02.10.2014

Entwicklungshilfe: Misereor als Wachstumsbremser

Kommentar von Georg Keckl

Unter dem Mantel der Nächstenliebe betreiben Organisationen wie Misereor politische Kampagnen in Entwicklungsländern, die dort dem wirtschaftlichen Wohlergehen schaden. Georg Keckl zeigt am Beispiel Indien, wie der ideologische Kampf gegen Gentechnik exportiert wird

Im Sommer dieses Jahres meldete Radio Vatikan: „Indien: Staat setzt deutsche Hilfswerke auf rote Liste“. Mit betroffen war das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor. Die Organisation wehrte umgehend ab: „Misereor hat Vorwürfe aus Indien zurückgewiesen, den Gebrauch von Spendengeldern zu verschleiern, Aktionen gegen Industrieprojekte zu finanzieren und so das Wirtschaftswachstum des Landes zu schmälern.“ [1]

Nach Erkenntnissen des indischen Geheimdienstes unterstützen die westlichen „Helfer“ mit ihren Spendengeldern Aktionsgruppen, die gegen zahlreiche Infrastrukturprojekte kämpfen. Gleichzeitig finanzieren sie den Glaubenskampf verbündeter Organisationen gegen die Grüne Gentechnik in Indien mit. [2] Der von außen in das Land getragene Skeptizismus koste den indischen Staat zwei bis drei Prozent jährliches Wirtschaftswachstum, berechnete der Geheimdienst. Zugleich schade er Indiens Ansehen als Demokratie und Wissensnation. [3]

„Wegen der Unterstützung des dogmatischen Kampfes gegen die Gentechnik kamen die kirchlichen Organisationen auf die rote Liste“

Dass Misereor Gentechnikgegner unterstützt, ist bekannt. [4] Radio Vatikan hat das einmal so formuliert: „Hilfswerke wie Misereor engagieren sich unter anderem in Indien gegen Kinderarbeit in Steinbrüchen und gegen den Anbau genmanipulierter Nahrungsmittel.“ Gentechnik wird in einem Satz mit Kinderarbeit im Steinbruch genannt, als ob beides gleich böse wäre und der Kampf dagegen gleich gut. Aber nicht wegen ihres Einsatzes für die Kinder, sondern wegen der Unterstützung des dogmatischen Kampfes gegen die Gentechnik kamen die kirchlichen Organisationen auf die rote Liste. Der Geheimdienst benannte neben fünf indischen Organisationen sechs ausländische NGOs als federführend in der Agitation gegen Grüne Gentechnik. Dazu gehören unter anderen Greenpeace International, der Evangelische Entwicklungsdienst, Brot für die Welt und Misereor. [5]

Der indische Geheimdienst steckt damit die kirchlichen Entwicklungshilfeorganisationen zusammen mit Greenpeace in den Topf der Entwicklungssaboteure. In Indien trifft das durchaus auf offene Ohren. Regierungsmitglieder müssen schon beschwichtigen, dass nicht alle Nicht-Regierungs-Organisation scheinheilig und schlecht für das Land sind. [6]

Festzuhalten bleibt aber, dass der Unterschied zwischen kirchlichen Entwicklungsorganisationen, die man eher mit Armenförderung und Volksbildung in Zusammenhang bringt, und dogmatischen NGOs geschwunden ist. In den Worten von Misereor: „Misereor möchte gesellschaftliche Veränderungen anstoßen und begleiten, keine assistenzialistische [Assistenzialismus: klassische Armenfürsorge, Anmerk. d. Red] Hilfe leisten. Die Menschen vor Ort sind für uns die Akteure, das gilt sowohl für die Armen, als auch für die Menschen aus unseren Partnerorganisationen. Deshalb gibt es vor Ort auch keine Misereor Projekte, sondern Projekte unserer Partner (Initiativen, Netzwerke, soziale Bewegungen, NGOs etc.). Misereor finanziert deren Projekte nach festgelegten und publizierten Kriterien.“ [7]

Ob seine Spender wissen oder überhaupt erfahren sollen, dass Misereor eher politische Nachhilfe als „assistenzialistische Hilfe“ leistet? [8] Dass Misereor sich als Ableger von „Big Green“, des weltweiten Öko-Netzwerks, betätigt? „Big Green“, das weiß, was gut ist für ein Land wie Indien. Verständlich, dass das als politische Bevormundung betrachtet wird.

Misereors Kampf gegen Gentechnik in Indien hat noch einen speziellen Grund. Sein bevorzugtes Thema, der Kampf Kleinbauern gegen Großgrundbesitzer, zieht dort nicht. Das Land ist von Kleinbauern geprägt, die Erhaltung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft ist Regierungsprogramm. Alles Kleinbauern, alles gut? Nein, nun kämpft Misereor gegen den Zwang, dass Kleinbauern wachsen müssen. [9] An der Realität geht dieser Kampf völlig vorbei. In dicht bevölkerten Entwicklungsländern werden die Betriebe zwangsläufig immer kleiner. [10] Die Bauern haben für ihre Kinder keine andere Wahl, als ihr weniges Land weiter zu teilen. Oder sie pachten winzige Felder für neue Hofstellen, mit der Folge, dass die Pachtpreise immer weiter steigen. Mit Kunstdünger und gentechnisch verändertem Saatgut reichen die Ernten von den kleinen Parzellen dann für ein paar Jahre oder eine Generation, aber nur, solange das Land nicht teurer wird. Die Tageszeitung The Hindu beschrieb das mit der Formel „Klein ist hässlich“. [11] Es ist auch die Ursache für die Verzweiflung vieler Bauern in Indien.

Kommen die Bauern dann in Schwierigkeiten, zaubert Misereor einen Schuldigen aus dem Hut: die Gentechnik. In der Hoffnung auf Hilfe und Geld machen die Kleinbauern mit, froh, einen Schuldigen gefunden zu haben und anklagen zu können. Für Misereor ist die Schädlichkeit von Gentechnik ein Dogma. Dass wissenschaftliche Untersuchungen den Nutzen für Kleinbauern längst nachgewiesen haben [12], ignoriert „Big Green“. Misereor ist sogar bereit, mit Spendengeldern zweifelhafte Studien zu finanzieren, um die Glaubwürdigkeit positiver Ergebnisse zu unterminieren. [13]