht linear und der menschliche Anteil am Auf und Ab der Temperaturkurve ist bisher nicht eindeutig ermittelt.

  • Ist heute so viel CO2 in der Atmosphäre wie nie zuvor?

Nein. Derzeit sind es 0,04 Prozent beziehungsweise 405 ppm (parts per million). Vor der industriellen Revolution waren es nur 288 ppm. Die längste Zeit in der Erdgeschichte lag der Wert weit über 1.000 ppm, bis er vor 36 Millionen Jahren begann, kontinuierlich zu sinken. Der Zusammenprall der indischen Platte mit Eurasien türmte ein riesiges Gebirgsmassiv auf. Kalzium aus verwitterndem Granit bildete mit CO2 Kalkverbindungen und entzog es so bis heute der Atmosphäre.

  • Steigt die Treibhauswirkung von CO2 gleichmäßig mit seiner Menge in der Atmosphäre?

Nein. So wie in einer kalten Winternacht immer mehr zusätzliche Wolldecken das Bettchen irgendwann kaum noch weiter erwärmen, weil die Körperwärme bereits nahezu vollständig konserviert wird, so lässt auch der wärmestauende Effekt von zusätzlichem Kohlendioxid nach, je mehr davon bereits in der Luft ist. So wie die erste Decke die Wärme effektiver bewahrt als die weiteren, lassen auch die ersten 100 ppm CO2 Moleküle nicht mehr viel Treibhauswirkung für die nächsten übrig.

  • Ist CO2 ein Schadstoff?

Nein. Der im CO2 enthaltene Kohlenstoff ist der entscheidende Baustein allen Lebens auf der Erde. Der globale Kohlenstoffzyklus findet auf geologischer und biologischer Ebene statt. Zum Beispiel atmen wir Kohlendioxid aus (unser Atem enthält vier Prozent CO2, das Hundertfache der derzeitigen Atmosphäre) und die Pflanzen nehmen es auf. Pflanzen benötigen dieses Gas neben Wasser und Licht zur Photosynthese. Treibhäuser werden mit extraviel CO2 angereichert, damit die Früchtchen besser gedeihen. Mehr CO2 verringert zudem den pflanzlichen Wasserbedarf, sie erobern dann auch trockenere Landstriche. Der neuzeitliche CO2-Anstieg ist der bedeutendste Grund, weshalb die Erde in den letzten 35 Jahren grüner geworden ist. Fiele hingegen der CO2-Gehalt in der Atmosphäre auf weniger als 150 ppm, würden sämtliche Pflanzen eingehen, weil keine Photosynthese mehr möglich wäre. Wir dann auch.

  • Und was ist mit der Luftverschmutzung?

Der gesundheitsschädliche Smog in den Städten ist eine Mischung aus Ruß, Schwefeldioxid, Staub und Nebel. CO2 ist geruchlos, unsichtbar und hat mit Smog nichts zu tun.

  • Was würde passieren, wenn wir CO2 auf 800 ppm verdoppeln würden?

Der hypothetische Anstieg von CO2 auf das Doppelte des heutigen Werts würde rechnerisch eine Erwärmung von etwa 1 °C bewirken. Es werden jedoch Verstärkungseffekte angenommen, etwa durch die daraus resultierende höhere Wolkenbildung. Wie groß der Einfluss dieser „Forcings” ist, die so genannte Klimasensitivität, darüber besteht keine Einigkeit und das ist die eigentliche Debatte. Ob die Temperatur bei einer Verdoppelung von CO2 um 1,5 °C oder sogar um 4,5 °C steigen würde, ist nicht klar. Der Weltklimarat rechnet deshalb mit dem Mittelwert, seit vierzig Jahren gilt die „Charney Sensitivity”, eine angenommene Temperaturerhöhung bei CO2-Verdopplung um 3 °C (±1,5 °C). Doch einiges deutet darauf hin, dass der Einfluss der Forcings überschätzt wird. Im März 2018 erschien eine Studie, die auf einen angeblich grundlegenden Fehler hinweist: In der bisherigen Klimaforschung werden Rückkopplungseffekte erst ab 255 Kelvin (beziehungsweise -18 °C, die Erdtemperatur ohne Treibhauseffekt) angenommen, wie herbeigezaubert heizen sie ab dieser Schwelle den Temperaturanstieg um insgesamt 24,1 °C an, so dass nur 8 °C, ein mageres Viertel des Treibhauseffekts, auf den Treibhausgasen selbst beruhen, so die Annahme. Tatsächlich aber begännen die Verstärkereffekte schon bei wesentlich kälteren Temperaturen und deshalb fiele der Anstieg pro Temperatureinheit um ein Vielfaches geringer aus. Die reale Klimasensitivität beliefe sich deshalb auf harmlose 1,2 °C bei CO2-Verdoppelung.

