01.11.2001

Fleischfressend der Zivilisation entgegen

Analyse von Josef H. Reichholf

Die Umstellung auf Fleischnahrung hat die Menschwerdung erst möglich gemacht., sagt Josef Reichholf.

Zu über 98 Prozent stimmt der Mensch in seinen Erbanlagen mit den nächsten Verwandten, den Schimpansen, überein. Und doch überwiegen die Unterschiede: Während jene am Rand der Ausrottung stehen und auf menschliches Wohlwollen angewiesen sind, hat sich der Mensch zur „Krone der Schöpfung“ aufgeschwungen.

Vieles weist darauf hin, dass die Menschwerdung mit einem massiven Wandel in der Ernährung ihren Anfang nahm: von Früchten und vom Grün des afrikanischen Tropenwaldes, von dem sich die Schimpansen und Gorillas heute noch ernähren, zum Fleisch von Großtieren. Der Wechsel war so grundlegend, dass manche Forscher den „dritten Schimpansen“ auch „Raubaffe“ nennen. Und dies ganz zutreffend im doppelten Sinn des Wortes „Raubaffe“. Denn damit ist nicht bloß gemeint, dass sich die Menschen „carnivor“, wie Katzen, Hunde und all die anderen Fleischesser der zoologischen Ordnung der Carnivora, verhalten, sondern durchaus auch im Wortsinn von Raub. Am Anfang der Menschwerdung stand aller Wahrscheinlichkeit nach die zunehmende Nutzung von frischtoten Großtieren, die den Raubtieren geraubt wurden – von unseren fernen Vorfahren.

Denn zum eigenen Töten mit Waffen war es noch ein weiter Weg, und den Vormenschen fehlten die zum Töten nötigen Krallen oder raubtierartigen Gebisse. Dennoch wurden sie so erfolgreich auf diesem neuen Ernährungsweg, dass sie das Herumklettern in den Bäumen, ja den Wald als Hauptlebensraum gänzlich aufgaben und sich aufgerichtet auf die Beine hinaus in die Savanne aufmachten. Im Marathonlauf ist der Mensch konkurrenzlos; keine andere laufende Tierart kann da mithalten. Doch noch etwas anderes, äußerst Wichtiges ereignete sich mit dieser Umstellung auf Großtierfleisch als Hauptnahrung: Das Gehirn wurde größer und größer, bis es die rund dreifache Größe erreichte, die sonst für Säugetiere unserer Körpermasse typisch wäre. Aus dem Zweibeiner wurde das Gehirnwesen Mensch, das über so viel Gehirnmasse verfügt, dass freie Kapazitäten sogar für das Nachdenken über sich selbst darin vorhanden sind. Die Biologie verneigte sich vor so viel Gehirn und taufte den Menschen wissenschaftlich Homo sapiens, den „weisen Menschen“.

Ein ganz wesentliches Hindernis hat die Menschwerdung jedoch ohne Frage schon sehr früh gemeistert; ein Hindernis, mit dem die Schimpansen offenbar nicht fertig geworden und daher im Vergleich zu uns so zurückgeblieben sind, obwohl sie uns in so vielem ähneln oder gleich sind. Sie zeigen die Problematik in jenen seltenen, aber immer wieder auftretenden Ereignissen, bei denen aus den „friedlichen Vettern“ urplötzlich regelrechte Bestien werden. Nämlich dann, wenn sie Fleisch erjagen, wenn sie kleine bis mittelgroße Affen jagen, töten und wie im Blutrausch zerreißen. Jane Goodall, die weltberühmte Schimpansenforscherin, war zutiefst bestürzt, als sie zum ersten Mal dieses Verhalten der „friedlichen Vegetarier“ mit ansehen musste. Die gewaltigen Eckzähne des Schimpansengebisses werden dabei zur tödlichen Waffe. Dem Menschen fehlen sie ebenso wie all seinen Vorfahren in der Gattung Mensch. Also sollten doch, rein vergleichend biologisch betrachtet, wir Menschen die friedlichen Vegetarier und die Schimpansen die Raubaffen geworden sein – und nicht umgekehrt.

