09.12.2014

Nein, wir sind keine Affen 2.0

Essay von Marco Visscher

Die Neigung, Unterschiede zwischen Menschen und Affen zu verwischen, ist verbreitet − auch bei manchen Zoologen. Warum der Mensch sich nicht als irgendein bekleideter Primat verstehen sollte, sondern dem Affen haushoch überlegen ist

Nim Chimpsky wurde im Alter von zwei Wochen adoptiert. Der kleine Schimpanse sollte wie ein Mensch aufwachsen. Man zog ihm eine Hose und eine Jacke an, außerdem ein Schlabberlätzchen, wenn er mit der Familie am Essenstisch saß. Anfangs wurde er sogar gestillt, später half er beim Abwasch mit.

In der preisgekrönten Dokumentation Project Nim, können wir Nims Lebensgeschichte verfolgen. [1] Nim war ein wissenschaftliches Experiment, bei dem es zu prüfen galt, ob Schimpansen Sprachfähigkeiten entwickeln können. Dieses Experiment lief nicht durchgängig verantwortungsbewusst ab: So durfte er in seiner hippieartigen Adoptivfamilie mitrauchen, wenn ein Joint rundging, er verletzte aber auch mal einen Begleiter schwer. Daraufhin flog man ihn in einem Käfig in ein anderes Forschungszentrum, wodurch diese Sprachstudie, die einen erheblichen Paradigmenwechsel herbeiführen sollte, an ein abruptes Ende kam.

Affen unter Beobachtung

Project Nim, das sich Ende der 1970er Jahre an der amerikanischen Ostküste abspielte, kann als Ausfluss unserer intuitiven Annahme gesehen werden, dass Schimpansen im Grundsatz genauso sind wie wir. Schreiben Sie sorgfältig ausführliche E-Mails an Menschen, die auf der sozialen Leiter ein paar Stufen höher stehen als Sie selbst, die mit ihren Antworten auf sich warten lassen und auch noch kurz angebunden sind? Primatologe Dario Maestripieri kennt den Grund: Niederrangige Schimpansen sind auch oft lange damit beschäftigt, dominante Artgenossen zu flöhen und müssen sich mit einem ultrakurzen Dank dafür begnügen. In seinem Buch Games primates play betont Maestripieri 300 Seiten lang, dass unser ganzes Verhalten, unser Umgang miteinander und unsere Entscheidungen auf das Affenreich zurückzuführen sind. [2][2] Einer der vielen jubelnden Rezensenten schlussfolgerte, dass Affenkenner einen Großteil des menschlichen Verhaltens vorhersagen können.

„Affenkenner können angeblich einen Großteil des menschlichen Verhaltens vorhersagen“

Der Mensch als Affe 2.0: Dieser Eindruck schleicht sich auch durch eine Fülle auffälliger Zeitungsberichte ein: Schimpansen trauern um den Tod eines Nahestehenden. Zwergschimpansen halten einander die Tür auf. Gorillas beherrschen eine Gebärdensprache mit mehr als tausend Zeichen. Schimpansen sind altruistisch und helfen alten, senilen Artgenossen beim Wassertrinken. Sie betreiben Konfliktmanagement und unterhalten innerhalb ihrer Gemeinschaft beachtliche Polizeikräfte. Sie besiegen Sekundarschüler bei einem Mathematiktest. Die Botschaft ist klar: Sie sind, auch wenn Sie das annehmen, nichts Besonderes, wir alle sind nichts als bekleidete Affen.

Diese Botschaft findet sich oft ganz explizit in den Kommentaren, die derlei Erkenntnisse hervorrufen. So tat der Forschungsleiter an der Universität Stirling kund: „Die Wissenschaft hat eindeutig festgestellt, dass die Grenzen zwischen uns und anderen Gattungen gar nicht so klar definiert sind, wie viele oft denken.“ Er hatte nämlich bemerkt, dass noch einige Wochen nach dem Tod eines der vier Schimpansen in einem Safaripark ziemliche Stille herrschte. „Sie haben offenkundig getrauert.“ Und als ein Schimpanse Steine gesammelt hatte, die er eines übelgelaunten Tages auf arglose Bewohner warf, analysierte ein schwedischer Forscher in einer renommierten Fachzeitschrift, dass derartige „Planung“ nicht weniger als den Beweis für „weit entwickeltes Bewusstsein und Wissensaneignung“ darstellt, wie sie bisher nicht mit „nicht-menschlichen Tieren“ in Verbindung gebracht worden war.

