27.07.2009

Pechsträhne für Greenpeace

Von Thomas Deichmann

Vergangenen Donnerstag (23.7.09) übte sich Greenpeace mal wieder als Besserwisser der Nation.

Im Rahmen eines Minispektakels vor den Toren der Molkereizentrale Weihenstephan in Freising wurde ein rund zweieinhalb Meter hoher Briefkasten aufgestellt (s. www.greenpeace.de/themen/gentechnik/nachrichten/artikel/weihenstphan_und_die_verbrauchermeinung/). Dort hinein wanderten nach Angaben des Katastrophistenvereins rund 10.000 Kärtchen und Briefe seiner Anhänger, um gegen den Einsatz von gentechnisch verändertem Futter für Milchkühe zu protestieren. Solche Futtermittel sind seit Jahr und Tag Standardware auf den Weltmärkten und zudem unbedenklich. Letzteres stellten zuletzt zum x-ten Male Molekularbiologen der TU München fest (s. www.idw-online.de/pages/de/news307061). Aber in einer Demokratie mit großer Wertschätzung der Meinungsfreiheit darf natürlich jeder meinen, was er möchte – so auch Greenpeace.

Angesichts der Quacksalberei im Zusammenhang mit den Gefahren von „Gen-Milch“ sollte man aber auch jene tolerieren, die sich dafür nicht erwärmen lassen. Hierzu zählt offenbar glücklicherweise die Mehrheit der Bundesbürger – 10.000 läppische und mit großem Aufwand zusammengetrommelte Briefchen bei einer Bevölkerung von 80 Millionen und einer seit Jahren gespielten Angstkampagne reißen nicht gerade vom Hocker! Zu den Misanthropie-Skeptikern zählen auch Landwirte, die das vorteilhafte Futter nutzen – und nicht zuletzt die Molkerei Weihenstephan. Deren Geschäftsziel ist es, gute Milchprodukte zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Mit den Hamburger Zeugen des drohenden Weltuntergangs hat man dafür keinen Vertrag geschlossen.

Und so, wie es jedes Bürgers Recht ist, religiöse Sektenvertreter oder Drückerkolonnen nicht ins Haus zu lassen, so hat man in Freising anscheinend Besseres zu tun als wertvolle Zeit in einem hart umkämpften Marktsegment mit Vertretern der deutschen Angstindustrie zu vergeuden. So scheiterte schon der erste Versuch von Greenpeace, der Molkerei im vergangenen Mai 4000 Protestschreiben zu übergeben. Offenbar wollte man in Hamburg Porto sparen, doch es fand sich niemand, der die Postfracht in Freising entgegennahm. Die Pechsträhne hielt auch letzte Woche an: Der mit viel Schweiß errichtete Greenpeace-Kasten durch die mittlerweile etwas in die Jahre gekommene Aktivistentruppe wurde von der Polizei abgeräumt und landete samt Inhalt in einem Feuerwehrfahrzeug. Die Briefe sind also wieder nicht bei Weihenstephan angekommen, sondern liegen nur wahrscheinlich in irgendeiner Asservatenkammer der Freisinger Ordnungshüter (s. BR Abendschau: www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/abendschau/gen-proteste-greenpeace-kronthaler-ID1248344951388.xml). Ob Greenpeace sie wenigstens zurückbekommt? Zunächst steht erneut eine Gerichtsverhandlung an, was die Kosten für das Minispektakel in die Höhe treiben dürfte. Mit einer normalen Spedition hätte sich das doch alles viel einfacher bewerkstelligen lassen …