  • Woher kommen die Klimaprojektionen für die nächsten 82 Jahre bis 2100?

Aus Computermodellen, die mit Ausgangsdaten gefüttert werden. War ihre Aufgabe das Studium der komplexen Interaktionen der vielen Wirkkräfte des Klimasystems, haben sie heute in der Diskussion einen ähnlichen Stellenwert wie Messungen. Doch anders als reale Messungen haben Modelle keine Beweiskraft.

  • Wie zuverlässig können die Modelle ein nichtlineares System wie das Klima um Jahrzehnte vorausberechnen?

Bisher lagen die errechneten Temperaturen mit großer Zuverlässigkeit zu hoch. Möglicherweise war die von 2002 bis 2012 andauernde „Pause“ der Atmosphärenerwärmung nur ein maskierender Überlagerungsungseffekt anderer Einflüsse als CO2, doch die Modelle haben sie nicht vorhergesehen. Manche Daten, mit denen die Klimamodelle gefüttert werden, sind bloße Annahmen (die unweigerlich von Erwartungshaltungen beeinflusst sind). Ein Beispiel ist der schwer einschätzbare vulkanische Schwefelausstoß in der Zukunft. Auch andere Faktoren wie der Einfluss von Meeresströmungen sind nicht komplett verstanden oder umstritten. So entstehen ungewisse Zwischenergebnisse, mit denen dann als neue Ausgangsbasis weitergerechnet wird. Je weiter in die Zukunft die Berechnungen reichen, desto mehr verhageln ungenaue Grundannahmen die Qualität der Vorhersage. Gerne mal entstehen dabei bedrohlich exponentiell ansteigende Kurven, die in der Natur so meist nicht passieren, weil dynamische Systeme, die von Dauer sind, sich in der Regel selbst ausbalancieren (andernfalls wäre die Erde schon in grauer Vorzeit zur Eiskugel erstarrt oder zum heißem Gesteinsbrocken verdampft).

„2002 hat die globale Erwärmung eine unbequeme Pause eingelegt, die zumindest bis 2012 anhielt.“

Wegen der vielen spekulativen Größen wird nicht einfach ein einziges Modell pro CO2-Emissionsszenario hochgerechnet, sondern eine Vielzahl, die mit unterschiedlichen Prämissen ausgestattet ins Rennen geschickt werden. Deren Durchschnittswert je Szenario, dicke bunte Mittellinien der Vernunft, wirken wie eine Art destillierte Schwarmwahrheit. Tatsächlich aber erlauben Durchschnittswerte in chaotischen Systemen kaum belastbare Aussagen. Ähnelt jedoch eine einzelne der vielen Modellprognosen in der Rückschau den real gemessenen Werten, gilt dies den Medien gerne als Nachweis, dass die Methode der Modellierung auf Augenhöhe ist mit echten Messungen. Im IPCC-Bericht 2001, Sektion 14.2.2.2, steht hingegen: „In der Erforschung und Modellierung des Klimas sollten wir anerkennen, dass wir es mit einem gekoppelten nichtlinearen, chaotischen System zu tun haben und dass deshalb eine Vorhersage zukünftiger Klimazustände nicht möglich ist.“ Das IPCC nennt die Modellberechnungen deshalb nicht „Prognosen”, sondern „Projektionen“, das sind Was-wäre-eigentlich-wenn-Szenarien. Sachverständige und Politik behandeln sie dennoch wie Vorhersagen. Das drastischste und deshalb medial beliebteste IPCC-Szenario, RCP 8.5, geht davon aus, dass wir während der kommenden 82 Jahre keinerlei technische Fortschritte machen werden und deshalb bis 2100 mehr und mehr Menschen genauso weiterwursteln wie bisher („business as usual 2“), so dass das CO2-Niveau auf 950 ppm anstiege. Nach heutigem Kenntnisstand würden uns auf halber Strecke die fossilen Brennstoffe ausgehen.

  • Wieso steigt die durchschnittliche Erdtemperatur bereits seit 1850, bevor menschengemachtes CO2 eine Rolle spielte?

Weil wir aus der „kleinen Eiszeit“ kommen. Sie begann um 1570 und endete mit dem „Dalton Minimum“ um 1850. Dieser Temperaturtiefpunkt dient dem IPCC als idealer Ausgangswert für den seither erfolgten Temperaturanstieg bis heute.

  • Steigt derzeit die globale Temperatur?

