01.11.2006

Es gibt keine globale Erwärmung!

Analyse von Edgar Gärtner

Über auf Eis gelegte Fakten und Klimaesoterik.

Macht die Temperatur das Wetter, oder ist die Temperatur nicht umgekehrt eine Funktion der jeweiligen Wetterlage? Ist das Klima eine eigenständige Wesenheit, die das Wetter bestimmt, oder ist es nicht schlicht der langjährige Durchschnitt des in einer gegebenen Region vorherrschenden Wettergeschehens? Diese Fragen wurden in den „offiziellen“ Klimamodellen des zwischenstaatlichen Klimarates (IPCC) auf eine Weise beantwortet, die eigentlich Kopfschütteln hervorrufen müsste. Dass diese dennoch nicht als Herausforderung des gesunden Menschenverstandes empfunden werden, hängt offenbar mit ihrer durchaus logisch anmutenden Struktur zusammen. Doch was wäre, wenn diese Logik die wirklichen Sachverhalte auf den Kopf stellte?

Das globale Wettergeschehen ist längst nicht so chaotisch, wie es oft den Anschein hat. Manche erinnern sich noch an den Geografieunterricht, wo ihnen Bilder der globalen atmosphärischen Zirkulation gezeigt wurden, die an eine regelmäßig drehende Rührmaschine erinnern. Angetrieben wird darin die Luftzirkulation von der im Tropengürtel aufsteigenden Warmluft und dabei entstehenden Tiefdruckgebieten. Die aufgestiegene Warmluft wird von der Erdrotation abgelenkt und sinkt in den sogenannten Rossbreiten in Form trockener Fallwinde (Passat) wieder zu Boden. Diese Dynamik soll auch das Wetter im Westwindband höherer Breiten bis hinauf zur Arktis stark beeinflussen. So behauptet es jedenfalls ein Erklärungsansatz, der schon in der Vorkriegszeit zum Dogma wurde.

Der französische Meteorologe Marcel Leroux hatte das Glück, den größten Teil seines wissenschaftlichen Werdegangs im tropischen Afrika zu absolvieren, also genau dort, wo der Motor der globalen Zirkulation vermutet wurde. Bei der über zehnjährigen zähen Arbeit an einem zuerst 1983 von der WMO (World Meteorological Organisation) in Genf veröffentlichten und 2001 neu aufgelegten zweibändigen Wetter- und Klimaatlas Afrikas, für den er alle bis dahin verfügbaren Wetterdaten zusammentrug, fiel Leroux jedoch auf, dass die Dynamik des tropischen Wettergeschehens, je nach Jahreszeit, deutlich von Vorgängen am Nord- oder Südpol geprägt wird. Und zwar gelingt es starken, von den Polen Richtung Äquator wandernden Hochdruckgebieten immer öfter, das Tiefdruckband des meteorologischen Äquators zu verschieben. Diese Verschiebungen haben dramatische Auswirkungen auf das Wetter. Leroux deutete die Trockenheit in der Sahel-Zone und die El-Niño-Anomalie vor der südamerikanischen Pazifikküste als Folgen von Einbuchtungen im meteorologischen Äquator.

Als Professor für Klimatologie an der Universität Jean Moulin in Lyon ging Leroux dieser Entdeckung nach, indem er eine Vielzahl von Satellitenfotos auswertete. Diese zeigen in Form charakteristischer Wolkenbilder ganz klar, was passiert: Seit den 70er-Jahren lösen sich von den Polregionen vermehrt flache Kaltluftlinsen mit hohem Druck, die auf charakteristischen Bahnen Richtung Äquator ziehen, da sie Gebirgszüge, die mehr als 1000 Meter hoch sind, nicht überqueren können. Dabei verdrängen sie wärmere Luftmassen, deren Aufsteigen zu sekundären Depressionen mit Gewittern und Wirbelstürmen führen kann. Kurz: Nicht Tiefs und Warmluft, sondern durch das thermische Defizit an den Polen erzeugte Hochs erscheinen als die eigentlichen Motoren der globalen Luftzirkulation. Leroux hat dafür den Begriff „Mobile Polar High“ (MPH) geprägt. Die von ihm als Beleg angeführten Satellitenbilder bestätigen die alte Erkenntnis, dass Europas „Wetterküche“ im Norden und nicht im Süden liegt.

