20.07.2012

„Terra Preta“ – ein grüner Mythos

Essay von Rainer Kluge

Viel wird aktuell über „Terra Preta“ – die angebliche Wundererde vom Amazonas – geredet. Der Agrarwissenschaftler Rainer Kluge nimmt die in einer Fernseh-Dokumentation präsentierten Mythen zum Anlass, Chancen und Risiken der Technologie faktenbasiert zu beurteilen und einzuordnen

Berichte über die „Terra Preta“, die sagenumwobene Schwarzerde aus den Regenwäldern des Amazonas [1], haben schon seit längerem Konjunktur in der deutschen Forschungs- und Medienlandschaft. Regelmäßig finden Tagungen und Workshops statt, in denen die Verheißungen einer völlig neuen Ackerkultur mit nachhaltiger Bodenfruchtbarkeit verkündet werden. Endlich, so hört man, werden wir über ein Verfahren verfügen, mit dem die stetige Zerstörung unserer Ackerböden durch Agrochemie und Intensivlandwirtschaft ein Ende haben wird. Mit Terra Preta können wir künftig den Humusgehalt unserer Ackerflächen, der ansonsten immer mehr abnehmen würde, auf hohem Niveau und die Böden auf Dauer fruchtbar halten wie nie zuvor.

Eigentlich eine schöne Geschichte. Aber was hat sie dermaßen zum Hype in Politik und alternativem Bodenschutz werden lassen, dass eine unaufgeregte sachliche Abwägung von Chancen und Risiken angesichts der euphorischen Erwartungen in diese neue Technologie – diesen Eindruck gewinnt man – gar nicht mehr möglich scheint? Schließlich gibt es lange bewährte Alternativen, von der Agrarforschung gründlich geprüft und etabliert, wie man die Bodenfruchtbarkeit unserer Ackerböden, vor allem ihre Humusreproduktion, nachhaltig gestalten kann, auch ohne Terra Preta. Ganz ohne Zweifel, es sind wohl die prognostizierten Aussichten, mit Hilfe der Terra Preta gleichzeitig „zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“, in die vor allem der Ökolandbau und alternative Bodenschützer ganz erhebliche Hoffnungen setzen: Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit und Kohlenstoff(C)–Sequestrierung als Beitrag zum Klimaschutz [2].

ZDF-Dokumentation zur Terra Preta mit Kontrastprogramm

Dieses Medieninteresse nutzend, sendete das ZDF am 12.11.2011 eine Dokumentation zum Thema „Die Wiederentdeckung der ‚Terra Preta’“, gedreht von dem bekannten Schriftsteller Ingo Schulze unter Mitarbeit von Christine Traber [3]. Die beiden Kulturschaffenden haben sich viel Mühe gegeben, sind an die Schauplätze der Entstehung der Terra Preta am Amazonas gefahren, haben dort Einwohner und Fachleute befragt und im Ganzen zum Thema eine durchaus informative und unterhaltsame Darbietung abgeliefert. Dass diese teilweise schon mal ins Märchenhafte abglitt, gleich die Lösung der enormen Ernährungsprobleme auf der ganzen Welt durch die Terra-Preta-Technologie in Aussicht stellte, das toleriert der Zuschauer aus Erfahrung heraus, will doch heute jede Fernsehdokumentation mindestens ökologisch korrekt, besser noch die Menschheit beglückend und rettend auftreten.

Offenbar fehlte den Autoren noch etwas wesentliches, um die Vorteile der Terra Preta deutlich positiver herauszustellen. Ein negatives Kontrastprogramm musste her, die reißerische Geschichte vom desolaten Humuszustand deutscher Ackerböden, das dem Zuschauer klar machte: Ohne Terra Preta geht unsere Bodenfruchtbarkeit endgültig „den Bach runter“. „Wir zerstören die Böden in Deutschland mit einer gnadenlosen Geschwindigkeit“, so die Botschaft von Prof. Dr.-Ing. Ralf Otterpohl, einem Fachmann für Abwassersysteme der Universität Hamburg-Harburg, der vom ZDF als „Bodenexperte“ gewonnen worden war. Er legte auch gleich nach: „Brandenburg ist schon Steppe“, dem Zuschauer suggerierend, dass nicht nur Brandenburg, sondern schon weite Teile Deutschlands kurz vor der Versteppung stünden. Und: „Die Landwirte können dagegen nicht viel machen.“ Denn: „Wir haben eine Art von Landwirtschaft, die zieht immer nur raus und bringt nur das Mineralische rein, aber nicht das Organische, was der Boden braucht.“