Was ist da in jener fernen Zeit vor mehreren Millionen Jahren in der ostafrikanischen Savanne, unserem Ursprungsgebiet, abgelaufen? Zunächst eine Anmerkung zum Verhalten der Schimpansen: Dass sie eine solche wilde Gier nach Fleisch haben, drückt aus, dass sie unter Mangel daran leiden. Ihnen fehlt Eiweiß für die Fortpflanzung. Im Gegensatz zu den Schimpansen-Weibchen schaffen es die Menschenfrauen – dank der ungleich besseren Versorgung mit Eiweiß –, doppelt so viele Kinder zur Welt zu bringen und großzuziehen, bis diese selbst wieder fortpflanzungsfähig sind. Dabei dauert die nachgeburtliche Entwicklungs- und Betreuungszeit beim Menschen etwa zweimal so lang wie bei den Schimpansen. Der Mensch hat also im Vergleich zu den nächsten Verwandten im Tierreich die Fortpflanzungskapazität mindestens vervierfacht. Und dies bei einem Gehirn, das im Vergleich zu dem des Schimpansen die dreifache Größe erreicht und allein 20 Prozent des normalen Energieeinsatzes im menschlichen Körper kostet. Aufgebaut wird es aus enormen Ansammlungen von energiereichen Phosphorverbindungen, bestimmten, unentbehrlichen Fettsäuren und Eiweiß – alles Stoffe, die „kostbar“ für den Körper und schwer zu beschaffen sind. Zumal wenn die Nahrung aus einfacher, gleichwohl „energiereicher“ Kost besteht. Doch aus Stärke und Zucker, also aus Früchten und Knollen von Pflanzen oder gar deren Blättern und Trieben, lassen sich diese Stoffe nicht oder nur in höchst geringfügigen Mengen entziehen. Aber sie sind hochkonzentriert im Fleisch von Säugetieren oder in Fischen vorhanden, und diese sind nicht ohne Grund die Haupteiweißquellen für die Menschen. Der Wechsel zum Großtierfleisch, das in der wildreichen afrikanischen Savanne zu diesen Zeiten so überreich vorhanden war, dass sogar einstens selbst jagende Greifvögel das eigenfüßige Töten aufgaben und zu Geiern werden konnten, befriedigte diesen hohen Eiweißbedarf und bewirkte die Vervierfachung der menschlichen Fortpflanzungsleistung: Nicht pflanzliche Stärke macht Babys, sondern tierisches Eiweiß, Fleisch.

"Nicht pflanzliche Stärke macht Babys, sondern tierisches Eiweiß, Fleisch!"

Warum schlugen aber nicht auch die Schimpansen oder die ferneren Primatenverwandten, die schon die Savanne bewohnten, nämlich die Paviane, diesen Weg ein und wurden zu Fleischverwertern und zu Raubaffen? Pavianmänner haben noch mächtigere Eckzähne als Leoparden und wären zum Töten weitaus besser als der Mensch geeignet. Die einzige bisher plausible Antwort auf die Frage, warum unsere fernen Vorfahren und nicht die dafür eigentlich von Natur aus besser geeigneten Schimpansen oder Paviane den Weg zur Fleischnahrung und damit zum Aufstieg des Gehirns eingeschlagen haben, liefert ein Phänomen, das wir heutzutage mit tiefer Passion und Begeisterungsfähigkeit im Sport beobachten können: der „Wille zum Sieg“. Sieger werden zu wollen ist eine so ausschließlich menschentypische Eigenschaft, dass wir offenbar in der gesamten näheren und ferneren Verwandtschaft im Tierreich nichts Vergleichbares finden.

Rätselhaft eigentlich, höchst rätselhaft. Aber auch aufschlussreich, weil es in vielen Formen des Sports überhaupt nicht darum geht, den Stärksten zu ermitteln, um damit eine längerfristig feste Rangordnung aufzubauen, sondern immer wieder um die Herausforderung, als Erster ans Ziel zu kommen; sei es bei einem Rennen jedweder Art oder seien es die Tabellenspitzen. Was kann diese Eigenschaft der Menschen, die sich ganz besonders stark im männlichen Geschlecht äußert, aber auch in der weiblichen Seite insbesondere in seiner abgeänderten, weiter entwickelten Form, nach „Spitzenpositionen“ in Beruf und Gesellschaft zu streben, nicht minder gefördert wird, mit seiner Stammesgeschichte, seinem biologischen Werdegang, zu tun haben?

