05.03.2012

Der Tod von Peak-Oil

Kommentar von Rudolf Kipp

Der Klimawandel ist out. Aktuell werden grüngefärbte Verzichtsforderungen mit der angeblichen Endlichkeit fossiler Energieträger gerechtfertigt – mit einem Mythost. Schiefergas aber auch Schieferöl sind einer aktuellen Studie zufolge massenhaft vorhanden

Seitdem in Deutschland die Hysterie um einen durch Menschen verursachten Klimawandel mit der letzten Veröffentlichung des Klimaberichts des IPCC im Jahr 2007 seinen Höhepunkt erlebt hatte, glauben heute immer weniger Leute in unserem Land daran, dass wir durch das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas die Temperaturen auf der Erde bedrohlich ansteigen lassen.
Dieser Meinungsumschwung in der Bevölkerung sollte eigentlich auch Auswirkungen auf die Akzeptanz der sogenannten Erneuerbaren Energien haben. Schließlich war das Schlüsselargument, warum wir unsere Energieversorgung möglichst schnell auf deutlich teurere und zudem in der Produktion vom Wetter abhängige Arten der Erzeugung umstellen müssen, der ansonsten unvermeidlich eintretende Klimakollaps.

Aber auch nachdem die vermeintliche Bedrohung des Globalklimas in der Bevölkerung und offensichtlich auch in weiten Kreisen der Politik nicht mehr als herausragendes Problem wahrgenommen wird, hält man an den Zielen, unser Land in absehbarer Zeit beinahe vollständig mit NIEs (Neuen Ineffizienten Energien) zu versorgen, unbeirrt fest. Lediglich die Begründung dafür hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Heute ist das Hauptargument für die „große Transformation“ unserer Energieversorgung nicht mehr der drohende Klimakollaps, sondern die Endlichkeit der fossilen Energieträger.

Bedrohung durch Peak-Oil ersetzt den Klimawandel

Das Schlagwort der Bewegung lautet „Peak-Oil“. Damit ist der Zeitpunkt gemeint, von dem an die Produktion von Öl auf der Erde geringer ausfällt, als die Nachfrage. Von dem Punkt an, so die gängige Sichtweise, wird das Öl (und analoges gilt für Gas oder Kohle) zunehmend teurer werden. Dieser Preisanstieg bei der Energie soll schließlich zum Zusammenbrechen der Industriegesellschaften führen. Das alles gilt als absolut unvermeidbar, so die alarmistische Sichtweise, wenn wir nicht möglichst bald gegensteuern.

Dieses Weltbild hat in Deutschland bislang dazu geführt, dass durch den Ausbau der NIEs zumindest die Strompreise in ungeahnte Höhen geklettert sind. Und ein Ende der Preisspirale nach oben hin ist nicht abzusehen. Schließlich soll das politische Ziel, Deutschland im Jahr 2020 mit mindestens 35 Prozent „Erneuerbaren“ zu versorgen, unbedingt erreicht werden.

Der Tod von Peak-Oil

Doch das dieser Entwicklung zugrunde liegende Bild muss möglicherweise nach einer Untersuchung der Citygroup gründlich revidiert werden. Nach der Studie „Das Wiederaufleben der nordamerikanischen Öl-Produktion und der Tod der Peak-Oil Hypothese“ (Resurging North American Oil Production and the Death of the Peak Oil Hypothesis) wird vor allem die Förderung von „unkonventionellem“ Öl und Gas dazu führen, dass das Ende der Fahnenstange bei den fossilen Rohstoffen noch lange nicht erreicht, ja noch nicht einmal in Sichtweite ist.