2002 hat die Erwärmung eine unbequeme Pause eingelegt, die zumindest bis 2012 anhielt. Abhängig von den herangezogenen Datensätzen behaupten manche, die Pause halte bereits seit 1997 und bis heute an. In diesen zwei Jahrzehnten haben wir über ein Drittel allen jemals menschengemachten CO2 in die Atmosphäre gepustet. Die Diskrepanz – ansteigendes CO2, stagnierende Temperaturen – wird damit erklärt, dass die eigentlich zu erwartende Treibhauswärme statt in der Atmosphäre aus unklaren Gründen in den Ozeanen steckt. 2016 gab es mit durchschnittlich 14,88° C eine Temperaturspitze, aber nicht durch CO2 ausgelöst, sondern aufgrund des pazifischen El-Niño-Wetterphänomens. 2017 gingen die Temperaturen wieder runter, La Niña ist da.

  • Ist es heute so warm wie nie zuvor?

Nein. In den 1930er-Jahren war es wärmer. Ebenso in der mittelalterlichen, der römischen und der minoischen Wärmeperiode. Diese Warmzeiten sind in neueren NASA-Charts durch Datenkalibrierung stillschweigend verschwunden. Die jüngere Vergangenheit hingegen wurde, wie es manchen scheint, hochgejazzt, um den Gleichschritt von CO2-Konzentration und Temperatur zu untermauern. Auch die „Pause“ wurde weggerechnet, behauptet ein Whistleblower. Abgesehen vom neuzeitlichen Hickhack war es innerhalb der menschlichen Ära bisher am wärmsten vor 7000 Jahren im „Holozän Optimum“. Die alpine Baumgrenze reichte damals 100 bis 250 Meter höher als heute (obwohl die Pflanzen 2000 Jahre vor Ötzi mit weniger CO2 auskommen mussten). Mit der Wärme kamen Ackerbau, Viehzucht und schon bald die ersten Hochkulturen. Bevor es Menschen gab, war es über hunderte Millionen von Jahren fast immer wärmer als heute.

  • Wie war das eigentlich mit den Eiszeiten?

In den letzten 800.000 Jahren gab es einen stabilen Hunderttausend-Jahre-Zyklus: etwa 90.0000 Jahre Eiszeit, ungefähr 10.000 Jahre Wärmeperiode. Die letzte Eiszeit endete übrigens vor 11.700 Jahren.

  • Wie viele Wissenschaftler wurden für den 97-Prozent-Konsens befragt?

77. Das kam so: 2009 wurde die Doran/Zimmermann-Zwei-Minuten-Umfrage an 10.257 Geowissenschaftler und -studenten versendet. Nur 3146 Antworten wurden zunächst berücksichtigt, da einige Disziplinen wie zum Beispiel die Astronomen nun doch als zu fachfremd betrachtet wurden. 90 Prozent kreuzten an, die Erde habe sich im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erwärmt (das ist ungefähr so, als hätten sie bejaht, dass der Papst katholisch ist). 82 Prozent bejahten außerdem, dass menschliche Aktivität dabei ein „signifikanter“ Faktor sei. Die Geologen allerdings, Fachleute für klimatische Langzeitprozesse, erkannten mehrheitlich keinen signifikanten menschlichen Faktor. Meteorologen stimmten zu immerhin noch 36 Prozent gegen einen menschlichen Einfluss. Im Nachhinein befand man, die Expertise dieser beiden Gruppen genüge nicht, ihre Antworten blieben deshalb unberücksichtigt. Am Ende wurden lediglich 77 Antwortbögen ausgewertet, und zwar nur diejenigen von Forschern, welche mehr als die Hälfte ihrer letzten Thesenpapiere zum Thema Klimawandel veröffentlicht hatten. Von den nur mehr verbliebenen 77 Forschern waren 75 der Mehrheitsmeinung – und diese 75 Antworten sind die vielzitierten 97 Prozent Konsens. Übrigens stimmt auch die große Mehrheit der Skeptiker in diesen Fragen überein, lediglich die Größe des „signifikanten Faktors menschlicher Aktivität“ wird möglicherweise unterschiedlich eingeschätzt. Belastbare Zahlen dazu gibt es bislang nicht. Spätere Umfragen, die unter anderem von der NASA als Konsensnachweis angeführt werden (Anderegg, 2010, Cook, 2013), wurden bei gleich übereindeutigem Ergebnis ähnlich zielstrebig zum gewünschten Ergebnis hingerechnet.

