23.11.2012

Ecopop: Das wahre Gesicht der Grünen

Von Patrick Hayes

Wenn es um die Rettung des Planeten geht, heiligt für Grüne der Zweck stets die Mittel. Patrick Hayes zeigt, wie die Schweizer Kampagnengruppe „Ökologie und Bevölkerung“ (ECOPOP) bei ihrem Kampf gegen die weltweite Überbevölkerung auf rechte Anti-Immigrations-Rhetorik zurückgreift

In der vergangenen Woche trugen Mitglieder der Schweizer Umweltorganisation ECOPOP [1] (franz.: Association „ECOlogie et POPulation“; dt.: Vereinigung „Umwelt und Bevölkerung“) Dutzende Kartons mit 120.700 beglaubigte Unterschriften in die Schweizer Bundeskanzlei, die die Forderung enthielten, die Einwanderung in die Schweiz auf 0,2 % der Wohnbevölkerung zu begrenzen. Nach schweizerischem Recht bedeutet dies, daß nun ein Referendum über diesen Vorschlag abgehalten werden muss. Ein solcher Schritt übertrifft selbst die Bemühungen der rechten Schweizerischen Volkspartei, die schon seit langem für striktere Einwanderungskontrollen wirbt.

Aber diese Grünen mobilisieren für eine harte Hand in der Einwanderungspolitik nicht mit Bannern a la „Schwarze draußen bleiben!“, wie man es von rechtsextreme Gruppen gewohnt ist. Sie benutzen auch keine pseudowissenschaftlichen Argumente zur Rechtfertigung der angeblichen Überlegenheit der weißen Rasse, wie sie in Europa Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr verbreitet waren. Nein, ECOPOP garniert seine Forderungen nach Einwanderungsbegrenzung mit Bannern, auf denen etwa die Frage zu lesen ist: „Wie viele Menschen erträgt die Erde?“ [2] Die Mitglieder der Gruppe bemühen die (ebenso zwielichtige und diskreditierte) malthusianische Wissenschaft vom Bevölkerungswachstum und schwatzen über unseren „endlichen Planeten“. Und sie wurden dabei, wie zu hören war, stark durch die Theorien des US- Malthusianers Paul Ehrlich beeinflusst, dem Autor von The Population Bomb.

ECOPOP reißt sich ein Bein aus, um zu beteuern, dass man mit seiner Forderung keine bestimmten Rassen aussortieren möchte. Nach Angaben der BBC behauptet ECOPOP, „gegen alle Formen von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus” zu sein. Trotzdem, so lässt die Gruppe verlauten, „muss die Schweiz ihre Einwanderung beschränken, um Verstädterung zu vermeiden und landwirtschaftliche Flächen zu bewahren“.

Man könnte fast glauben, ECOPOP sei nur ein Haufen rückwärtsgewandter nach dem Sankt-Florians-Prinzip agierender grüner Biedermeier, die eine Flut von Einwanderern daran hindern wollen, das zu zerstören, was sie für eine ländliche Idylle halten – bis man sieht, was die Gruppe alles mit ihrer vorgeschlagenen Volksabstimmung zur Einwanderungsbegrenzung verbunden hat. ECOPOP schmuggelte eine zusätzliche Klausel in das Referendum, die fordert, dass ein Zehntel aller Entwicklungshilfe „für Maßnahmen der Geburtenkontrolle im Ausland” verwendet wird. (Es ist höchst fragwürdig, wie viele Menschen die Petition unterschrieben hätten, wäre dies die einzige Forderung gewesen.)

Also es ist nicht genug, Ausländer aus der Schweiz herauszuhalten, es ist auch notwendig, sie in ihren Herkunftsländern an zu viel Fortpflanzung zu hindern. Und dass der größte Teil der Mittel verwendet werden soll, arme schwarze und braune Familien an der Fortpflanzung zu hindern, legt nahe, dass ECOPOP-Mitglieder, wenn sie nicht absichtlich rassistisch sind, ECOPOP zumindest sehr intensiv darüber nachdenken sollten, wie sie wahrgenommen werden.

Wie bei den meisten Malthusianern, die vielleicht eine dünn besiedelte Welt bevorzugen, die weitgehend mit Weißen bevölkert ist, richtet sich der Abscheu der ECOPOPer allerdings nicht gegen bestimmte Bewohner des Planeten, sondern gegen die Menschheit als solche.

Lesen Sie beispielsweise, wie ECOPOP die Menschheit als „Vorboten der globalen Katastrophe“ beschreibt: „Die gesamte Biosphäre bildet ein fein ausgewogenes Ökosystem. Wenn dieses Gleichgewicht dadurch gestört wird, dass ein pflanzlicher oder tierischer Organismus unverhältnismäßig stark zu wachsen beginnt, wird diese Entwicklung normalerweise durch natürliche Prozesse beendet. Die Menschheit hat jedoch gelernt, diese Mechanismen durch Wissenschaft und Technik zu umgehen. Folglich wird eine globale Katastrophe unvermeidbar, wenn das Wachstum der menschlichen Bevölkerung nicht gestoppt werden kann.” [3]

In den Augen von ECOPOP ist die Fähigkeit des Menschen zur Innovation, zur Abwehr von Hunger und Katastrophen mit Hilfe von Wissenschaft und Technik und zu glücklicherem, gesünderem, und längerem Leben nichts Positives. Sie bedauern vielmehr, dass unser Leben nicht durch „natürliche Vorgänge“ verkürzt wird, da dies das Gleichgewicht unseres Ökosystems störe. Man fragt sich, ob diese Menschen jubelten, als der Tsunami Japan traf, oder eine Party feierten, während sie die Nachrichten über das Erdbeben in Haiti hörten. Hurra, das Gleichgewicht der Natur wurde wiederhergestellt!

Solche kranken Menschenfeinde gibt es natürlich keineswegs nur in der Schweiz. Statt bei der (stetig schrumpfenden) rechtsextremen British National Party mitzumischen, der es unmöglich wäre, 100.000 Unterschriften zusammenzubekommen, kungeln sie lieber mit elitären Kreisen, wie z.B. Großbritanniens Optimum Population Trust (OPT) – der jetzt unter dem weniger finster klingenden Namen „Population Matters“ auftritt –  ein ebenso mieser Haufen von Malthusianern.

Das sind die Leute, die das Promi-Paar David und Victoria Beckham als „unverantwortlich“ scholten, weil sie ein drittes Kind in die Welt gesetzt hatten. Der Schirmherr des Trusts, Jonathon Porritt, würdigte Chinas Ein-Kind-Politik, ohne die es „jetzt zusätzliche 400 Millionen chinesische Bürger geben würde“. Das Promi-Aushängeschild des OPT, der Tierdokumentarfilmer David Attenborough, wird von Tag zu Tag malthusianischer und behauptete unlängst: „Ich kenne kein Problem, dass man mit weniger Menschen nicht leichter, oder mit mehr Menschen nur mühsamer oder gar nicht lösen könnte.“

Und wer spendete – mit Anklängen an die ECOPOP- Beihilfepolitik – im Jahr 2010 5.000 Britische Pfund für die Förderung der Geburtenkontrolle in Madagaskar im Rahmen des Projekts „Carbon Offset“? Roger Martin, Vorsitzender des OPT, der damals seine Entscheidung wie folgt begründete: „Während OPT sich sehr bewusst ist, dass der CO2-Ausstoß eines typischen Madegassen oft geringer ist als der eines britischen Bürgers, haben wir uns entschieden, dieses Projekt zu nutzen, um die größeren ökologischen Vorteile unseres CO2-Offset-Programms im Vergleich zu allen anderen darzustellen. Keine andere CO2-Offset-Regelung kann behaupten, die CO2-Emissionen zu reduzieren und – als vorteilhafter Spin-Off – beispielsweise Fischbestände und Korallenriffe zu schützen“.

Also würden in einem der ärmsten Länder der Welt nicht nur weniger afrikanische Kinder zur Welt kommen, sondern auch die Fischbestände und Korallenriffe zunehmen. Ein „Kinderspiel”. Ebenso hat der OPT einen massiven Rückgang der Einwanderung in Großbritannien gefordert – es wurde vorgeschlagen, die jährliche Einwanderung solle auf eine Anzahl „begrenzt werden, die nicht höher ist als die Zahl der Menschen, die auswandern“, was eine Einwanderung von kaum mehr als null bedeuten würde. Im Jahr 2010 wanderten nur 339.000 Menschen aus Großbritannien aus – bei einer Bevölkerung von mehr als 62,5 Millionen. Die Einwanderungsrate läge also bei nur 0,5 Prozent – eine fast ebenso drakonische Grenze wie von ECOPOP vorgeschlagen. In einem Papier über „Nicht nachhaltige Migration“ aus dem Jahr 2008 klagte ein OPT- Anhänger, dass die Debatte über Einwanderungskontrolle „durch unbegründete Anschuldigungen von Fremdenfeindlichkeit und Unterstützung für rechtsextreme Politik erstickt worden sei… [trotz einer] großen Menge an Beweisen gegen die Vorteile der Masseneinwanderung“, und dass keine Partei „das Thema der ökologischen Auswirkungen des Bevölkerungswachstums in Großbritannien oder die potentiellen Vorteile der schrittweisen Reduzierung auf ein erträgliches Maß thematisiert“ habe“. Könnte es sein, daß es nur eine Frage der Zeit ist, bis OPT mit der Mobilisierung der Öffentlichkeit für ein Referendum über härtere Einwanderungskontrollen in Großbritannien beginnt?

Stellen sie sich vor, diese Öko-Malthusianer würden eine politische Partei gründen: Sie würden für die Ein-Kind-Politik eintreten, für fast vollständig geschlossene Grenzen, für eine strenge Geburtenkontrolle, für „Hilfspakete“, die Familien in den armen Ländern Afrikas davon abhalten, Kinder zu bekommen, für eine Reduzierung des hiesigen Ressourcenverbrauchs, für eine kritische Haltung gegenüber neuer Infrastruktur und Technik, für den Vorrang der „Interessen“ des Ökosystems“ gegenüber der Menschheit. Das wäre ein politisches Programm, schlimmer als alles, was rechtsextreme Parteien zu bieten haben.