07.10.2026

Die Grünhemden und ihr Antisemitismus

Von Frank Furedi

Titelbild

Foto: rajatonvimma via Flickr / CC BY-SA 2.0

Die britischen Grünen agieren immer offener judenfeindlich, wie sie zuletzt kurz vor dem heutigen Jahrestag des Hamas-Massakers bewiesen haben. Dagegen hilft allerdings keine Zensur.

Einst waren es die „Blackshirts“ (Schwarzhemden), die Mitglieder der British Union of Fascists (BUF), die in den 1930er Jahren antisemitische Parolen auf Englands Straßen riefen. Heute ist es die Grüne Partei, die – ähnlich der Linkspartei in Deutschland – zu einem Sammelbecken antisemitischer Aktivisten geworden ist.

Am vergangenen Sonntag, kurz vor dem dritten Jahrestag des Hamas-Massakers, stimmten die Parteitagsteilnehmer der britischen Grünen dafür, den Zionismus als eine Form von Rassismus einzustufen. Die Partei, die bei den Wahlen 2024 einen Stimmenanteil von 6 Prozent erzielte, bezeichnete den Zionismus als „ethnonationalistisches politisches Projekt“ und bekräftigte ihre Forderung an die britische Labour-Regierung, sämtliche Waffenhandelsbeziehungen zu Israel zu beenden. Der Beschluss ist ein weiterer Ausdruck einer abscheulichen Politik, die Israel das Existenzrecht abspricht. Gleichzeitig legitimiert er faktisch den judenfeindlichen Hass in Großbritannien.

Es ist daher nur verständlich, dass eine Gruppe britischer Labour-Abgeordneter nun Anzeige bei der Polizei gegen die Partei erstattet hat. In einem offenen Brief haben die Labour-Abgeordneten insbesondere auf Parteitagsteilnehmer der Grünen aufmerksam gemacht, die Parolen wie „Say it loud, say it clear, Zionists aren’t welcome here“ („Sagt es laut, sagt es deutlich: Zionisten sind hier nicht willkommen“) skandierten. Sie haben die Polizei aufgefordert zu untersuchen, ob der Begriff „Zionist“ in diesem Zusammenhang als Synonym für Juden verwendet wurde und somit dazu diente, „Feindseligkeit gegenüber jüdischen Menschen zu schüren oder zu fördern“.

Ebenso beunruhigend war die Tatsache, dass die Konferenz auch einen Änderungsantrag ablehnte, der jüdische Mitglieder der Grünen, die sogenannte „zionistische Synagogen“ besuchen, verschonen wollte. Die Ablehnung des Antrags ist von besonderer Bedeutung, da er sich gezielt auf Synagogen und jüdische Gemeindeorganisationen bezog. Offensichtlich zielt die Verknüpfung des Begriffs „zionistisch“ mit „Synagogen“ auf den Kern des Jüdischseins ab. Zudem rechtfertigt sie implizit, in Synagogen legitime Ziele für sogenannten antizionistischen Protest zu sehen.

„Demokratie ist nicht nur dazu da, anständigen Menschen zu ermöglichen, anständige Ansichten zu äußern.“

Es besteht kein Zweifel, dass es sich hierbei um eine scheußliche politische Linie handelt, die von widerwärtigen Personen ausgearbeitet und unterstützt wird. Sie befürwortet die Vernichtung Israels und liefert zugleich selbst jene Mitglieder der Grünen, die Synagogen besuchen, den antisemitischen Wölfen aus.

Dennoch ist es grundlegend falsch, von der Polizei zu verlangen, in die politischen Entscheidungsprozesse einer Partei einzugreifen. Abgesehen von der Aufstachelung zu Gewalt müssen Bürger das Recht haben, ihre Ansichten ihren Neigungen entsprechend zu äußern. So abstoßend die Zurschaustellung von Judenhass durch die Grünen am Wochenende auch war: Ihr Recht, diese Gesinnung zu äußern, muss in einer demokratischen Gesellschaft respektiert werden.

Anständigen Menschen dürfte es zweifellos schwerfallen, die Weigerung der Grünen zu verteidigen, selbst ihre eigenen jüdischen Parteikollegen zu schützen. Demokratie ist jedoch nicht nur dazu da, anständigen Menschen zu ermöglichen, anständige Ansichten zu äußern. Eine Demokratie muss es Parteien aller Schattierungen gestatten, ihre Standpunkte zu vertreten und ihre Ideen im öffentlichen Leben zur Diskussion zu stellen. Sobald Polizei und Justiz darüber entscheiden, was Mitglieder einer politischen Partei sagen dürfen und was nicht, gerät die Demokratie in ernste Gefahr. Es sollte der Wählerschaft obliegen, über die Zukunft der Grünen oder jeder anderen politischen Partei zu entscheiden. Das bedeutet, die antidemokratischen Haltungen und die antisemitische Politik der Grünen an der Wahlurne zu bekämpfen und zu besiegen.

Gegenwärtig dient die Partei der Grünen als Sammelbecken für antizionistische und antijüdische Aktivisten. Sie hat ihre klassische ökologische Ausrichtung der Weltsicht der Hamas und anderer islamistischer Bewegungen untergeordnet. Polizeiliche oder juristische Maßnahmen gegen die heutige Partei der Grünen werden jedoch kaum dazu beitragen, deren islamo-linke Unterstützerbasis zu schwächen. Ebenso wenig werden sie jüdische Menschen vor den Anfeindungen schützen, denen sie täglich ausgesetzt sind.

„Nur durch die Mobilisierung freiheitsliebender und demokratisch gesinnter Bürger lässt sich die Sicherheit jüdischer Menschen gewährleisten.“

Nur durch die Mobilisierung freiheitsliebender und demokratisch gesinnter Bürger lässt sich die Sicherheit jüdischer Menschen gewährleisten. Wenn die betreffenden Labour-Politiker den Antisemitismus wirksam bekämpfen wollen, sollten sie ihre Energie darauf verwenden, die eigene Partei dazu zu bewegen, die schwierige Lage der britischen Juden ernster zu nehmen.

Weder der Polizei noch der Justiz sollte es gestattet sein, einer Partei das Recht abzusprechen, ihre Standpunkte zu formulieren und über ihre politische Ausrichtung zu entscheiden. Tatsächlich hat die Grüne Partei damit einen wichtigen Dienst erwiesen: Indem sie ihre giftigen antijüdischen Ressentiments in der politischen Formel „Zionismus ist Rassismus“ festgeschrieben hat, hat sie ihre eigene Behauptung Lügen gestraft, wonach Antizionismus nichts mit Antisemitismus zu tun habe. Die „Grünhemden“ beweisen, dass Antisemitismus in vielen verschiedenen Farben daherkommen kann.

Die Verteidigung des Existenzrechts des Staates Israel und des Rechts britischer Juden, im Alltag sicher zu leben, ist ein ebenso heiliges Anliegen wie der Kampf gegen die Faschisten in den 1930er und 1940er Jahren. Dies können wir nur durch Meinungsfreiheit erreichen, nicht durch Zensur.

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