01.09.2004

Ein Vorschlag zur Güte

Essay von Michael Miersch und Dirk Maxeiner

Der Ökologismus entwickelt sich in vielen westlichen Ländern zu einer neuen Frömmigkeit. Doch seine Anhänger scheuen das Bekenntnis zum Glauben.

Funktionieren Religionen wie Märchen oder wie Sex? Areligiöse Menschen bevorzugen zumeist die erste Hypothese: Wie ein Kind an Märchenfiguren, klammert sich der religiöse Mensch an den lieben Gott. Er kann sein Geworfensein in die Welt, die Einsamkeit im dunklen Kosmos nicht ertragen und schafft sich Erleichterung durch den Glauben. Man muss ihn nur ordentlich aufklären, dann gelangt er zur geistigen Freiheit und schüttelt die Mythenwelt ab. Viele religiöse Menschen beschreiben ihren Glauben jedoch ganz anders: als ein tiefes inneres Bedürfnis, das sich Bahn bricht; als eine Art spirituellen Trieb, den man, wie den sexuellen, zwar einen Weile unterdrücken kann, der aber in verschiedensten Ausprägungen immer wieder hervortritt.

„Es ist kein Zufall, dass führende Vertreter der grünen Bewegung in den 70er-Jahren aus Kreisen der Kirchen hervorgingen.“

Die geistige Landschaft, die sich im letzten Vierteljahrhundert in Europa herausgebildet hat, bestätigt eher die zweite Hypothese. Die Kirchen werden immer leerer, aber es gibt wenig Anzeichen dafür, dass nun Skeptiker, Freidenker und Agnostiker das Terrain erobern. Stattdessen breiten sich in den gebildeten Schichten neue religiöse Strömungen aus: Buddhismus, Anthroposophie und Esoterik in allerlei Spielarten. Die stärkste und am weitesten verbreitete Strömung lehnt es jedoch strikt ab, Glauben genannt zu werden: der Ökologismus. Dabei hat er es in Deutschland und einigen anderen Ländern beinahe schon zur neuen Staatsreligion gebracht. Der Pfad ins Irrationale wurde schon in einem frühen Stadium der Bewegung beschritten. Es ist ja kein Zufall, dass führende Vertreter der grünen Bewegung in den 70er-Jahren aus Kreisen der Kirchen hervorgingen. Die Kirchen wiederum, verblüfft ob des Erfolges der neuen Strömung, gefallen sich zunehmend in der Rolle grüner NGO’s. Statt mit traditioneller Seelsorge wollen sie die Menschen nun über ökologistische Heilsversprechen erreichen.

In Kinderbüchern und Videoclips, in Vorabendserien und Parteiprogrammen durchziehen längst ökologistische Glaubenssätze die öffentliche Sprache. Die überlieferten religiösen Muster erfahren dabei Bedeutungsverschiebungen, bleiben jedoch in ihrer Symbolkraft bestehen. Wie im Christentum rankt sich die Vorstellungswelt des Ökologismus um die Erwartung einer Endzeit, auf die man sich durch Verzicht und Buße vorbereiten soll. Das Schrifttum zur „Klimakatastrophe“ steckt voller solcher Motive. Die Natur ist gut, der Mensch ist schlecht. Und wenn der Mensch nicht gehorcht, droht ihm „die Rache der Natur“. Die erzürnte Naturgöttin verlangt Beschwichtigungsrituale, was die Inbrunst erklärt, mit der viele ihren Müll sortieren.

„Bio“ ist nichts anderes als „halal“ oder „koscher“, eine mentale Hilfestellung zur Festigung des Glaubens im Alltag.“

Das Natürliche: rein, unverdorben, heilig. Das vom Menschen gemachte: sündhaft, schmutzig, verderbt. In der Popkultur haben die Wale die Rolle der Engel eingenommen: gütige und weise höhere Wesen, die uns Botschaften übermitteln. Wie das kirchliche Abendmahl festigen Lichterkette und Sitzblockade die Gemeinschaft der Gläubigen. Und wie in allen Religionen sorgen Nahrungstabus für elitäre Abgrenzung von den unreinen Heiden. „Bio“ ist nichts anderes als „halal“ oder „koscher“, eine mentale Hilfestellung zur Festigung des Glaubens im Alltag (es gibt – trotz vieler Versuche, ihn zu erbringen – keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass gentechnikfreie Lebensmittel oder solche, die nach den Richtlinien der Ökoverbände erzeugt wurden, gesünder oder nahrhafter sind). Erlösung verspricht einzig der „ökologische Kreislauf“, der die individuelle Vergänglichkeit in den ewigen Zirkel der Natur transzendiert.

