01.07.2004

Innovation: Reden ist Silber, Handeln wär’ Gold

Essay von Hubert Markl

Hubert Markl macht Vorschläge, wie Deutschlands Bildungsqualität und Innovationskraft gestärkt werden könnte.

Dass mit Deutschlands Bildungssystem manches im Argen liegt, wissen wir spätestens seit den Ergebnissen der internationalen Vergleichsstudien TIMSS, PISA, IGLU etc. Was von Kindergarten bis Abitur reformiert werden müsse und dass es überall viel zu verbessern gäbe, um den deutschen Nachwuchs zügig – solange er noch jung ist! – international wettbewerbsfähig zu qualifizieren, wurde seit deren Veröffentlichung in großer Breite diskutiert und hat auch zumindest in einigen Bundesländern zu erheblichen Anstrengungen geführt, offenkundige Mängel zu beheben. Stichworte dafür sind zum Beispiel: die sichere Beherrschung der Muttersprache in Wort und Schrift; der möglichst früh beginnende Zweitsprachenunterricht (typischerweise Englisch); die Verbesserung der mathematischen Grundbildung für alle und Intensivierung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung genauso wie der weitere Fremdsprachenerwerb in Mittel- und Oberstufe höherer Schulen; die Geläufigkeit in der Nutzung elektronischer Medien und Kommunikationsmittel (computer literacy); das alles bei gleichzeitiger Senkung des Abiturdurchschnittsalters, insbesondere durch allgemeine Einführung des Abiturs nach zwölf Jahren Schulzeit; die regelmäßige Weiterqualifizierung der Lehrer und objektive Überprüfung der Leistungen von Schülern und Lehrern usw.

Behaupte auch keiner, in zwölf Jahren sei das Abitur nicht qualifiziert zu schaffen. Viele meiner Generation wären nach dem Krieg froh gewesen, wenn sie wenigstens zehn oder elf Jahre ordentlichen Schulunterricht hätten genießen können – und einige davon sind doch etwas geworden, ob mit oder ohne Latein. Daran kann es also wohl nicht liegen.

Aber eines gilt auf jeden Fall: Wenn es an der Breiten- und Spitzenqualität der Schulbildung von Vorschule bis Abitur mangelt, dann schleppen wir die Defizite im weiterqualifizierenden Hochschulbereich fort, ja wir vermehren sie dort noch. Auch der Innovationsbeitrag von 25 oder 30 oder selbst 40 Prozent eines Altersjahrgangs an Hochschulabsolventen, selbst wenn diese noch so gut ausgebildet wären, käme nicht voll zur Geltung, wenn es an der praxisqualifizierenden Schul- und Berufsausbildung der 60 oder 70 Prozent junger Leute mangelt, die im dualen System zu Facharbeitern bis Meistern ausgebildet werden. Deshalb wäre eine Elitediskussion, die sich zur Überwindung deutscher Innovationsschwächen allein auf den Hochschulsektor konzentrierte, sicherlich falsch. Tatsächlich dürften Wirtschaft und Wissenschaft durch leistungssteigernde Reformen im Schulsektor, ja bereits in der Vorschulbildung, die allen jungen Leuten zugute kommen, allemal mehr gewinnen als durch aufgesetzte Elite-Sahnehäubchen für eine notwendigerweise zahlenmäßig immer eng begrenzt bleibende Nachwuchsspitze.

Aber ehe wir zu sehr in Nach-PISA-Selbstmitleid und Selbstgeißelung verfallen, sei festgehalten:

