09.03.2022

„Die Denunzianten sind Feiglinge“

Interview mit Nick Buckley

Titelbild

Foto: Santeri Viinamäki via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Nick Buckley wurde gekündigt, weil er Black Lives Matter kritisiert hatte. Weil er sich wehrte, bekam er seinen Job zurück.

Das Aufflammen der Black-Lives-Matter-Bewegung (BLM) im Sommer 2020 wurde von einer Verschärfung der Cancel Culture begleitet. BLM-Kritiker werden mundtot gemacht, indem man ihnen Rassismus vorwirft. Es sind oft gecancelte Prominente, deren Geschichten in den Medien behandelt werden, aber die Cancel Culture ist für Normalbürger besonders gefährlich.

Eines der Opfer war Nick Buckley, der seit fast 20 Jahren als Mitarbeiter einer sozialen Einrichtung in Manchester tätig ist. Anfang des Jahres wurde Nick von der gemeinnützigen Vereinigung, die er gegründet hatte, entlassen. 1 Eine Petition forderte seine Entfernung als Reaktion auf einen Blogbeitrag, den er geschrieben und in dem er Black Lives Matter kritisiert hatte. Aber er hat sich gewehrt und wurde wieder eingestellt.

 

Spiked: Bitte erzählen Sie uns von Ihrer Arbeit und den Vorgängen, die zu Ihrer Entlassung geführt haben.

Nick Buckley: Ich arbeite seit fast zwei Jahrzehnten im Großraum Manchester und versuche vor allem, junge Menschen davon abzuhalten, in Kriminalität und unsoziales Verhalten zu geraten. Im Jahr 2011 habe ich einen gemeinnützigen Verein gegründet. Wir haben in einer Ein-Zimmer-Wohnung angefangen und uns zu einer Organisation mit über 20 Mitarbeitern entwickelt, die Gemeindezentren und Projekte auf den Straßen betreibt.

Im letzten Sommer habe ich zum ersten Mal von Black Lives Matter gehört. Ich habe mich damit beschäftigt und die Website gefunden. Ich war völlig schockiert von dem, was ich dort las. Ich hatte das Gefühl, dass die Ziele von BLM genau den Menschen schaden würden, denen sie angeblich helfen wollen. Ich bin ein großer Anhänger der Eigenverantwortung – wir dürfen die Menschen nicht wie Opfer behandeln und ihnen sagen, dass die Gesellschaft so ausgelegt sei, dass sie scheitern müssten. Das ist die falsche Botschaft.

Ich fühlte mich verpflichtet, die Leute wissen zu lassen, worum es bei der BLM-Bewegung wirklich geht. Ich schrieb einen 600-Wörter-Blogeintrag darüber und postete ihn auf LinkedIn. Einige widersprachen mir, aber höflich. Eine Woche später setzte jemand einen Link zu dem Blog auf Twitter. Das war der Moment, von dem an sich die Dinge überschlugen. Fast sofort richtete jemand eine Petition ein, um meine Entlassung beim Verein zu fordern. Es gab auch einige direkte Beschwerden an den Vorstand, die mir unterstellten, ich sei ein Rassist und ein Nazi, und dann geriet der Vorstand in Panik und kündigte mir – per E-Mail.

„Ich hatte das Gefühl, dass die Ziele von BLM genau den Menschen schaden würden, denen sie angeblich helfen wollen.“

Was hat Sie dazu bewogen, sich zu Black Lives Matter zu äußern?

Das erste war der Aufruf, die Finanzierung der Polizei zu streichen („Defund the police“). Ich habe noch nie so eine verrückte Idee gehört. Als ich als Sozialarbeiter für die Stadt gearbeitet habe, habe ich mit unzähligen Menschen darüber gesprochen, was ihnen wichtig ist. Ganz oben auf der Liste stand der Wunsch nach mehr Polizei in ihren Vierteln. Die Leute, die am meisten Polizei wollen, sind immer die Menschen, die in den ärmsten Gegenden leben, weil sie am ehesten Opfer von Verbrechen und antisozialem Verhalten werden. Genau die Leute, von denen BLM behauptet, sie wollen ihnen helfen, sind diejenigen, die am meisten unter diesem Vorschlag leiden würden.

Ich habe auch gesehen, dass BLM die westliche Kernfamilie zerstören will. Aber wenn es etwas gibt, das wir in unserem Land verbessern müssen – in den Bereichen, in denen ich arbeite – dann sind es die Familien. Wir brauchen Väter, die in den Haushalten bleiben. Väter in den Familien zu haben, ist etwas, was das Leben der jungen Menschen verbessert. Wenn es hier wirklich um das Leben von Schwarzen geht, warum reden wir dann so viel über einen amerikanischen Polizisten, der Tausende von Meilen entfernt in einem anderen System arbeitet? Er hat etwas Schreckliches getan – niemand verteidigt, was passiert ist. Aber wir brauchen keine Probleme aus anderen Ländern zu importieren. Wir müssen uns um unsere eigenen kümmern.

Wie haben Sie es geschafft, Ihren Job wieder zurück zu bekommen?

In der ersten Woche war ich total fertig. Ich sprach mit einem Freund, der mich fragte, warum ich keinem der Leute antworte, die mich in den sozialen Medien angriffen. Am nächsten Tag beschloss ich, mich zu wehren. Ich habe mit Tausenden von Menschen gesprochen, und meine Botschaft war immer, dass das Leben ungerecht ist, aber man sich nicht zum Opfer machen darf. Es war also an der Zeit, meinen eigenen Rat zu befolgen.

