01.11.1999

Greenpeace nicht zum Wohle der Allgemeinheit

Kommentar von Roger Bate

Eine mutige Organisation: Männer in Schlauchbooten, die gegen die Goliaths auf den Walfangschiffen, den Atomfrachtern und den Bohrinseln kämpfen. Dennoch gilt in Kanada die PR-Maschinerie der Umweltorganisation nicht als gemeinnützig, berichtet Roger Bate.

Greenpeace hat unlängst eine derbe Schlappe erlitten. Seit zehn Jahren hatte die Organisation sich darum bemüht, in Kanada als gemeinnützig anerkannt zu werden. Auch der neuen Greenpeace Environmental Foundation wurde dieser Status jetzt verweigert. In der Begründung heißt es, dass die Organisation “nicht im öffentlichen Interesse” handele und dass ihre Aktivitäten, deren Ziel es sei, Betriebe stillzulegen, für viele Menschen “Armut bedeute”. Die Entscheidung der kanadischen Behörden könnte für grüne Lobbygruppen weltweit einige Bedeutung haben.
In Kanada wurde mit dieser Entscheidung Greenpeace erstmals offiziell als größte und einflussreichste Organisation eines neuen Zweiges der Dienstleistungsbranche klassifiziert: des Gewerbes der Bangemacher.

Die Greenpeace-Story begann in Kanada. Vor 30 Jahren, in Vancouver, begann man mit der Anti-Atom-Kampagne “Stop Making Waves”; als gemeinnützig galt die Organisation seit 1976. Seither wurde Greenpeace zu einer internationalen, sehr reichen Organisation. Dass die “Firma” nun in ihrem Heimatland nicht mehr als gemeinnützig gilt, muss für sie, gelinde gesagt, ein Schock sein.
Bereits 1989 wurde Greenpeace Canada die Gemeinnützigkeit entzogen. Die Organisation gründete daraufhin die Stiftung Greenpeace Canada Charitable Foundation, die zwar praktisch mit Greenpeace identisch, rechtlich aber eigenständig war. Ein kanadisches Gericht entschied jedoch, dass “die Organisation nicht in Übereinstimmung mit dem Gesetz der Gemeinnützigkeit” operiere. Besonders fiel für die Richter dabei ins Gewicht, dass die Stiftung eng verbunden war mit Greenpeace International und mit Greenpeace Canada. Tatsächlich wurden zwischen diesen Organisationen Hunderttausende von Dollars transferiert; die Stiftung war nichts anderes als eine Geldmaschine für Greenpeace.

“Die kanadischen Steuerbehörden meinen, dass der Einsatz für die Erhaltung der Umwelt gemeinnützig sei, dass aber Greenpeace sich außerhalb dieser Definition bewege”

Die Stiftung verlor den Status der Gemeinnützigkeit 1995. Der Einspruch dagegen wurde im September 1998 endgültig abschlägig beschieden. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch bereits eine neue Stiftung, die Greenpeace Environmental Foundation, ins Leben gerufen worden. Die kanadischen Behörden waren von diesem Schachzug wenig beeindruckt; der neuen Stiftung wurde die Anerkennung verweigert. Auch diese Entscheidung focht Greenpeace vor Gericht an; das Verfahren kam vor kurzem zu Ende – der Kläger gab auf.

Die kanadischen Steuerbehörden erläuterten, dass der Einsatz für die Erhaltung der Umwelt gemeinnützig sei, dass aber Greenpeace sich außerhalb dieser Definition bewege, da es das erklärte Ziel der Organisation sei, “öffentliche Aufmerksamkeit” zu erregen. Hier bestehe die Schwierigkeit, dass “es keinerlei Anhaltspunkte dafür gebe, dass die Verteilung von Flugblättern, beispielsweise zum Thema ‘Abholzung des Regenwaldes’ oder zur ‘Luftverschmutzung durch Industrieabgase’ einen messbaren Einfluss auf die Umwelt selbst habe.”

Greenpeace verkauft sich als Aktionstruppe, als Organisation, die jede Spende “der Sache” zuführt. Tatsächlich funktioniert Greenpeace aber eher wie eine Werbeagentur. In dem Jahr, als die Greenpeace Stiftung zuletzt als gemeinnützig galt, verzeichneten ihre Bücher 383.374 Dollar Spendenaufkommen. Von dieser Summe wurden beachtliche 114.178 Dollar wiederum für Publicity und Fundraising ausgegeben, weitere 90.702 Dollar für Gehälter. Für Projekte zum Wohle der Umwelt blieb nicht viel.
Ohne die Gemeinnützigkeit lassen sich Spenden an Greenpeace nicht von der Steuer absetzen. Greenpeace betonte jedoch, dass die Entscheidung in Kanada die Organisation nicht weiter berühre. Tatsächlich wird Greenpeace heute vor allem durch die Einnahmen in Europa finanziert.

An der Westküste Kanadas ist Greenpeace wieder verstärkt aktiv. Speziell wendet sich die Organisation dort gegen den Holzeinschlag in den Regenwäldern. Diese Art von Umweltschutz, die große Betriebe als Umweltvernichter anprangert, scheint in Kanada aber immer weniger Resonanz zu finden.
Interessant wird sein, zu sehen, ob dies eine kanadische Besonderheit bleibt oder ob Greenpeace auch in Europa an Popularität verlieren wird. Bislang haben die meisten europäischen Politiker dem Druck umweltpolitischer Gruppen oft klein beigegeben. Fairerweise muss man sagen, dass die Organisation es auch schwer hatte, da besonders in Europa die Medien vermeintliche Umweltpaniken besonders reißerisch und unkritisch aufgreifen.
Wie das funktioniert, haben unlängst die Berichte über PVC-Rückstände und Dioxine in belgischen Hähnchen gezeigt. In den zahlreichen Artikeln über diesen “Skandal” erwähnte kaum ein Autor die konkreten Werte der gefundenen Rückstände. Gerade das aber ist der entscheidende Punkt. Dioxine und verwandte Verbindungen können, so sie in größeren Mengen an Ratten verfüttert werden, Krebs auslösen (und Ähnliches ist bei Menschen zu erwarten). Dioxinkonzentrationen, wie sie in der Nahrungskette in Lebensmitteln häufig festgestellt werden, haben jedoch keinen nachweisbaren Effekt auf die Gesundheit von Menschen. Ohne Angabe eines Wertes beim Wort Dioxin “Skandal!” zu schreien, ist deshalb so, wie wenn man angesichts eines Glases Wasser die Rettungsringe über Bord wirft. Deutlich mehr Skepsis gegen das Geschäft, das die Konzerne der Besorgnisindustrie betreiben, wäre auch in Europa angebracht.