„Die Ergebnisse der gemeinsamen Anstrengung zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes werden überschaubar bleiben.“

Die meist zitierte Quelle für den nahezu totalen Klimakonsens unter Wissenschaftlern ist ein Meinungsartikel der Historikerin Naomi Oreskes aus dem Jahr 2004 im Magazin Science. Sie hatte die Zusammenfassungen von Publikationen (nicht die Publikationen selbst) in wissenschaftlichen Magazinen über einen Zeitraum von zehn Jahren nach dem Schlüsselbegriff „Globaler Klimawandel“ abgesucht und nachgezählt, dass 75 Prozent der Zusammenfassungen entweder ausdrücklich oder unausgesprochen die These des Weltklimarats unterstützten, vor allem wir Menschen seien für den Temperaturanstieg verantwortlich. Hingegen widersprach keine einzige Zusammenfassung dieser These direkt. Oreskes hatte allerdings hunderte veröffentliche Fachpapiere hochrangiger Skeptiker anscheinend übersehen. Eine damalige Umfrage unter gut 300 Petrogeologen kam jedenfalls zu ganz anderen Ergebnissen. Aus Ihrem Artikel entstanden das Buch und der Film „Merchants of Doubt“ („Die Machiavellis der Wissenschaft“). Darin werden Abweichler vom Konsens als gekaufte Filous der Öl- und Tabakindustrie dargestellt.

  • Was wurde 2015 in Paris beschlossen?

Dass die Entwicklungsländer (Annex 2), finanziell unterstützt von den westlichen Industriestaaten (Annex 1), bis 2030 tun und lassen dürfen, was sie wollen (solange die Absichtserklärungen einen ordentlichen Eindruck machen). Dazu zählen die neun G20-Länder Argentinien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Saudi-Arabien, Südafrika und Südkorea, die zusammen 65 Prozent der derzeitigen CO2-Emissionen verursachen. Annex-2-Nationen würden geschenktes Geld ohne irgendeine Gegenleistung oder Verpflichtung einfach nur in den Wind schlagen, hätten sie das unverbindliche Übereinkommen nicht unterzeichnet, selbst Baschar Assad hat das zu guter Letzt verstanden und ist mit Syrien als letzte Nation beigetreten. Die Annex-1-Länder hingegen sind in der Bringschuld. Zum Beispiel haben die EU-Länder versprochen, bis 2030 ihren Kohlendioxidausstoß auf 60 Prozent der Höhe von 1990 herunterzufahren. Da die USA raus sind und Russland und Japan nur wenig Begeisterung für CO2-Reduzierungsmaßnahmen aufbringen, bleibt nur noch eine Handvoll Länder übrig, um die kommenden Klimakalamitäten zu lindern. Zusammen sind sie für lediglich 11,3 Prozent des derzeitigen globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich. Die Ergebnisse der gemeinsamen Anstrengung werden überschaubar bleiben.

  • Was passiert, während wir versuchen, CO2 einzusparen?

1600 neue Kohlekraftwerke sollen gebaut werden, knapp 400 davon in China. Der mit 24 Prozent Weltanteil größte Kohlendioxid-Emittent könnte bis 2030 seinen CO2-Ausstoß verdoppeln (die versprochene Reduktion ist nämlich nicht absolut gemeint, sondern in Relation zum wachsenden Bruttoinlandsprodukt). Indien, nach den USA die Nummer 3, hat vor, bis 2030 seine Kohlekraftwerke zu verdoppeln. Ab 2030 (vielleicht sogar bereits ab 2025) planen China & Co., vom dann erreichten Niveau aus zu reduzieren.

  • Was kostet Paris?

Zwischen 1000 und 2000 Milliarden Dollar. Pro Jahr. Pro Kopf kostet es uns Europäer jährlich 500 €.

  • Was bringt das Pariser Übereinkommen für die Temperatur?

Bjørn Lomborg hat das MAGICC-Klimamodel für das RCP8.5-Szenario mit und ohne „Paris” durchgerechnet. Wenn die Gesamtheit aller Länder jedes einzelne Versprechen bis 2030 einhalten würde, reduzierte sich die Temperatur im Jahr 2100 um 0,05° C im Vergleich zum Nichtstun. Setzten sämtliche Nationen die Vereinbarung lückenlos bis ins Jahr 2100 fort, gewännen wir 0,17° C. Das renommierte MIT hat einen Unterschied von 0,2° C errechnet. Auf einem Quicksilber-Thermostat würde man den Anstieg nur mit Mühe erkennen.

„Es gibt ein paar zigtausend Wissenschaftler und etliche begutachtete Studien, welche die Grundannahme des Weltklimarates anzweifeln.“

Lomborg wird nicht deshalb angefeindet, weil er die Berichte des Weltklimarates in Frage stellen würde; das tut er nicht. Sondern, weil er vorschlägt, diese Riesensumme Geld nicht in die sowieso unmögliche Vermeidung eines projizierten Temperaturanstiegs zu versenken und stattdessen damit nützliche Dinge zu tun, z.B. der Dritten Welt aus der Armut helfen, erneuerbare Energien zu pushen und kluge Vorkehrungen zu treffen für den Fall, dass die Klimamodelle Recht behalten und z.B. der Meeresspiegel tatsächlich schneller ansteigen sollte als bisher.