„Der Glaube daran, dass die globale Ölproduktion ihr Maximum erreicht hätte, oder dass der Höhepunkt unmittelbar bevor stehen würde, hat dabei geholfen, den Ölpreis in den letzten 10 Jahren immer weiter ansteigen zu lassen. Das Wiederaufleben der US-Gasproduktion auf Werte, die über dem bisherigen Maximum in den 70ern liegen, und die USA zur Nummer eins beim Ausbau der Gasproduktion gemacht hat, ist ein Resultat der Technik des hydraulischen Aufbrechens (Fracking), welche bei Schiefergas-Lagerstätten im ganzen Land angewendet wird. Die gleichen Firmen nutzen jetzt die gleiche Technologie bei Schiefer-Öl-Lagerstätten, mit Ergebnissen die ähnlich vielversprechend aussehen, wie in frühen Stadien der Schiefergas-Revolution.“


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Die Vorhersagen der Ölproduktion in den Nicht-Opec-Staaten der Internationalen Energieagentur (IEA). Seit 2009 zeigt der Trend nach oben. (Angaben in Millionen Barrel pro Tag)


Diese Entwicklung zeigt einen Aspekt der Geschichte der Menschheit ganz deutlich auf, der von den Untergangspropheten immer gerne übersehen wird. Die Fähigkeit zur Erforschung und Entwicklung neuer Technologien. Immer dann, wenn Menschen glaubten, dass der bisherige Weg unmittelbar in die Sackgasse, oder schlimmer, in den Untergang führen würde, wurden die Prediger des nahen Endes von technologischen Neuerungen überrascht.

Untergangspropheten übersehen regelmäßig die Fähigkeit zur Weiterentwicklung. So wurden etwa im New York gegen Ende des 19. Jahrhunderts Stimmen lauter, die vor dem drohenden Kollaps durch die immer größer werdende Menge an Pferdemist warnten. Spätestens in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts sollte die Stadt meterhoch unter den Ausscheidungen der Tiere begraben sein. Das es nicht dazu kam liegt daran, dass die rasante Entwicklung des Automobils das Pferd ziemlich schnell überflüssig machte.

Dieses Beispiel macht zwei Punkte deutlich. Zum einen, dass technologischer Fortschritt jede Projektion einer momentanen Entwicklung in die Zukunft sehr schnell völlig wertlos machen kann. Und zum anderen, dass es uns in aller Regel schlicht nicht möglich ist vorherzusagen, welche technischen Neuerungen die Zukunft für uns bereit hält.

So wie das Beispiel von Schiefergas und Schieferöl uns zeigt, dass durch den menschlichen Erfindungsreichtum sämtliche Prognosen über die Energieversorgung der Zukunft über einen längeren Zeitraum völlig unsinnig sind, so abwegig ist der Leitgedanke der Nachhaltigkeit, demzufolge die politischen Entscheider die Gegenwart so auszurichten habe, dass unser Handeln nachfolgende Generationen nicht negativ in ihren Entwicklungsmöglichkeiten beeinflusst.

Der Irrglaube der „Nachhaltigkeit“

Wir können aber schlicht nicht wissen, welche Möglichkeiten unseren Nachfahren zur Verfügung stehen werden. Wenn man aus der Vergangenheit eine Lehre ziehen kann, dann die, dass es aufgrund technischer Neurungen immer wieder zu Entwicklungen kam, aufgrund derer das davor gültige (oftmals fatalistische) Bild der Zukunft vollständig revidiert werden musste.
Es besteht kein Grund anzunehmen, dass die Entwicklung der Gas- und Ölförderung, welche in den USA zu einer Revolution auf dem Energiemarkt geführt hat, nicht auch in anderen Ländern ganz ähnlich verlaufen wird. Damit verliert das Gespenst eines baldigen Endes der fossilen Energieträger vollständig seinen Schrecken. Die Menschheit hätte somit sehr viel Zeit gewonnen, um Formen der Energieerzeugung zu entwickeln, die eine wirkliche Alternative zu den bestehenden Strukturen darstellen.

Der Hype um die „Erneuerbaren Energien“ wird in einigen Jahrzehnten wohl als ein skurriles Zwischenspiel angesehen werden, angetrieben von einer hysterischen Menschheit, die mal wieder das Ende der Welt aufziehen sah. Bei dieser Rückbetrachtung wird Deutschland eine Sonderrolle einnehmen. Und zwar als das Land, welches am längsten und mit dem meisten Nachdruck weiterhin geglaubt hatte, man könnte ein Industrieland vollständig mit Energie aus Wind und Sonne und mit dem, was der heimische Acker hergibt, versorgen.