27.07.2010

Nicht noch eine Öko-Doku-Soap!

Analyse von Nicolaj Wild

Wir lieben Schauermärchen, mit der Betonung auf Märchen. Ob das die jüngste Renaissance ökologischer Propagandafilme erklärt?

Wir lieben Schauermärchen, mit der Betonung auf Märchen. Ob das die jüngste Renaissance ökologischer Propagandafilme erklärt? Unsere Vorliebe für das Gruseln sieht man besonders gut in einigen amerikanischen Horrorfilmen, in denen sich junge Menschen um ein Lagerfeuer versammeln, um sich gegenseitig Horrorgeschichten zu erzählen. Die beste tritt dann natürlich ein, unbegründete Gewaltausbrüche inklusive.

Doch wird dieses wohl immer seltener, der Erlkönig weicht immer mehr dem Wachtelkönig, und Lagerfeuer produzieren ohnehin soviel CO2 wie ein Geländefahrzeug, das nur dazu benutzt wird, unschuldige Welpen zu überfahren. Dies hängt zum einen damit zusammen, dass Horrorfilme in letzter Zeit nur noch als Remake oder Fortsetzung gedreht werden und, sein wir mal ehrlich, Saw 34 wird wohl kaum besser sein als der erste.

Remakes, die nicht an Popularität verlieren, sind Umweltdokumentationen. Seit Michael Moore mit seinen Filmen „Bowling for Columbine“ und „Fahrenheit 911“, letztgenannter gewann sogar den Oskar, dem Genre des Dokumentarfilms neues Leben eingehaucht hat, ebbt die Flut nicht mehr ab. Im Umweltsektor sahen wir zum Beispiel den „Marsch der Pinguine“ oder die BBC Produktion „Blue Planet“. Aber die Filme, die wirklich an Popularität gewannen, waren Titel wie „11th Hour“ und insbesondere „An inconvenient Truth“, die Powerpoint-Präsentation des wahrscheinlich langweiligsten Menschen unter der Sonne, Al Gore.

Sein Machwerk gewann ebenfalls den Oskar, und er selbst bekam als Dreingabe auch noch den Nobelpreis. Irgendwann sehen wir wahrscheinlich auch einen Film über Al Gore, mit Leonardo di Caprio in der Hauptrolle, und verfilmt von Martin Scorcese, eine Mischung aus „Taxi Driver“ und „The Departed“. Ja, er spricht mit uns, zu uns sogar, mit seinen digitalen Geboten. Es gibt mit schwingenden Kettensägen herumlaufende Irre, nur sind das wir. So lange wir unsere benzinbetriebenen Kettensägen abschalten oder ein Carbon Offset-Tradeverhältnis eingehen, um Nadelbäume im Urwald zu pflanzen, so die Moral, können wir die Selbstzerstörungssequenz auf dem Raumschiff Erde gerade noch rechtzeitig ausschalten. Wir müssen es nur wollen.

Dass derartige Filme jedweder Kritik erhaben sind, zeigt besonders der Medienrummel über die auf Channel 4 ausgestrahlte Dokumentation „The Great Global Warming Swindle“. Er stellte die These des menschlich verschuldeten Klimawandels infrage, und flugs wurden sämtliche Beteiligten entweder als Knechte der Ölindustrie oder schwachsinnige Verschwörungstheoretiker bezeichnet.

In Deutschland werden Filme wie „An Inconvenient Truth“ gerne angenommen, denn wir lieben es, aktiv zu sein. Aktionismus ist gut, denn man tut ja was und man wird gesehen, wie man etwas tut, auch wenn die Hintergründe noch so fadenscheinig sein mögen. Der Film „Die 4. Revolution“ des deutschen Al Gore, Hermann Scheer ist so ein Beispiel, genauso wie ein neuer Eintrag in das Filmlexikon „Fair Future“. Zuletzt genannter macht da weiter wo “An inconvenient Truth” im politisch korrektesten Land Europas, Großbritannien, 2007 aufhören musste: in den Schulklassen. Während in England Schüler mit derlei Propaganda nicht mehr „aufgeklärt“ werden dürfen, ist dies in Deutschland weiterhin üblich.

Getreu dem Motto „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ soll nun die Jugend von dieser Ideologie erfüllt werden, und das Bildungswesen mischt eifrig mit. Frank Furedi brachte dies in NovoArgumente Nr. 106 auf den Punkt: „Im Mittelalter war es die Religion, die im Zentrum der Lehre praktisch jedes Faches stand. Die Studenten wurden nicht in Zweifel darüber gelassen, welche Haltung die Kirche noch zu den speziellsten Detailfragen der der gelehrten Themen einnahm. Und heute sind es die Umweltschutzthemen, die so weit in die Lehrpläne Eingang gefunden haben, dass sie für Fächer wie Geografie, Naturwissenschaften, Gesundheitsvorsorge oder Sozialverhalten bereits prägend sind… Die Bedeutung der Umweltthemen in den Schullehrplänen wächst proportional zum moralischen Analphabetismus und Sinnverlust in der Gesellschaft.”

Diese Indoktrination ist gewollt, da die „pester power“, „die Macht zu nerven“ über die Kinder verfügen, nicht dazu benutzt werden soll, den neuesten Transformer zu bekommen, sondern die Eltern beeinflussen soll, vielleicht doch den Hybrid zu kaufen, da dieser ja cooler sei und Max’ Vater den auch fährt. Dies sollte einem zu denken geben, da die weitere Entwicklung schier unabsehbar ist. Weil ich schon so viele Filme zitiert habe, möge man mir auch dies letzte nicht verwehren. Die Verfilmung von Robert Harris’s „Vaterland“, wartet mit einer Möglichkeit auf: Der Sohn des Protagonisten, ein loyales Mitglied der Hitlerjugend, verrät diesen an die Gestapo. Die Szene existiert nicht im Buch, ist dennoch ein warnendes und eindrucksvolles Beispiel dafür, was passieren kann, wenn Kinder missbraucht werden, um ihre Eltern zu überwachen.

Übrigens, was Remakes angeht, so bleibt zu erwähnen, dass das, was heute der Klimawandel ist, in den 80er-Jahren das Waldsterben war. In Angstvisionen wurde eine Welt ohne Wälder beschworen, nur leider hat man den Wäldern vergessen davon zu erzählen, oder diese hielten sich nicht an die Abmachung. Forstschutz-Professor Müller aus Tharandt brachte es auf den Punkt. Der gesunde Wald ist eine idyllische Vorstellung, eine Projektion. Es hat ihn nie gegeben. Wo der Wald lebt, da kränkelt er auch. Aber er muss deshalb nicht gleich sterben.