01.11.2000

Man drohte der Autorin mit Mord und Entführung

Kommentar von Arne Hoffmann

Über ein neues Buch, das das heiße Eisen “Feminismus” in die Zange nimmt.

Karin Jäckel: Deutschland frisst seine Kinder.
Familien heute: Ausgebeutet – ausgebrannt
Rowohlt Verlag, ISBN 3499609290, Reinbek bei Hamburg 2000, DM 19,90


Als ein Insider der Verlagsbranche höre ich von manchen Lektoraten immer wieder dieselbe Klage: Nach dem Ende der Ideologien gebe es keine großen kontroversen Themen mehr, über die man sich noch die Köpfe heiß reden könne, keine wirklich neuen Erkenntnisse, keine gesellschaftlichen Tabus und Schweigegebote, die noch gebrochen werden müssten. Karin Jäckel beweist in ihrem neuen Buch, dass diese verbotenen Territorien durchaus noch existieren. Nur eben weil kaum jemand darüber spricht, bemerken die meisten nichts davon.


Schon in ihren früheren Büchern hat Karin Jäckel als schreibende Einzelkämpferin heiße Eisen angepackt, an die sich kaum ein anderer heranwagte: etwa sexueller Missbrauch durch weibliche Täter oder die organisierte psychische und finanzielle Vernichtung von Scheidungsvätern. Das große Thema von Karin Jäckels neuem Werk Deutschland frisst seine Kinder ist die gescheiterte Familienpolitik hierzulande, die der Autorin zufolge in erster Linie die Frauenbewegung und ihre Trittbrettfahrer zu verantworten haben. Leider scheint jede Auseinandersetzung mit dem Feminismus heutzutage einem Angriff auf eine heilige Kuh gleichzukommen. Vor allem in Medien und Verlagen ist vielen offenbar nicht einmal ansatzweise klar, dass es sich auch dabei keineswegs um eine ewige, von keinem anständigen Menschen hinterfragbare Lebenseinstellung handelt, sondern lediglich um eine Weltanschauung unter vielen anderen. Nur dadurch, dass es den Vertreterinnen der feministischen Ideologie gelang, jede Kritik an ihr als reaktionär und frauenverachtend darzustellen, konnten sie dafür sorgen, dass all ihre wunden Punkte übersehen wurden – bis jetzt.


Es tut sich etwas auf dem deutschen Buchmarkt. Eine neue Welle der Aufklärung beginnt gegen die Schere in unseren Köpfen anzubranden. Neben Autoren wie Matthias Matussek, Paul-Hermann Gruner oder Katharina Rutschky wagt auch Karin Jäckel, einige unangenehme Fragen zu stellen: Wenn für Feministinnen die Freiheit der Selbstbestimmung für jede Frau so wichtig ist, warum werden dann Hausfrauen und Mütter von ihnen demagogisch gebrandmarkt und vom Gesetzgeber benachteiligt? Wie kann das Bundesfrauenministerium millionenschwere Kampagnen gegen “Männergewalt” in der Partnerschaft verantworten, wenn ihren eigenen ebenso wie über hundert anderen internationalen Studien zufolge häusliche Gewalt von beiden Geschlechtern im gleichen Ausmaß ausgeht? Wie lässt es sich rechtfertigen, dass immer absurdere Programme zur “Gleichstellung” der Frau in Ausbildung und Beruf ins Leben gerufen werden, während das weibliche Geschlecht das männliche längst hinter sich gelassen hat, was Schulabschlüsse, Studien- und Arbeitsplätze angeht? Gekonnt knackt Karin Jäckel in ihrem Buch etliche in den Medien immer noch populäre Irrtümer – so etwa die Legende, dass karrierewillige Frauen durch Männerklüngel oder sexistische Strukturen am beruflichen Aufstieg gehindert würden. Und sie weist nach, dass dadurch, dass Politik und Medien bei diesem Thema die Auseinandersetzung mit der feministischen Lobby scheuen, Keimzelle und Zukunft unseres Staates zu den ersten Opfern gehören: unsere Familien und damit unsere Kinder.


Wie sehr Karin Jäckel an einem Tabu rührt, wird klar, wenn sie von den Reaktionen auf ihre Bücher berichtet: Man droht ihr Mord, Entführung und Brandschatzung an, Buchhändlerinnen boykottieren ihre Werke oder erklären auf Nachfrage fälschlich, sie seien vergriffen. Verlagslektorinnen lassen Manuskripte untergehen und Verträge platzen. All dies würde sich höchst abenteuerlich anhören, wenn man ähnliche Erlebnisse nicht vielfach von anderen Autoren gehört hätte, die sich Feminismuskritik zu ihrer Aufgabe gemacht haben. Man kann sich nur wünschen, dass hierzulande möglichst bald dieselbe geistige Freiheit zu verspüren ist wie in anderen Ländern. Wenn endlich einmal auch bei uns eine unbelastete Auseinandersetzung in der Geschlechterdebatte möglich ist, dann wird das auch Personen wie Karin Jäckel zu verdanken sein, die sich als Einzelne mutig einem tosenden Strom von “neosexistischer” Fehlinformation und Meinungsmache entgegengestellt haben. Spannender, aufwühlender und zugleich moralisch integrer kann ein Sachbuch kaum sein.