01.07.2008

Der Wissenschaftsstandort Deutschland muss um Talente kämpfen!

Analyse von Dietrich von der Oelsnitz

Deutsche Wissenschaftler genießen Weltgeltung – Deutschland als Wissenschaftsnation weniger. Warum das so ist und wie die Lage verbessert werden könnte.

Alle einschlägigen Analysen der internationalen Bildungsstatistik und Bildungsökonomie zeigen, dass der Wohlstand einer Gesellschaft maßgeblich von der Zahl und Qualität ihrer Wissensarbeiter bestimmt wird. Dieser Zusammenhang wird in der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts sogar noch in weitaus größerem Maße gegeben sein als bislang bekannt. In bestimmten Phasen der Menschheitsgeschichte waren Wissensvorsprünge besonders evident. So konnten die Römer ihren Standortnachteil, im Landesinneren der italienischen Halbinsel zu liegen, gegenüber den konkurrierenden Karthagern und Phöniziern in erster Linie durch ihre hohen Wissenschafts- und Ausbildungsstandards wettmachen. Das römische Justizwesen war in Europa ebenso einzigartig wie die römische Verwaltungsbürokratie.

Von Wissensvorsprüngen profitierte im ausgehenden 17. Jahrhundert auch Frankreich: Erstmals wurde unter Ludwig XIV. der Staat von fähigen Ökonomen auf der Grundlage finanzwissenschaftlicher Kenntnisse geführt und mit einem zentralen, nach Sachgebieten geordneten Etat ausgestattet. Als europäische Großmacht abgelöst wurde Frankreich im 18. Jahrhundert von England – wiederum auf der Basis von Wissensvorsprüngen und bahnbrechenden technischen Innovationen: Das erste mechanische Spinnrad von James Wyatt oder die Dampfmaschine von James Watt waren nur einige dieser Innovationen. Einige Wirtschaftshistoriker führen Englands Aufstieg zur Weltmacht nicht nur auf seine auf nautisches Wissen gründende Seemacht und die damit verbundenen Kolonialaktivitäten zurück, sondern vor allem auch auf die Leistungen des Wirtschaftstheoretikers Adam Smith oder des genialen Werkzeugmachers Joseph Whitworth, dessen Produkte die Basis für die spätere industrielle Revolution legten. Kurzum: Die intellektuellen Ressourcen eines Landes haben schon immer über seine Lebensqualität und weltweite Geltung entschieden und werden dies gerade auch im 21. Jahrhundert tun. Wissen war, ist und bleibt die Trumpfkarte der starken und einflussreichen Länder dieser Welt.

Wissenswanderung: Wer kommt, wer geht?

Seit der Wiedervereinigung sind über eine Million Deutsche ins Ausland abgewandert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts haben im Jahr 2005 145.000 Inländer – fast ein Viertel mehr als noch drei Jahre zuvor – Deutschland den Rücken gekehrt. Das ist ein einmaliger Negativrekord für die Bundesrepublik Deutschland. Erstmals seit einer Generation wandern wieder mehr Deutsche aus als ein. Dennoch gehen optimistische Stimmen davon aus, dass in Deutschland weniger ein Brain Drain – also im Endeffekt eine Wissensabwanderung – als vielmehr eine Brain Circulation stattfindet. Verantwortlich für den Saldo einer nationalen Wissenswanderungsbilanz ist letztlich das Qualifikationsniveau der Zu- und Abwandernden. Dabei ist Deutschland in quantitativer wie qualitativer Hinsicht das nach wie vor das wichtigste europäische Einwanderungsland.1 Erfreulich ist vor allem die hohe Zuwanderung im Hochbegabtensegment: Im Jahr 2000 verzeichnete man speziell in den Bereichen Technik und Naturwissenschaften ein positives Zuwanderungssaldo von 59.000 Personen, weit vor Großbritannien (+ 12.500) und Schweden (+ 8800). Die Untersuchungen der OECD bestätigen, dass auch im Jahr 2003 von den „highly skilled workers“, die nach Europa emigrierten, die meisten nach Deutschland gewandert sind. Insofern ist Deutschland bezüglich der hochbegabten Ingenieur- und Naturwissenschaftler derzeit eher ein Import- als ein Exportland. Überdies hospitieren zunehmend Studenten und junge Wissenschaftler in Deutschland.