Obwohl die neue Glaubensgemeinschaft in den vergangenen dreißig Jahren so überaus erfolgreich gewachsen ist, hält sie sich immer noch für eine kleine verfolgte Minderheit. Kürzlich fiel uns ein Merkblatt der Polizeigewerkschaft zum Schutz vor Sekten in die Hände. Es listet 13 Kriterien auf, nach der ein Neuling erkennen kann, ob es sich bei einer Gruppe, der er sich anschließen möchte, um eine Sekte handelt. Fast alle treffen auf die ökologistische Glaubensbewegung zu. Nur drei Beispiele:

  • Die Welt treibt auf eine Katastrophe zu, nur die Gruppe weiß, wie man die Welt noch retten kann.
  • Die Gruppe ist die Elite, die übrige Menschheit ist krank und verloren – wenn sie nicht mitmacht oder sich retten lässt.
  • Die Gruppe lehnt die etablierte Wissenschaft ab. Die Lehre der Gruppe wird als einzig echte Wissenschaft verstanden.

Aus der „Gruppe“ ist längst eine breite Volksbewegung geworden. Die Sektenbrüder stehen nicht an der Straßenecke und halten Missionsbroschüren in die Höhe. Sie haben Schlüsselpositionen in Staat und Gesellschaft besetzt und treffen dort, gestützt auf ihren Glauben, tagtäglich weit reichende Entscheidungen, die bedauerlicherweise auch für Nichtgläubige verbindlich sind. 200 Jahre nach der französischen Revolution hat eine Religion in vielen Bereichen die Macht im Staate zurückerobert. Es ist allerdings nicht die gute alte, sondern eben eine neue Kirche, von deren Kanzel da mitregiert wird.

„Der Ökologismus ist heute eine der einflussreichsten Religionen der westlichen Welt“, behauptete der Schriftsteller Michael Crichton („Jurassic Park“) vor kurzem. „Es scheint die bevorzugte Religion urbaner Atheisten geworden zu sein.“ Crichton hat gut beobachtet: In dem Maße, wie das traditionelle Christentum erodiert, erobert der Ökologismus das Denken und Fühlen der Menschen in Nordamerika und Europa. Das Bedürfnis nach Religion scheint tatsächlich eine anthropologische Konstante zu sein, es sucht sich nur neue Formen.

„Wenn ein ganzes Volk mit leeren Dosen im Kreis herumgeschickt wird (und das in großer Zahl auch gut findet), dann geht es erkennbar um den Erhalt eines Weltbildes, nicht um Ressourcenschonung.“

Allerdings haben wir es hier jedoch mit einem religiösen Bekenntnis zu tun, das sich selbst für durch und durch rational, ja wissenschaftlich fundiert hält. Ganz wie die Christen und Juden vor der Aufklärung oder viele Moslems noch heute halten Ökologisten ihren Glauben nicht für einen Glauben, sondern für eine Bestandsaufnahme nicht zu leugnender, naturgesetzlicher Tatsachen. Das macht den Umgang mit ihnen so schwierig. Diskussionen um ökologische Streitfragen geraten oft deshalb so unversöhnlich, weil die gegensätzlichen Parteien nur scheinbar über das gleiche verhandeln. Die einen reden über den Schutz der Umwelt oder der Natur und den besten Weg dorthin. Den anderen geht es unausgesprochen darum, den Menschen mit Hilfe eines einfachen und geschlossenen Weltbildes Halt zu geben. Wenn ein ganzes Volk mit leeren Dosen im Kreis herumgeschickt wird (und das in großer Zahl auch gut findet), dann geht es erkennbar um den Erhalt eines Weltbildes, nicht um Ressourcenschonung. Es ist hoffnungslos, mit Statistiken und wissenschaftlichen Gutachten gegen religiöse Überzeugungen anzurennen. Wer bei solchen Auseinandersetzungen nicht den Verstand verlieren will, sollte sein Gegenüber jedoch nicht als inkonsequent und geistig beschränkt ansehen, sondern als einen tief gläubigen Menschen. Das bringt zwar noch keine Lösung, erleichtert aber den Umgang miteinander.

