06.11.2008

Die Kritik an Josef Ackermann ist verantwortungslos!

Von Alexander Horn

Die Aussage des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Josef Ackermann, er würde „sich schämen“, wenn sein Institut in der aktuellen Finanzkrise Staatsgeld annehmen müsste, hat ihm heftige Kritik von allen Seiten eingebracht. Nachvollziehbar ist das nicht. Gibt es einen besseren Grund für Scham als den, auf das Geld der Steuerzahler angewiesen zu sein, um eine Bank zu retten?

Und warum sollten Banken dieses Geld annehmen, wenn sie es nicht benötigen?

Regierungsvertreter kritisierten Ackermanns Einlassungen als „äußerst bedenklich, unverständlich und inakzeptabel“. Der zum wirtschaftsliberalen Flügel der CDU gehörende Norbert Röttgen warf Ackermann sogar Verantwortungslosigkeit vor, da er das „Hilfsangebot des Staates … als Wettbewerbsvorteil für seine Bank missbraucht,“ indem er versuche, hilfsbedürftige Banken zu stigmatisieren, anstatt sich mit diesen solidarisch zu zeigen.

Der Vorwurf gegenüber Top-Managern und der Banker, sie verhielten sich verantwortungslos, ist alles andere als neu. Die Kritik an Ackermann widerspricht jedoch völlig dem bisherigen Tenor. Bisher wurden Banker dafür kritisiert, dass sie Gewinne und hohe Gehälter als privatwirtschaftliche Angelegenheit behandeln, aber in Krisenzeiten schnell nach dem Staat rufen, damit dieser und damit die Steuerzahler „die Suppe auslöffeln“. Genau dies hat Ackermann nicht getan. Dass ihm deswegen nun Verantwortungslosigkeit vorgeworfen wird, da er es als unmoralisch betrachte, Steuergelder zur Lösung privatwirtschaftlicher Probleme zu nutzen, ist absurd.

Tatsächlich ging es Ackermann in seiner vor zwei Wochen vor Führungskräften seiner Bank gehaltenen Rede nicht darum, das für die deutschen Banken geschnürte Rettungspaket schlecht zu reden – schließlich hatte er selbst maßgeblich daran mitgewirkt. Ihm ist vielmehr anzurechnen, dass er angesichts der prekären Situation darauf setzt, die Krise auch ohne staatliche Unterstützung meistern zu können. Es gibt wohl kaum einen treffenderen Begriff als den von Ackermann verwendeten Begriff der „Scham“, um den Anspruch für verantwortliches Handeln gegenüber den Aktionären wie auch gegenüber der Gesellschaft auf den Punkt bringen.

Vor diesem Hintergrund erscheint nicht Ackermann, sondern die Kritik an ihm als verantwortungslos. Anstatt anerkennend zur Kenntnis zu nehmen, dass es Geldinstitute und Persönlichkeiten gibt, die versuchen, ihrer Rolle in einem marktwirtschaftlich verfassten System gerecht zu werden, gilt diese Einstellung maßgeblichen Politikern offenbar als untragbar. Anscheinend sind Marktwirtschaft und Eigenverantwortung selbst unter Politikern inzwischen so sehr in Verruf geraten, dass selbst die Handlungsfähigkeit ihrer herausragenden Vertreter infrage gestellt und ihnen nahe gelegt wird, sich in die Obhut des Staates zu begeben. Wie die Krise so überwunden werden soll, steht in den Sternen.