18.10.2011

Einleitung Arabischer Aufbruch: Frühling im Orient

Die Ereignisse im arabischen Raum verändern die Welt, aber der Ausgang ist ungewiss

Ausgehend von Tunesien hat Ende 2010 eine Welle von Protesten, Aufständen und Revolutionen die arabische Welt erfasst. Nord Afrika und der Nahe Osten befinden sich im Umbruch und die Umwälzungen halten bis heute an. Die tunesische Jasminrevolution beendete die über fünfzig Jahre andauernde Herrschaft der dortigen Staatspartei. Über Algerien sprangen die Unruhen nach Ägypten über. Dort wurde der über dreißig Jahre regierende Machthaber Husni Mubarak vom Volk gestürzt. Der Bürgerkrieg in Libyen fegte den Diktator Gaddafi aus dem Land. In vielen weiteren Staaten sind die erstarrten Verhältnisse in Bewegung geraten.

Aber es gab auch Rückschläge: In Bahrain wurde der Aufstand mit Hilfe Saudi-Arabiens blutig unterdrückt. In Syrien gelingt es einer gespaltenen Opposition nicht, sich wirksam gegen das morsche Assad-Regime zu formieren. In Ägypten wurde zwar der alte Herrscher entthront, aber die korrupten Eliten konnten sich dennoch weitestgehend an der Macht halten und versuchen nun nach Kräften die Ruhe im Land wieder herzustellen. In Libyen erlebten wir einen als „humanitäre Intervention“ etikettierten Bombenkrieg der Nato. Wohl nie zuvor war ein westlicher Kriegseinsatz so feige und planlos und dabei gleichzeitig so offensichtlich von innenpolitischem Kalkül bestimmt wie dieser.

Mit dem arabischen Frühling sind die letzten Überbleibsel der Nachkriegsordnung in dieser Weltregion an ihr Ende gekommen. Der Mut der Menschen, die für Freiheit und ein bessere Leben ihr Leben riskierten und immer noch riskieren, ist inspirierend. Aber was daraus Neues entstehen wird, bleibt ungewiss. Sicher ist: Die Ereignisse werden uns noch lange in Atmen halten.