17.09.2010

Der alte Mann und das Klima

Kommentar von Thilo Spahl

Kopenhagen ist gescheitert. Wir müssen den Chinesen und Indern dafür danken.

Es war ein Vergnügen, den Buhmann der internationalen Klimabürokratie sprechen zu hören. Am Mittwoch, den 15. September 2010 stellte Fred Singer auf Einladung des wirtschaftspolitischen Sprechers der FDP Bundestagsfraktion, Paul Friedhoff, in kleiner Runde seine Sicht der Dinge dar. Der 85 jährige gebürtige Wiener, der als Jugendlicher zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in die USA emigrierte, entschuldigte sich vorab charmant für sein Kinderdeutsch und sprach in der Tat in klaren Worten. Er habe gute Nachrichten. Kopenhagen sei gescheitert. „Wir müssen den Chinesen und Indern dafür danken.“

Mit diesem Satz gewinnt der kleine freundliche alte Herr mit Cowboy-Schlips meine Sympathie, denn es steckt mehr darin als nur der Verweis auf die Tatsache, dass sich die aufstrebenden asiatischen Mächte nicht zu massiver CO2-Reduzierung verpflichten lassen. In Singers Worten höre ich auch Respekt für die Einstellung der Asiaten. Armut, sagt er, könne nur durch Wachstum überwunden werden. Und das hält er für ein hehres Ziel. Es mag ihm bewusst sein, dass ein Gutteil der hier zelebrierten Klimaretterei der Angst vor den dynamischen, fortschrittsorientierten China geschuldet ist. Das Kioto-Protokoll habe Billionen gekostet und nichts gebracht. Warum? Weil in Hinblick auf das Klima das Folgende gelte:
1. Das Klima ändert sich immer. (Die nächsten 200 Jahre wird es wohl wärmer werden, dann dürfte es wieder in Richtung Eiszeit gehen)
2. Der Mensch ist nicht verantwortlich für die Veränderung des Klimas
3. Menschen verändern die Zusammensetzung der Atmosphäre. Die CO2-Konzentration nimmt zu. Das hat vielleicht einen Einfluss, aber einen unbedeutenden.
4. Der Weltklimarat IPCC gibt dem CO2 die Schuld an der aktuellen Klimaerwärmung, hat aber keine Beweise dafür.
5. Das NIPCC (Nongovernmental International Panel on Climate Change) gibt dem CO2 nicht die Schuld.
6. Es gibt keinen Konsens. Die Skeptiker werden gewinnen.

In der Tat gibt sich Singer, der sich gerade auf der Rückreise von Indien nach Amerika befindet, zuversichtlich. In sechs Wochen meint er, könnte sich mit den Kongresswahlen in den USA das Blatt wenden. Und selbst in Deutschland, hofft er, werde man sich vielleicht zu einer Neueinschätzung der Situation durchringen. Der Klimaalarmismus habe in Deutschland vor 25 Jahren mit einem Papier der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und der nachfolgend eingerichteten Enquete-Kommission des Bundestags „Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre“ seinen Ausgang genommen. Vielleicht werde er ja auch hier sein Ende finden. Der Bundestag möge eine neue Enquete einsetzen, schlägt er vor, doch daran will keiner glauben.

Wie weiter? Schön wäre es, wenn es einen allwissenden Gott gäbe, der uns mal eben flüstern könnte, ob Singer mit seiner Einschätzung richtig liegt oder nicht. Es gibt ihn nicht, und ich höre kein Flüstern. Also muss ich mir eingestehen, dass ich es nicht entscheiden kann. Ich muss aber auch gar nicht notwendig wissen, ob CO2-Emissionen maßgeblich zur Klimaerwärmung beitragen, oder nicht, um Folgendes sagen zu können: Die deutsche, von Regierung und Opposition getragene Klimapolitik ist teure Symbolpolitik. Sie dient vor allem dazu, sich gegenseitig der moralischen Überlegenheit zu vergewissern.

Meine schnell notierten Thesen, für die es keine Rolle spielt, ob CO2 zur Klimaerwärmung führt oder nicht, und die ich gern zur Diskussion stelle, lauten:
- Forschen und entwickeln statt subventionieren! (Ineffiziente Solarzellen kosten jährliche Milliarden und haben praktisch keinen Einfluss auf das Klima. Die Entwicklung neuer Möglichkeiten der Energiegewinnung wird dagegen vernachlässigt.)
- Klimaforschung statt Klimafolgenforschung (vorausgesetzt, wir finden Klimaforscher, die sich nicht als Weltenretter berufen fühlen). Und dann schauen wir in zehn oder 20 Jahren nochmal, wie der Stand der Wissenschaft ist.
- Billige und reichlich verfügbare Energie ist gute Energie! Für globalen Fortschritt müssen wir die Energienutzung weiter massiv erhöhen, anstatt sie zu senken! (trotz selbstverständlich wünschenswerter Effizienzsteigerung) Dabei hat die Kernenergie höchste Priorität, weil das mit Abstand höchste Potenzial. Umweltschutz soll beachtet werden, vermeintlicher Klimaschutz nicht!
- Anpassen statt abwehren! Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass wir mit Klimaveränderungen umgehen können, als dass wir sie verhindern können.