„Die These von der Einzigartigkeit des Menschen wird wohl noch ein Jahrzehnt Bestand haben“, schrieb der Primatologe Frans de Waal vor wenigen Jahren in einer niederländischen Zeitung, aber viel länger wird sie sich seiner Meinung nach nicht halten. Schließlich ähneln wir einander so sehr, dass wir unsere Unterschiede gleich beiseiteschieben können. Ein Mensch teilt nämlich gut 98 Prozent seiner DNA mit einem Schimpansen, und de Waal geht davon aus, dass sich das auf mentaler, sozialer und emotionaler Ebene in den gleichen Dimensionen bewegen dürfte.

Einige Wissenschaftler nehmen diesen Ansatz beim Wort. Sie plädieren dafür, den Schimpansen in die Gattung „Homo“ aufzunehmen (zu der wir, der Sapiens, gehören) statt sie weiter als „Pan“ zu führen. In dieselbe Richtung geht ein Club Gelehrter hinter dem Great Ape Project, die den Menschenaffen einige Grundrechte zuerkennen möchte und sie damit in einer „Gemeinschaft Gleicher“ begrüßen will – zusammen mit Menschen wie Ihnen und mir.

Wenn man sich die Mühe macht, die Behauptungen auf Grundlage dieser ganzen seltsamen Studien mit ihrem trockenen wissenschaftlichen Kern abzugleichen, merkt man schnell, dass die Schlagzeilen kaum taugen. (Keine Angst, Sekundarschüler schneiden in Mathe in Wirklichkeit besser ab als Schimpansen.) Und oft haben sie auch keinen Neuigkeitswert. Was soll denn daran besonders sein, dass einige Affen eine Art „moralisches Verhalten“ an den Tag legen? Es dürfte sich herumgesprochen haben, dass Verhaltensweisen wie Uneigennützigkeit, Gegenseitigkeit und Zusammenarbeit evolutionär von Nutzen sind, indem sie Zusammenhalt und Stärke einer Gruppe fördern.

„Unsere DNA entspricht zu 50 Prozent der von Fruchtfliegen und Bananen. Betrachten wir diese deshalb als Halbmenschen?“

Und was die Übereinstimmungen im Gencode betrifft: Klar, 98 Prozent sind eine Menge, aber zu 60 Prozent entspricht unsere DNA auch der von Goldfischen und zu 50 Prozent der von Fruchtfliegen und Bananen. Betrachten wir diese deshalb als Halbmenschen? Wir sollten uns eine grundlegende Frage stellen: Ist es nicht verrückt, wenn ganze Gesellschaften sich an der Vorstellung berauschen, wie sehr wir Affen ähneln? Es mag harmlos wirken, vielleicht aber symbolisiert die Neigung, Affen und Menschen ständig auf eine Stufe stellen, dass wir gar nicht mehr so genau wissen, was das Menschsein eigentlich auszeichnet. Viel kann es wohl nicht sein.

Ich habe nichts gegen Menschenaffen – meine besten Freunde stammen von ihnen ab. Aber die Aufwertung dieser ganzen (Zwerg-)Schimpansen könnte durchaus ein Signal dafür sein, wie satt wir die Menschheit haben. So ein labiles Menschbild scheint mir der Vorbote negativer Entwicklungen zu sein, dann damit gefährden wir den Glauben an Veränderung und Fortschritt gleich mit.

Was die Affen sich wohl denken

Augenscheinliche Übereinstimmungen mit Menschenaffen (Schimpansen, Gorillas, Zwergschimpansen, Orang-Utans) waren dem Menschen schon früher aufgefallen, aber erst seit einem halben Jahrhundert wird ihr Sozialleben gründlich dokumentiert. Jane Goodall hielt sich jahrelang in einem Nationalpark in Tansania auf, wo sie sich als Forscherin auf die Suche nach der „individuellen Persönlichkeit“ des Schimpansen machte. Konsequenterweise gab sie diesen dann auch Namen statt Nummern. Goodall entdeckte, dass manche von ihnen Werkzeuge herstellten oder sich solcher bedienten: Stöcke, um sich Termiten zu angeln, Steine, um Nüsse zu knacken, große Blätter als Trinkgefäße.

