28.04.2015

Das Recht auf den Tod

Was ist human an der Sterbehilfe?

Sollen wir die Freiheit haben, uns für den Tod zu entscheiden, wenn uns das Leben unerträglich erscheint? Das ist der Kernpunkt der Kontroversen um die Sterbehilfe. Scheinbar geht es dabei um zentrale Fragen der Entscheidungsfreiheit. Darf ein Patient selbst den Zeitpunkt bestimmen, an dem er aus dem Leben tritt? Oder sollen Ärzte mit ihren Apparaten bis zum bitteren Ende um das Leben eines Patienten kämpfen – auch wenn der gar nicht mehr will? Immer wieder werden von Vereinigungen wie Exit Patienten vorgeführt, die sich nichts mehr wünschen, als ihrer nicht mehr als lebenswert empfundenen Existenz ein Ende zu setzen. Das Verwirrende an dieser Debatte ist aber, dass das Vokabular des Humanismus hier benutzt wird, um eine inhumane Weltsicht zu verbreiten. Das Ringen der modernen Medizin mit den Krankheiten wird als sinnloser Ehrgeiz der Ärztezunft dargestellt. Das höchste Gut, das wir haben – unser Leben – wird relativiert. Plötzlich gibt es offenbar lebenswertes und nicht lebenswertes Leben. Dass Menschen den Mut verlieren und sich selbst töten wollen, ist eine traurige Tatsache. Die Tragödie ist jedoch, dass die Geringschätzung des Lebens heute von vielen als Freiheitskampf gesehen wird. Humanistisch gesinnte Menschen sollten ernsthaft über das Für und Wider der Sterbehilfe debattieren.