Dennoch bietet unsere Wissenswanderungsbilanz Anlass zur Sorge. Denn die Abwanderung hochqualifizierter deutscher Arbeitskräfte speziell in die USA nimmt zu. Die Zahl berufsbedingter Visa ist seit Beginn der 90er-Jahre kontinuierlich angestiegen. Und die Zahl deutscher Wissenschaftler in den USA, die in den Hochschulen oder im hochschulnahen Bereich arbeiten, beläuft sich inzwischen immerhin auf etwa 20.000 Personen. Von diesen signalisiert nur noch ein geringer Teil Rückkehrbereitschaft.2 Bliebe nur jeder Zweite in den USA, hätte Deutschland immerhin eine Kleinstadt voller höchstqualifizierter Einwohner verloren. Und Spitzenleute dieser Klasse sind sehr rar. Vor allem bei den reifen, erfahrenen Wissenschaftlern sieht es schlecht aus. So müssen diejenigen, die jahrelang exzellente Forschungsarbeit geleistet haben, in der Regel ausnahmslos nach Erreichen der Pensionsgrenze aus dem deutschen Wissenschaftsbetrieb ausscheiden. Da der Forschungsdrang bei vielen Professoren aber nach Erreichen dieses Alters nicht automatisch nachlässt, lassen sich einige von ihnen ins Ausland abwerben. So forscht der emeritierte Immunologe Klaus Rajewsky heute an der Harvard Medical School, und der Würzburger Insektenforscher Bert Hölldobler, mittlerweile 71 Jahre alt, setzt seine Experimente in Arizona fort. Angloamerikanische Innovationsstrategen werben tatkräftig und gezielt um diese Geistesgrößen. Rajewsky wurde mit einer eigens für ihn eingerichteten Professur und einem neu geschaffenen Labor geködert. Das „Rajewsky Lab“ liefert heute regelmäßig innovative Forschungsresultate, der Amtsinhaber selbst hat inzwischen internationale Fördergelder in einem Umfang eingeworben, der seine universitäre Dotation weit übersteigt.

Ausdrücklich zu begrüßen ist es daher, dass die Bundesforschungsministerin Annette Schavan in Zusammenarbeit mit der Hertie-Stiftung mittlerweile den Weg für Seniorprofessuren geebnet hat. Ein Seniorprofessor kann nach seiner Emeritierung – zum Teil aber auch schon ab dem 60. Lebensjahr – von seinen bisherigen Leitungs- und Verwaltungsaufgaben befreit nach eigenen Vorstellungen weiter forschen. Die entsprechenden Stellen werden von den Universitäten ausgeschrieben, wobei nicht selten der Standort oder die institutionelle Zuordnung zu einer Fakultät vom jeweiligen Wissenschaftler frei wählbar sind. Neben der Forschung besteht bis zur endgültigen Pensionierung eine Lehrverpflichtung von lediglich drei Semesterwochenstunden. Durch die Einführung der Seniorprofessur soll die Expertise älterer Forscher länger genutzt und zugleich ihrer möglichen Abwanderung entgegengewirkt werden. Es erscheint ja auch grotesk, dass durch unzeitige Frühverrentung gerade die wissenschaftliche Erntezeit abgebrochen wird und die bis dahin aufgebauten persönlichen Netzwerke der Forscher zerrissen werden.

Dass es bei den Seniorprofessoren tatsächlich oft eher darum geht, deren persönliche Beziehungen und Erfahrungen im Wissenschaftsmanagement zu nutzen, zeigt das Beispiel des international renommierten Klimaforschers Ernst Ulrich von Weizsäcker. Der Neffe des früheren Bundespräsidenten, der nach altem Dienstrecht noch zwangsweise in den Ruhestand geschickt wurde, hat inzwischen an der University of California in Santa Barbara als Dekan der Bren School of Environmental Science angeheuert. Seine Aufgabe dort: das Institut forschungsstrategisch ausrichten, Geldquellen erschließen und hervorragende Studenten und Professoren gewinnen. In Deutschland gab es für den ehemaligen Leiter des weltbekannten Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt und Energie offenbar keinen Bedarf mehr. In den USA hingegen gibt es keine formale Altersgrenze für Hochschullehrer. So ist der in Harvard lehrende Physiker Roy Glauber, der gemeinsam mit Theodor Hänsch im Jahr 2005 den Nobelpreis für Lasertechnologie erhielt, stolze 82 Jahre alt.3 Allerdings reicht es natürlich auch in den USA nicht, bloß alt und erfahren zu sein – vielmehr müssen sich auch die potenziellen Pensionäre einem harten Konkurrenzkampf stellen. Wer nicht mehr publiziert, keine Gelder einwirbt oder von den Studenten schlecht beurteilt wird, muss über kurz oder lang gehen.

