01.07.1999

Ihr täglich Kollaterol gib ihnen heute

Eine kleine Auswahl von NATO-Fehlversuchen beim “Friedenschaffen” auf dem Balkan (vom Kriegsbeginn am 24. März bis zum 1. Juni).

5. April

Aleksinac: 12 Zivilisten kommen bei NATO-Luftangriffen ums Leben, 40 Menschen werden verletzt. Wenige Tage zuvor wurde eine Wohngegend in der Stadt Cuprija von mehreren Raketen getroffen, es gibt einige Verletzte.

11. April

Kragujevac: Nach wiederholten Angriffen bleibt von der Autofabrik Zastava nur noch ein Trümmerhaufen übrig, mehrere Arbeiter kommen ums Leben. Der Industriekomplex ist das Herz der gesamten Region, Zigtausende Arbeitsplätze sind betroffen. Auch das Heizkraftwerk der Stadt wird, wie in zahlreichen anderen Regionen, zerstört.

12. April

Grdelica: NATO-Flugzeuge bombardieren zwei Waggons eines vollbesetzten Personenzugs, mindestens 55 Menschen sterben, etwa 40 werden verletzt.
Novi Sad: Die Erdölraffinerie wird zum wiederholten Mal von NATO-Flugzeugen angegriffen.

14. April

Djakovica: Ein Flüchtlingskonvoi wird angegriffen, 75 Menschen sterben, darunter 19 Kinder.

15. April

Pizren-Djarkovica: Bei einem Angriff auf einen albanischen Flüchtlingstrack werden 64 Menschen getötet und Dutzende verletzt.
Vranje: Beim Angriff auf den Vorort Pavlovac werden der 65jährige Mijalko Trajkovic und die 14jährige Milica Stojanovic getötet, zahlreiche weitere Zivilisten werden verletzt.
Pristina: Den Luftangriffen auf die Stadt Pristina fallen 10 Menschen zum Opfer, darunter Messud Gashi, seine Ehefrau Giana und seine drei Töchter, sechs, sieben und neun Jahre alt.

18. April

Belgrad: Die dreijährige Milica Rakic stirbt beim Luftangriff der NATO auf den Belgrader Vorort Batajnica.

20.April

Nis: Der bislang heftigste Luftangriff auf Nis: Ein Mensch stirbt, 11 weitere werden verletzt.

22. April

Djakovica: NATO-Bomber attackieren ein Flüchtlingslager von Serben aus Kroatien und Bosnien Herzegovina. Zehn Menschen sterben, 16 werden verletzt.

23. April

Belgrad: Das Gebäude des serbischen Fernsehens RTS wird zerstört, mehr als zehn Angestellte werden in den Trümmern tot geborgen.

26. April

Belgrad: Die Residenz des Präsidenten der Bundesrepublik Jugoslawien, Slobodan Milosevic, wird angegriffen und zerstört.

27. April

Surdulica: 20 Menschen, darunter 12 Kinder unter 12 Jahren, werden bei einem Luftangriff auf eine zivile Wohngegend getötet, rund 100 Menschen werden verletzt. Zahlreiche Wohnhäuser brennen bis auf die Grundmauern ab.
Kursumlija: 13 Menschen fallen den Luftangriffen auf die Stadt zum Opfer, 25 werden verletzt.
Kopaonik: Bei einem massiven Einsatz von Splitterbomben auf das Wintersportgebiet an der Grenze zum Kosovo wird die Hotelanlage Baciste dem Erdboden gleichgemacht.

28. April

Prizren: Ein Zigeunerlager am Stadtrand wird getroffen. Zwei Kinder und zwei Erwachsene sterben.
Sofia: Eine Harm-Rakete schlägt in der bulgarischen Hauptstadt ein, ein Wohnhaus wird beschädigt.

29. April

Belgrad: Wohnhäuser im Stadtzentrum werden getroffen, als das leerstehende Armee-Hauptquartier in der Altstadt angegriffen wird. Bei einer zeitlich verzögerten zweiten Angriffswelle werden 3 Feuerwehrleute und ein Polizist getötet, 38 Menschen werden verletzt.
Novi Sad: Die Erdölraffinerie wird angegriffen und vollständig zerstört.