Wer dem Ökologismus anhängt, hat selbstverständlich das gleiche Anrecht auf Toleranz wie ein Christ, ein Jude oder ein Hindu. Es wird sich auf Dauer jedoch nicht vermeiden lassen, wieder einen klaren Trennungsstrich zu ziehen zwischen Glaubensbekenntnissen und ökologischer Vernunft, zwischen Kirche und Staat. Ohne eine solche Trennung werden die Mythen und Legenden früher oder später das Umweltthema überwuchern. Gerade weil der Ökologismus häufig im Gewand der Wissenschaft auftritt, ihre Ausdrucksweise imitiert und sich ihre Autorität anmaßt, ist kritische Distanz geboten.

„Wir sind zum Guten oder Schlechten die Erben der Aufklärung und des technischen Fortschritts“, schrieb Max Horkheimer, „sich ihnen zu widersetzen durch Regression auf primitive Stufen, mildert die permanente Krise nicht, die sie hervorgebracht haben. Im Gegenteil, solche Auswege führen von historisch vernünftigen zu äußerst barbarischen Formen gesellschaftlicher Herrschaft. Der einzige Weg, der Natur beizustehen, liegt darin, ihr scheinbares Gegenteil zu entfesseln, das unabhängige Denken.“ Erkenntnisse, die durch unabhängiges Denken und Forschen gewonnen werden, stehen oftmals im Gegensatz zu den Glaubenssätzen des Ökologismus, der sich von der wissenschaftlichen Ökologie immer weiter entfernt hat. So wird kein Forscher heute mehr ernsthaft behaupten, es gäbe in der Natur ein Gleichgewicht. Stand des Wissens ist, dass die Evolution durch extreme Ungleichgewichte voranschreitet. Dennoch gehört das Motiv des „natürlichen Gleichgewichts“ und der „Balance“ nach wie vor zu jeder Sonntagsrede, von Oskar Lafontaine bis Peter Gauweiler. Auch die ökologistische Vorliebe für das Ländliche, Bäuerliche im Gegensatz zur verdorbenen Industriekultur ist mit ökologischen Fakten nicht zu vereinbaren. Nüchtern betrachtet nimmt die Primärwirtschaft auch heute noch wesentlich mächtiger Einfluss auf Landschaften, Pflanzen und Tiere als jedes Atomkraftwerk und jede Autofabrik. Archaische Praktiken wie Brandrodung, Jagd, Fischerei oder die Umwandlung von Wäldern in Ackerland verändern die Natur des Planeten erheblich stärker als die moderne Technologie, die den Ökologisten so suspekt ist.

Wer ökologische Forschung betreibt, orientiert sich ergebnisoffen an messbaren Tatsachen. Dabei geht es um die Gewinnung von Erkenntnissen und nicht um die Verbreitung eines neuen Glaubens. Folglich sind Wissenschaftler, die sich mit Ökologie befassen, oftmals keine Ökologisten. Auch mehr aktive Umweltschützer, als man gemeinhin denkt, wollen vom zeitgeistigen Ökoglauben nichts wissen, sondern verbinden ihr Engagement mit Sachverstand und rationalem Denken. Ihnen geht es um praktischen Fortschritt, um sauberes Wasser, den Erhalt von Tierarten oder die Reduzierung von Giftmüll. Der renommierte Münchner Ökologe und Führungsmitglied des WWF, Josef H. Reichholf, verfasste eine Streitschrift, in der er sein Wissensgebiet gegen Vereinnahmung in Schutz nimmt (Die falschen Propheten). Über den heutigen Ökologismus heißt es darin, er habe sich vor einem Dritteljahrhundert der Ökologie bemächtigt und „zu einem religionsartigen Lebensmodell entwickelt, das uns in immer stärkerem Maße vorschreibt, was zu tun und zu lassen ist“.

