10.12.2008

Erziehungsgenehmigung von „Papa Staat“?

Von Sabine Beppler-Spahl

Die Einführung eines „Elternführerscheins“, die immer wieder gefordert wird, erzeugt keine besseren Eltern, sondern untergräbt nur die letzten Reste elterlichen Selbstvertrauens.

Immer wieder taucht sie auf, die Idee, Eltern benötigten eine offizielle Genehmigung, um ihre Kinder erziehen zu dürfen. Der entsprechende Vorschlag lautet, einen obligatorischen „Elternführerschein“ einzuführen. So wie man nur mit Fahrerlaubnis ein Auto lenken darf, soll man zukünftig nur mit einer „Erziehungserlaubnis“ seine Kinder allein erziehen können. Diese soll man erhalten, wenn man zuvor die dafür nötige „Qualifikation“ gegenüber einem Prüfungsausschuss unter Beweis gestellt hat? Kein Witz!

Vor einigen Jahren organisierte die Zeitschrift Geo Wissen ein Streitgespräch mit dem Titel „Brauchen wir den Elternführerschein?“ (Nr. 37, 4/06). Während sich hier der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann für einen verbindlichen Elternführerschein aussprach, lehnte die Landesbischöfin der evangelisch-lutherischen Kirche Hannover, Margot Käßmann, (es passiert nicht oft, dass ich mit einer Bischöfin übereinstimme) eine derartige „Erziehungsdiktatur“ ab.

Die eigentliche Frage aber war, ob Eltern verpflichtet werden sollten, Elternkurse zu besuchen. Der Führerschein als solcher hätte dabei nur einen symbolischen Wert. Künftig, so Hurrelmann, könne man z.B. die Höhe der Auszahlung des Kindergeldes von einem Besuch eines solchen Elternkurses abhängig machen. Dies sei nötig, da man das Problem der verwahrlosten Familien mit Freiwilligkeit nicht mehr in den Griff bekäme. Durch den Besuch von Kursen können, so der Grundgedanke, die Problemfamilien aus der Masse der Eltern ausgesondert werden.

Damit ist die Diskussion über den „Führerschein“ Teil eines breiteren Trends, der Elternschaft nicht mehr einfach nur als ein normaler Bestandteil unseres Lebens sieht, sondern als ein quasi professionelles Unterfangen, das mehr Regulierung und Überwachung bedarf. Impliziert wird, dass der „richtige“ Umgang mit Kindern nicht das Natürliche und Normale, sondern die Ausnahme sei. Diese Sichtweise entspricht Hurrelmanns Urteil, dass nur ein Drittel aller Eltern ihre Kinder richtig erzögen. Mit solchen Forderungen und Urteilen werden jedoch nicht „bessere Eltern“ erzeugt, sondern das elterliche Selbstvertrauen nur weiter untergraben.

Schlimmer noch: Wer fordert, dass Elternschaft einer Genehmigung bedarf, untergräbt auch implizit die Autorität der Erwachsenen an und für sich. Erwachsensein wird nicht länger mit Vertrauen und Respekt assoziiert, sondern mit Missbrauch und Überforderung. Es bedarf der Legitimität eines „Check-ups“, bevor elterliche Autorität durchgesetzt werden darf. Die Forderung nach einer institutionalisierten Qualifizierung aller Erwachsener vermittelt wichtige Signale über die Rolle der Erwachsenen. Dabei sind (frei nach George Orwell) alle gleich, nur manche, auserwählte „Experten“, gleicher.