26.06.2014

Donald Duck - Ein Raucher wird 80

Kommentar von Detlef Petereit

Zum 80. Leinwandjubiläum der Comicfigur Donald Duck wird gratuliert. Früher waren rauchende Zeichentrickcharaktere normal und auch im Disney-Universum weit verbreitet, heute greifen Verbote und Zensur. Heiterer Cartoonspaß hat seine Unschuld verloren.

Am diesjährigen Pfingstmontag auf den Tag genau vor 80 Jahren debütierte Donald Fauntleroy Duck (so sein vollständiger Name) in einer eher kleinen Nebenrolle auf der Leinwand. Er begann schon im bescheidenen Alter von knapp vier Jahren – am 11. März 1938 – mit dem Rauchen, wie in dem Zeichentrickfilm „Donald’s Better Self“ zu sehen ist[1].

Seine Leidenschaft für den Tabakgenuss findet sich auch in auch in einem Geburtstagsfilm[2] wieder – warum sonst sollten Tick, Trick und Track ihrem Onkel eine Kiste Zigarren schenken? Der Zeichner Don Rosa legte später als Geburtsjahr 1920 fest – womit Donald Duck beim Erscheinen des eingangs erwähnten „Better-Self“-Cartoons kurz von der Vollendung seines 18. Lebensjahres stand. So oder so war Donald Duck noch nicht volljährig – aber das war man seinerzeit in Amerika ja ohnehin erst ab 21 Jahren. Wen kümmerte das hinsichtlich des Rauchens damals schon? Da gab es noch nicht die heutigen Panikmacher und Bevormunder, die anderen Menschen einen Lebensstil aufoktroyieren wollen.

„Hier wird im Nachhinein das Bild einer Persönlichkeit verfälscht , weil es aktuell nicht zeitgeistkonform zu sein scheint.“

Die Zeiten haben sich geändert. Nicht nur Kommentare in Internetforen, wie etwa „Haha…denen würde man die Sch*** aus dem Leib klagen, wenn die heute so einen Film herausbrächten“[3] zeigen dies, sondern auch der im März diesen Jahres in den deutschen Kinos angelaufene Disney-Film „Saving Mr. Banks“. Darin verkörpert Oscar-Preisträger Tom Hanks den Unternehmer Walt Disney. Dieser war zwar starker Raucher, aber das durfte in diesem Film so nicht zu sehen sein, „denn das Studio hat ein striktes Rauchverbot in seinen Filmen durchgesetzt“.[4] Hier wird im Nachhinein das Bild einer Persönlichkeit verfälscht , weil es aktuell nicht zeitgeistkonform zu sein scheint.

Was kommt als nächstes? Seemann Popeye, der sein „Leben“ im Januar 1929 begann, muss dann nach 85 Jahren wegen „einseitiger Ernährung” bei ständigem Pfeiferauchen natürlich auch verschwinden. Schon vor fünf Jahren berichtete der britische Telegraph von Plänen, die Popeye eine Altersbeschränkung nur für Zuschauer ab 18 Jahren auferlegen wollten.[5] Eine liberaldemokratische Politikerin betrachtete dies allerdings als Zensur, die die künstlerische Arbeit störe und wies die Unterstellung zurück, dass solche Filme Kinder und Jugendliche zum Rauchen verführen. „Ich bin auch nicht in die Berge gezogen und Revolutionär geworden, als ich den Film über Che Guevara gesehen hatte.“

Der belgische Cowboyheld Lucky Luke ist der Prominenteste, der im Laufe seines Lebens „bekehrt“ wurde: Vom Tabakraucher zum Grasrau… – nein, seit 1983 hängt ihm statt einer Zigarette ein Grashalm aus dem Mund.[6] Beachtlich: Der Autor wurde dafür sogar 1988 mit einem Sonderpreis der WHO ausgezeichnet.[7] Bleibt abzuwarten, wie lange seine im schweizerischen Siegershausen aufgestellte Statue[8] noch die Zigarette im Mund behalten darf.

„Die Rundfunkanstalt E2 wurde wegen der Ausstrahlung der US-Erfolgsserie Mad Men, in der viel geraucht und Alkohol getrunken wurde, zur Verantwortung gezogen“

Da wundert es schon fast gar nicht mehr, dass die türkische Fernsehaufsichtsbehörde RTÜK allein 2010 gleich mehrmals hohe Strafen gegen Sender aussprach. Die Rundfunkanstalt E2 wurde wegen der Ausstrahlung der US-Erfolgsserie Mad Men, in der viel geraucht und Alkohol getrunken wurde, zur Verantwortung gezogen, während es den Comic-Helden Kapitän Haddock aus der Serie Tim und Struppi im Privatsender TV8 erwischte. Wegen ihm musste der Sender 24.000 Euro Strafe zahlen, „weil Szenen des rauchenden Kapitäns in der Zeichentrickserie den türkischen Gesetzen zur Bekämpfung des Zigarettenkonsums widersprächen […]. Der Sender hätte die Rauch-Szenen unkenntlich machen müssen.“[9] Auch einem anderen Seefahrer, dem Seebär aus den Petzi-Kinderbüchern, ist seine charakteristische Pfeife mittlerweile abhandengekommen.

Vor diesem Hintergrund erscheint es fast ein wenig seltsam, dass die Anti-Tabakkämpfer noch nicht auf die Idee gekommen sind, die vielen gegen das Rauchen moralisierenden Elemente in Cartoons und Zeichentrickfilmen – wie etwa einen mit den „Nebenwirkungen“ des Zigarrerauchens zu kämpfenden Pinocchio[10] – für „pädagogische“ Zwecke genutzt werden. Stattdessen geht man lieber Weg des Verbots.

„Das deutsche Sandmännchen gehört aufgrund seiner Machenschaften eigentlich sogar gleich eingesperrt“

Habe ich denn noch einen berühmten Raucher aus den klassischen Disney-Zeichentrickfilmen vergessen? Ach ja: Peter Pan, Roger aus 101 Dalmatiner, der Flaschengeist aus Aladdin, und sogar Arielle, die Meerjungfrau.[11] Aber so etwas gehört ja nun der Vergangenheit an. Künftige Charaktere werden um zumindest diese Erfahrung ärmer bleiben – aber sie werden somit auch keine erzieherischen Botschaften à la Pinochio mehr übermitteln dürfen. Doch es steht zu befürchten, dass es bald auch lauter Musik, exzessivem Feiern und Tanzen, der ungesunden Ernährung, Süßigkeiten und vielem anderen mehr stärker an den Kragen gehen könnte. Da wird noch so manche Figur „umgestaltet“ werden müssen.

Zum Abschluss sei eines noch erwähnt: Das deutsche Sandmännchen. Dieses gehört aufgrund seiner Machenschaften eigentlich sogar gleich eingesperrt – wegen vorsätzlicher und permanenter gesundheitlicher Schädigung unserer Kinder mit Feinstaub und allabendlicher Belastung der Umwelt. Unsere ‚Kleinen‘ sollten wir ab sofort davor bewahren! Gute Nacht.