„Während die Luft in den letzten Jahrzehnten auf der europäischen Seite der Arktis vor allem in mittlerer Höhe etwas wärmer geworden ist, ging die Temperatur der niederen Luftschichten auf der kanadischen Seite immer tiefer in den Keller.“

Der inzwischen pensionierte Klimatologe wirft seinen Zunftkollegen in einer 2005 im renommierten Springer Verlag erschienenen grundlegenden Auseinandersetzung mit der These von der „globalen Erwärmung“ vor, seit über einem halben Jahrhundert theoretisch auf der Stelle zu treten und die seit rund drei Jahrzehnten verfügbaren Aufnahmen von Wettersatelliten nicht als Chance genutzt zu haben, überkommene Vorstellungen von den Triebkräften des Wettergeschehens kritisch zu hinterfragen. So hört oder liest man in den täglichen Wetterberichten viel mehr von heranziehenden Tiefs und „Warmfronten“ als von immer mächtigeren Hochs. Allenfalls ist vom „Azorenhoch“ und seinem hin und wieder bis nach Mitteleuropa vorgetriebenen Keil die Rede. Doch die aus dem Weltraum aufgenommenen Fotos zeigen, dass es das „Azorenhoch“ genauso wenig als selbstständiges Wesen gibt wie „Warmfronten“. Beim Erstgenannten handelt es sich um eine Zusammenballung mehrerer von der Grönlandsee herabgezogener MPHs. Bei den Zweiten handelt es sich um Warmluft, die, der Vorderfront von MPHs („Kaltfront“) ausweichend, bei uns meist in Richtung Nordost strömt und dabei bis in die Arktis vordringen kann.

Deshalb, so Leroux, ist die Luft in den letzten Jahrzehnten, wie die Wetterdaten vom Nordpol zeigen, auf der europäischen Seite der Arktis vor allem in mittlerer Höhe etwas wärmer geworden, was zum Schmelzen des Packeises führen kann, während die Temperatur der niederen Luftschichten auf der kanadischen Seite immer tiefer in den Keller ging. Dort entstehen die meisten MPHs. Für Leroux ist diese Temperaturentwicklung und die eindeutig belegte Häufung von MPHs seit den 70er-Jahren, die an vielen Wetterstationen den durchschnittlich gemessenen Luftdruck ansteigen lässt, ein unübersehbares Vorzeichen des Beginns der nächsten Eiszeit, die allerdings nicht schon übermorgen vor der Tür stehen wird.

Für geradezu abenteuerlich hält Leroux die durch UN-Verträge zur Staatsreligion erhobene These, es gebe einen engen Zusammenhang zwischen der (konstruierten!) Kurve der globalen Durchschnittstemperatur und dem Anstieg der atmosphärischen Konzentration des „Treibhausgases“ CO2. Denn „Treibhausgase“ (wie vor allem Wasserdampf und in geringerem Maße CO2) kühlen in Wirklichkeit die Erde und ihre Atmosphäre, statt sie aufzuheizen, betont Leroux. Er beruft sich dabei auf seinen Kollegen Yves Lenoir, der an der altehrwürdigen Pariser Elite-Ingenieurschule Ecole des Mines lehrt. Lenoir hat vorgerechnet, dass die Erdoberfläche auf der Sonnenseite ohne „Treibhausgase“ mindestens dreimal wärmer würde. Beim Transport der Wärme vom aufgeheizten Boden in die Atmosphäre und von dort in den Weltraum spielt die Konvektion des Wasserdampfs übrigens eine weitaus größere Rolle als die Strahlung. „Treibhausgase“ könnten die Atmosphäre nur dann aufwärmen, wenn es wie in einem richtigen Gewächshaus eine Scheibe gäbe, die die warme Luft am Aufsteigen hindert. Die gängige Treibhaushypothese stellt demgegenüber die Verhältnisse auf den Kopf, indem sie behauptet, der Erdboden werde durch „Rückstrahlung“ aus der Atmosphäre erwärmt. Diese „Rückstrahlung“ ist ein pures Phantasieprodukt.

Worin sich die Erde von ihrem Trabanten, dem Mond, unterscheidet, erklärt der Wiesbadener Chemiker Heinz Hug in seiner kürzlich erschienen polemisch-humoristischen Auseinandersetzung mit dem Hexenwahn der „Ökoscholastik“. Er betont, dass die Erde vor allem ein „Wasserplanet“ ist. Die Ozeane bedecken über 70 Prozent seiner Oberfläche und empfangen deshalb den allergrößten Teil der in Form von Infrarotstrahlen zur Erde gelangenden Sonnenenergie – und zwar bis zu 470 Watt je Quadratmeter. Hug rechnet vor, dass eine knapp zehn Zentimeter dicke Ozeanschicht bereits so viel Energie speichert, wie dem gesamten „Treibhauseffekt“ nach IPCC-Lesart zugeschrieben wird. Dass es nachts auf der Erde nicht so kalt wird wie auf der Rückseite des wasserlosen Mondes, liegt neben der viel rascheren Erddrehung vor allem an dem im Ozean gespeicherten riesigen Energievorrat, den Hug auf 1,57 mal 10 hoch 18 Megajoule veranschlagt.