Verlauf und Regelung der „Konkurrenz“ im „edlen Wettstreit“ zeigen, welch wichtige, ja grundlegende Veränderung den Weg zur Menschwerdung damals freigemacht haben musste: Es fand ein Wechsel vom „Recht des Stärkeren“ zum „Recht des Ersten“ statt. Und nur damit konnte es sich in der Gruppe für die kühnen Läufer gelohnt haben, das Risiko auf sich zu nehmen und Löwen oder anderen Raubtieren die frisch getötete Beute abzunehmen (so lange diese noch nicht wieder bei Kräften waren nach erfolgreicher Jagd) und diese Beute ins Lager zurückzubringen, ohne dass es dort vom faulen, aber stärksten (nach Art der Löwenmännchen) Mann abgenommen und für sich in Anspruch genommen wurde. Dieses „Prioritätsrecht“ durchzieht unser ganzes Rechtsempfinden und wohl alle nicht diktatorischen Rechtssysteme. Es organisiert unser Leben und macht uns weithin zu „fairen“ Menschen und gemeinschaftsfähig. Geblieben ist die Gier nach Fleisch, so tief in unserer Natur verankert, dass wir inzwischen, dank der Erfindung der Haustierhaltung, die Erde zu einem „Planeten der Rinder“ (und der Schweine, Schafe und Ziegen) gemacht haben. Allein die Rinder übertreffen uns an Lebendgewicht und Umsatz um ein Mehrfaches. Eineinhalb Milliarden davon leben gegenwärtig zusammen mit den über sechs Milliarden Menschen auf der Erde.

Was für sie an produktiven, den hungernden Menschen fehlenden Flächen geopfert wird, belastet das Klima der Erde weit mehr als Autos und Verkehr. Doch der „Tanz ums goldene Kalb“ geht weiter, dem Rinderwahn (BSE) zum Trotz oder als andere Form von Wahn. Längst könnte die Menschheit mit qualitativ hochwertigem pflanzlichen Eiweiß weithin besser als mit tierischem versorgt werden und dabei die Masse Menschen den Planeten Erde ganz erheblich und nachhaltig entlasten. Aber „programmiert auf Fleisch“, wie wir das von unserer Entstehung her wohl sind, schaffen wir diesen vernünftigen „weisen“ Rückwechsel zu hochwertiger Pflanzenkost nicht. Zu lange, jahrmillionenlang, war es gut gewesen, nach Fleisch zu streben und sich so stark wie möglich zu vermehren. Für eine nachhaltige Sicherung der Zukunft wird es weit wesentlicher sein, das Dilemma der Ernährung, in das wir hineingeraten sind, zu lösen, als mit der Globalisierung zurechtzukommen. Die Welternährung ist längst „globalisiert“, in ihren Auswirkungen auf jeden Fall.Zu über 98 Prozent stimmt der Mensch in seinen Erbanlagen mit den nächsten Verwandten, den Schimpansen, überein. Und doch überwiegen die Unterschiede: Während jene am Rand der Ausrottung stehen und auf menschliches Wohlwollen angewiesen sind, hat sich der Mensch zur „Krone der Schöpfung“ aufgeschwungen.

Vieles weist darauf hin, dass die Menschwerdung mit einem massiven Wandel in der Ernährung ihren Anfang nahm: von Früchten und vom Grün des afrikanischen Tropenwaldes, von dem sich die Schimpansen und Gorillas heute noch ernähren, zum Fleisch von Großtieren. Der Wechsel war so grundlegend, dass manche Forscher den „dritten Schimpansen“ auch „Raubaffe“ nennen. Und dies ganz zutreffend im doppelten Sinn des Wortes „Raubaffe“. Denn damit ist nicht bloß gemeint, dass sich die Menschen „carnivor“, wie Katzen, Hunde und all die anderen Fleischesser der zoologischen Ordnung der Carnivora, verhalten, sondern durchaus auch im Wortsinn von Raub. Am Anfang der Menschwerdung stand aller Wahrscheinlichkeit nach die zunehmende Nutzung von frischtoten Großtieren, die den Raubtieren geraubt wurden – von unseren fernen Vorfahren.

"Der Unterschied zwischen Mensch und Schimpanse: Der Mensch will gewinnen!"

Denn zum eigenen Töten mit Waffen war es noch ein weiter Weg, und den Vormenschen fehlten die zum Töten nötigen Krallen oder raubtierartigen Gebisse. Dennoch wurden sie so erfolgreich auf diesem neuen Ernährungsweg, dass sie das Herumklettern in den Bäumen, ja den Wald als Hauptlebensraum gänzlich aufgaben und sich aufgerichtet auf die Beine hinaus in die Savanne aufmachten. Im Marathonlauf ist der Mensch konkurrenzlos; keine andere laufende Tierart kann da mithalten. Doch noch etwas anderes, äußerst Wichtiges ereignete sich mit dieser Umstellung auf Großtierfleisch als Hauptnahrung: Das Gehirn wurde größer und größer, bis es die rund dreifache Größe erreichte, die sonst für Säugetiere unserer Körpermasse typisch wäre. Aus dem Zweibeiner wurde das Gehirnwesen Mensch, das über so viel Gehirnmasse verfügt, dass freie Kapazitäten sogar für das Nachdenken über sich selbst darin vorhanden sind. Die Biologie verneigte sich vor so viel Gehirn und taufte den Menschen wissenschaftlich Homo sapiens, den „weisen Menschen“.

