29.10.2018

Editorial

Von Thilo Spahl

Schnell, sicher, unkompliziert und billig durch die Stadt, durchs Land und durch die Welt. Und das für alle Menschen. Unser Ideal der Mobilität der Zukunft darf sich nicht an Wachstumsskepsis und rückwärtsgewandter Nachhaltigkeitsrhetorik orientieren. Statt gegen den Diesel zu kämpfen, sollten wir den unteren Luftraum für den Individualverkehr erobern. Statt über Billigflieger zu jammern, sollten wir sie als den größten Beitrag zur Völkerverständigung in den letzten Jahrzehnten feiern. Mobilität bedeutet Freiheit. Diese Freiheit können und sollten wir vergrößern. Dafür braucht es neue Technologien und die richtigen politischen Weichenstellungen. Die Autoren des Sammelbandes beleuchten technische und gesellschaftliche Herausforderungen der Mobilität von morgen.

„Wir brauchen eine Verkehrswende, das ist ja ganz klar“, sagt Angela Merkel im ARD-Sommerinterview 2018 und bringt damit zum Ausdruck, wie bescheiden, eindimensional und rückwärts gewandt die Diskussion um die Mobilität der Zukunft hierzulande ist. Gemeint war: weniger Autos, weniger Emissionen, weniger Billigflüge. Oder, wie es die Parteispitze der Grünen formulierte: „Auslaufen des fossilen Verbrennungsmotors, verstärkt automatisierte Steuerung von Fahrzeugen und zunehmender Verzicht auf ein eigenes Auto.“

Die Autoren dieses Bandes wollen nicht weniger, sondern mehr. Sie wollen nicht eine einzelne Technik, etwa das Elektro-Auto, politisch durchdrücken, sondern viele neue Technologien nutzen. Sie wollen den Raum der Möglichkeiten ausdehnen und damit die Mobilität eines jeden von uns erweitern. Sie sehen Drohnen, Hyperschallflugzeuge, Magnetschwebebahnen, fliegende Autos, fliegende Schiffe, Hochgeschwindigkeitszüge, unterirdischen Verkehr und autonome ÖPNV-Kapseln.

Es geht in diesem Buch aber nicht nur um Technik. Es geht ebenso um Politik und um Freiheit. Darum, dass Menschen auch in Zukunft das Steuer in der Hand behalten müssen und nicht nur Fahrgast in funktionalen, am Reißbrett entworfenen, ökologisch und ökonomisch optimierten Verkehrssystemen sein wollen. Die freie Wahl der Verkehrsmittel, Privateigentum, die Freiheit vor Überwachung und Lenkung sind hohe Güter, die es zu verteidigen gilt.

Wir gelangen heute insgesamt schneller, komfortabler, sicherer und billiger von A nach B als vor 20 Jahren. Und genau dasselbe wollen wir auch in 20 Jahren sagen können.

Kapitel eins legt den Schwerpunkt auf gesellschaftliche Aspekte der Mobilität, Kapitel zwei auf technische. Wir hoffen, den geschätzten Lesern viel Wissenswertes und Anregendes zu bieten.

Thilo Spahl,
Herausgeber, Novo-Wissenschaftsressortleiter