01.11.2001

Hokuspokus um bildschaffendes Biogemüse

Kommentar von Alex A. Avery und Dennis Avery

Alex und Dennis Avery haben genau hingeguckt: Es ist keineswegs bewiesen, dass Öko-Produkte gesünder sind.

Im August 2001 gab die britische Soil Association endlich zu, dass die Annahme, Nahrungsmittel aus biologischem Anbau seien gesünder, eher auf Intuition als auf aussagekräftigen Beweisen beruht. Nun behauptet die den ökologischen Landbau fördernde Organisation jedoch erneut, es gebe „Anzeichen, die darauf hindeuten“, dass Nahrungsmittel aus biologischem Anbau ein wenig mehr Nährstoffe enthalten als andere Nahrungsmittel.

Wachsweicher geht’s nicht: Was sind „Anzeichen“, die auf etwas „hindeuten“? Wie kommt man zu einem solchen Ergebnis? Die Soil Association musste hart arbeiten und zwei Drittel der in Wissenschaftsmagazinen veröffentlichen Studien über biologischen Anbau komplett ignorieren, um zu dieser Aussage zu gelangen: Sie betrachtete 99 Berichte, von denen sie nur 29 als „valide und nicht mangelhaft“ bezeichnete. Durch solche von der Soil Association aufgestellten Kriterien wurden 70 Prozent der Studien einfach als irrelevant ausgeschlossen.

Diese nicht unbedeutende Tatsache ist allerdings bei einem schnellen Blättern durch den Bericht der Soil Association schwer zu erkennen. Tatsächlich ist es eigentlich unmöglich, mit schnellem Blick auf den Bericht irgendetwas zu erkennen – er hat 87 Seiten und mehr als 550 Literaturverweise, selbst die Einführung hat 6 Fußnoten. Die Soil Association behauptet, dass ihr Gutachter, Shane Heaton, über 400 veröffentlichte Berichte studiert habe, um zur Einsicht zu kommen, dass weitere Untersuchungen notwendig seien, um definitiv zu klären, ob die Produkte aus biologischem Anbau sich wirklich von denen der konventionellen Landwirtschaft unterscheiden – abgesehen von der bereits bekannten Tatsache, dass organische Körner dazu tendieren, einen geringeren Proteingehalt aufzuweisen.

Die Auswahl der Studien wurde wirklich sorgfältig getroffen. Zehn der als valide bezeichneten 29 Studien waren Papiere, die von Verfechtern des ökologischen Landbaus verfasst und auf Meetings zum Ökologischen Landbau präsentiert worden waren. Weitere fünf waren Berichte über Forschungen von Umweltschutzorganisationen. Es handelt sich also nicht um Studien, die von anderen Forschern bewertet und von einer seriösen wissenschaftlichen Zeitschrift zur Veröffentlichung akzeptiert worden waren. Die Soil Association spendet lediglich Beifall für ausgewählte Freunde.

Einige andere Studien, die die Soil Association untersuchte, sind schlichter Hokuspokus. So genannte ganzheitliche Methoden der Analyse der Qualität von Lebensmitteln betrachten Kristallmuster, die sich bilden, wenn man Kupfersalze mit Obst- oder Gemüsesaft vermischt und dann trocknen lässt. Die Öko-Gläubigen behaupten, das Ökogemüse würde bessere „bildschaffende“ Eigenschaften besitzen und daher eine höhere „Vitalqualität“ aufweisen. Doch auch siebzig Jahre nachdem erstmals Kupferchloridkristallisationstests durchgeführt wurden, kann kein Wissenschaftler sagen, was die Muster, die sich ergeben, hinsichtlich ernährungsphysiologischer Eigenschaften bedeuten könnten. Die sehr hohe Anzahl von Verweisen (556) und die sehr kleinen Anzahl tatsächlich berücksichtigter Studien ist ein alter Schuljungentrick, um den Report bedeutsamer erscheinen zu lassen.

Am Aufschlussreichsten ist jedoch, was im Report nicht erwähnt wurde: So zählt beispielsweise ein Papier von Dr. William Lockeretz von der ernährungswissenschaftlichen Fakultät der Tufts-Universität aus dem Jahr 1980 zu den ausgewählten Studien. Was Lockeretz 17 Jahre später zu sagen hatte, findet jedoch keine Berücksichtigung. 1997 resümierte er auf einer Tagung zum Ökologischen Landbau: „Ich wünschte, ich könnte Ihnen sagen, dass es einen klaren, konsistenten Qualitätsunterschied zwischen Lebensmitteln aus organischem und konventionellem Anbau gibt. Ich wünschte noch mehr, einen Unterschied zugunsten der biologischen Nahrungsmittel behaupten zu können. Leider jedoch glaube ich auf Basis meines Studiums der wissenschaftlichen Literatur, dass ein solcher Unterschied nicht gegeben ist.” Lockeretz ist nicht irgendein Öko-Kritiker, sondern altgedienter Verfechter des ökologischen Landbaus und Mitgründer des American Journal of Alternative Agriculture.

"Die Ökolandbaubewegung basiert auf der Angst vor moderner landwirtschaftlicher Technologie."

Der Rest des Reports ist nur ein Aufwasch alter Behauptungen und Angstmacherei in Bezug auf Pflanzenschutzmittel, wie wir sie seit Jahrzehnten kennen. Die gesamte Ökolandbaubewegung basiert auf der Angst vor moderner landwirtschaftlicher Technologie. Als Hauptgefahr werden noch immer Rückstände synthetischer Pflanzenschutzmittel beschworen. Der Report behauptet, dass die „Beweise für eine direkte Verbindung zwischen Pflanzenschutzmitteln und schlechter Gesundheit noch immer anwachsen”. Mögen sie uns Bescheid geben, wenn sie so groß geworden sind, dass sie auch außerhalb der Phantasie der Öko-Verfechter zu existieren beginnen.

Dutzende von medizinischen Forschungseinrichtungen, darunter der Nationale Forschungsrat der USA (NRC), die amerikanische Lebens- und Arzneimittelbehörde (FDA), die amerikanische Krebsgesellschaft und die nationalen Krebsforschungsinstitute von Kanada sind zu dem Schluss gekommen, dass von diesen geringen Spuren von Pestiziden keine realistische Gefahr für die menschliche Gesundheit ausgeht. Der NRC gab 1996 bekannt, dass natürliche giftige und krebserregende Inhaltsstoffe unserer Lebensmittel (die in weit größeren Mengen enthalten sind als die Spuren von Agrochemikalien) ein größeres theoretisches Krebsrisiko bergen könnten als den Rückstände synthetischer Mittel – dass letztlich aber beide in viel zu geringen Konzentrationen vorliegen, um ihretwegen einen Verzicht auf Obst und Gemüse zu empfehlen.

In dieser Hinsicht ist bemerkenswert, dass der Report es auch versäumte, darauf hinzuweisen, dass eines der im organischen Landbau eingesetzten Pestizide (Pyrethrum) kürzlich von der US-Umweltschutzbehörde als „vermutlich beim Menschen krebsauslösend” eingestuft wurde.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Sache klar: Biologisch angebaute Nahrungsmittel sind weder gesünder, noch sind sie sicherer oder haben einen höheren Nährwert als konventionelle. Daran kann auch noch so viel Hokuspokus von Seiten der Öko-Industrie nichts ändern.