Unterstützt wurde er von Dr. Jürgen Reckin aus Brandenburg, der dem Zuschauer ein erschreckendes Bild von den dramatischen Humusverlusten deutscher Ackerböden vermittelte: „Wir hatten vor 150 Jahren in Brandenburg Weizenböden mit 4 Prozent (!) Humus. Heute haben sie etwa 0,1 Prozent und weniger! Unsere besten Schwarzerdeböden in der Magdeburger Börde, die früher zwischen 7 und 14 Prozent Humus hatten, die haben heute nicht einmal 2 Prozent (!)“. Auch er konnte mit einer Horrorvision aufwarten: „Riesige Flächen von hunderten von Hektar rutschen bei Überschwemmung auf einmal den Hang hinunter. Sie sind einfach weg!“.

Da passte denn die Terra-Preta-Technologie, in Deutschland patentiert als „Palaterra“, als einzig probate Gegenstrategie hervorragend ins Konzept, mit der den desaströsen Humusverlusten der Böden wirksam abgeholfen werden kann. Joachim Böttcher von der Palaterra GmbH in Rheinland-Pfalz verkündete: „Mit der Technologie von Palaterra ist eine ganz andere Art von Landwirtschaft möglich. Wir brauchen im Prinzip fast keine Mineraldünger mehr“. Und er legte dazu seine „Beweise“ vor, führte auf sein mit Palaterra-Erde behandeltes Gemüsebeet und sagte: „Die Pflanzen wachsen viel schneller, die Früchte werden viel größer. Und da war klar, das ist der richtige Weg“. Und J. Reckin sekundierte: „Es geht darum, die organische Substanz gezielt mit zerkleinerter Holzkohle in eine Art Dauerhumus zu überführen. Das ist das ganz Besondere an der Terra Preta. Das kann keine andere Erde in der Welt.“

Die beängstigenden Botschaften, im Brustton einer amtlichen Verlautbarung vorgetragen, mussten das Gros der Zuschauer – sicher überwiegend interessierte Laien – denn doch arg verunsichern. Sind wir schon so weit – natürlich als Folge von Agrochemie und Intensivlandwirtschaft –, dass demnächst mit dem Totalausfall zahlreicher Ackerflächen und damit der Grundlage der Nahrungsmittelproduktion gerechnet werden muss? Für die gleichfalls irritierten Fachleute der Agrarwissenschaftlen, eine kleine Minderheit unter den Zuschauern, stellte sich dagegen eine ganz andere Frage: War es tatsächlich das Nichtwissen der verantwortlichen Filmemacher, das dafür sorgte, ein solches Zerrbild der Wirklichkeit über unsere Ackerböden deutschlandweit zu verbreiten? An eine Dokumentation stellt der Zuschauer – zu Recht – doch bestimmte Ansprüche, wie Faktentreue und Objektivität. Und er erwartet, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender, wie das ZDF, seiner journalistischen Sorgfaltspflicht genügt.

Abgleich der „Botschaften“ mit der Realität in Deutschland

So aber vermittelte der Beitrag den Eindruck, als würden die Ackerböden der Bundesrepublik von ahnungslosen Landwirten permanent heruntergewirtschaftet und systematisch ihrer Bodenfruchtbarkeit beraubt. Vermutlich wussten die „ZDF-Experten“ nichts davon, dass in der Bundesrepublik seit über 30 Jahren konsequent auf die ausgewogene und umweltverträgliche, also nachhaltige Landbewirtschaftung zur Erhaltung einer möglichst optimalen Bodenfruchtbarkeit gesetzt wird. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Verbesserung der Humusreproduktion der Ackerböden. Landwirte müssen schon seit langem mit Humusbilanzen gegenüber den Kontrollbehörden nachweisen, dass sie alle geeigneten Maßnahmen (Einsatz organischer Dünger, Zwischenfruchtanbau, bodenschonende Bearbeitung) anwenden, um die Humusgehalte im Optimalbereich zu halten. Anderenfalls erhalten sie keine Direktzahlungen nach der EU-Richtlinie „Cross Compliance“ [4].