In den letzten Jahren ist die mittlere Oberflächentemperatur der Ozeane übrigens gesunken, was sowohl mit dem kühlenden Effekt des von Menschen verursachten Anstiegs der CO2-Konzentration in der Atmosphäre als auch mit dem verstärkten Zustrom polarer Kaltluft zusammenhängen kann. An der Sonneneinstrahlung wird es hingegen höchstwahrscheinlich nicht liegen, denn diese ist in den letzten Jahrzehnten deutlich stärker geworden.

Kein Zweifel: Das Klima, das Politiker aller Schattierungen retten wollen, existiert nur im Computer. Statt eines „globalen Klimas“, das niemand definieren kann, gibt es auf unserem Planeten, wie Leroux mithilfe von Satellitenbildern demonstriert, in Wirklichkeit sechs relativ selbstständige aerologische Zirkulationseinheiten, drei auf jeder Hemisphäre. Doch diese kommen in den gängigen Klimamodellen ebenso wenig vor wie MPHs. Überhaupt, so kritisieren Leroux und Hug, sind die numerischen Computermodelle, die den IPCC-Berichten mit ihren angstmachenden Überhitzungs-Projektionen zugrunde liegen, weitgehend frei von meteorologischem Sachverstand und schlüssigen Theorien. Leroux beschreibt den Theoriemangel wie folgt: „Ein Marsmensch, der zum ersten Mal in das Innere eines Autos blickt, könnte leicht auf die Idee kommen, dieses werde vom Kühlerpropeller angetrieben.“

„Das Klima, das Politiker aller Schattierungen retten wollen, existiert nur im Computer. So wird Klimatologie zu Esoterik.“

So gibt es inzwischen eine lange Liste kurioser Beispiele, in denen meteorologisch unbedarfte Computerspieler den Schwanz mit dem Hund wedeln lassen. Da treiben auf einmal Meeresströmungen Winde an, obwohl jedes Schulkind wissen sollte, dass es umgekehrt ist. Nur wegen dieser Verwechslung von Ursache und Wirkung kam es übrigens zur gewagten Behauptung, ein Versiegen des Golfstroms führe zur schlagartigen Vereisung des Nordatlantiks. Diese von Stefan Rahmtorf am Potsdam Institut aufgestellte These liegt dem Szenario eines bekannten Horrorfilms aus Hollywood zugrunde.

Ähnliche Purzelbäume führen die Klimamodellierer vor, wenn sie versuchen, El Niño zu erklären. Wie dieser entsteht, lässt sich heute anhand von Satellitenaufnahmen lückenlos verfolgen: Ein sehr starkes MPH wandert vom kanadischen Norden über den mittleren Westen in die Karibik, überwindet mit Leichtigkeit die Landenge von Panama und drückt auf pazifischer Seite den meteorologischen Äquator nach Süden. Doch statt sich die Satellitenaufnahmen anzusehen, haben die Computerspieler geheimnisvolle Schwingungen als Ursache der Wetteranomalie und Fernwirkungen zwischen physisch getrennten Wasser- und Luftmassen ausgemacht. Sie finden dann beim Vergleich von Wetterdaten, El Niño habe Auswirkungen bis nach Nordkanada! Die Welt steht kopf. So wird Klimatologie zu Esoterik.

Demgegenüber hat Leroux’ Ansatz, der im Detail sicher noch Verbesserungen bedarf, den Vorteil, die seit den 70er-Jahren zweifelsohne wachsende Zahl von Wetterextremen nachprüfbar erklären zu können. Die Auseinandersetzung zwischen den sehr unterschiedlichen Ansätzen zur Erklärung von Wetter und Klima ist viel mehr als ein akademischer Streit. Es geht nicht nur um Hunderte von Milliarden Dollar, die die Unterzeichner des Kiotoprotokolls ausgeben müssen, um ein Phantom zu bekämpfen. Es geht schon heute auch um Menschenleben.

So gab der nationale französische Wetterdienst Météo France in den letzten Jahren wiederholt verspätete Unwetterwarnungen, weil die beamteten Wetterfrösche sich standhaft weigerten, Satellitenfotos anzuschauen, die das drohende Unheil klar zeigten, und stattdessen lieber ihren mit numerischen Modellen gefütterten Computern vertrauten. In der Folge wurden viele Menschen wiederholt von sturzbachartigen Regenfällen überrascht, und es gab bei den folgenden Überschwemmungen Dutzende von Todesopfern. Zu Recht geriet Météo France in der französischen Öffentlichkeit unter heftigen Beschuss. Das staatliche Institut, dessen Direktor ohnehin kein Meteorologe ist, hat daraus aber bislang nur gelernt, schon beim kleinsten Anlass Alarm zu schlagen. Bald wird ihm deshalb vermutlich kaum noch jemand Glauben schenken.