  • Erstens fehlen entsprechende Vergleichsstudien aus vergangenen Perioden: Sind wir tatsächlich so sicher, dass Deutschland – als es international angeblich noch wettbewerbsfähiger war, also sagen wir: vor einer Generation – so viel anders abgeschnitten hätte? Wir wissen es nicht. Darüber gibt es viele voreilige Vorurteile.
  • Es fällt zweitens auf, dass wir Deutsche auch heute im internationalen Vergleich auf PISA weit selbstquälerischer reagiert haben als andere vergleichbare Nationen. Eigene Schwächen erkennen, um sie abzustellen, ist eine gute Sache, dies kann stärken. Sie hysterisch zu übertreiben, kann hingegen schwächen. Wir sollten also bei aller gerechtfertigten Kritik das Augenmaß nicht verlieren und lieber rasch handeln als so selbstzerfleischend zu klagen.
  • Dies gilt drittens (weil es ja nicht leicht zu erklären ist) auch dafür, dass wir auf so vielen Gebieten (Stichwort: brain drain) zu Recht die Abwanderung tüchtiger Deutscher ins Ausland beklagen, wo sie oft besonders gerne aufgenommen werden, und zugleich behaupten zu müssen meinen, deutsche Ausbildung tauge einfach nichts mehr. Zumindest im Bereich der naturwissenschaftlich-technisch Hochqualifizierten passt doch beides nicht zusammen. Was einmal mehr deutlich macht, dass wir bei aller Elitefreudigkeit vor allem die Breitenqualifizierung nicht vernachlässigen dürfen. Eliten haben es nämlich so an sich, sich – gerade auch unter schwierigen Bedingungen – sehr selbstbestimmt zu entfalten, was auch so sein muss, denn nur zur selbstständigen Höchstleistung Befähigte werden Elitebeiträge für die ganze Gemeinschaft erbringen können.

Dass Innovation und Elite heute selbst von denen politisch mit Vorrang gefordert – und hoffentlich auch nicht nur rhetorisch gefördert – werden, die in der Vergangenheit viel dazu beigetragen haben, innovative Eliten in unserem Land eher zu behindern als wirkungsvoll tätig werden zu lassen, darf uns dennoch erfreuen, selbst wenn es nur aus politischer Opportunität geschähe. Was richtig war und ist, bleibt ja richtig. Denkt man an Deutschlands wissenschaftlich-technische Leistungspotenziale auf Gebieten wie Transrapid- oder Kerntechnik, grüne Gentechnik, biomedizinische Entwicklungsgenetik oder Pharmaforschung – vom Tollhaus Collect, das einen in kollektive Tollwut versetzen könnte, gar nicht zu reden – , so sind es allerdings wohl nicht so sehr die mangelnden Elitebedingungen in deutschen Lehr- und Forschungsstätten, die uns im weltweiten Wettbewerb am meisten behindern. Auch deutsche Technikfeindlichkeit wird es wohl nicht sein: Die meisten Deutschen wären nur zu gerne stolz auf Toll Collect gewesen. Die Beseitigung mancher politisch-administrativen Innovationsbremsen (und am besten auch der sie beharrlich verstärkenden politischen Innovationsbremser) könnte eine höchst wirkungsvolle Form der wissenschaftlich-technischen Innovationsförderung sein. Manchmal hat man ja den Eindruck, es würden am liebsten garantiert „genfreie“ Minister und Ministerinnen gesucht, um uns zu beglücken. Kinderlosigkeit ist vielleicht schon der erste Schritt dazu. Insofern kommt einem die derzeitige – vor allem rhetorische – Innovationsfreude manchmal doch etwas virtuell vor: so als versuchte einer bei gleichzeitiger Vollbremsung und auch noch mit angezogener Handbremse Vollgas zu geben. Das gibt zwar viel Lärm und Rauch – aber vorwärts geht es damit noch lange nicht! Man kann nämlich auch mit politischen Windmaschinen immer noch keine Energie erzeugen – allenfalls Alternativen zur Energieverfügbarkeit.