Es entspricht also nicht den Tatsachen, wie von Prof. Otterpohl behauptet, dass die Landwirte „nicht viel gegen die Verschlechterung der Böden machen können“. Seine „Botschaft“ von der „großflächigen Zerstörung der Ackerböden“ ist einfach barer Unsinn.

Dabei sollen die Schwierigkeiten, optimale Humusgehalte in Ackerböden zu gewährleisten, keinesfalls beschönigt werden. Hier ist ohne Zweifel immer noch viel zu tun. Es ist aber eine maßlose Übertreibung zu behaupten, deutsche Ackerböden würden versteppen und die Humusgehalte wären extrem abgesunken, in Brandenburg bis auf Werte von 0,1 (!) Prozent. Die tatsächliche Situation der Humusgehalte, das zeigen die Ergebnisse der systematischen Bodenuntersuchung, die gesetzlich vorgeschrieben ist, und des aktuellen Bodenschutzberichtes des Umweltbundesamtes [5], geben dafür keine Hinweise (vgl. Tabelle).


Tabelle: Relative Häufigkeiten der Humusgehalte deutscher Ackerböden (Medianwerte)

Humusklasse Humusgehalte Häufigkeit der Humusklasse in %
bei Bodenausgangsgesteinsgruppe
(%) Einstufung Sande Lösse Tongesteine
h0 0 humusfrei 0 0 0
h1 <1 sehr schwach humos 3,0 0 1,6
h2 1 - <2 schwach humos 18,9 44,1 16,9
h3 2 - <4 mittel humos 47,3 54,2 59,0
h4 4 - <8 stark humos 27,7 10,8 21,7
h5 8 - <15 sehr stark humos 3,0 0 0,4
h6 15 - <30 anmoorig 0 0 0,4
h7 >30 organisch 0 0 0

 

Nur 3 Prozent der Sandböden werden als „schwach humos“ ausgewiesen. Humusfreie Böden, also reine Sande, die landwirtschaftlich nicht mehr nutzbar wären, gibt es überhaupt nicht. Fast 50 Prozent der Sandböden werden dagegen als „mittel humos“ ausgewiesen. Sie verfügen damit über ausreichende Humusgehalte und eine gute Bodenfruchtbarkeit. Humusgehalte von 0,1 Prozent und auch die drohende Versteppung der Ackerböden, wie von den „Bodenexperten“ befürchtet, sind Vermutungen und gehören deshalb ins Reich der Legenden. Etwas anders ist die Situation bei den Lössböden: Mehr als 40 Prozent werden als „schwach humos“ eingestuft, bedürfen also noch weiterer Humuszufuhr, um eine optimale Bodenfruchtbarkeit zu gewährleisten. Aber immerhin 65 Prozent dieser – auch für die Magdeburger Börde typischen – Böden verfügen mit Humusklassen h3 und h4 über optimale Bedingungen für die Bodenfruchtbarkeit. Humusgehalte von 7–14 Prozent, wie sie nach Dr. Reckin früher vorgelegen haben sollen, wären nach heutigem Wissensstand als unzulässig hoch einzustufen, weil die damit verbundenen hohen Mineralisierungsraten zu unerwünschten Nitrateinwaschungen bis in das Grundwasser führen würden. Die Situation von schweren Böden (Tongesteine), deren Humusgehalte zu über 80 Prozent optimal ausfallen (mittel und stark humos), ist als vergleichsweise günstig zu beurteilen.

Insgesamt sind damit die erschreckenden Botschaften der „ZDF-Experten“, die durch die Tatsachen nicht gedeckt werden, als ausgesprochene Panikmache einzuordnen. Unabhängig davon sind Einzelfälle von unzureichender Humusversorgung von Ackerböden nicht auszuschließen. Für sie gilt – wie für den Ackerbau allgemein –, dass stetige Anstrengungen erforderlich sind, um die Humussituation und damit die Bodenfruchtbarkeit unserer Ackerböden weiter zu optimieren.