30. April

Kraljevo: In der Nähe des Dorfes Vitanovac greifen NATO-Bomber einen Linienbus an, acht Menschen werden zum Teil schwer verletzt.
Berane (Montenegro): Die Brücke im Dorf Murino wird zerstört. Eine Person stirbt, zwei weitere werden verletzt.

1. Mai

Pristina: Eine Brücke im Dorf Lucani wird von NATO-Flugzeugen angegriffen, als ein vollbesetzter Bus sie passieren will. Mindestens 39 Passagiere sterben. Eine Stunde später werden Hilfskräfte bei einem erneuten Angriff verletzt.

2. Mai

Novi Sad: Die bereits zerstöre Erdölraffinerie wird erneut beschossen.
Kosovska Mitrovica: Zwei Menschen sterben und 35 werden verletzt bei einem Luftangriff auf das Stadtzentrum.
Kursumlija: NATO-Flugzeuge treffen das örtliche Flüchtlingslager.

3. Mai

Sremska Mitrovica: Ein Mensch kommt bei den Luftangriffen der NATO ums Leben, zahlreiche weitere werden verletzt.
Savine Vode: Der Linienbus Pec-Kula-Rozaje wird aus der Luft angegriffen und von zwei Raketen getroffen. 20 Menschen sterben, mehr als 40 Insassen werden verletzt.
Novi Sad: Das Gebäude des serbischen Fernsehens RTS wird von zwei Raketen getroffen und geht in Flammen auf.

5. Mai

Urosevac: Ein aus Griechenland kommender Hilfskonvoi wird aus der Luft beschossen.

7. Mai

Nis: Eine Splitterbombe schlägt in der Innenstadt von Nis ein: 15 Menschen sterben, 70 werden verletzt.
Sofia: Zum fünften Mal schlägt eine NATO-Rakete auf bulgarischen Territorium ein.

8. Mai

Belgrad: Der massivste Angriff auf die jugoslawische Hauptstadt seit Beginn des Krieges: Die Innenstadt von Belgrad wird angegriffen. Das jugoslawische Innenministerium wird getroffen. Die chinesische Botschaft wird von zwei Raketen getroffen. Im Botschaftsgebäude befinden sich im Moment des Angriffs 50 Menschen, vier davon sterben. Das Hotel Jugoslavija wird zweimal attackiert.
Nis: Bei der Bombardierung einer Brücke wird das griechische Konsulat von einer Rakete getroffen.

11. Mai

Lipljan: Die vierjährige Dragana Dimic sowie Rosa und Bosko Jankovic sterben beim Angriff auf den Vorort Staro Gradsko.
Vladicin Han: Zwei Menschen sterben beim Angriff auf das Stadtzentrum. Die Brücke über die Morava wird zerstört.

13. Mai

Novi Sad: Das Gebäude des serbischen Fernsehens RTS wird erneut von Raketen getroffen und völlig zerstört.

14. Mai

Korisa: 87 Menschen sterben beim Angriff auf das Dorf Korisa bei Prizren und 67 Menschen werden verletzt, als eine Flüchtlingsgruppe mit mehr als 500 Albanern angegriffen wird.

16. Mai

Prizren: Zivile Ziele im Süden der Stadt in der Nähe der albanischen Grenze werden angegriffen. Die Stadt wird überwiegend von Albanern bewohnt. In den letzten 24 Stunden wurden insgesamt 130 Missiles auf das Kosovo abgefeuert.

17. Mai

Kraljevo: Das Dort Bogutovac wird angegriffen. Dort gibt es keine militärischen Einrichtungen.
Bor: Auf das Öl-Depot von Jugopetrol werden vier Raketen abgefeuert. Ein Mensch wird getötet, vier weitere schwer verletzt.
Vranje: Beim dritten Angriff auf die kleine südserbische Stadt wird die Tabakfabrik Div und das Verlagshaus Nova Jugoslavia getroffen.

18. Mai

Valjevo: Bei dem zwölften Angriff auf die Stadt Valjevo wird ein Mensch getötet und weitere zwölf werden schwer verletzt. Insgesamt wurden seit Beginn des Krieges 160 Missiles auf die Stadt abgefeuert.
Sabac: Bei einem Angriff wird die Laza Lazarevic-Grundschule schwer beschädigt.

