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WM-Gedanken: Mein Problem mit Frauenfußball

Von Matthias Heitmann

Seit Kindesbeinen bin ich leidenschaftlicher Fußballfan, und ich spiele auch heute noch aktiv in einer Freizeitmannschaft. Schon immer habe ich gerne mit oder gegen Fußballerinnen gespielt. Seit der Schulzeit weiß ich, dass Mädchen und Frauen durchaus gut Fußballspielen können und dies mit großer Inbrunst tun. Woher also, frage ich mich, rühren eigentlich meine Vorbehalte gegen die Frauen-WM 2011 und den Frauenfußball?

An der Qualität des Frauenfußballs kann meine Abneigung nicht wirklich liegen – wäre dem so, dürfte ich selbst nie wieder einen Bolzplatz betreten. Zudem muss man objektiv anerkennen, dass die Lernkurve im Frauenfußball sehr steil ist und das Spiel in den letzten Jahren sehr viel besser, schneller, technisch reifer und athletischer geworden ist. Das WM-Eröffnungsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Kanada empfand ich als durchaus unterhaltsam – sieht man von der Chancenverwertung ab. Aber als gebürtiger Frankfurter und Eintracht-Fan weiß ich nur zu gut, dass sowohl schlechter Fußball als auch das Verballern von Großchancen kein Frauenmonopol ist.

Was den Frauenfußball tatsächlich auszeichnet, ist nicht die Spielgeschwindigkeit oder die technische Qualität, sondern das vergleichsweise körperlose Spiel. Frauenfußball gilt daher vielen als ästhetischer und fairer, und manch einer zieht ihn daher dem Männerfußball vor. Ich bezweifle jedoch, dass man mit diesem „Kompliment“ den Fußball spielenden Frauen Recht geschehen lässt: Die meisten würden sich dagegen verwehren, nur „Mädchenfußball“ zu spielen oder ihren Sport mit weniger Einsatz und Kampf zu betreiben.

Dennoch fällt auf, dass Verwarnungen, gelbe Karten oder gar die im Männerfußball beliebte „Rudelbildung“ im Frauenfußball deutlich seltener zu sehen sind – ein Umstand, der dem Frauenfußball den Ruf eingebracht hat, fairer und weniger verbissen zu sein. Auf der Website des Sportmagazins Kicker werden interessanterweise gelbe Karten in der Frauen-Bundesliga statistisch überhaupt nicht festgehalten. Es ist allerdings anzunehmen, dass sich dies angesichts der fortschreitenden Professionalisierung des Frauenfußballs verändern wird. Mit einem Blick auf prominente Frauen in unterschiedlichsten Positionen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verweigere ich jedenfalls der Annahme, dass Frauen grundsätzlich fairer und gerechter sind, die Gefolgschaft.

Kurz gesagt: Meine Antipathie gegen die Frauen-WM hat eher wenig mit Frauenfußball an sich und noch weniger mit Fußball spielenden Frauen zu tun. Wahrscheinlich ist es der weit verbreitete Ruf des Frauenfußballs, fairer, weniger körperbetont und fanatisch zu sein, den freudig zu beklatschen ich mich weigere. Nicht, dass ich ein Freund des unschönen Gemetzels auf dem grünen Rasen wäre. Aber die Vorstellung, dass Männerfußball künftig ähnlich friedlich sein soll, wie es dem Frauenfußball heute (wahrscheinlich fälschlicherweise) attestiert wird, treibt mir die Zornesröte ins Gesicht. Für mich gehören neben dem Teamgedanken eben auch Kampf, Risikobereitschaft, Leidenschaft, Leidensbereitschaft und das Bis-an-die-Grenzen-Gehen zu den Attributen und Werten, die Fußball für mich attraktiv machen – sowohl als Sport als auch als Sinnbild menschlicher Grundeinstellungen.

