29.01.2010

Wofür der Winter gut ist

Von Peter Heller

Eis und Schnee in Deutschland sind kein Beweis gegen eine mutmaßlich menschgemachte globale Erwärmung, aber ein Beleg für ihre Belanglosigkeit.

Wir frieren hier langsam ein – und das gefällt mir nicht. Seit Tagen klirrende Kälte, der Schnee hat sich in eine feste Eisdecke verwandelt. Das Hoch über dem Osten Europas hat weite Teile Deutschlands im Griff. Und viele Mitbürger bestätigen meine Auffassung: Dieser Winter ist ungewöhnlich schneereich und ungewöhnlich kalt. Jedenfalls im Vergleich zu den vergangenen Jahren. In diesem Zusammenhang muten natürlich die Meldungen von globalen Temperaturrekorden (laut NASA war 2009 das Jahr mit der zweithöchsten mittleren globalen Temperaturanomalie seit Beginn ihrer Temperaturreihe im Jahr 1880) seltsam an. Seltsam der Realität entrückt, und das sind sie auch.
Es gibt berechtigte Zweifel daran, ob das Verfahren, nach dem man die „mittlere globale Temperaturanomalie“ bestimmt, valide ist. Ob also die Art, wie man die Daten erhebt und auswertet, überhaupt geeignet ist, die zu messende Größe zu repräsentieren. Es gibt sogar berechtigte Zweifel daran, ob die durch den Menschen definierte globale gemittelte Temperaturabweichung überhaupt einen Aspekt der Realität physikalisch aussagekräftig widerspiegelt. Aber das lasse ich mal für den Moment dahingestellt. (Ein paar Gedanken hierzu finden Sie in auch in Novo 103 (11-12 2009).)
Denn es spielt für die Bewertung dieses Winters keine Rolle. Die Kältewelle auf der Nordhalbkugel als Widerlegung der Hypothese von der menschgemachten Erderwärmung anzusehen, ist ein Trugschluss. Ein Beweis für die globale Erwärmung ist sie auf der anderen Seite aber auch ganz sicher nicht. Dieser Winter lenkt den Blick auf etwas völlig anderes:
„Auch wenn wir einen Erwärmungstrend von rund 1° C hinter uns haben – die Schwankungsbreite des lokalen Wetters ist noch ein Vielfaches größer, und die wird es immer geben.“ Dieser Winter zeigt uns, dass der menschgemachte Klimawandel, wie er nach Auffassung vieler Wissenschaftler stattfindet, völlig belanglos ist.
Es gibt eine Reihe von Grundtatsachen, an denen auch eine noch so hohe Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre nichts ändern kann. Die Erde ist eine Kugel, je näher man an die Pole kommt, desto kälter wird es im Mittel, weil die Sonnenstrahlen entsprechend flacher einfallen. Die Erde rotiert um ihre eigene Achse, und somit wird gut die Hälfte ihrer Oberfläche regelmäßig für viele Stunden nicht von der Sonne beschienen. Es gibt Tag und Nacht – und nachts ist es nun einmal kälter als tagsüber. Zudem ist die Erdachse um etwa 23,4° gegen die Bahnebene des Umlaufes um die Sonne geneigt. Dies verursacht in den mittleren und hohen Breiten unseres Planeten deutlich unterscheidbare Jahreszeiten. Klimazonen, der Wechsel zwischen Tag und Nacht, Sommer und Winter – solche natürlichen Variabilitäten sind es, die in erster Näherung unser lokales Klima und unser lokales Wetter hinsichtlich der Temperaturen bestimmen. Überall auf der Welt. Und die dadurch hervorgerufenen Schwankungsbreiten in den lokalen Temperaturen sind enorm. Über die gesamte Erdoberfläche hinweg gelangen sie in die Größenordnung von 100° Celsius. Selbst bei mir zu Hause liegen zwischen Tag und Nacht oder Sommer und Winter 30° Celsius und mehr.
Die aktuelle Kältewelle ist also keine Überraschung. Sie ist natürlich. Als Überraschung kann sie nur empfinden, wer angesichts der Klimapropaganda geglaubt hat, eine globale Erwärmung um einzelne Temperaturgrade würde sich erstens überall gleichmäßig auswirken und wäre zweitens die dominante Kraft, die in Zukunft unser Wettergeschehen bestimmt. Man kann es aber nicht oft genug betonen: Welcher Trend auch immer sich in global gemittelten Werten zeigt, lokal kann er ein völlig anderer sein. Wenn es global gemittelt wärmer wird, ist das durchaus mit einer lokalen Abkühlung verträglich. Und die Größenordnung, um die es nach den globalen Projektionen des Weltklimarats (IPCC) überhaupt wärmer werden kann, ist nicht geeignet, an der Dominanz der natürlichen Faktoren etwas zu ändern.
Globale Mittelwerte kann man nicht wahrnehmen. Keine Pflanze und kein Tier haben einen Sensor dafür. Die Menschen und ihre Umwelt sind an ihre lokalen Umgebungen und damit auch an ihr lokales Wetter angepasst. Die behauptete Erwärmung um etwa 1° (meinethalben auch 0,6 oder 0,7°) in den letzten 100 Jahren hat den strengen Winter nicht verhindert. Und auch eine projizierte um weitere 4° oder mehr bis zum Ende dieses Jahrhunderts wird dies nicht schaffen. Oder anders ausgedrückt: Es interessiert die Eisdecke in meiner Garageneinfahrt nicht, ob das Thermometer nun 15° oder nur 10° unter Null zeigt und auch meine Enkel werden weiterhin Streusalz benötigen. 
Was dieser Winter den Menschen also in aller Deutlichkeit zeigt, ist der geringe Effekt eines mutmaßlichen anthropogenen Einflusses auf Klima und Wetter angesichts der Größenordnung und der Variabilität der natürlichen Prozesse. Vor diesem Hintergrund ist der verzweifelte Versuch, die Nachricht vom „zweitwärmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen“ in den Medien gegen Climategate und Glaciergate zu platzieren, sogar ein schwerer taktischer Fehler. Die Menschen begreifen langsam, dass dieses „zweitwärmste Jahr“ sie überhaupt nicht betrifft.
Und vielleicht wird nun auch endlich die Strategie der Verbesserung der Anpassung an die natürlichen Schwankungen auf lokaler Ebene als die erkannt, die die Antwort auf den mutmaßlich menschgemachten Klimawandel mit beinhaltet.
Ganz genau, Herr Rahmstorf: „Auch wenn wir einen Erwärmungstrend von rund 1° C hinter uns haben – die Schwankungsbreite des lokalen Wetters ist noch ein Vielfaches größer, und die wird es immer geben.“ So war es, so ist es, und so wird es auch in Zukunft sein. Ihre Klimaforschung ist wichtig, um den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess voranzutreiben, relevante Empfehlungen für praktische, an den Interessen der Menschen ausgerichtete Politik aber liefert sie nicht.