Ein ganz wesentliches Hindernis hat die Menschwerdung jedoch ohne Frage schon sehr früh gemeistert; ein Hindernis, mit dem die Schimpansen offenbar nicht fertig geworden und daher im Vergleich zu uns so zurückgeblieben sind, obwohl sie uns in so vielem ähneln oder gleich sind. Sie zeigen die Problematik in jenen seltenen, aber immer wieder auftretenden Ereignissen, bei denen aus den „friedlichen Vettern“ urplötzlich regelrechte Bestien werden. Nämlich dann, wenn sie Fleisch erjagen, wenn sie kleine bis mittelgroße Affen jagen, töten und wie im Blutrausch zerreißen. Jane Goodall, die weltberühmte Schimpansenforscherin, war zutiefst bestürzt, als sie zum ersten Mal dieses Verhalten der „friedlichen Vegetarier“ mit ansehen musste. Die gewaltigen Eckzähne des Schimpansengebisses werden dabei zur tödlichen Waffe. Dem Menschen fehlen sie ebenso wie all seinen Vorfahren in der Gattung Mensch. Also sollten doch, rein vergleichend biologisch betrachtet, wir Menschen die friedlichen Vegetarier und die Schimpansen die Raubaffen geworden sein – und nicht umgekehrt.

Was ist da in jener fernen Zeit vor mehreren Millionen Jahren in der ostafrikanischen Savanne, unserem Ursprungsgebiet, abgelaufen? Zunächst eine Anmerkung zum Verhalten der Schimpansen: Dass sie eine solche wilde Gier nach Fleisch haben, drückt aus, dass sie unter Mangel daran leiden. Ihnen fehlt Eiweiß für die Fortpflanzung. Im Gegensatz zu den Schimpansen-Weibchen schaffen es die Menschenfrauen – dank der ungleich besseren Versorgung mit Eiweiß –, doppelt so viele Kinder zur Welt zu bringen und großzuziehen, bis diese selbst wieder fortpflanzungsfähig sind. Dabei dauert die nachgeburtliche Entwicklungs- und Betreuungszeit beim Menschen etwa zweimal so lang wie bei den Schimpansen. Der Mensch hat also im Vergleich zu den nächsten Verwandten im Tierreich die Fortpflanzungskapazität mindestens vervierfacht. Und dies bei einem Gehirn, das im Vergleich zu dem des Schimpansen die dreifache Größe erreicht und allein 20 Prozent des normalen Energieeinsatzes im menschlichen Körper kostet. Aufgebaut wird es aus enormen Ansammlungen von energiereichen Phosphorverbindungen, bestimmten, unentbehrlichen Fettsäuren und Eiweiß – alles Stoffe, die „kostbar“ für den Körper und schwer zu beschaffen sind. Zumal wenn die Nahrung aus einfacher, gleichwohl „energiereicher“ Kost besteht. Doch aus Stärke und Zucker, also aus Früchten und Knollen von Pflanzen oder gar deren Blättern und Trieben, lassen sich diese Stoffe nicht oder nur in höchst geringfügigen Mengen entziehen. Aber sie sind hochkonzentriert im Fleisch von Säugetieren oder in Fischen vorhanden, und diese sind nicht ohne Grund die Haupteiweißquellen für die Menschen. Der Wechsel zum Großtierfleisch, das in der wildreichen afrikanischen Savanne zu diesen Zeiten so überreich vorhanden war, dass sogar einstens selbst jagende Greifvögel das eigenfüßige Töten aufgaben und zu Geiern werden konnten, befriedigte diesen hohen Eiweißbedarf und bewirkte die Vervierfachung der menschlichen Fortpflanzungsleistung: Nicht pflanzliche Stärke macht Babys, sondern tierisches Eiweiß, Fleisch.