Zahlreiche dieser Werte werden im Allgemeinen als „typisch männlich“ und negativ bezeichnet – und sind heute auf dem Rückzug: Risikobereitschaft gilt als verantwortungslos, große Leidenschaft als Vorstufe zum blinden Fanatismus, und das Grenzen-Testen als sinn- und zweckloses Aufbegehren gegen vernünftige Selbstbeschränkungen und rationale Sachzwänge. Im Gegensatz zu diesen Werten werden Attribute wie Balance halten, gezügelte Emotionalität, Sensibilität und Rücksichtnahme, Sicherheitsstreben und die Bereitschaft zurückzustecken, als modern, positiv und „weiblich“ eingestuft. Sie passen in eine Gesellschaft, in der Risikovermeidung und Zurückhaltung als nachhaltige Werte der Zukunft gepriesen und nahezu alle Formen des vorbehaltlosen und robusten Eintretens für konkrete Überzeugungen und Ziele als veraltetes Interessendenken kritisiert werden. Innerhalb dieses Zeitgeistes, der durch zweifelndes Suchen nach Kompromissen und Notlösungen geprägt ist, erscheint mutiges und ambitioniertes Erkämpfen von Zielen als nicht zeitgemäß, ja sogar als potenziell gefährlich, weil unruhestiftend.

Es ist diese angestrebte Verhinderung von Unruhe und Instabilität, aber auch von Leidenschaft und unbedingtem (Sieges-)Willen, die weite Teile unserer modernen Kultur prägt. Das, was es zu verhindern gilt, wird sehr häufig mit „männlichen“ Attributen in Verbindung gebracht, während die genannten, klassisch „weiblichen“ Stereotype große Popularität genießen. Und obwohl es sich hier eigentlich um geschlechterübergreifende Wertvorstellungen und Ansichten handelt – als ob es keine Draufgängerinnen oder männliche Warmduscher gäbe –, werden sie Männern und Frauen zugewiesen, oder besser: übergestülpt.

Es ist also nicht der Umstand, dass Frauen Fußball spielen, der mir Bauchschmerzen bereitet, sondern die Tatsache, dass die mit Frauen und dem Frauenfußball verbundenen Werte in die Offensive gehen und Gefahr laufen, den Fußball sowohl als Sport als auch als kulturelles Massenphänomen zu „entmannen“. Anzeichen für diesen Trend gibt es zuhauf: Auf dem Platz zeugen die Regelveränderungen der letzten Jahrzehnte von dem gezielten Versuch, Emotionalität zu zügeln und Aggressivität zu bändigen mit dem Ziel, das Spiel „familienfreundlicher“, sprich: friedlicher und weniger draufgängerisch zu machen. Neben dem Platz springt die Tendenz, Fußballfans mithilfe drakonischer Strafmaßnahmen zu politisch korrektem Verhalten zu erziehen und auch hier Emotionalität systematisch zu verhindern, ins Auge. Immer häufiger wird das offensichtliche Fehlverhalten einzelner Fans oder kleiner Gruppen genutzt, um den (Männer-)Fußball in seiner Gesamtheit als „Bühne gewaltbereiter Proleten“ zu diffamieren.

Nicht umsonst unterstreicht der DFB, dass die von ihm ausgerichtete Frauen-WM „anders“ sein solle, nämlich: „ein Familienfest“. Damit wird nicht nur fälschlicherweise suggeriert, dass die Weltmeisterschaften von 2006 und 2010 nicht „familientauglich“ gewesen seien, sondern auch, dass es vor allen Dingen die erhöhte Präsenz von Frauen und Kindern in Fußballstadien und Fanmeilen sei, die ein solches Klima „gegen die traditionell männliche Fankultur“ durchsetzen könne. Dass dieses vermeintlich „familienfreundliche“ Klima mit einem enormen Aufgebot an Überwachungs- und Sicherheitstechnologien und -personal „sichergestellt“ wird, erklärt sich von selbst.