Dissidenten und Ketzer

Es gibt aber schon auch ein paar zigtausend Wissenschaftler und etliche begutachtete Studien, welche die Grundannahme des Weltklimarates, „dass man ein nettes Klima erhält, indem man an einem CO2-Regler dreht“ (Klaus-Eckart Puls, Physiker) tatsächlich anzweifeln. Richard Lindzen, welcher die Interaktion von Klimazonen erforscht, meint, die Unsicherheiten seien zu hoch, um einen direkten Zusammenhang von menschlicher Aktivität und dem beobachteten Temperaturanstieg zu belegen. Judith Curry, Arktis- und Hurricane-Spezialistin, die das IPCC als „Monster der Ungewissheit“ betrachtet, hat die Nase voll von der Fehde gegen Skeptiker, zu denen sie jüngst übergelaufen ist. Der Mathematiker Freeman Dyson argumentiert, dass viele Mechanismen noch nicht verstanden sind – Vorgänge im Erdkern, Meeresdynamiken, Sonnenflecken, kosmische Strahlung – und dass es nicht klug sei, der vermeintlichen Patientin Erde eine teure Behandlung zu verschreiben, bevor die Diagnose klar ist. Klimamechanismen, die Dyson nicht erwähnt, sind abkühlende Aerosol-Feedbacks und der Kontinentaldrift. Weitere Theorien mit ganz anderen Kräften als nur irdischen kommen vom israelischen Astrophysiker Nir Shaviv und dem dänischem Klimaforscher Henrik Svensmark. Sie zeigen Mechanismen und Zyklen jenseits von oder in Ergänzung zu CO2 auf, doch Ihre Studien (sofern die renommierten Fachmagazine sie veröffentlichen) werden nicht zur Kenntnis genommen und wenn doch, als reine Zeitverschwendung abgetan.

Die Geduld der Massenmedien ist schon lange überstrapaziert: Im Januar 2006 hat sich die BBC entschlossen, zugunsten einer neutralen Berichterstattung, wie sie in ihren Statuten vorgeschrieben ist, solchen Spinnern nicht länger ein Podium zu geben. Eine interne Studie lobte 2011 die wissenschaftliche Unparteilichkeit der BBC. Nur den Klimawandel betreffend gebe es weiterhin Optimierungsbedarf, befand Professor Steve Jones, ein Genetiker. Diese Außenseiterposition mit Sendezeit zu adeln, geschehe zwar in der gut gemeinten Anwendung des journalistischen Prinzips, ausgewogen zu berichten. Doch man würde ja auch nicht der Unvoreingenommenheit halber einen Homöopathen neben einem Hirnchirurgen zu Wort kommen lassen. Bei den Zuschauern hinterließe die überproportionale Präsentation dieser fachlich minderbemittelten Randgruppe den falschen Eindruck einer nach wie vor offenen Klimadebatte.

Hierzulande stehen die Medien nicht in der Kritik, sich derart arglos als Sprachrohr für die Gaukeleien von Homöopathen, Kreationisten und Klimaleugnern missbrauchen zu lassen. Eine Hamburger Medienstudie fasst zusammen, die Schwierigkeiten der Journalisten im Umgang mit den Unsicherheiten der Klimaforschung dauerten zwar an, doch aufgrund jahrzehntelanger journalistischer Arbeit würden öffentliche Leugnungen des Klimawandels abnehmen. Zumindest diese Blasphemien sind, Gott sei Dank, auf dem Rückzug.

„Nur noch ein Häuflein vor allem altgedienter Haudegen wagt es, die These vom Killermolekül CO2 oder die dahinter stehende Konsensmaschinerie offen zu kritisieren.“