Auch die landwirtschaftlichen Erträge in Deutschland widerlegen die Schreckensthesen. Sie sind in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts kontinuierlich angestiegen und bewegen sich seit Jahren auf einem gleichbleibend hohen Niveau. Und das, obwohl der Mineraldüngereinsatz – im Interesse einer umweltverträglichen Wirtschaftsweise – seit den 80er Jahren systematisch abgesenkt worden ist: um 80 Prozent bei Phosphor, um 70 Prozent bei Kalium und um 30 Prozent bei Stickstoff. Die Landwirte wissen offenbar doch recht genau, wie man eine gute Bodenfruchtbarkeit gewährleistet: mit Humus und gut angepassten Fruchtfolgen.

Terra Preta sachkundig beurteilen und einordnen

Alle diese Fakten wurden von den „ZDF-Experten“ ausgeblendet. Dabei wäre der Beitrag wesentlich informativer gewesen, wenn die Terra-Preta-Technologie im Kontext zum schon bewährten Instrumentarium des Humusaufbaues diskutiert worden wäre. Stattdessen erfolgt fast eine Mystifizierung der Überlegenheit der Terra Preta, die nun alle Probleme lösen wird, dies auch noch unterlegt mit hanebüchenen „Beweisen“ von den großen Früchten und dem schnelleren Wachstum der Pflanzen, Belege, über die jeder professionelle Landwirt nur lächeln kann. Braucht es doch als Beleg belastbare Ergebnisse aus wissenschaftlichen Feldversuchen, mit definierten Angaben zu Gabenhöhen und Nährstoffzufuhren. So ist eher anzunehmen, dass das bessere Wachstum mit Terra Preta auf überhöhte Nährstoffgaben zurückzuführen sein dürfte, die sich jenseits aller gesetzlich zulässigen Höchstgaben bewegt haben. Das war den „ZDF-Experten“ offenkundig gar nicht bewusst.

Dabei könnte die Terra-Preta-Technologie durchaus sinnvoll genutzt werden, um z.B. Böden mit extremer Humusverarmung aufzuwerten. Vor allem in tropischen Ländern mit zu schneller Mineralisierung der organischen Bodensubstanz, bedingt durch hohe Temperaturen und meist viel Feuchtigkeit, könnte Terra Preta sicher Gutes leisten. Unter dem gemäßigtem Klima in Deutschland ist das eher nicht wahrscheinlich. Hier müsste sich Terra Preta den bewährten landwirtschaftlichen Verfahren überlegen erweisen, sowohl in ihrer Wirkung auf Bodenhumus und Bodenfruchtbarkeit als auch von den Kosten her. Das ist bei derzeitigen Preisen für die notwendige Biokohle von 300–400 Euro pro Tonne fast aussichtslos. Der Einsatz von Kompost und anderen Ressourcen zur Humusbildung ist um Größenordnungen billiger. So wird die Terra-Preta-Technologie in Deutschland auf Ausnahmefälle beschränkt bleiben. Hinzu kommt, dass sie – im Unterschied zu allen vorhandenen Technologien zur Humusbildung in Ackerböden – erst noch belegen muss, was die Protagonisten der Terra-Preta-Technologie im Überschwang ihrer Zukunftsvisionen gern vergessen: Biokohle und die Terra-Preta-Technologie müssen die Nährstoff- und Schadstoffregelungen der Düngemittelverordnung erfüllen und auch bei beschränkten Gaben gemäß Düngeverordnung angewendet werden können. Beides ist derzeit noch offen und gehört auf den Prüfstand.

 

Wie das ZDF auf Sachkritik eingeht…


Eine Gruppe von Agrarwissenschaftlern appellierte Ende November 2011 in mehreren Briefen an den Programmdirektor des ZDF, Herrn Thomas Bellut, zu den Falschinformationen über die Bodenfruchtbarkeit deutscher Ackerböden Stellung zu beziehen und eine Korrektur dieser unzutreffenden Aussagen zu veranlassen. Sie erinnerten dabei an die journalistische Sorgfaltspflicht, die in einer wissenschaftlich unterlegten Dokumentation eines öffentlich-rechtlichen Senders eine selbstverständliche Verpflichtung sein muss. Die Kritiker wurden enttäuscht: Das ZDF war nicht zu einer Diskussion der Kritikpunkte bereit und wies jede Zuständigkeit von sich. Im Auftrag der ZDF-Programmdirektion erhielten die Kritiker folgende fast schon satirisch anmutenden Antworten:

Der Autor Ingo Schulze sei

„ ... Schriftsteller und kein Landwirtschaftsexperte“,

wurde da argumentiert.