Aus deutscher Sicht ist es zudem besorgniserregend, dass zunehmend auch junge Forscher auswandern – sie bedürfen oftmals gar keiner gezielten Abwerbung mehr. Vor allem Volkswirte suchen ihr berufliches Heil in der Fremde. Die Forscher zieht es vor allem in die USA; auf den Plätzen zwei und drei folgen Großbritannien und die Schweiz. Von den 100 forschungsstärksten deutschen Ökonomen unter 45 Jahren arbeitet mittlerweile jeder zweite an einer ausländischen Universität. In den fünf angesehensten ökonomischen Fachzeitschriften der Welt sind Deutsche, die den Weg in die Fremde beschritten haben, zudem deutlich häufiger vertreten als ihre heimischen Kollegen. Hierfür verantwortlich gemacht werden vor allem die besseren Arbeitsbedingungen und Karriereperspektiven im Ausland. Dass Wissenschaftler oder auch Fachkräfte fehlen, mag uns als Konsumenten oder Arbeitnehmer im Alltag vielleicht nicht auffallen; spürbar ist die Abwanderung bestimmter Berufsgruppen oft erst dann, wenn man selbst unmittelbar davon betroffen ist. Bei der Gruppe der Ärzte ist dies auf dem „flachen Land“ bereits heute der Fall. Bei Fachärzten, Chirurgen oder Internisten sind es neben materiellen Gründen die oft unzumutbaren Arbeitsbedingungen, die sie vermehrt dazu bewegen, auszuwandern. Dem UN-Untergeneralsekretär José Antonio Ocampo ist zuzustimmen, wenn er nüchtern feststellt: „Wenn jemand auswandern will, ist es schwer, ihn davon abzuhalten.“4

Maßnahmen gegen die Abwanderung von Erfahrung und Know-how

Wie keinem anderen Land dieser Welt gelingt es offenkundig den USA, permanent die weltweit Besten anzuziehen. Ein Blick in die renommierten wissenschaftlichen Journale genügt: Dort wimmelt es inzwischen von „Kims“, „Parasuramans“ und „Müllers“. Nicht zuletzt deshalb heimsten die USA in den letzten 40 Jahren doppelt so viele naturwissenschaftliche Nobelpreise ein wie Europa. Eine aktuelle EU-Studie hat die Bezahlung von Wissenschaftlern international verglichen und ist dabei zu einigermaßen überraschenden Ergebnissen gelangt: Forscher in Europa bekommen demzufolge im Durchschnitt weniger Gehalt als ihre Kollegen in Indien, Australien oder Israel. Das jährliche Forscher-Durchschnittsgehalt in der EU beträgt etwas über 40.000 Euro im Jahr, in der Schweiz hingegen 60.000, in Japan 62.000 und in den USA 63.000.5 Wen wundert es da, dass jüngst die Universität Bayern e.V. eine radikale Reform der jetzigen Professorenbesoldung gefordert hat? In der entsprechenden Erklärung hieß es knapp: Die Reform aus dem Jahre 2002 habe ihr zentrales Ziel verfehlt, nämlich die Stärkung der nationalen und internationalen Konkurrenzfähigkeit der deutschen Hochschulen durch attraktive Leistungsanreize in der neuen „W-Besoldung“. Universitäten würden nach Ansicht des Vereins nicht nur im internationalen, sondern zunehmend auch im nationalen Wettbewerb gegen gut dotierte Arbeitsangebote in Wirtschaft und außeruniversitären Forschungseinrichtungen unterliegen. Die Gründe lägen sowohl in der Festlegung unattraktiver Grundgehälter als auch in der Handhabung des Gesetzes in Bayern, wo die vom Wissenschaftsministerium gegenüber dem Bund ausgehandelten Freiräume nicht genutzt würden.