Wenn vom Konsens abweichende Querköpfe am Gruppenweltbild rütteln, finden sich schnell die eigentlichen Beweggründe der Unruhestifter und ihrer Lobbygruppen: „Big Oil“ hat sie auf der Gehaltsliste! Ihr Job ist es, pseudowissenschaftlichen Zweifel zu sähen, derweil die Ölbarone hübsch weiter verschmutzen und verdienen. Während die angeblichen Handlungsreisenden in Sachen Desinformation ihre Argumente meist sachlich vortragen, antworten die Angezweifelten mit persönlichen Angriffen in den schrilleren Tonlagen. Daten, die dem Gesetz nach der Öffentlichkeit gehören, werden zurückgehalten oder verschwinden versehentlich, man möchte diese Scharlatane schließlich nicht auch noch mit den Früchten der eigenen harten Arbeit anfüttern. Mit gefühlt jedem Recht der Welt bewirft man sie mit Torten und vergleicht sie mit Tabaklobbyisten, die den Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs leugnen. Den Anlass für diesen etwas schrägen Vergleich, der inzwischen ebenfalls Konsens ist, gab der umstrittene Atmosphärenphysiker Fred Singer. Er saß zwar nach eigener Darstellung im Beirat einer Anti-Raucher-Organisation und hält Rauchen durchaus für karzinogen. Er hatte aber 1994 auf die methodischen Schwächen einer Studie zum Passivrauchen hingewiesen, woraus Oreskes verallgemeinerte, dass Leugner/Skeptiker eines durch Menschen verursachten katastrophalen Klimawandels nur eines sein können: korrupt. Man kann’s ja verstehen: Wenn wieder mal das Schicksal der Menschheit und des Planeten auf dem Spiel steht, ist jedes Mittel gerechtfertigt. Moralisch nachvollziehbar ist er durchaus, dieser antiwissenschaftliche Reflex, auf Leugnungsverdacht hin nicht etwa mit Argumenten oder gar Beweisen zu kontern, sondern mit persönlichen Angriffen, Pranger, Meinungskampf und Schauprozessen um Schmerzensgeld-Millionen.

Die Nulltoleranz-Methode wirkt: Nur noch ein Häuflein vor allem altgedienter Haudegen wagt es, die These vom Killermolekül CO2 oder die dahinter stehende Konsensmaschinerie offen zu kritisieren. Ein abruptes Ende der akademischen Laufbahn und der soziale Selbstmord kann diese Desperados im Ruhestand nicht mehr einschüchtern. Gut, Lennart Bengtsson schon. Der ehemalige Direktor des Hamburger Max-Planck-Instituts ist zum 1. Mai 2014 dem Beirat der klimaskeptischen GWPF beigetreten. Schon am 14. Mai zog er sich wieder zurück, er und seine Familie seien unter unerträglichen Druck gesetzt worden. Vielleicht hätte der seinerzeit oberste Klimamodellierer besser nicht gesagt, „in einem Gebiet, das so unvollständig verstanden ist wie das Klimasystem, ist ein Konsens sinnlos.“ Sein Nachfolger, MPI-Direktor Bjorn Stevens, hat 2015 in einer Studie den temperaturverstärkenden Faktor von Aerosolen drastisch nach unten korrigiert. Aufbrandender Applaus von der falschen Seite ließ ihn plötzlich als Matador der Leugner dastehen. Und so beteuerte er noch vor der offiziellen Veröffentlichung im Journal of Climate in einem offenen Brief, er glaube weiterhin an die globale Erwärmung, auch wenn die katastrophalsten Erwärmungsszenarios – wenn wir Glück hätten und wie auch seine Studie nahelege – nun doch ein kleines bisschen weniger wahrscheinlich seien.

Nicht nur Politiker und Bürokraten auf der Suche nach Karma-Punkten bei Wählern und NGOs, auch die von den Medien zu Helden und Rettern überhöhten Wissenschaftsdarsteller auf der hellen Seite der Macht pochen militant auf die einzig akzeptierte Antwort. Obwohl im aktuellsten Bericht des Weltklimarats, AR5, von geringen, mittleren, aber eben auch von hohen Ungewissheiten die Rede ist. Obwohl das IPCC darauf hinweist, dass einige Studien eine moderate Erderwärmung als unter dem Strich „nicht negativ“ (also positiv) beurteilten. Obwohl Klimaexperten immer wieder betonen, viele Mechanismen seien noch nicht verstanden (das ändere aber nichts an der Diagnose).

„Freie, ergebnisoffene Forschung scheint in der Klimaabteilung ein No-Go zu sein.“