Diesen Punkt hört man derzeit so oft, dass man denken könnte, dass Affenkolonien auf der ganzen Welt routiniert mit einem Zweig in einem Nest Termiten fangen. Das ist nicht der Fall. Von kultureller Überlieferung kann kaum die Rede sein, wie der Archäologe Steven Mithen in seinem Buch The prehistory of the mind anmerkt, und erst recht gilt: Affen weisen eine ziemlich beschränkte Intelligenz auf. In Wahrheit hat eine ganze Menge Menschenaffen noch nie mit so einem Termitenstock gearbeitet, weil ganz einfach niemandem aus der Gruppe die Idee gekommen ist oder er es zufällig entdeckt hätte. Oder niemand war in der Lage, den anderen Gruppenmitgliedern die Funktionsweise zu erläutern. Oder man hat den Trick schlichtweg vergessen.

Dieser „Mangel an technischer Intelligenz“, von dem Mithen spricht, vermag zu erklären, warum Schimpansen ihre vier Jahre brauchen, um zu erlernen, wie man mit einem Stein Nüsse knacken kann. Vier lange Jahre mit endlosen Versuchen, die nicht von Erfolg gekrönt sind. Das erweckt nicht gerade den Eindruck eines großen Imitationsvermögens, erst recht nicht den eines Vermögens zur kritischen Reflexion ihres Tuns oder der Zielerreichung. Andere Affen etwas zu lehren, kann man von ihnen schon gar nicht erwarten. Goodall bemerkte auch die sozialen Interaktion zwischen den Schimpansen in Tansania: Umarmungen, Streicheleinheiten, Küsschen, Schulterklopfen. Daraus schloss sie, dass Schimpansen nicht nur über Intelligenz, sondern auch über eine reichhaltige Emotionalität verfügen. Auch Jahrzehnte später lässt die britische Primatologin keine Gelegenheit verstreichen – wie etwa in einem Trailer des Disney-Films Schimpansen – uns mitzuteilen, dass wir Menschen „nicht die einzigen Wesen mit einer Persönlichkeit und Denkvermögen sind“. [3]

„Dieser Schimpanse konnte nach Jahren nicht einmal einen einfachen Satz formulieren“

Wie aber kann man genau wissen, ob ein Affe denkt, wenn er nichts sagt? Das Ziel von Project Nim lag eigentlich genau darin, das Denken von Schimpansen zu entdecken. Als Nim dann 25 Gebärden erlernt hatte – oder 128, wenn man die Messlatte niedrig anlegt –, brachte er es aber nur auf ein paar Grundbegriffe, mit denen er planlos hintereinander um sich warf, wie „Ich Bananen essen“, „Umarm mich, Nim“ oder „Ich mehr trinken/essen“. Ein Kind lernt komplizierte Satzstrukturen, aber dieser Schimpanse konnte nach Jahren nicht einmal einen einfachen Satz formulieren, wie der Projektgründer und -leiter Herbert Terrace feststellen musste. Außerdem setzte Nim seine Gebärden fort, selbst während man mit ihm sprach oder ihn etwas lehrte; Kinder lernen dagegen recht schnell, dass Sprache ein abwechselndes Geben und Nehmen ist.

Durchaus enttäuscht musste Terrace außerdem erkennen, dass Affen – nicht nur Nim – in erster Linie auf Ansporn und Belohnungen ihrer Lehrer reagieren, die ihrerseits dazu neigen, in ihren Berichten das Sprachvermögen ihrer Schüler sträflich zu überschätzen. Letztlich ging es doch meist darum, dass Nim etwas tun oder haben wollte – und zwar jetzt gleich, sofort. „Nim war ein brillanter Bettler“, sagt Terrace zurückblickend. Da hört das „Denken“ eines Affen aber auch schon auf.