Leider finden die Wissenschaftler und Umweltschützer, denen es um die Sache geht, relativ wenig Gehör. Sie arbeiten an Universitäten und wissenschaftlichen Instituten, als Umweltbeauftragte in der Industrie oder Naturschutzexperten in Nationalparks. Doch in den Ökoverbänden, der Partei der Grünen und den von ihr dominierten Ministerien sind solche Menschen auf verlorenem Posten. Dort ist das Terrain der ökologistischen Priesterkaste. Deren Welt besteht aus Symbolen – Symbolen des Bösen und des Guten. Und wehe, jemand meldet Zweifel am ewigen Leben per „Nachhaltigkeit“ oder an der „Klimakatastrophe“ an. Wie schreibt Al Gore in Wege zum Gleichgewicht so schön: „Leugnung ist die Strategie derer, die zu glauben wünschen, dass sie ihr suchtabhängiges Leben ohne schlimme Auswirkungen auf sich selbst und andere fortsetzen können.“ Praktische Umweltpolitik sollte aber keine Symbole schaffen oder abschaffen, sondern der Natur und der menschlichen Gesundheit gut tun. Es kommt nicht darauf an, dass Windräder so nach „sanfter Technik“ aussehen, oder einem Gentechnik irgendwie unnatürlich vorkommt. Entscheidend ist, welche Umweltfolgen durch Windräder, Gentechnik oder Kunststoffrecycling entstehen. Wenn Plastikverpackungen aufwändig gesammelt, sortiert, gereinigt und transportiert werden, obwohl das alles viel mehr Energie verbraucht, als man damit einspart, hat das wenig mit Umweltschutz und viel mit Dogmatik zu tun. Wer den Landschaftsverbrauch lauthals beklagt, doch die Energieformen, die am meisten Landschaft verbrauchen, massiv fördert, hat offenbar ein Problem mit dem Diesseits.

Nun ist man in einer Zeit, in der fundamentalistische Gottesmänner Blutbäder in aller Welt anrichten, direkt dankbar für Religionen, die keine Menschenleben kosten. Doch hat der Ökologismus auch hier seine Unschuld verloren. Er kostet inzwischen Menschenleben, und zwar sehr viele. Weltweit stirbt alle 30 Sekunden ein Mensch an Malaria. Mitverantwortung dafür tragen westliche Ökoeliten und ihnen hörige Regierungsvertreter, die gegen jede Vernunft und gegen jedes soziale Gewissen eine kurzsichtige Ächtung des Spritzmittels DDT durchgesetzt haben. DDT tötet die Anophelesmücke, welche die Malaria überträgt. Weltweit hat das Insektizid Millionen Menschenleben gerettet. Die Malaria stand einmal kurz vor der Ausrottung. Dann stellte man fest, dass einige Vogelarten unfruchtbar wurden, weil sich das Insektengift in ihren Körpern angesammelt hatte. Eine Gefährdung von Menschen bei sachgerechter Benutzung konnte bis heute (nach einem halben Jahrhundert eingehender Studien) nicht eindeutig nachgewiesen werden. Dennoch war und ist ein Verbot in der landwirtschaftlichen Nutzung sinnvoll, zumal es dort in exorbitanten Mengen in die Umwelt gebracht wurde. Für die Landwirtschaft gibt es zudem preiswerte alternative Mittel – in der Malariabekämpfung leider nicht. Anstatt nun DDT sinnvollerweise nur im Agrarbereich gesetzlich aus dem Verkehr zu ziehen, arbeiteten die Chemiegegner weiterhin auf ein absolutes Verbot hin. Von Entwicklungshilfe abhängige Länder wurden von den Industrienationen genötigt, auch dort auf DDT zu verzichten, wo es gegen Malariamücken eingesetzt wurde. Dies, obwohl die dafür notwendigen Mengen im Vergleich zum landwirtschaftlichen Einsatz verschwindend gering und ökologisch verkraftbar sind. Was in der Landwirtschaft einst auf einer einzigen Baumwollplantage ausgebracht wurde, genügt, um ganze Städte vor der Malariamücke zu schützen. Die Vogelwelt hat sich inzwischen erholt. Doch aus dem „Stummen Frühling“ (Rachel Carson) wurden vielerorts stumme Hütten und Dörfer.