Natürlich fürchtet man – belastet mit etwas Lebenserfahrung in diesem unserem Lande – schon, dass auch „Innovation“ und „Elite“ solche Kaugummibegriffe werden könnten, die zwar überall kleben bleiben, aber die Politik und Medien in aller Munde so lange bis zur völligen Geschmacklosigkeit und Inhaltsleere durchkauen könnten, dass keiner mehr weiß, was eigentlich damit gemeint sein soll, ähnlich wie es etwa solchen Begriffen wie „Vision“, „Reform“, „nachhaltig“, „alternativ“, „ökologisch“ oder „Bio“ ergangen ist. Wer weiß schon, was die Vision von einem nachhaltig ökologischen funktionalen Bio-Joghurt ist? „Zukunft“ ist auch so ein schöner Begriff: „Wir schaffen Zukunft!“ Das klingt doch fast so wie „Wir schaffen Wetter!“ Fragt sich nur: welches? Auch Rente ist ja sicher: aber wieviel? Oder „virtuell“ – am schlimmsten in Kombinationen wie „virtuelle Visionen“, bekanntlich der sicherste Weg zu realen Verlusten.

Wir sollten es daher doch besser den Wirtschaftswissenschaften und der Wirtschaftspraxis überlassen, den Innovationsbegriff angemessen zu definieren und zu handhaben, sonst sind am Ende Big Brother, Ecstasy oder Kübelböck noch Innovationen, auf die wir stolz sein sollen. In der Wissenschaft wünschen wir in Lehre und Forschung im internationalen Vergleich hervorragende Leistungen von Leuten – jungen wie älteren –, die sich eben dadurch als Leistungselite erweisen, dass nur sie zu solchen kreativen Leistungen imstande sind und dass sie deshalb nicht nur national, sondern genauso international als die knappste aller „Humanressourcen“ nachgefragt und umworben sind. Insofern erweist sich gerade die Nachfrage nach unserem Nachwuchs aus dem Ausland als Gradmesser (oder benchmark) unserer eigenen Leistungsfähigkeit in Lehre und Forschung. Auch deshalb sollen möglichst viele tüchtige junge Leute aus anderen Ländern willkommen sein, um bei uns zu lernen und zu arbeiten. Dazu brauchen wir schnell ein primär an deutschen Interessen ausgerichtetes Zuwanderungsrecht, nicht zur globalen Beglückung aller Mühseligen und Beladenen, sondern eines, das leistungswillige und leistungsfähige Menschen ermutigt, ihr Glück in Deutschland zu suchen und zu verwirklichen, gerade auch um denen, die wirklich der Hilfe bedürfen, auch künftig noch beistehen zu können.

Wir können die Litanei der Forderungen zur Steigerung der Leistungen in Lehre und Forschung an deutschen Hochschulen ja schon bald im Schlafe herunterleiern, was sie keineswegs falsch macht:

  • Steigerung der Verantwortlichkeit der Hochschulen gegenüber Studierenden und Gesellschaft und des Wettbewerbs zwischen den Hochschulen durch Auswahl der Studierenden für die angebotenen Studiengänge und Leistungsvereinbarungen mit den Finanzträgern über Dauer der Studien bis zum ersten Abschluss, sowie Qualität und Erfolg der Abschlüsse nach Bewertungsmaßgaben transparenter, externer Begutachtung.
  • Steigerung der Verantwortlichkeit der Studierenden gegenüber Hochschule und finanzierender Gesellschaft durch freie Wahl der Institutionen, bei denen sie sich um Aufnahme bewerben, Studienabschluss in definiertem Zeitrahmen, sowie durch Bezahlung angemessener Studiengebühren bei gleichzeitigen ausreichenden Stipendienangeboten für unterstützungsbedürftige Studierende, die in einem gegenüber ihrer Vermögenslage „blinden“ Verfahren allein nach ihrer zu erwartenden akademischen Leistungsfähigkeit ausgewählt worden sind. Verbleib der Studiengebühreneinnahmen im Hochschulbudget.
  • Festsetzung der Ausbildungskapazitäten in den Studiengängen nach den Voraussetzungen für qualifizierende Studiendurchführung, nicht zur Unterbringung sonst beschäftigungsloser Jugendlicher oder Senioren.
  • Selbstverantwortliche Ergänzung des Lehrkörpers durch die Hochschulen mit großer Freiheit im Rahmen festgelegter Budgetrahmenbedingungen, um durch international wettbewerbsfähige Gehaltsangebote und Fristengestaltung eine bestmögliche Besetzung verfügbarer Positionen – insbesondere auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs – zu erreichen.
  • Schaffung eines modernen Tarifrechts für Wissenschaftler und Hochschullehrer, das auch die Probleme mit „totem Holz“ lösen lässt.

