22.04.2014

Der Liberalismus am Boden

Kurzkommentar

Wo ist die neue Freiheitsbewegung?

Seitdem die FDP bei der letzten Bundestagswahl aus dem Parlament geflogen ist, diskutiert Deutschland über die Zukunft des politischen Liberalismus. Brauchen wir eigentlich eine liberale Partei im Bundestag? Hatten wir überhaupt jemals eine? Wollen heute nicht sowieso alle anderen Parteien irgendwie „liberal“ sein? Die Debatte zeugt vor allem von Ratlosigkeit gegenüber dem Gegenstand. Auch dank der Konturlosigkeit der Freidemokraten fällt es zunehmend schwer, zu erkennen, was den Liberalismus zu Beginn des 21. Jahrhunderts ausmacht.

Gerade liberalen Politikern fällt es schwer, den Begriff der Freiheit sinnvoll und glaubwürdig mit Bedeutung zu füllen. So erscheint der Niedergang der FDP als Ergebnis einer tiefergehenden intellektuellen Krise liberalen Denkens. Der Liberalismus hat seinen Kompass verloren – ein Schicksal, das er mit den beiden anderen großen politischen Ideologien des 19. Jahrhunderts, dem Konservatismus und dem Sozialismus, teilt. Es scheint so, als wollten alle drei nicht mehr so recht in die heutige Zeit passen.

Was folgt aus dieser Analyse? Vor dem Hintergrund einer sich auswachsenden Demokratiekrise und der zunehmenden staatlichen Regulierung unseres Alltags ist die Verteidigung der Freiheit aktuell eines der drängendsten Themen. Aber verfügt der politische Liberalismus angesichts dieser Herausforderungen noch über genug intellektuelle Ressourcen für eine notwendige Erneuerung seines Denkens? Oder sollten wir uns nicht besser nach etwas ganz Neuem umschauen, wenn wir für eine freiere und bessere Welt für alle Menschen streiten wollen? In diesem Kapitel soll zur Klärung dieser Frage beitragen werden, indem wir neben unserem Standpunkt Autoren aus verschiedenen Strömungen der vielgestaltigen liberalen Denktradition Raum zur Debatte geben. Urteilen Sie selbst, welche Argumente sie am meisten überzeugen.