02.02.2015

Drohnen: Überregulierung im Anflug

Essay von James Woudhuysen

Unbemannte Flugobjekte wie Drohnen könnten in vielen Lebensbereichen nützliche Anwendung finden. Vorausgesetzt, sie werden nicht wegen Sicherheitsbedanken wegreguliert, bevor sie ihren Nutzen beweisen dürfen. Denn ohne Risiko gibt es keine Innovation, weiß James Woudhuysen

Vor kurzem hat die Berichterstattung zu dem Beinahe-Zusammenstoß eines unbemannten Luftfahrzeuges mit einem Linienflugzeug über dem Flughafen London-Heathrow im Juli ihren Höhepunkt erreicht. Die unbemannten Luftfahrzeuge sind seit einer Weile als „Drohnen“ im Gespräch. Die Schlagzeilen wurden, wie für die Risikoberichterstattung heutzutage üblich, von einer Art schadenfroher Vorahnung begleitet. Der Heathrow-Vorfall ist, wie man nun feststellt, nur einer von vielen. Die New Yorker Polizei sorgt sich um mit Sprengstoff beladene Drohnen und Greenpeace warnt in seinem Kampf gegen Atommeiler vor nicht identifizierten Drohnen über französischen Reaktoren. Dank steigender Verkaufszahlen ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis Drohnen auch für ihre Benzinmotoren und CO2-Emissionen angegriffen werden.

Aber Moment. Die Welt braucht Drohnen. Sie haben sich bereits als überaus nützlich erwiesen bei Bauprojekten, in der Landwirtschaft, bei der Verlegung von Rohren, bei der Wartung von Windrädern … und der Messung von CO2. Ja, Drohnen sollten ungefährlich sein. Nein, man kann und sollte ihre Erfindung nicht rückgängig machen. Ihr Einsatz zu militärischen Zwecken seitens der Obama-Regierung ist eine Schande. Auch der in England diskutierte Einsatz von Drohnen zur polizeilichen Überwachung ist unheimlich. Zivile Anwendungsmöglichkeiten haben jedoch großes Potenzial und sind Teil einer wünschenswerten Zukunft.

Regulierungsbehörden in den USA scheinen blind für diese potenziellen Vorteile zu sein. Laut Berichten des Wall Street Journal [1] will die amerikanische Bundesluftfahrtbehörde FAA nur „kleine“ Drohnen, die weniger als 25 Kilogramm wiegen, maximal 122 Meter hoch und immer im direkten Blickfeld ihrer Betreiber fliegen. Diese Betreiber sollen zudem eine ganze Menge Flugstunden am Steuer konventioneller Luftfahrzeuge vorweisen können. Die FAA geht sogar so weit, dass diese Regeln für alle unbemannten Luftfahrzeuge inklusive der Drohnen gelten sollen, die weniger als fünf Kilogramm wiegen.

Warum ist die FAA bei ihrem Regulierungsansatz so streng? Das Magazin The Economist [2] wirft der Behörde vor, im Interesse von Piloten der konventionellen Luftfahrtindustrie zu arbeiten. So will die Britische Pilotengewerkschaft ebenfalls, dass Drohnen nur von ausgebildeten Piloten geflogen werden.

„Staatliche Überregulierung verzögert technologischen Fortschritt.“

Aber tatsächlich gibt es in den USA genauso eine Drohnen-Lobby wie eine Piloten-Lobby. So einfach lassen sich die Innovationshindernisse rund um die Drohnen also nicht erklären. Das Magazin Fortune [3] hat einen von vielen Aspekten der amerikanischen Drohnen-Verbotskultur genauer beschrieben: „In den kommenden Jahren werden lokale, Bundes- und Landesbehörden einen undurchdringlichen Sumpf an Regulierungen des Drohnengebrauchs im inländischen Luftverkehr schaffen und mehrere amerikanische Großkanzleien werden auf eine Welle von Beratungsaufträgen vorbereitet sein, wenn kleine und große Unternehmen darin zu versinken beginnen.“

Der Umgang mit zivilen Drohnen ist beispielhaft: Wir haben es mit einer Elite zu tun, die ihre Richtung, ihre Werte und ihr Selbstbewusstsein verloren hat. Sie hat kein Vertrauen mehr in ihre eigene Fähigkeit, die Innovation, die sie hervorzubringen vermag, auch zu nutzen. Folglich hat die alte Sicht der Dinge, dass die Regulierung der technischen Entwicklung hinterherhinkt, ausgedient. Getrieben von einer Kultur der Angst gehen regulatorische Bemühungen der vollen Verbreitung neuer Technologien voraus und verzögern so deren Fortschritt. Unterstützt durch Hysterie in den Medien und den sozialen Netzwerken werden die regulatorischen Impulse des Staates übermächtig und laufen regelmäßig Amok. Vom Fracking bis zu künstlicher Intelligenz macht die staatliche Haltung zu bedeutenden Innovationen kurzen Prozess mit der Vernunft und unterzieht alle neuen Technologien einer Art ethischer Inquisition.

In Wahrheit sind die Sicherheitsrisiken bei Drohnen sehr simpel gestrickt. Es gibt bereits seit 1995 bzw. 1996 zwei Patente für Anti-Kollisionssysteme. Wir brauchen kein Verbot, sondern eine Auflage in Form solcher Systeme für alle Drohnen im Jahr 2015. Das wird den Preis bestimmt erhöhen, aber selbst bei einer Verdoppelung von momentan 45 Euro auf 90 Euro pro Stück werden Drohnen in Zukunft massenhaft industriell und zu Vergnügungszwecken zum Einsatz kommen können. In Entwicklungsländern könnten die Auswirkungen von Drohnen auf die Produktivität mit der Produktivitätssteigerung durch Handys in den letzten 30 Jahren vergleichbar werden.

Neue Technologien wie Drohnen schaffen neue Probleme. Das war immer so und wird auch immer so sein. Deswegen brauchen wir Anti-Kollisionssysteme, TÜV-Kontrollen und ein mehr oder weniger universelles Betriebssystem für die Drohnen, das Sicherheit neben der Spezialisierung für verschiedene industrielle Tätigkeiten ganz oben auf die Liste setzt. Aber wenn die Regulierung weit darüber hinaus gehen sollte, werden Drohnen nie die Rolle spielen können, die sie sollten.