Realistischerweise können die deutschen Hochschulen renommierten Wissenschaftlern kaum auf Dauer die zum Teil exorbitanten Gehälter und Sachmittelausstattungen bieten wie Harvard, Stanford, Cornell oder Yale. In Zeiten knapper Haushalte sind gut gemeinte, aber unstete und für die einzelne Hochschule unberechenbare Investitionserhöhungen – wie zum Beispiel im Rahmen der deutschen Exzellenzinitiative – nur Tropfen auf den heißen Stein. Angesichts der Tatsache, dass allein die Universität Harvard ein Stiftungsvermögen von umgerechnet 20 Milliarden Euro besitzt, wird klar, dass deutsche Universitäten nicht einmal im Verbund einen solchen Etat aufbringen könnten. Harvard und Co. verfügen zudem über vielfältige Unternehmensbeteiligungen und professionell gemanagte Anlagefonds. So verdiente Yale im Jahr 2005 prächtig mit Yahoo-Aktien. Stanford schlug alle Hochschulfonds der USA dank eines erhöhten Engagements in Google-Aktien. Beide Spitzenunis erzielten von 2004 bis 2005 Fonds-Wertsteigerungen von etwa 20 Prozent. Ist es vorstellbar, dass die Länderfinanzminister die Etats ihrer Hochschulen aus dem Stand um 20 Prozent steigern? Die genannten US-Universitäten setzen dieses Geld vor allem für die Lehre ein; dies tun die meisten US-Universitäten. Zum Vergleich: Die Universität Bonn gibt etwa 8900 Euro pro Student im Jahr aus, an der Michigan State University und der Ohio State University sind es etwa 24.000 Euro. Ein ernsthaftes Konkurrieren mit solchen Hochschulen ist auf absehbare Zeit also unrealistisch.

Umso wichtiger ist es deshalb, wenigstens die eigenen Spitzenkräfte im Land zu halten. Um deren Abgang zu verhindern, hat der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft auf der Basis einer Befragung deutscher und internationaler Spitzenforscher bereits vor geraumer Zeit vier Handlungsmaximen ausgegeben:6
- Erhöhung der Reputation von Wissenschaft und Forschung: Hier wäre u.a. an „Leuchttürme“ in der deutschen Forschungslandschaft zu denken, welche aufgrund ihrer Ausstrahlungskraft in- und ausländische Spitzenkräfte anziehen sollen. Im Kern läuft die staatliche Exzellenzinitiative hierauf hinaus. Entscheidend ist jedoch, über diese Initiativen hinaus die Breitenförderung der Hochschulen nicht zu vernachlässigen! Eliteförderung ist kein Ersatz für die auskömmliche Ausstattung der eigentlichen Bildungsbasis, sie bleibt ohne Letzteres nur ein „Sahnehäubchen“.
- Entbürokratisierung des akademischen Arbeitsmarkts: Auflockerung von disziplinären und tariflichen Abgrenzungen und Regulierungen, die deutschen wie internationalen Wissenschaftlern immer wieder im Wege stehen.
- Verbesserung der Rahmenbedingungen für wissenschaftliche Berufsarbeit: vor allem die finanzielle Förderung akademischer Karrieren, eine gezielte Karriereplanung sowie Optionen für weitere Karrieremöglichkeiten.
- Verbesserung privater und sozialer Rahmenbedingungen: Hier kommen Work-Life-Balance-Programme, familienfreundliche Arbeitszeiten, verbesserte Kinderbetreuungsmöglichkeiten und partnergerechte Karriereplanung ins Spiel.