Und dann stand ein Journalist von der Mail on Sunday vor meiner Tür. Es war perfektes Timing. Ich gab ein großartiges Interview. Und von dem Tag an, als es in der Zeitung stand, änderte sich alles. Ich erhielt hunderte von persönlichen Nachrichten in den sozialen Medien von Leuten, die mir sagten, ich solle die Kritiker nicht an mich heranlassen. Das hat mir psychisch wirklich geholfen.

„Fast sofort richtete jemand eine Petition ein, um meine Entlassung beim Verein zu fordern. Es gab auch einige direkte Beschwerden an den Vorstand, die mir unterstellten, ich sei ein Rassist und ein Nazi, und dann geriet der Vorstand in Panik und kündigte mir – per E-Mail.“

Ein ehemaliges Vorstandsmitglied des Vereins startete eine Petition, um mich wieder einzustellen und sammelte 18.000 Unterschriften. Zu dieser Zeit trat ich auch der Free Speech Union bei. Das war fantastisch. Sie besorgte mir einen kostenlosen Anwalt, der sagte, es sei ein klarer Fall. Der Verein dachte, er könnte mich einfach entlassen, aber es gibt Gesetze für solche Situationen. Die Gewerkschaften haben auf diese Gesetze gedrängt, um Arbeiter vor ungerechtfertigten Entlassungen zu schützen. Es ist eine Schande, dass einige Gewerkschaften nicht an diesem Prinzip festhalten und angesichts dieser neuen Art von Verfolgung nicht für die Menschen kämpfen. Der Anwalt schrieb dem Vorstand. Er legte dar, welche Fehler der Vorstand gemacht hatte, und kündigte an, dass ich ihn verklagen würde, wenn er nicht zurückträte. Das tat er. Ein neuer Vorstand wurde ernannt und stellte mich wieder ein.

Wie groß ist die Bedrohung durch die Cancel Culture für normale Menschen?

Wenn man ein Otto-Normalverbraucher ist, hat man keine Ressourcen. Du hast keine Stimme. Als reiche, berühmte Person kann man wenigstens seine Version der Ereignisse nach außen tragen, weil man eine Fangemeinde in den sozialen Medien hat, oder die Presse die Geschichte aufgreift. Aber wenn man ein Durchschnittsbürger ist und die Mafia ist hinter einem her, dann ist man auf sich allein gestellt. Man hat nicht die finanziellen Mittel oder das Know-how, um eine Kampagne zu führen. Wenigstens hatte ich etwas Presseerfahrung. Aber dass die Sache bei mir so gut ausging, war vor allem Glück. Wenn die Mail on Sunday nicht gewesen wäre, glaube ich nicht, dass es so ausgegangen wäre.

Wenn wir über Cancel Culture sprechen, dann geht es nicht darum, dass jemand von einem anderen auf Twitter geblockt wird. Dass sich einer die Freiheit nimmt, einem anderen nicht zuzuhören. Cancel Culture ist, wenn aktiv versucht wird, das Leben von jemandem zu zerstören, weil einem nicht gefällt, was er sagt. Es ist der Versuch, jemanden zu entlassen, oder dafür zu sorgen, dass Arbeitgeber ihn nicht einstellen, oder seine Familie anzugreifen, um ihn zu zerstören.

„Eine Entschuldigung schafft das Problem nicht aus der Welt. Sie bringt die Leute nur dazu, Sie noch heftiger zu verfolgen.“

Was sagt der Angriff auf Sie über Black Lives Matter und Identitätspolitik im weiteren Sinne aus?

Das ist kein neues Thema. Wir haben in der Geschichte religiöse Eiferer und Diktatoren gehabt, die Menschen „gecancelt“ haben. Oft haben sie sie getötet. Wenn die Leute, die das früher getan haben, Diktatoren und Faschisten waren, dann kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Leute, die das heute tun, nur neue Ausprägungen dessen sind.

Wenn ich eine Rede halte oder einen Artikel oder einen Blogeintrag schreibe, denke ich, dass ich Recht habe. Aber ich bin immer offen dafür, dass mich jemand korrigiert oder darauf hinweist, dass ich einen Punkt falsch verstanden habe. Aber wenn man mit diesen Personen spricht, ist das anders. Sie denken nicht, dass sie Recht haben – sie wissen, dass sie Recht haben. Sie sind so überzeugt davon, dass sie sogar glauben, Gandhi und Mandela und Martin Luther King würden mit ihnen marschieren, wenn sie noch leben würden. Wer etwas anders sieht als sie, täuscht sich nicht, er ist böse. Sie machen da keinen Unterschied. Und wenn man glaubt, dass jemand böse ist, warum sollte man dann mit ihm diskutieren?

Was würden Sie Menschen raten, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie Sie sie erlebt haben?

Wenn sie nicht der Auffassung sind, dass sie wirklich eine Grenze überschritten haben, dann sollten sie sich auch nicht entschuldigen. Eine Entschuldigung schafft das Problem nicht aus der Welt. Sie bringt die Leute nur dazu, Sie noch heftiger zu verfolgen.

Man muss sich wehren. Wenn einem alles weggenommen wird, dann ist man ein gefährliches Individuum. Du hast nichts zu verlieren, also nimm es nicht einfach hin. Suche Leute wie mich und wende dich an uns. Verschaffe deiner Stimme Gehör und versuche, mit der Presse zu sprechen. Es ist schwer. Aber ich habe eines gelernt: Wenn man einen vernünftigen Angriff und eine vernünftige Verteidigung hinbekommt, dann knicken solche Leute wie die, die hinter mir her waren, ein. Wenn man eine Kampagne aufzieht, sind sie leicht zu schlagen. Weil sie alle Feiglinge sind, und weil das, was sie glauben, weder Hand noch Fuß hat.

Das Interview führte Paddy Hannam.