Kompetenz scheint also kein zwingendes Auswahlkriterium für den Regisseur eines ZDF-Fachbeitrages zu sein.

Der Beitrag sei zudem

„ ... ein filmisches Kunstwerk eines Schriftstellers“.

Interessant,offenbar kann also im Rahmen der freien Kunstausübung alles mögliche dargestellt und behauptet werden, ohne dass der Sender den Wahrheitsgehalt des Beitrages prüft. Dabei war der Beitrag als Dokumentation (!) angekündigt, ein Genre, in dem es eigentlich um faktenbasierte objektive Informationen zu gehen hat.
Und die „ZDF-Experten“ mit ihren unsäglichen Falschaussagen zum kritischen Zustand deutscher Ackerböden?

Das waren, so argumentiert die Programmdirektion,

„ ... subjektive Meinungen der Protagonisten, zu denen das ZDF keinen Kommentar abgibt.“

Na großartig, resümiert der irritierte Zuschauer, man kann unter dem Dach des ZDF wohl alles Mögliche verkünden, dies zudem noch im überzeugenden Tonfall von „Fachexperten“, und damit Zuschauer gezielt fehlinformieren, ohne dass beim ZDF eine Kontrolle der Beiträge erfolgt – eigentlich ein Skandal.

Und schließlich – offenkundig tröstlich-verbindlich gemeint – die Versicherung an die Agrarwissenschaftler und ihre berechtigten, durch Tatsachen belegten Kritiken:

„Wenn es beim Nebenthema der deutschen Ackerböden andere Meinungen gibt, so respektieren wir dies selbstverständlich.“ […] „Falls es irgendwann einmal eine weitere Befassung mit der Thematik geben sollte, ..., werden wir gerne lhre fachkundigen Kommentare mit einbeziehen.“

Nach diesen „Erklärungen“ des ZDF nahm der Autor auch mit den Filmemachern direkten Kontakt auf. Prof. Otterpohl war etwas überrascht, als er auf seine Behauptungen über den Zustand deutscher Ackerböden angesprochen wurde. Zu einer Korrektur kam es aber nicht. Dr. Reckin meinte, ein wenig einlenkend

„Aus einigem Abstand zu diesem Film und aus der Gesamtschau darauf komme ich ebenfalls zu der Meinung, dass einige Aussagen darin überzogen klingen.“

Auch der Autor der ZDF-Dokumentation, der Schriftsteller Ingo Schulze, reagierte immerhin, versprach nach Monaten, sich mit seiner Koautorin Christine Traber und den beiden Wissenschaftlern zu beraten,

„ ... , denn fachlich können sowohl Frau Traber als auch ich schwer mitdiskutieren.“

Allerdings gab er zu bedenken:

„Die Überlegungen und Beispiele, die Prof. Otterpohl und Dr. Reckin vorlegten, erscheinen mir schlüssig. In Ihrer Rezension tragen Sie begründete Zweifel an unserer Darstellung vor. Allerdings lassen sich Ihre Darstellungen für mich und uns ebenso wenig überprüfen.“

Immerhin ein Eingeständnis, dass die Autoren gar nichts oder nur wenig von der Materie verstehen. Ein Diskussionsangebot zur Klärung der kritisierten Sachverhalte erfolgte bis heute nicht.

 

Fazit

Es war eine große journalistische Fehlleistung, die das ZDF mit seiner Terra-Preta-Dokumentation abgeliefert hat. Darüberhinaus ist sie ein exemplarisches Beispiel, das auf Autoren künftiger Dokumentationen mit wissenschaftlichen Charakter im ZDF sehr beruhigend wirken dürfte: Es passiert überhaupt nichts, wenn man aus Unkenntnis eklatante Unwahrheiten öffentlich über den Sender verbreitet. Das ZDF hält seine schützende Hand über jeden seiner Autoren, nach dem Motto: „Je weniger man von einer Sache versteht, umso unbefangener kann man darüber reden und filmen“.