22.04.2014

Immigranten vor den Toren

Kurzkommentar

Wieso wir uns für offene Grenzen einsetzen sollten

Einwanderungskontrollen gelten als normal, vernünftig und notwendig. Die vermeintliche Unvernunft offener Grenzen hat Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz in einer Grundsatzrede im März noch einmal bekräftigt. Eine bedingungslose Einwanderung nach Europa hätte zur Folge, dass Deutschland kein Sozialstaat mehr sein könne.

Dabei ist die Aussage, unsere Gesellschaft könne eine Grenzöffnung nicht verkraften keinesfalls so selbstverständlich wie sie auf den ersten Blick erscheint. Weil es schwerer ist, den Status quo zu verändern als ihn beizubehalten, liegt die Beweislast ausschließlich bei den Befürwortern offener Grenzen. Dies umso mehr, da wir in Zeiten leben, in denen jedes Wagnis kritisch betrachtet wird, und wir unseren Blick eher auf mögliche Risiken, statt auf die Chancen einer Veränderung richten.

Bei der Einwanderung geht es um viel mehr als darum, wie unser derzeitiger Wohlstand verteilt werden sollte. Es geht um Freiheit und den Glauben an Fortschritt. Die wirtschaftlichen und sozialen Probleme Europas haben nichts mit der Immigration zu tun. Einwanderer sind auch keine Armee, die kommt, um Sozialleistungen einzufordern. Wenn das Recht, in einem Land arbeiten zu dürfen nur zu dem Preis zu haben wäre, keine Sozialleistungen beantragen zu dürfen, würden ihn die meisten Immigranten gerne bezahlen.

Vieles spricht dafür, dass wir in Europa von der Offenheit und der Dynamik profitieren könnten, die mit offenen Grenzen einherginge. Schon die Debatte über freie Einwanderung bietet uns die Chance, festgefahrene Denkweisen zu hinterfragen. Dazu gehört die Vorstellung, unsere Ressourcen seien begrenzt und der Lebensstandard sinke dort, wo viele Menschen zusammenkommen. Wir bieten ihnen in den folgenden Kapiteln Argumente für offene Grenzen und ein kleines Rechenexempel, dafür, wie unser Land aussehen könnte, wenn wirklich JEDER hier einreisen wollte und dürfte!