29.10.2014

CSR auf dem Prüfstand

Kurzkommentar

Welche Aufgaben haben Unternehmen, welche die Politik?

Corporate Social Responsibility (CSR) und Nachhaltigkeit haben ihren Platz im heutigen Wirtschaftsleben erobert. Unternehmen sollen auch „sozial und ökologisch verantwortlich“ handeln, wovon sie sich selbst Glaubwürdigkeit und Reputation versprechen. Dabei wird vergessen, dass gerade das Gewinnstreben der Marktakteure unseren gesellschaftlichen Wohlstand schafft und somit dem Gemeinwohl dient.

Schon lange wird der Nutzen der CSR kaum noch öffentlich hinterfragt. Jüngst stimmte etwa das Europäische Parlament einer Richtlinie zu, wonach große Unternehmen dazu verpflichtet werden, CSR-Tätigkeitsberichte zu verfassen. Damit setzt die EU einen Irrweg fort, den sie bereits mit ihrem Grünbuch 2001 eingeschlagen hat. Dabei ist diese Leitidee moderner Unternehmensführung sowohl unter wirtschaftlichen als auch demokratischen Aspekten zweifelhaft. Während die Europäische Kommission behauptet, CSR würde das Vertrauen in die Unternehmen stärken, ist tatsächlich das Gegenteil der Fall. Unternehmen werden einer permanenten moralisierenden Kritik ausgesetzt und können beim besten Willen nicht allen sich widersprechenden Erwartungen gleichermaßen gerecht werden.

Gleichzeitig wird in der öffentlichen Diskussion der wesentliche gesellschaftliche Nutzen des Unternehmertums entwertet, nämlich durch ihre am Markt und am Kunden ausgerichtete Wertschöpfung gesellschaftlichen Wohlstand zu produzieren. Dadurch behindert CSR Innovationen, Wachstum sowie wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt. Außerdem verschwimmen die Grenzen politischer Verantwortung, wenn Aufgaben der staatlichen Politik privaten Unternehmen aufgebürdet werden. So gefährdet CSR auch die demokratische Entscheidungsfindung.