05.08.2011

„Wider die Angstkultur“ (Teil 3: Climate Change Futures)

Von Helge Fischer

ATELIER: Mit den Werken der Serie "Wider die Angstkultur" untersucht und kritisiert der Berliner Designer Helge Fischer Ängste und kulturelle Unsicherheiten in den gegenwärtigen westlichen Gesellschaften. "Climate Changes Future" ist ein Statement zur Risikowahrnehmung des Klimawandels

Wir leben scheinbar in sehr unsicheren Zeiten. Wir fühlen uns bedroht durch den weltweiten Terror, japanische Atomkraftwerke, Antibiotika-resistente Bakterien oder muslimische Zuwanderer. Landauf, landab warnen Experten, Moralprediger oder Umweltaktivisten vor den vielfältigen Gefahren der modernen „Risikogesellschaft“. Wir sollen Angst haben, lautet die immer gleiche Botschaft: Angst vorm Klimawandel, vor kriminellen Jugendlichen, vor Flüchtlingswellen, vor neue Technologien, vor beruflicher Unsicherheit oder vor zwischenmenschlichen Beziehungen. Unsere kulturelle Umgebung befeuert Angstgefühle und beeinflusst, wie wir Angst erleben und mit ihr umgehen.

Der Berliner Designer Helge Fischer (www.hfischer.info) untersucht mit seinen Arbeiten diese „Angstkultur“ (1) und zeigt auf, wie sie unser Verhalten beeinflusst und sämtliche menschliche Beziehungen fundamental verändert. Welchen Preis zahlen wir dafür, dass wir nicht unseren Ängsten ins Auge sehen, sondern vielmehr versuchen, jedes mögliche Risiko zu vermeiden? Wie sollten wir auf individuellem und gesellschaftlichem Level mit unseren Ängsten umgehen? Im ersten Teil der Serie “Safe Cuddling” hinterfragt Fischer den zunehmend paranoiden Umgang mit Kleinkindern in westlichen Gesellschaften, im zweiten Teil

“Display of Affection” Ängste in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Teil 3:Climate Change Futures

Praktisch sämtliche unserer Handlungen werden inzwischen daraufhin untersucht, inwieweit sie sich klimaneutral oder klimaschädlich auf die Umwelt auswirken. Kein Lebensbereich wird ausgespart bei dieser Evaluation, die banalsten Aktivitäten werden aufgeladen und verweisen auf eine düstere, unheilvolle Zukunft (1). Werden meine Enkel Klimaflüchtlinge aufnehmen müssen, wenn ich nicht ordnungsgemäss recycle? Sterben die Eisbären aus, wenn ich zu lange unter der Dusche stehe?


Film 1: Alltägliche Handlungen, die negative Auswirkung auf unsere CO2-Bilanz haben können

 


Film 2: Eine schlechte CO2-Bilanz verstärkt die prognostizierten Auswirkungen den Klimawandels

 


Es ist dieser grosse Kontrast von banalen, alltäglichen, Freude bereitenden oder unschuldigen Aktivitäten auf der einen Seite und die Verknüpfung dieser Aktivitäten zu solch unheilvollen Vorhersagen auf der anderen Seite, der verwirrt. Der Unglauben hervorruft. Angst. Ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle. “Wer lebt stört?!” (2) könnte man denken und diese Aussage wäre natürlich eine unsagbare Beleidigung unserer Gattung! Eine grosse Selbstdiffamierung, eine sehr feindliche Sicht auf uns und unsere Errungenschaften. Wie sollten wir auf das von Umweltschützern propagierte negativistische Menschenbild reagieren? Wie antworten wir auf die kollektive Beleidigung, dass der Klimawandel, mit all seinen negativen Auswirkungen, menschengemacht ist?

Die nachfolgenden fiktiven Dokumente des Designers Helge Fischer (www.hfischer.info) verweisen auf mögliche Zukünfte in unserem Umgang mit dem Klimawandel und spielen mit den Ängsten und Hoffnungen einer Menschengeneration, die sich ihres Platzes auf dem Planeten nicht mehr sicher ist.

 

Dokument 1: Die “Climate Change Clinic” öffnete Mitte des 21. Jahrhunderts, als mehr und mehr Menschen aufgrund des neuen negativen Menschenbildes psychische Probleme bekamen. Dies ist eine ihrer Anzeigen.

 

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Dokument 2: Ein Zertifikat über eingehaltenen Veganismus. Mehr und mehr Behörden und öffentliche Einrichtungen verlangen seit Mitte des 21. Jahrhunderts die Vorlage dieser Bescheinigung. Schnell bildete sich eine halblegale Industrie rund um die Beschaffung dieser Bescheinigung, z.B. durch die Manipulation von Blutwerten.

 

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Dokument 3: Das Manifest der Gruppe “Radikale Nihilisten”. Wie einflussreich diese Gruppe tatsächlich ist und inwieweit sie zum fortschreitenden Klimawandel beiträgt, ist umstritten.

 

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