05.03.2010

Kartoffeln, Gene und die taz

Von Tilman Kluge

Über die Berichterstattung anlässlich der Zulassung der gentechnisch veränderten Stärkekartoffel “Amflora“.

In der gebotenen Ausführlichkeit verbreitet sich Die Tageszeitung (taz) zur gentechnisch bearbeiteten Kartoffelsorte “Amflora”. Dabei wird erwartungsgemäß das gesamte Spektrum dessen abgearbeitet, was es zeitgeistkonform zu diskutieren gibt, so auch die Frage nach verhinderbaren oder nicht verhinderbaren Kreuzungen mit anderen Kartoffelsorten. Bei alledem wird aber landwirtschaftliches Grundwissen systematisch vernachlässigt.
Man liest (taz 03.3.2010, „Es ist angerichtet“): “Im Folgejahr dürfen keine genfreien Kartoffeln auf einem Amflorafeld angebaut werden.” Das wäre eine leicht einhaltbare Bestimmung. Denn genfreie Kartoffeln, also Kartoffeln ohne Gene, gibt es nicht und hat es nie gegeben. Aber mit oder ohne Gene, wer baut denn ohne größte Not in der Fruchtfolge Kartoffeln auf Kartoffeln an?
Statt dieser Frage des Praktikers vorzubeugen, hieß es schon am Tag zuvor in einem anderen Beitrag (taz 02.3.2010 “Gefahr aus der Knolle”, Kommentar): “Statt häufig die Frucht auf einem Feld zu wechseln, um das Aufkommen von Unkräutern zu dämpfen, wird immer die gleiche Genpflanze angebaut. Auch das steigert langfristig den Verbrauch von Pestiziden und gefährdet die Artenvielfalt.” Fruchtwechsel wegen des Unkrautes ist ein interessanter Aspekt, der hier jedoch hintenan stehe möge. Von Interesse ist hier, und auch das lernt jeder Landwirt, der Fruchtwechsel wegen der ansonsten auch gerade bei Kartoffeln zu erwartenden Etablierung von Schaderregern (Nematoden u.a.).
Und warum sollte denn ein Anbauer einer “Gen-Kartoffel” im Folgejahr kein Getreide anbauen? Grund dafür wird doch nicht der sein, dass es sich gerüchteweise mit der antibiotakaresistenten Vorfrucht, also dem Aufwuchs hinterlassener Kartoffeln, kreuzen könnte. Grund wird doch auch nicht die Tatsache sein, dass diese Kreuzung zwar biologisch ohnehin nicht funktioniert, das aber umso mehr gegen Political Correctness (PC) verstößt. Und Grund dafür wird doch erst recht nicht sein, dass aufgrund dieses Verstoßes gegen PC naturwissenschaftliche oder agrarpraktische Überlegungen für die Prophezeiungen der taz im vorliegenden Falle unerheblich sind. Ein Schelm ist, wer Böses dabei denkt!
Einfachste Fruchtfolgeregeln wie beschrieben und vieles mehr kennen alle Landwirte, sei es mit Studium oder mit Hauptschulabschluss. Kritik seitens der taz war solange ein Markenzeichen dieser Zeitung, solange dabei wenigstens einfachstes Schulwissen nicht abgrundtief in die Tonne gekloppt wurde.