Warum eigentlich werden nicht nur die durchgeknallten Verschwörungsfreaks, sondern auch ernsthaft forschende, skeptische Wissenschaftler durch die Bank mit einem Leugner-Etikett versehen? Leugner streiten für gewöhnlich die Existenz Gottes ab, die Rechtmäßigkeit einer totalitären Staatsform oder den Holocaust. Sind Skeptiker gleichzusetzen mit Nazis? Ist die Klimaforschung eine Ideologie, ein Kult, eine Religion? Camille Paglia, die Frau mit der schnellsten Auffassungsgabe der Welt, sieht es so: „Dem geistigen Arsenal vieler hochgebildeter Leute fehlen heutzutage die einfachsten geologischen Fakten. Viel zu vertrauensselig glauben sie den schicken, spekulativen Computermodellen über zukünftigen Klimawandel. Wo bleiben die Intellektuellen in dieser massiven Attacke von Gruppendenken? Der Großteil ist träge, passiv und feige. Wahre Intellektuelle wären alarmiert und abgestoßen vom dichten Dogmanebel, welcher über der Klimadebatte hängt. Warum überlassen die Progressiven dieses Thema dem rechten Flügel, der es erfolgreich nutzt, um konservative Vernunft mit progressiver Empfindsamkeit zu kontrastieren? Mit der grassierenden Propaganda und den Halbwahrheiten kann die Umweltbewegung nur untergraben werden.“

Freie, ergebnisoffene Forschung scheint in der Klimaabteilung ein No-Go zu sein. Einstein sagte, man könne das ohnehin nicht erwarten: „Wenige sind in Lage, Meinungen zu äußern, die sich von den Vorurteilen ihres sozialen Umfelds unterscheiden. Die meisten sind noch nicht einmal in der Lage, solche Meinungen zu formulieren.“

Alarmismus und Hysterie

Die vorherrschende Theorie unseres sozialen Umfelds erkennt im menschenverfeuerten Kohlendioxid den entscheidenden Schadensfaktor einer Welt, die darüber aus den Fugen geraten muss. Das entspricht dem Handlungsgerüst von Endzeitmythen: Ein allseits bekannter Schädling, durch Hybris herbeigerufen, ist die alleinige Ursache der angekündigten Plagen, jedes Unwetter ist ein Vorbote, jede Flut ein neuer Beweis. Neue, relativierende Erkenntnisse und abweichende Indizien werden beiseite gewischt, Zweifeln gilt als Verrat. Wer weiß, vielleicht stimmt der CO2-Katastrophen-Plot tatsächlich genauso, wie in „Eine unbequeme Wahrheit“ dargestellt. Doch jahrzehntelang als Mantra wiederholt, sind sämtliche Ungewissheiten zu gefühlten Wahrheiten erstarrt, unumstößlich wie die Schwerkraft.

Eine Freundin empörte sich gestern bei einem Glas Wein darüber, dass ein gewisser Amerikaner wegen anhaltender Extremkälte mal wieder den Klimawandel in Frage stellte. Wetter ist doch nicht Klima! (Umgekehrt wird allerdings ein Schuh daraus: Jeder Hurrikan und jeder Buschbrand gelten als wahrscheinliche Folge des Klimawandels.) Alle in der Runde wissen Bescheid, pflichten Henriette bei. Wir sind natürlich keine Atmosphärenphysiker. Wir haben es lediglich so gesagt bekommen. Zu einer eigenen Ansicht fehlen uns Laien sowohl die Fakten als auch das wissenschaftliche Rüstzeug. Deshalb müssen wir uns eine derart felsenfeste Überzeugung antrainieren, dass wir aus ihr das Recht ableiten können, konträre Ansichten ohne weitere Einlassungen einfach nur augenrollend abzuwinken. Dass wir es sind, die das computer-prophezeite Schlamassel verursachen, ist ein zentrales Detail im postmodernen Sittengemälde westlichen Schuldbewusstseins und Panikbedarfs. James Watt, der Erfinder der Dampfmaschine, unser Prometheus, hat uns das Feuer gebracht, wir haben die Büchse der Pandora geöffnet. Träfe die Theorie vom menschengemachten Kohlendioxid als alleiniger Klimakiller nicht zu (in ihrer Ausschließlichkeit oder in ihren Auswirkungen), dann könnte das, was wir heute dagegen unternehmen, in späteren Zeiten als Massenhysterie durchgehen. Es wäre nicht die erste.

„Der übergeordnete Zweck heiligt die bevormundenden Mittel, um das wünschenswerte Verhalten herzustellen.“

Wer nun in der internationalen Klimaforschung eine weltweite Konspiration abertausender gleichgeschalteter Wissenschaftler, Aktivisten und Politiker wittert, ist so gaga, wie es die BBC schon immer vermutet hat. So mancher Spruch macht es Verschwörungstheoretikern halt allzu leicht.