Natürlich gehörten zu solchen leistungs- und wettbewerbsfreundlichen Rahmenbedingungen dann auch eine nach internationalen Vergleichsmaßstäben ausreichende, hervorragende Lehre und Forschung ermöglichende Finanzausstattung unserer Hochschulen aus öffentlicher Grundfinanzierung, Lehrgebührenbeiträgen und im Wettbewerb eingeworbenen Forschungsmitteln. Der Wissenschaftsrat hat in objektivierbaren Verfahren seit langem darauf hingewiesen, dass unser Hochschulsystem bis weit über vernünftige Kapazitätsgrenzen hinaus überbeansprucht und für Spitzenleistungen in Lehre und Forschung dramatisch unterfinanziert ist. Die Bundesregierung hat sich – vereint mit allen anderen EU-Partnern – aus gleicher Einsicht dazu verpflichtet, den Anteil an Mitteln für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt für das gesamte F&E-System bis 2010 von derzeit 2,5 auf 3 Prozent zu steigern, was jährlich allerdings bald schon zweistellige Zuwachsraten im privaten wie öffentlichen Sektor erforderlich machen wird, wenn die jährlichen Zuwächse so mager ausfallen wie in den Jahren seit den Lissabonner Beschlüssen vom Jahr 2000, die den Sprung auf drei Prozent in zehn Jahren versprachen.

Gegenüber solchen finanziellen Herausforderungen kann die Ankündigung der noch dazu befristeten Förderung weniger Eliteuniversitäten nicht als Königsweg zur Steigerung der Innovationsfähigkeit im gesamten Hochschulsystem angesehen werden, zumal die Länder aus allen Hochschulen in den vergangenen Jahren weit mehr Mittel herausgekürzt haben dürften als jenen vielleicht fünf Elitehochschulen für einige Jahre zukommen sollen, damit wenigstens sie so leistungsfähig werden (oder bleiben), wie es früher wohl gut zehnmal so viele Hochschulen waren! Da wäre es schon sehr viel zielführender, wie von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen (zum Teil in voller Übereinstimmung mit wichtigen Bundesländern, die schließlich die Träger der Universitäten sind) vorgeschlagen, in Lehre (vor allem Graduiertenausbildung) und Forschung Exzellenzschwerpunkte universitärer und außeruniversitärer Institutionen auf den wichtigsten und zukunftsträchtigsten wissenschaftlichen und technischen Innovationsgebieten im Wettbewerbsverfahren nachhaltig verstärkt finanziell zu unterstützen, in Verfahren, wie sie sich zum Beispiel auch bei der Förderung von Sonderforschungsbereichen durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft bewährt haben. Es wird sich dann schnell herausstellen, welche zwei oder fünf oder zehn Universitäten zusammen mit außeruniversitären Forschungsinstituten auf welchen Gebieten wirkliche Elitezentren sind. Wenn Bund und Länder dabei wirklich kooperativ und ohne negative Kompetenzkonflikte zusammenwirkten und unter den Ländern wirklich Wettbewerb um die besten Lösungen herrscht, statt sich in zu vielen „Netzwerken“ zu verheddern, ließe sich viel für die Förderung der innovativen Leistungsfähigkeit unseres Hochschulbildungs- und Forschungssystems erhoffen. Wenn man übrigens wirklich Elite und Exzellenz in Forschung und Forschungsausbildung wünscht, warum sorgt man dann nicht einfach für finanziell erheblich verstärkte Zusammenarbeit zwischen Max-Planck-Instituten und Universitätsfachbereichen? Andere mögen von Elite reden – in der MPG lebt und arbeitet sie und bildet gleichzeitig exzellenten Forschernachwuchs aus.

