28.12.2009

Drolliger Brief zur „Agenda 21“

Kommentar von Hans-Jörg Jacobsen

In der „Agenda 21-Gruppe“ in Osnabrück scheint das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland nicht bekannt zu sein. Dort ist nämlich in Artikel 5 (3) zu lesen: „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.

Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.“ Im direkten Widerspruch hierzu lässt sich ein Schreiben interpretieren, das im Institut für Pflanzengenetik der Leibniz-Universität Hannover kurz vor Weihnachten eintraf. Rolf Brinkmann, Sprecher der Osnabrücker „Agenda 21-Gruppe“, forderte unter Bezugnahme auf ein von Wissenschaftlern des Instituts betreutes Projekt namens HannoverGEN (www.hannovergen.de), dass „umgehend alle Arbeiten eingestellt werden“. Als involvierter Professor wurde ich ermahnt: „Als verantwortlicher Wissenschaftler, der Sie sicher sind, gehen wir davon aus, daß Sie alle entsprechenden Arbeiten sozusagen umgehend einstellen und hierüber auch die Öffentlichkeit informieren.“
Dem Schreiben beigefügt war ein mit allen möglichen Fehlinterpretationen zum gentechnisch veränderten „Bt-Mais“ gespickter Brief an die Bundeskanzlerin sowie ein (unvollständiger) Ausdruck zum selben Thema eines Internet-Pamphlets.

Bei „HannoverGEN“ handelt es sich um ein Projekt, das im Rahmen des Innovationsprogramms der niedersächsischen Landesregierung ausgewählt wurde. Es wird zu fast 98 Prozent aus Landesmitteln finanziert. Eingegangene Spenden wurden unmittelbar den Schulen zur Verbesserung der Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Das Projekt hat zum Ziel, Schüler und Schülerinnen aus gymnasialen Oberstufen in die Lage zu versetzen, sich im Verständnis bester Kantscher Aufklärung sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Um das Projekt auf ein solides Fundament zu stellen, wurden Schulen aus der Region Hannover mit Geräten ausgestattet, die Experimente mit moderner Pflanzenbiotechnologie erlauben. Parallel dazu wird in einem Projekt die fachdidaktische Bearbeitung des Themas erforscht und es werden, in Zusammenarbeit mit der Universität Oldenburg, Methoden zur ethischen Reflektion der Grünen Gentechnik in der Schule erarbeitet.

Diese stets öffentlich gemachte Ausrichtung des Projekts hat allerdings selbst Politiker nicht davon abgehalten, „HannoverGEN“ als ein „Gehirnwäscheprojekt“, das die „Segnungen der Agrogentechnik“ propagiere, darzustellen (Hans-Jürgen Klein, Bündnis 90/Die Grünen, MdL Niedersachsen). Auch taucht nun regelmäßig ein stadtbekannter Greenpeace-Aktivist mit Flugblättern vor Schulen auf, um seine eigentümliche Sichtweise zu den modernen Biowissenschaften zu verbreiten. Dem Erfolg des Projekts „HannoverGEN“ konnte all dies keinen Abbruch tun. Wie soll man auf die „Agenda 21“-Akteure aus Osnabrück reagieren? Die Veröffentlichung ihres Briefs trägt der Aufforderung Rechnung, umgehend die „Öffentlichkeit zu informieren“ – zwar nicht unbedingt im Sinne des Absenders, aber im Sinne einer allseits informierten Öffentlichkeit.


Lokale Agenda 21 Osnabrück: Brief an das Institut für Pflanzengenetik der Leibniz-Universität Hannover, 19.12.2009