Maurice Strong, Gründer des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Nestor des katastrophalen menschengemachten Klimawandels und Ölmagnat, fragte rhetorisch: „Ist es nicht die einzige Hoffnung für den Planeten, dass die Industrienationen kollabieren? Liegt es nicht in unserer Verantwortung, dies zu bewirken?“ Der Club of Rome schrieb 1993 in „Die erste globale Revolution“: „Der Feind der Menschheit ist für gewöhnlich der Mensch selbst. Auf der Suche nach einem neuen Feind, der uns vereinen würde, kamen wir auf die Idee, dass Umweltverschmutzung, die Bedrohung durch Erderwärmung, Wasserknappheit und Hungersnöte das Richtige wären.“ Auch Prof. Daniel Botkin, der nach 45 Jahren Klimaforschung seine Haltung zur Erderwärmung revidiert hat, war zuvor dieser Ansicht: „Der einzige Weg, unsere Gesellschaft dazu zu bewegen, sich wirklich zu ändern, ist es, die Leute mit der Möglichkeit einer Katastrophe zu verängstigen.“ Jørgen Randers, norwegischer Professor für Klimastrategie, winkt ab. In einer Demokratie könne die Angst-und-Schrecken-Methode nicht funktionieren. Der so dringend nötige Menschenwandel plündere nämlich unweigerlich die Wähler-Portemonnaies, was die wiederum mit Abwählen quittieren würden. Er empfiehlt frei heraus einen Diktator. „Er hätte die Aufgabe, zum Vorteil der Menschen über die Klimapolitik zu bestimmen. Wenn ich der wohlmeinende Diktator‘ wäre, würde ich versprechen, [nach fünf Jahren] zurückzutreten. Es gibt zwei interessante Praxisbeispiele: die chinesische kommunistische Partei und die Europäische Kommission.“

Wenn wohlwollende Experten herausfinden, dass die werktätigen Massen, die es nun mal nicht besser wissen, zum Nutzen der Allgemeinheit angeleitet werden müssen, dann heiligt der übergeordnete Zweck die bevormundenden Mittel, um das wünschenswerte Verhalten herzustellen.

Und die konservative Rebellion gegen den „Klimaalarmismus”? Hierzulande ist über allen Gipfeln mehr oder weniger Ruh’. In den angelsächsisch geprägten Ländern Großbritannien, USA, Australien und in geringerem Maße auch in Kanada hingegen speist sich der Widerstand nicht nur aus wissenschaftlicher Skepsis — ob die nun angebracht ist oder nicht — sondern auch aus Weltverschwörungslegenden und obendrein aus einer herzlichen Abneigung gegen international organisierten Staatspaternalismus (siehe Brexit).

Den Konflikt tragen die beiden Lager genauso aus, wie das bei konkurrierenden Gruppen aller Art üblich ist: Dem jeweiligen Gegner wirft man vor, ausschließlich Agenda-motiviert zu handeln, man selbst hingegen vertritt die reine Lehre. Einige „Leugner” meinen, eine ökosozialistische Internationale wolle den Westen abwickeln und dabei Regierungsgelder perpetuieren. Im übrigen sei die Billiarden-Dollar-Klimalüge inzwischen einfach zu groß zum Scheitern, sie müsse deshalb um jeden Preis aufrecht erhalten werden. Die „Alarmisten” wiederum sagen den kapitalistischen Industriekapitänen nach, es sei ihnen egal, ob der Planet vor die Hunde geht, solange der Profit stimme, weshalb sie ihre klimatösen Desinformationsprofis ausschwärmen ließen. Man sollte meinen, Debatten zu wissenschaftlichen Positionen würden in Elfenbeintürmen abgehalten, doch dieser Disput findet auf dem medialen Schlachtfeld statt. Vielleicht geht es in der Klimaforschung tatsächlich viel mehr um Weltanschauung als um das Spurengas Kohlendioxid.

Was mich Laien betrifft: Mir scheinen die Variablen zu groß und die Unbekannten zu viele zu sein, als dass Klimamodelle innerhalb einer diagnosetauglichen Plus-Minus-Spanne die globale Durchschnittstemperatur in 82 Jahren oder auch nur in 5 Jahren errechnen könnten. Und wenn das Thermometer die willkürlich gezogene Zwei-Grad-Grenze (bezogen auf 1850, das Ende der „kleinen Eiszeit“, nicht auf hier und jetzt) erreicht: Was keinesfalls passieren wird, ist „business as usual”. Stagnation ist nicht unser Ding. 2018 ist nicht 2050. „Vorhersagen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen”, witzelte Mark Twain. Die Debatte ist nicht beendet. Wir sollten die CO2-Billiarden sinnvoller ausgeben und dazu gibt es jede Menge Gelegenheiten. Mit dieser Auffassung zähle ich zu den „Lauwarmen” und die sollen die Schlimmsten sein.

Wie auch immer: Der nächste Earth Overshoot Day findet garantiert vor dem 2. August statt. Der Jammer wird groß sein. Normal. Amen.

Dieser Text erscheint als Teil der Reihe „Losing my religion” von Matthias Kraus.