Leider ist dies nicht das einzige Beispiel. Die Reihe ökologistischer Kreuzzüge auf Kosten anderer wird immer länger: Sie reichen von der Bekämpfung der grünen Gentechnik (und ihrer Potenziale für Entwicklungsländer) über die Verbissenheit der Impfgegner bis hin zur Torpedierung medizinischer Forschung, weil dafür Tierversuche notwendig sind. Mit religiösem Eifer werden die Möglichkeiten untergraben, gegenwärtige und künftige Menschheitsprobleme zu lösen. Die Ökologisten sehen sich dabei selbst als milde und gütige Menschen, deren Härte von der heiligen Sache erzwungen wird. Der Gedanke, menschenfeindlich zu handeln, weil die Humanität abhanden gekommen ist, erscheint ihnen völlig absurd.

„Unser Vorschlag zur Güte: Bekennt euch ganz entspannt zum Glauben und zum Sehnsuchtsgefühl! Dann würde so manche aggressive Verhärtung womöglich abfallen. Eine gefestigte Religion muss nicht ständig penetrant missionieren und unentwegt im Diesseits herumpfuschen.“

Die Idealisierung des Naiven und vermeintlich Natürlichen sind weit oben in Staat und Gesellschaft angekommen. Ihre Spur zieht sich von Rousseau über die Romantik, die Wandervögel und die Landhippies bis zum Ökologismus unserer Tage. Im deutschsprachigen Kulturraum waren solche Strömungen immer besonders beliebt. Durchs bürgerliche Wohnzimmer zog schon zu Urgroßvaters Zeiten der wehmütige Duft des Sentimentalismus. Der edle Wilde, der unverdorbene Landmann, das Kleinkind, das unschuldige Tier dienten den Kaufmännern und Fabrikanten als Projektionsflächen für Sehnsüchte, die im harten Alltagsgeschäft unbefriedigt blieben. In Caspar-David Friedrichs Wald, am Ufer von Karl Mays Silbersee oder hinter Peter Maffays sieben Brücken lagen die Orte der Erhabenheit und der Harmonie, möglichst weit weg von dem verwirrenden Großstadtlärm der Aufklärung und der Moderne. Kennzeichnend für die Romantik, schrieb Isaiah Berlin, sei der Prozess des Mythenschaffens: „Man muss einen Mythos schaffen, der sich niemals gänzlich einlösen lassen wird.“ Es gehöre „zum Kern der Sache, unauffindbar, unerreichbar und ins Unendliche aufgeschoben zu sein.“

Niemand will wirklich auf die Annehmlichkeiten der modernen Technik verzichten, niemand will wirklich wie Winnetou leben. Doch da der Ökologismus sich selbst nicht als Religion verstehen will, muss die Illusion am Leben gehalten werden. Deshalb unser Vorschlag zur Güte: Bekennt euch ganz entspannt zum Glauben und zum Sehnsuchtsgefühl! Dann würde so manche aggressive Verhärtung womöglich abfallen. Eine gefestigte Religion muss nicht ständig penetrant missionieren und unentwegt im Diesseits herumpfuschen. Sie ruht in sich, weil sie weiß, dass das hundertprozentig Wahre, Schöne und Gute nicht auf dieser Welt zu haben ist. Im Diesseits und dort besonders auf Ministersesseln ist es besser, auf die konkreten Ergebnisse zu schauen und nicht darauf, wie nah man der reinen Lehre kommen kann. Die Trennung von Staat und Kirche hat sich doch bewährt, lasst uns zu ihr zurückkehren.