03.04.2012

Das Ende der Kurvenkultur

Warum Fußball nicht mehr nur ein Sport ist

Fußball wird oft als letzter verbleibender Bereich gefeiert, wo es noch um friedlichen Wettstreit, die Freundschaft der Völker und die Leidenschaft der Fans geht. Es wird sogar immer wieder betont, die WM 2006 in Deutschland habe für ein neues Bild der Deutschen in aller Welt gesorgt. Doch in Wahrheit ist der Fußball längst keine politikfreie Zone mehr. Mehr und mehr wird der Sport von all den Regulationen und Diskussionen erfasst, die auch den Rest der Gesellschaft bestimmen. Es wird Alkohol- missbrauch im Stadion angeklagt. Schmähgesänge von Fans werden problematisiert. In dem Maße, wie der Fußball sozial überhöht wird, soll er einen Vorbildcharakter bekommen. Ein Problem dabei ist, dass die Fankurve vieler Vereine das letzte Refugium typisch männlicher Werte ist, die anderswo in der Gesellschaft geächtet sind. Im Fußball geht es um Körpereinsatz und Dominanz, man will den Gegner am Boden sehen und ihn anschließend verhöhnen. Das ist den Protagonisten der Poli- tical Correctness unerträglich. Und so werden im Fußball alle Erscheinungen problematisiert, die man früher positiv mit ihm verband: Maskulinität, Erfolgsstreben, Kommerz. Dem gegen- über wird das Fairplay gestellt – und die „Fußballkultur“ in den kleinen Vereinen gelobt, wo es vor allem um Spaß, nicht so sehr um das Gewinnen und schon gar nicht ums Geld geht.

Auch innerhalb der Mannschaften verändert sich der Fuß- ball. Fußballhelden wie Ballack scheinen ausgedient zu haben, der Einzelgänger erscheint nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen soll der Teamgedanke dominieren, wo niemand sich über den anderen erhebt. Hat das nur mit dem Sport zu tun? Oder ist der Platz mittlerweile politisch?