Gorilla Koko scheint von ihrem Zufluchtsort in den kalifornischen Bergen bei Santa Cruz per Gebärdensprache ganze Geschichten und vertiefte Erkenntnisse zum Besten zu geben. Bei einer Geburtstagsfeier hatte sie offenbar – mit Verweis auf die abnehmende Zahl an Gorillas weltweit – den Wunsch formuliert, „dass Menschen sich des Schicksals ihrer Art bewusst werden sollten, bevor es zu spät ist.“ So zumindest vermeldete es ihre Trainerin, die vermutlich ihre Gründe hat, um immer wieder zu betonen, dass Koko auf „Wortspiele, Metaphern und schalkhafte Lügen“ steht. Diese Art fortgeschrittenen Interpretationsvermögens führt dann dazu, dass ein Affe seinem Forscher zufolge die Gebärde für „trinken“ perfekt beherrscht, und sich nur einen Scherz erlaubt, wenn er diese Gebärde nicht in der Nähe seines Mundes vollführt, sondern bei seinem Ohr.

Die Fähigkeiten des Menschen

All das sollte gar nicht so berichtenswert sein. Den meisten von uns ist durchaus bewusst, dass der Mensch zu mehr imstande ist als der Affe. Angetrieben von unserem Talent, unsere Talente weiterzuentwickeln und an andere weiterzugeben, wird unser Leben immer länger, gesünder, friedlicher und reicher. Ein Schimpanse, dem es nach vier Jahren verzweifelter Versuche endlich gelingt, mittels eines Steines eine Nuss zu knacken, verdient für mich zwar einen ordentlichen Strauß Bananen, aber damit kann seine Art nicht einmal annähernd einer Art das Wasser reichen, die – insbesondere wegen eines langen Prozesses der Spezialisierung und Weitergabe – Mikrochips entwirft, Megastädte baut, eine landwirtschaftliche und eine industrielle Revolution in Gang setzt, durchs Sonnensystem reist oder den freien Willen diskutiert.

Wenn Wissenschaftler Frans de Waal das menschliche Gehirn gerne herablassend „ein erweitertes Affenhirn“ nennt, wie können denn dann die immensen Unterschiede erklärt werden? Michael Tomasello beschäftigt sich in einem Leipziger Forschungszentrum mit Affen, arbeitet aber auch als Entwicklungspsychologe mit Kindern. Er führte mal einen kognitiven Test – das Äquivalent nonverbaler IQ-Tests – sowohl bei erwachsenen Schimpansen und Orang-Utans als auch bei zweijährigen Kindern durch. Beide Gruppe schnitten beim Verständnis der physischen Welt (Raum, Mengen, Kausalität) in etwa gleich ab. Die Kleinkinder konnten aber bei denjenigen Tests, die soziale Fähigkeiten maßen wie Kommunikation und das Vermögen, die Absichten anderer zu begreifen, deutlich bessere Resultate erzielen. Für Tomasello besteht der große Unterschied gerade in dieser sozialen Intelligenz.

Mit anderen Worten: Ganz alleine für sich, auf einer unbewohnten Insel aufwachsend, würde ein Menschenkind nie eine Sprache oder ein Zahlensystem entwickeln und würde auch nicht eigenhändig ein Messer oder das Rad erfinden. Gerade unsere gemeinsamen Bemühungen und die Kumulation von Wissen, das von Generation zu Generation weitergegeben wird, sorgen dafür, so Tomasello, dass wir einen einzigartigen Platz im Tierreich einnehmen.

„In den letzten Jahren hat sich die menschliche Kommunikationsweise stärker verändert als die Affen in sechs Millionen Jahren“

Seit unsere entfernten Vorfahren sich entwickelt haben, hat sich das Leben des Menschen so stark verändert, dass wir selbst in den Höhlenbewohnern von vor ein paar Jahrzehntausenden kaum noch unsere evolutionären Vorfahren erkennen. Und in den letzten Jahren hat sich die menschliche Kommunikationsweise stärker verändert als sich Affen in sechs Millionen Jahren Evolution entwickeln konnten. Das nehme ich den Affen nicht übel, aber es ist bestimmt kein Argument, unsere Unterschiede zueinander bald einfach zu begraben.