19. Mai

Istok: Drei Raketen treffen die Dubrava-Strafanstalt. Mehrere Insassen sowie ein Mitglied des Wachpersonals werden getötet.
Gnjilane: Bei der Bombardierung des Gewerbegebiets der Kleinstadt Gnjilane werden fünf Menschen getötet: Sabija Zijan (geb. 1974), Gorica Caiprijanovic (1953), Djurdja Savic (1978), Vesna Cvetanovic (1968) und Dzevat Ademi.

20. Mai

Belgrad: Beim Beschuß des Dragisa-Misovic-Krankenhauses werden die Patienten Radoslav Novakovic, Branka Boskovic und Zora Brkic sowie ein Krankenhaus-Mitarbeiter getötet.
Während des Angriffs auf das Öl-Depot von Jugopetrol wird die schweizerische Botschaft im Viertel Senjak beschädigt. In der Botschaft fand zu diesem Zeitpunkt ein Festbankett anläßlich des schweizerischen Nationalfeiertages statt. Zahlreiche weitere Botschaften werden durch Luftangriffe auf ein Krankenhaus beschädigt: Betroffen sind u.a. die Botschaften von Ägypten, Angola, Dänemark, Indien, Irak, Iran, Israel, Libyen, Norwegen, Pakistan, Polen, Ungarn, Schweden, Simbabwe, Spanien und Syrien.

21. Mai

Sombor: Bei der Bombardierung des Depots der Naftagas-Promet wird das Haus der Familie Hinic beschädigt, Nikola Hinic (42) kommt dabei ums Leben.
Istok: 19 Menschen fallen dem Angriff auf die Strafanstalt in Dubrava bei Istok zum Opfer, mehr als 10 Menschen werden zum Teil schwer verletzt. Die Strafanstalt wird von 24 Raketen getroffen und fast vollständig zerstört. Den zahlreichen Angriffen auf die Strafanstalt fallen insgesamt mehr als 100 Gefangene zum Opfer.
Prahovo: Die bereits völlig zerstörten Anlagen der Öl-Gesellschaft Jugopetrol werden zum vierten Mal bombardiert.

25. Mai

Klina: Bakim Gasi wird bei der Bombardierung des Dorfes Garce schwer verletzt und stirbt in der darauffolgenden Nacht.
Kosovo: Zwischen 12.00 und 24.00 Uhr werden mehr als 100 Cruise Missiles über dem Kosovo abgefeuert. Innerhalb von zwei Stunden schlagen in einigen Dörfern im Kosovo mehr als 40 Raketen ein.

26. Mai

Pristina: Zwei Kinder kommen beim Beschuß des Dorfes Radose ums Leben.

27. Mai

Sopot bei Belgrad: Die beiden Kinder Stefan und Dejana Pavlovic und die 29jährige Biljana Momcilovic sterben, als das Haus der Pavlovics im Dorf Ralja von einer Rakete getroffen wird.
Lebane: Branka Stankovic und Veselka Spaic werden beim Beschuß der Cekovicki-Brücke über den Fluß Jablanica getötet, zwei weitere Zivilisten werden verletzt. Die Brücke wird von drei Raketen getroffen und vollständig zerstört.

29. Mai

Vavarin: Beim Beschuß einer Brücke in der Kleinstadt werden 11 Zivilisten getötet und 43 verletzt, davon 17 schwer.

30. Mai

Vranje: Die Stadt und die umliegenden Regionen Bujanovac und Presevo sind massiven Angriffen ausgesetzt, mehr als 60 Raketen schlagen ein, mindestens eine Person kommt ums Leben.
Pristina: Die gesamte Region wird massiv bombardiert. Dabei wird ein Fahrzeug mit Journalisten getroffen. Der Fahrer Nebojsa Radojevic wird getötet, der französische Philosoph Daniel Schiffer und die Times-Reporterin Eve-Ann Prentice werden verletzt.

31. Mai

Surdulica: Aus den Trümmern der beschossenen Lungenklinik in Surdulica werden 20 Tote, darunter 5 Kinder, geborgen.
Novi Pazar: Beim Beschuß eines Appartementhauses in der Nähe des Busbahnhofes werden 10 Menschen getötet und 20 verletzt.
Belgrad: Durch massive Bombardements auf Elektrizitätswerke wird in Belgrad und großen Teilen Jugoslawiens die Stromversorgung erneut gekappt.


Während “diplomatische Friedensbemühungen” im Mittelpunkt der Medien standen setzte die NATO auch nach dem 1. Juni fort.