06.11.2008

Keine Leukämie durch AKWs

Von Thilo Spahl

Anfang Oktober veröffentlichte das Bundesumweltministerium die Pressemeldung „Ursachen für erhöhte Krebsraten bei Kindern in der Nähe von Atomkraftwerken weiter unklar“. Grund genug für die Medien, nochmals zu vermelden, dass Kinder unter fünf Jahren, die im Umkreis von fünf Kilometern um Atomkraftwerke wohnen, öfter an Leukämie erkranken, als zu erwarten wäre. Eine sehr einseitige Interpretation, denn tatsächlich besagt die Pressemitteilung etwas anderes.

AKWs können nicht die Ursache für die erhöhten Krebsraten sein. Denn die Strahlung aus den kerntechnischen Anlagen ist um das 1000- bis 100.000-fache geringer als die natürliche Strahlung, der wir alle ausgesetzt sind.

Was nicht erwähnt wird, für das Verständnis aber hilfreich ist: Nicht nur um (manche) Atomkraftwerke findet man erhöhte Leukämieraten, sondern auch an allen möglichen anderen Orten. Es gibt weltweit eine Vielzahl von „Leukämie-Clustern“ (Gebiete mit erhöhten Leukämieraten) und nur sehr wenige in der Umgebung von kerntechnischen Anlagen. In der EUROCLUS-Studie, in der 13.551 kindlichen Leukämien in 17 Ländern von 1980 bis 1989 ausgewertet worden waren, wurden 240 Leukämiecluster (Gebiete mit erhöhter Leukämierate) ermittelt, davon nur vier in der Nähe von kerntechnischen Anlagen. Es kommt also zu solchen Häufungen. Aber es kommt an sehr vielen sehr unterschiedlichen Orten zu solchen Häufungen. Deshalb ist die Annahme wahrscheinlich ist, dass es Ursachen geben muss, die nichts mit Atomkraftwerken zu tun haben. Niemand kann diese Ursachen mit Sicherheit benennen. Konsequenzen sind daher keine zu ziehen. So sieht es auch die Autorin der Studie, Prof. Maria Blettner: „Manche sagen nun: AKWs abschalten. Aber so lange wir nichts über die Kausalität wissen, ist dies nicht gerechtfertigt. Außerdem müsste man dann wegen der Höhenstrahlung das Fliegen verbieten, Röntgen verbieten, Bergwandern in den Alpen verbieten, Autobahnen zumachen.“