14.04.2026
Das beschämende Schweigen zu Massakern in Nigeria
Von Sean Nelson
In Nordnigeria schlachten Islamisten Christen ab, wie jüngst am Palmsonntag. Westliche Mainstream-Medien schauen weg oder spielen die Morde herunter.
Für Christen weltweit läutet der Palmsonntag die Karwoche ein, in der an den Einzug Jesu Christi in Jerusalem erinnert wird. Am diesjährigen Palmsonntag, dem 29. März, erlebten Christen in Jos, einer Stadt im nordnigerianischen Bundesstaat Plateau, wie mit AK-47 bewaffnete Dschihadisten auf Motorrädern in ihre Stadt eindrangen. Dutzende wurden daraufhin getötet. Ein lokaler Gemeindevorsteher berichtete mir von dem Schmerz, mit einer alleinerziehenden Mutter gebetet zu haben, deren 17-jähriger Sohn ermordet worden war. Eine andere Frau war schwanger, als sie erschossen wurde.
In den Tagen nach dem Anschlag zogen muslimische Gruppen weiterhin durch die Stadt und suchten gezielt nach Christen, um sie zu töten. Warum die Sicherheitskräfte sie nicht daran hinderten, ist unklar.
Die Brutalität des Anschlags und das Geschehen in der sonst so friedlichen Stadt Jos – und nicht in den ländlichen Gebieten südlich der Stadt, in denen seit Jahren brutale Massaker an Christen verübt werden – haben Aufmerksamkeit erregt. Es war jedoch nicht der einzige Anschlag auf Christen in Nordnigeria am Palmsonntag.
Im benachbarten Bundesstaat Kaduna wurden während einer Hochzeitsfeier über ein Dutzend Christen getötet, viele weitere wurden entführt und für sie Lösegeld gefordert. Am nächsten Tag wurden in der Nähe von Chibok, im Nordosten Nigerias (demselben Ort, an dem 2014 Hunderte, zumeist christliche Schülerinnen, von Boko Haram entführt wurden) weitere zwölf Christen vom Islamischen Staat/Provinz Westafrika (ISWAP) – getötet.
„Angesichts der hohen Opferzahlen ist Nordnigeria für Christen seit Jahren der gefährlichste Ort der Welt.“
In Nigeria sind christliche Feiertage zu einem bevorzugten Zeitpunkt für Dschihadisten geworden, um christliche Gemeinden zu terrorisieren. So wurden letztes Jahr nach einem Palmsonntagsgottesdienst im Dorf Zikke nahe Jos über 50 Christen getötet und während der Fasten- und Osterzeit starben über 240 Menschen in den Bundesstaaten Plateau und Benue. Am Heiligabend 2023 wurden rund 200 Christen – manche Schätzungen gehen von höheren Zahlen aus – in Dutzenden Dörfern südlich von Jos massakriert.
Angesichts dieser hohen Opferzahlen ist Nordnigeria für Christen seit Jahren der gefährlichste Ort der Welt. Die christliche Hilfsorganisation Open Doors geht davon aus, dass im Jahr 2025 fast 3500 Christen aufgrund ihres Glaubens gezielt angegriffen und ermordet wurden, und hält diese Zahl eher für zu niedrig angesetzt. Dutzende terroristische und dschihadistische Gruppen kontrollieren nahezu jeden Winkel Nordnigerias, und Angriffe können anscheinend überall und jederzeit erfolgen. Frühwarnungen werden ignoriert.
In manchen Teilen Nigerias können Christen allein für das Bekenntnis zu Jesus gesteinigt und vor laufender Kamera verbrannt werden, ohne dass die Täter dafür zur Rechenschaft gezogen werden.
Im vergangenen Jahr schien es endlich ein Umdenken in Bezug auf diese verheerende Krise zu geben. Zumindest einige bedeutende Medienvertreter begannen, ihr Aufmerksamkeit zu schenken, und US-Präsident Donald Trump warnte die nigerianische Regierung, sie tue viel zu wenig, um die Christenverfolgung zu stoppen.
„Die Mainstream-Medien verschließen die Augen vor der Realität.“
Die vergangenen Weihnachtsfeiertage verliefen relativ friedlich, was möglicherweise daran lag, dass der Druck der USA so schnell und so stark zugenommen hatte und in US-Luftangriffen gegen Terroristen im Bundesstaat Sokoto im Nordwesten Nigerias gipfelte. Doch im neuen Jahr begannen die Angriffe und Massenentführungen erneut. Zwar werden Fortschritte erzielt, doch die für eine dauerhaften Verbesserung notwendigen strukturellen Veränderungen brauchen Zeit, um vollständig umgesetzt zu werden. Dies nutzen die entschlossenen Dschihadisten aus.
In den Mainstream-Medien findet man jedoch wenig bis nichts darüber. [In Deutschland war das Massaker keiner Nachrichtensendung wichtig genug – Anmerkung d. Red.] Die BBC berichtete über den Anschlag am Palmsonntag in Jos, bezeichnete ihn jedoch beschämenderweise als „Angriff auf eine Bar“ und behauptete, die Gewalt sei durch Streitigkeiten um „Zugang zu Land und Wasserstellen“ verursacht worden. Die New York Times spielte den offenkundigen religiösen Aspekt der Attacke herunter, die Gewalt sei „viel komplexer“ und „eher von Kriminellen als von religiösen oder ethnischen Spannungen angetrieben“.
Die Mainstream-Medien verschließen die Augen vor der Realität. Wenn die Opfer Christen sind, wird die Geschichte einfach vertuscht. Sind islamistische Dschihadisten die Täter, müssen sie ihrer Meinung nach von allem anderen als Religion zu ihrer Tat inspiriert worden sein.
Der nigerianische katholische Bischof Jude Arogundade erlebte am Pfingstsonntag 2022 den Angriff von Dschihadisten auf eine Kirche seiner Diözese, bei dem über 40 Menschen starben. In seiner Predigt am Palmsonntag sagte er, er habe das Ausmaß der Christenmorde früher selbst angezweifelt, doch nun sei er sich sicher: „Sie geschehen, und sie breiten sich rasend schnell aus“.