01.01.2007

Editorial

Von Thomas Deichmann

Gutes Klima, böser Mensch? - Merkmal von Novo ist es, dass wir uns bemühen, aktuelle Debatten nicht „monothematisch“, sondern im Kontext anzugehen. So unterscheidet sich auch unser Blick auf den „Klimawandel“ von landläufigen Betrachtungsweisen.

Der britische „Stern-Bericht“ warnt vor einer „Superrezession“. Die Bundesregierung will den Klimawandel zu einem Schwerpunkt ihrer EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 machen. Wir sind der Auffassung, dass sich derartige Diskussionen über die möglichen Auswirkungen einer anhaltenden Erderwärmung nicht primär aus dem eigentlichen Sachverhalt heraus verstehen lassen. Dafür gibt es zu viele Widersprüche, zumal sich auch ganz grundlegend die Frage stellt, warum man sich nicht anders (sachlicher, ruhiger, selbstbewusster) dem Thema nähert. Offenbar liegt es daran, dass das Thema von der Politik kolonisiert worden ist.
Wir zählen uns gewiss nicht zu den Klima-Apokalyptikern, aber ebenso wenig zu jener Fraktion der „Skeptiker“, die sämtliche Thesen vom CO2-Treibhauseffekt als „ideologisch verbrämt“ abtun. Vielmehr geht es uns um Klärung und um die Offenheit in der Auseinandersetzung. Deshalb präsentieren wir Ihnen nicht die x-te Version eines Weltuntergangsszenarios, sondern einen Beitrag von Hans Labohm, der die offenen Fragen der Klimadiskussion vorstellt.
Kontraproduktiv erscheint uns die aktuelle politische Verknüpfung der Klimadebatte mit der staatlichen Wirtschafts- und Energiepolitik. Daniel Ben Ami plädiert dafür, statt auf Sparen auf mehr Wirtschaftswachstum zu setzen, um mit den Folgen eines Klimawandels ganz generell besser umgehen zu können. Hieran schließt sich die von Günter Keil aufgeworfene Frage an, warum wir Zukunftstechnologien wie die Kernkraft verkümmern lassen, statt massiv in diese Segmente zu investieren. Die letzte „Hiobsbotschaft“ in dieser Hinsicht war der im November vom Bundeshaushaltsausschuss gefällte Beschluss, 11 Mio. Euro für die Weiterentwicklung der Fusionsforschung zu sperren.
Der britische Soziologe Frank Furedi spricht von einem Zeitalter des „Antihumanismus“. Gemeint ist eine Weltsicht, deren Kern in einer Herabwürdigung des Menschen besteht, wie wir sie auch in der Klimadebatte beobachten können, in der es allerorten heißt, der Mensch sei nicht in der Lage, vernünftigen Wandel und Fortschritt hervorzubringen. Vielmehr sei er gewissermaßen eine beständiger Eindämmung bedürftige Quelle anthropogener Unbill. Die Überwindung dieser „Krise des Humanismus“ erscheint uns als entscheidende Voraussetzung, um mit Herausforderungen welcher Art auch immer vernünftig umgehen zu können.