Zwar existieren vereinzelte staatliche Bemühungen und selektive Rückholangebote; aber um dem drohenden Brain Drain auf breiter Front zu begegnen, müssen dringend effektivere Strategien gegen die geistige Austrocknung entwickelt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Bestand an Spitzenforschern nicht nur aus demografischen Gründen ausdünnt: Auch das deutsche Dienst- und Beamtenrecht birgt so manche Rigidität. Die Schwachstellen werden von der Politik bisweilen zwar erkannt, doch gehandelt wird in Zeitlupe und mit mangelhafter Entschlossenheit. Das vom Deutschen Bundestag im Januar 2007 verabschiedete Wissenschaftszeitvertragsgesetz, das ein neues Tarifsystem für Jungakademiker schaffen möchte und die absurde Zwölf-Jahres-Regelung abschafft (bislang durften junge Nachwuchswissenschaftler maximal zwölf Jahre an einer Universität beschäftigt werden, was de facto einem Berufsverbot gleichkam), bleibt bloße Symbolpolitik. Dieses Gesetz, das jetzt eine längere Beschäftigung erlaubt, wenn denn genügend Drittmittel von den Jungakademikern eingeworben werden, basiert auf der Logik: „Wenn du so viel Geld von außen einwirbst, dass du dich finanziell selbst trägst, dann unterstützen wir dich.“ Für die Finanzpolitiker ist das Ganze also beinahe aufwandsneutral. Und als wäre dies noch nicht genug: Die überwiegende Mehrzahl der Stellen bleibt zeitlich befristet. Glaubt jemand ernsthaft, auf diese Weise die Besten halten oder gar zur Rückkehr nach Deutschland bewegen zu können?

Schlussbemerkung

In Deutschland existiert seit Langem ein hohes Bildungsethos; Bildung wird allgemein geschätzt und (zumindest immateriell) honoriert. Ein kurzer Blick in die Vergangenheit sei erlaubt: Spätestens die systematischen Bemühungen um den Aufbau einer breiten Arbeiter- und Volksbildung (stellvertretend Ernst Abbe in Jena, Volkshochschulen etc.) im 19. Jahrhundert haben den Bildungsgedanken als Tradition und zeitenübergreifende Geistesströmung fest in Deutschland verankert. Unser System der dualen, d.h. betrieblich und schulisch verzahnten Ausbildung hat seinen Siegeszug um die Welt angetreten. Und die gymnasial-akademische Schulung breiter Schichten hat Deutschland nach dem Krieg zu einer einzigartigen Exportnation werden lassen. Doch wir sollten uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen; weiterführende Aktivitäten im gesellschaftlichen wie bildungspolitischen Bereich sind nötig. Die Schulen und Hochschulen des Landes stehen dabei naturgemäß im Mittelpunkt. Ein vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen richtiger Schritt wird u.a. von der Claussen-Simon-Stiftung und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft getan: Beide Institutionen fördern seit 2005 Wissenschaftskarrieren „im Doppelpack“. Dank dieser bundesweit einmaligen Initiative können deutsche Universitäten auch den Ehe- oder Lebenspartnern von Spitzenforschern eine Arbeitsstelle anbieten. Gefördert werden insgesamt zwei Hochschulen und zwei außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. So besetzte die Universität Münster eine Professur für Botanik mit einem Wissenschaftler, der gleichzeitig einen Ruf an die Universität Groningen erhalten hatte. Seine Ehefrau wird zukünftig am Institut für Evolution und Biodiversität in Münster forschen. In eine ähnliche Richtung zielt das mit insgesamt 2,5 Mio. Euro ausgestattete „Brain-Gain-Programm“ der Alfried-Krupp-von- Bohlen-und-Halbach-Stiftung, das Spitzenforscher mit gezielten Anreizen nach Deutschland zurückholen möchte. So ist es aktuell beispielsweise gelungen, den Informatik-Professor Ralf Lämmel vom Microsoft-Campus in Redmond wieder an die Universität Koblenz-Landau zu locken.

Eine Ausdehnung dieser und ähnlicher Programme wäre sehr wünschenswert. Ihr Erfolg wäre allerdings noch größer, wenn man nicht allein auf materielle Anreize setzte, sondern sich die deutschen Bildungspolitiker auch wieder auf das Image der deutschen Hochschulen besönnen. Deutsche Wissenschaftler genossen und genießen Weltgeltung. Und auch wenn PISA und OECD uns etwas anderes weismachen wollen: Die weltweite Reputation deutscher Ingenieur- und Naturwissenschaftler ist ungebrochen. Die Geistes- und Kulturwissenschaftler indes leiden unter fortwährender Abwertung und Austrocknung. Wir sollten auf die historischen Errungenschaften auch in diesem Bereich stolz sein und alles dafür tun, dass zukünftig nicht nur neue, vermarktungsfähige Technologien, sondern auch wieder innovative Geistesimpulse aus Deutschland kommen! Der wissenschaftlichen Elite dieses Landes kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu.