01.03.2003

Bt-Baumwolle ist pflegeleichter, resistenter, ökonomischer

Kommentar von C. Kamesware Rao

Im September 2002 besuchte der Botaniker Prof. C. Kamesware Rao Bt-Baumwollfelder in den indischen Bundesstaaten Karnataka und Gujarat. Er berichtet über die Erfahrungen der Bauern, die sich auf die Vorteile aus dem Anbau der Bt-Baumwolle freuen.

Wir besichtigten ein bewässertes Feld, auf dem Bt-Baumwolle angebaut worden war. Es gehörte der Firma Mahyco, die eine Lizenz für den Vertrieb des Bt-Baumwollsaatguts Boll Guard von der Firma Monsanto erworben hat. Außerdem besuchten wir drei andere Bt-Baumwollfelder sowie zwei direkt benachbarte Felder mit konventionellem Baumwollsaatgut. Diese gehörten einfachen Bauern. Unser Eindruck war, dass die Sorte „Boll Guard MECH 162“ gute Ergebnisse zeigt und insbesondere den Schädling Baumwollkapselkäfer wirksam bekämpft.

Das Feld der Firma Manyco war ein ideales Beispiel für optimalen Baumwollanbau. Wenn die Bauern ordentlich in diesen Anbaupraktiken geschult werden, könnte die Baumwollproduktion in Indien beträchtlich gesteigert werden. Wie vom Genetic Engineering Approval Committee (GEAC) vorgeschrieben, gab es auf dem Manyco-Feld fünf Reihen mit konventionellem Saatgut. Gegen saugende Insekten wurde zweimal gesprüht und gegen den Baumwollkapselkäfer einmal. Insgesamt waren die Bt-Pflanzen kräftiger und mindestens zwei Wochen früher reif als die konventionellen Pflanzen auf dem gleichen Feld.
Die regenbewässerten Bt-Baumwollfelder wurden einmal geerntet. Der Bauer sagte, der Ertrag sei ca. 40 Prozent höher als mit konventionellen Pflanzen. Er pries die Bt-Baumwolle, deren Anbau ihm viel weniger Sorge bereite und vor allem viel Geld für Pestizide gespart habe. Für die nächste Ernte werde er nur Bt-Baumwolle anbauen, sagte er.

Die beiden Bauern auf den benachbarten Feldern mit konventionellem Baumwollanbau hatten zweimal gegen Insekten und fünfmal gegen die Larven gesprüht. Trotzdem waren ihre Pflanzen immer noch sehr stark befallen. So würde man sie bis Ende der Erntezeit noch ca. ein Dutzend Mal sprühen müssen. Das überrascht nicht, da manche Bauern konventionelle Baumwolle bis zu 20 Mal sprühen – oft einfach aus Angst. Nächstes Jahr wollen diese beiden Bauern Bt-Baumwolle pflanzen, vorausgesetzt, sie können den Samen auftreiben.

Bei der Bewertung der Erfahrungen mit Bt-Baumwolle in dieser Saison gilt es, einige Punkte zu berücksichtigen. Die Arten der Bt- und konventionellen Baumwolle auf den benachbarten Feldern waren nicht identisch. Der konventionelle Anbau war ein Hybrid aus amerikanischem und indischem Saatgut, während es sich bei der Bt-Baumwolle um MECH 162 handelte. Die beiden konventionellen Sorten waren dem MECH 162 offensichtlich überlegen. Es ist bedauerlich, dass das Bt-Gen nicht in die beste indische Baumwollsorte eingebaut worden ist.
Ein weiterer wichtiger Faktor war die schlechte Regenzeit. Der zweite Monsun war gut, aber das ist für die Baumwolle in diesem Stadium der Reife kaum noch nützlich, da zu viel Regen die Baumwolle in der zerplatzten Bolle angreift.

In Gujarat gibt es offizielles Boll Guard-Saatgut, illegale Bt-Baumwolle, gefälschtes Bt und, wie überall, auch konventionelles Saatgut. Die Sorten sind dabei uneinheitlich, und der Monsun war außergewöhnlich schlecht. Diese Lage wird von den Gentech-Gegnern ausgeschlachtet, die behaupten, das Problem sei die Bt-Baumwolle. Zur Zeit gibt es in diesem Staat keine repräsentativen Daten, die solche Mutmaßungen rechtfertigen würden. Für abschließende Aussagen über die Erfahrung mit Bt-Baumwolle in Indien ist es daher noch zu früh.
Erschwert wird die Lage durch die schlechte Informationspolitik. Das Unternehmen Mahyco fühlt sich nur der GEAC gegenüber verantwortlich und gibt daher keine Informationen an Dritte heraus. Die GEAC wiederum gilt als ausgesprochen unkommunikativ und behandelt alle Informationen wie Staatsgeheimnisse – ein Verhalten, das bedauerlicherweise der Desinformationskampagne der Biotech-Gegner entgegenkommt. Aber auch die Wissenschaft und das Landwirtschaftsministerium sind dafür verantwortlich, dass die Einführung der Bt-Baumwolle ohne eine vernünftige Informationskampagne vor sich geht.

Viele Nichtregierungsorganisationen verbreiten Halbwahrheiten, Lügen und Märchen, um die Öffentlichkeit über die vermeintlichen Gefahren der Bt-Baumwolle aufzuschrecken. So wird zum Beispiel behauptet, dass Bt sich nur für die USA und andere Länder mit gemäßigtem Klima eignet oder dass Bt die Ausgaben für Pestizide nicht reduziere und grundsätzlich keine wirklichen wirtschaftlichen Vorteile biete. Das alles wird ohne jede wissenschaftliche Analyse in die Welt gesetzt.

„Das Problem ist, dass staatliche Behörden defensiv auf die Gentech-Gegner reagieren, statt die Fakten zu publizieren und eine rationale Haltung einzunehmen.”

Dabei gibt es hervorragende Studien. Für die USA hat der Agraretymologe Dr. Bentur nachgewiesen, dass aufgrund des verminderten Pestizideinsatzes beim Anbau von Bt-Baumwolle neben dem Baumwollkapselkäfer andere Schädlinge jetzt von ihren natürlichen Feinden dezimiert werden, die früher durch den starken Pestizideinsatz vernichtet wurden. In Indien sprühen die Bauern immer noch gegen saugende Insekten, so dass dieser Effekt hier noch nicht zu erwarten ist.

Bt-Gegner behaupten auch, Bt-Baumwolle führe zu niedrigeren Erträgen. Aber Boll Guard wurde nicht entwickelt, um die Erträge als solche zu steigern. Wenn sie steigen, dann durch Verhinderung der Verluste durch Schädlingsbefall. Andere Leute behaupten, da Boll Guard nur gegen den Baumwollkapselkäfer wirke und man nach wie vor gegen andere Schädlinge Pestizide brauche, sei das Ganze irrelevant. Tatsache ist jedoch, dass der Baumwollkapselkäfer der Schädling ist, der für die Zerstörung der Baumwollfaser verantwortlich ist, während andere nur die Blätter der Pflanzen schädigen. Dass man bei Bt-Baumwolle überhaupt keine anderen Pestizide mehr brauche, hat nie jemand behauptet.

Das Problem ist, dass die GEAC und andere staatliche Behörden defensiv auf die Gentech-Gegner reagieren, statt die Fakten zu publizieren und eine rationale Haltung einzunehmen. Dass die GEAC kürzlich die Einführung von genmodifiziertem Senf für den Einbau in Indien untersagte, obwohl sehr überzeugende Belege für die Sicherheit und wirtschaftlichen Vorteile dieses Saatguts vorlagen, ist ein weiteres Beispiel der irrationalen Vorgehensweise der GEAC. Die Geschädigten sind dabei die Bauern – also jene, für die alle in diesem Land zu kämpfen vorgeben.