Sogar Leute wie de Waal – denen zur Finanzierung ihrer Arbeit natürlich die Vorstellung entgegenkommt, dass Affen eine zentrale Rolle bei der Entschlüsselung menschlichen Verhaltens spielen – müssten doch eigentlich zugeben, dass es Affen nicht gelungen ist, ihre Lebensqualität auch nur ein bisschen zu verbessern. Die Evolution des Menschenaffen äußert sich in einigen Dutzend dokumentierter Fälle von Werkzeugnutzung, Kommunikation und Flöhritualen. Daraus aber zu folgern, dass Affe und Mensch gleich programmiert seien, als gäbe es keinen gewaltigen Unterschied in der kulturellen Tradierung, entspricht für Helene Guldberg, Autorin des Buches Just another ape?, der Gleichsetzung von Gletscher und Auto: „Beide bewegen sich von A nach B fort, der eine nur deutlich langsamer als das andere.“

Der Aufstieg des Affen als Erniedrigung des Menschen

Man könnte nun einwenden, was denn eigentlich schlimm an der Vorstellung ist, dass Menschen und Affen gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Wenn der Mensch dadurch die Affen etwas freundlicher behandelt, haben wir doch alle etwas davon. So einfach gestaltet sich das aber leider nicht. Die Nivellierung zwischen Mensch und Affe führt unvermeidlich zur Untergrabung unserer menschlichen Kapazitäten.

Wir Menschen verfügen über die Gabe, die Welt immer wieder schöner zu machen für immer mehr Menschen. Daran können wir nicht einmal etwas ändern; so ist der Gang der Dinge und wir haben darin eine große Professionalität erworben. Gerade bei den derzeit anwachsenden Herausforderungen sind mehr Mut, Vertrauen und Unterstützung gefragt. Es hilft nicht, uns permanent schlecht zu reden und einem niedrigen Menschenbild anzuhängen. Wissenschaftler und Journalisten, die nahelegen, dass wir nur emporgekommene Affen sind, können wir dabei nicht gebrauchen.

„Es vermag nicht zu überraschen, dass die starke Überschätzung des Affen sich just in dem Moment verbreitet, wo der Mensch überall als Fluch gilt.“

Es vermag nicht zu überraschen, dass die starke Überschätzung des Affen sich just in dem Moment verbreitet, wo der Mensch überall als Fluch gilt. Man denke dabei an die Beliebtheit von Unheilspredigern wie Al Gore (Eine unbequeme Wahrheit) oder Jared Diamond (Kollaps: Warum Gesellschaften überleben oder untergehen). Wir sind mittlerweile geneigt zu glauben, dass wir Menschen die Ursache aller unserer Probleme und der des Planeten sind. Freilich, wir bauen schon mal ordentlichen Mist. Es wäre aber zu bequem, auf bestehende Probleme zu verweisen und so zu tun, als ob sich darauf keine passenden Antworten fänden. Die Geschichte zeigt ganz klar, dass die menschliche Art auch die Lösungen herbeiführt, durch die es uns allen besser geht.

Im Film Project Nim kommt ein vielleicht typisches Beispiel für einen anderen Blick auf die Realität vor. In einer Reaktion auf das Urteil des Forschungsleiters Terrace, dass trotz aller Bemühungen bei Nim kein Sprachfortschritt festzustellen war, gibt sich einer seiner Begleiter ungerührt. „Er konnte vielleicht keine Sätze oder Grammatik, aber es lag Kommunikation vor. Das konnte ich klar erkennen […] Schimpansen sind genau wie wir.“

Glücklicherweise sieht es anders aus. Denn im Gegensatz zum Schimpansen sind wir Menschen nicht nur auf unsere Biologie oder unsere Natur begrenzt. Diesen Umstand sollten wir feiern. Er ist der Ausgangspunkt aller unserer Träume von den Veränderungen, die noch möglich sind, und von den Revolutionen, die wir noch entfesseln können. Und, bevor ich es vergesse: Dass es arrogant sein soll, unsere Überlegenheit zu betonen, habe ich nie verstanden. Aber gut, ich bin eben auch nur ein Mensch.