Warum schlugen aber nicht auch die Schimpansen oder die ferneren Primatenverwandten, die schon die Savanne bewohnten, nämlich die Paviane, diesen Weg ein und wurden zu Fleischverwertern und zu Raubaffen? Pavianmänner haben noch mächtigere Eckzähne als Leoparden und wären zum Töten weitaus besser als der Mensch geeignet. Die einzige bisher plausible Antwort auf die Frage, warum unsere fernen Vorfahren und nicht die dafür eigentlich von Natur aus besser geeigneten Schimpansen oder Paviane den Weg zur Fleischnahrung und damit zum Aufstieg des Gehirns eingeschlagen haben, liefert ein Phänomen, das wir heutzutage mit tiefer Passion und Begeisterungsfähigkeit im Sport beobachten können: der „Wille zum Sieg“. Sieger werden zu wollen ist eine so ausschließlich menschentypische Eigenschaft, dass wir offenbar in der gesamten näheren und ferneren Verwandtschaft im Tierreich nichts Vergleichbares finden.

Rätselhaft eigentlich, höchst rätselhaft. Aber auch aufschlussreich, weil es in vielen Formen des Sports überhaupt nicht darum geht, den Stärksten zu ermitteln, um damit eine längerfristig feste Rangordnung aufzubauen, sondern immer wieder um die Herausforderung, als Erster ans Ziel zu kommen; sei es bei einem Rennen jedweder Art oder seien es die Tabellenspitzen. Was kann diese Eigenschaft der Menschen, die sich ganz besonders stark im männlichen Geschlecht äußert, aber auch in der weiblichen Seite insbesondere in seiner abgeänderten, weiter entwickelten Form, nach „Spitzenpositionen“ in Beruf und Gesellschaft zu streben, nicht minder gefördert wird, mit seiner Stammesgeschichte, seinem biologischen Werdegang, zu tun haben?

Verlauf und Regelung der „Konkurrenz“ im „edlen Wettstreit“ zeigen, welch wichtige, ja grundlegende Veränderung den Weg zur Menschwerdung damals freigemacht haben musste: Es fand ein Wechsel vom „Recht des Stärkeren“ zum „Recht des Ersten“ statt. Und nur damit konnte es sich in der Gruppe für die kühnen Läufer gelohnt haben, das Risiko auf sich zu nehmen und Löwen oder anderen Raubtieren die frisch getötete Beute abzunehmen (so lange diese noch nicht wieder bei Kräften waren nach erfolgreicher Jagd) und diese Beute ins Lager zurückzubringen, ohne dass es dort vom faulen, aber stärksten (nach Art der Löwenmännchen) Mann abgenommen und für sich in Anspruch genommen wurde. Dieses „Prioritätsrecht“ durchzieht unser ganzes Rechtsempfinden und wohl alle nicht diktatorischen Rechtssysteme. Es organisiert unser Leben und macht uns weithin zu „fairen“ Menschen und gemeinschaftsfähig. Geblieben ist die Gier nach Fleisch, so tief in unserer Natur verankert, dass wir inzwischen, dank der Erfindung der Haustierhaltung, die Erde zu einem „Planeten der Rinder“ (und der Schweine, Schafe und Ziegen) gemacht haben. Allein die Rinder übertreffen uns an Lebendgewicht und Umsatz um ein Mehrfaches. Eineinhalb Milliarden davon leben gegenwärtig zusammen mit den über sechs Milliarden Menschen auf der Erde.

"Erst mit der Erfindung des menschlichen „Rechtes des Ersten“ lohnte es sich für kühne Läufer, Löwen die Beute abzujagen."

Was für sie an produktiven, den hungernden Menschen fehlenden Flächen geopfert wird, belastet das Klima der Erde weit mehr als Autos und Verkehr. Doch der „Tanz ums goldene Kalb“ geht weiter, dem Rinderwahn (BSE) zum Trotz oder als andere Form von Wahn. Längst könnte die Menschheit mit qualitativ hochwertigem pflanzlichen Eiweiß weithin besser als mit tierischem versorgt werden und dabei die Masse Menschen den Planeten Erde ganz erheblich und nachhaltig entlasten. Aber „programmiert auf Fleisch“, wie wir das von unserer Entstehung her wohl sind, schaffen wir diesen vernünftigen „weisen“ Rückwechsel zu hochwertiger Pflanzenkost nicht. Zu lange, jahrmillionenlang, war es gut gewesen, nach Fleisch zu streben und sich so stark wie möglich zu vermehren. Für eine nachhaltige Sicherung der Zukunft wird es weit wesentlicher sein, das Dilemma der Ernährung, in das wir hineingeraten sind, zu lösen, als mit der Globalisierung zurechtzukommen. Die Welternährung ist längst „globalisiert“, in ihren Auswirkungen auf jeden Fall.