Bei all diesen schönen Plänen für Elite, Leistung, Innovation gibt es aber einen cantus firmus zu beachten, der die Grundvoraussetzung für die Förderung von Studienleistungen, Entdeckungen, Erfindungen und Problemlösungen aller Art mit Hilfe von Wissenschaft und Forschung sein muss; ein Doppelklang, ohne den alles, auch alle finanziellen Bemühungen vergeblich bleiben würden; ein Doppelklang, der von zwei Begriffen gekennzeichnet ist: Freiheit und Verantwortung. Manchmal muss man allzu traditionsverhaftete Organisationen allerdings mit sanftem oder gar nicht so sanftem Zwang in diese Freiheit und Verantwortung entlassen und sie nicht erst wieder mit obrigkeitlich-bürokratischer Gängelung darauf „vorbereiten“. Schwimmen lernen auch Hochschulen am besten im Wasser eigener Bewährung im Wettbewerb – und nicht im hochschulrahmengesetzlichen Trockendock.

Freiheit der Wissenschaftler und ihrer Institutionen in der Gestaltung ihrer Tätigkeitsbedingungen in Lehre und Forschung (statt rahmengesetzlich verordneter Verbote befristeter Beschäftigung aus Drittmitteln, die unsere jungen Leute ins Ausland treiben); Freiheit in der Studien- und Studierendenwahl; Freiheit und Offenheit in der wissenschaftlichen Kooperation auf nationaler und internationaler Ebene; Freiheit in der Disposition verfügbarer Mittel zur Steigerung der Leistungsfähigkeit; Freiheit in der Anwerbung begabter Studenten aus dem Ausland; Freiheit von unnötigen bürokratischen, administrativen und allzu engen beschäftigungsrechtlichen und tariflichen Regelungen; Freiheit in der Entscheidung über eigene Forschungsziele und Forschungsschwerpunkte...

So viel Freiheit braucht freilich Zügelung und Führung durch Verantwortung: Selbstverantwortung im Rahmen wissenschaftlicher Selbstkontrolle der Leistung im internationalen Wettbewerb; Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, den finanzierenden politischen und wirtschaftlichen Instanzen und gegenüber der Öffentlichkeit durch Nachweis der Leistungen in Forschung und Lehre in regelmäßiger strenger externer Bewertung und Einhaltung verbindlich vereinbarter Leistungsziele, aber genauso – wenn es das Fachgebiet ermöglicht – durch Patente, Lizenzen, Firmengründungen, das heißt durch wirtschaftlichen Innovationserfolg. Verantwortung auch in der Sicherung bester akademischer Standards, genauso wie Verantwortung gegenüber der gesamten Gesellschaft in der Abwehr von politischen oder wirtschaftlichen Einflussnahmen auf die Ziele, die Durchführung und vor allem die Ergebnisse freier erkenntnissuchender Forschung.

Entdeckungen, Erfindungen und wissenschaftliche Erkenntnisse sind noch lange keine Innovationen: dazu werden sie erst, wenn sie auf freien Märkten im Wettbewerb erfolgreiche Produkte und Verfahren ermöglichen. Aber solche Innovationen setzen die Entdeckungen, Erfindungen und Erkenntnisse freier Grundlagenforschung voraus: noch so schöne Markterwartungen können sie nicht herbeizaubern oder erzwingen. Sie gedeihen nur in der explorativen Freiheit der Forschung. Die Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses muss dafür sorgen, dass auch jeder kreative Forscher lernt, seinen aktiven Beitrag zur Umsetzung von Kreationen in Innovationen zu leisten, ohne dass er oder sie dazu gezwungen werden darf, nur solche Forschung zu betreiben, von der andere Innovationen erwarten. Wenn das Bildungssystem diesen Geist und die Bereitschaft bei jungen Menschen entwickelt und fördert, dann wird auch das Forschungssystem, das auf die so gebildeten Talente angewiesen ist, seinen besten Beitrag zur ständigen innovativen Fortentwicklung unserer Gesellschaft und Wirtschaft leisten; dann wird das Bildungs- und Forschungssystem die Innovationskraft unseres Landes am besten fördern.