Von der traditionellen Gewissheit, dass das Fußballstadion der einzige Ort sei, an dem Erwachsene nicht nur hemmungslos weinen, sondern auch das Wort „Wichser“ schreien können, so oft und so laut sie wollen, ohne die geringste Aufmerksamkeit zu erregen, wie es Nick Hornby in seinem Roman „Ballfieber“ liebevoll schildert, entfernen wir uns immer mehr. Der „familienfreundliche Fußball“, dessen Reinform offensichtlich der Frauenfußball darstellen soll, läutet nicht nur den Rückzug des kämpferischen Fußballsports zugunsten eines sauberen, aber auch emotionslosen Abziehbildes ein. Er bereitet gleichzeitig den Niedergang des kulturellen Phänomens Fußball als einem der letzten Refugien von Freiheit und emotionaler Ausgelassenheit in einer ansonsten immer stärker geregelten und kontrollierten Gesellschaft vor.

Das Tragische an dieser Entwicklung ist, dass auch die Fußball liebenden und spielenden Frauen, die sich gerade anlässlich der Frauen-Fußball-WM auf dem Weg zur völligen Gleichberechtigung wähnen, unter den Folgen dieser zunehmenden politische korrekten Säuberung der Fußballkultur leiden werden. Während es im Männerfußball (noch) traditionelle und gewachsene kulturelle Segmentierungen sowie inoffizielle Strukturen und Prägungen gibt, die der Entwicklung hin zu einem keimfreien und geruchsneutralen Fußball zuwiderlaufen, existieren diese in der noch jungen Massensportart Frauenfußball nur in Ansätzen. Dieser Umstand macht den Frauenfußball zu einem jungfräulichen Spiel- und Experimentierfeld für moderne Überwachungs-, Kontroll-, Erziehungs- und Anti-Emotions-Ideologien, unter denen am Ende alle zu leiden haben werden: Frauen wie Männer, Mädchen wie Jungs.

Matthias Heitmann ist freier Publizist und Novo-Redakteur. Seine Website findet sich unter http://www.heitmann-klartext.de Zulet.zt erschien von ihm bei NovoArgumente Online “Bin Laden wird dem Westen fehlen”.

Eine englischsprachige Fassung des Artikels finden Sie auf der Website des britischen Novo-Partnermagazins Spiked.

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29.06.2011 | Permanenter Link |

Kategorie(n): Kultur und Gesellschaft

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Kommentare

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Die Entmannung des Frauenfußballs ... Selten so gelacht!
Worüber beschweren Sie sich eigentlich? Dass Frauenfußball kein Männerfußball ist?

Ich bin für Familientauglichkeit, gegen Rudelbildung und Aggressivität im Sport allgemein. Über Schiedsrichterentscheidungen gibt’s nichts zu meckern, egal ob falsch oder richtig. Ich finde, dass eher der Männerfußball sich etwas beim Frauenfußball abgucken sollte als anders herum.

Und mal ehrlich, der ganze Artikel liest sich, als wäre hier die Ehre des Geschlechts des Mannes in Gefahr, weil Frauenfußball “nicht so leidenschaftlich” ist und Herr Heitmann anscheinend Angst hat, dass diese “Verweichlichung” auch im Männerfußball ankommt.

Mein Tipp: Einfach keine Frauen-WM gucken und sich auf pöbelnde, “leidenschaftliche” und überbezahlte Männerfußballer in der neuen Saison freuen.

Max
30.06.2011  09:58

Nachdem ich mir so viele Spiele wie möglich angesehen habe, stimme ich Ihren Ausführungen nur teilweise zu. Insgesamt regen sich die Spielerinnen weniger auf das ist wahr. Sie spielen aber nicht weniger körperbetont oder leidenschaftlicher als Männer. Auch Sie gehen bis an ihre körpelichen Grenzen.
Ich denke, man muß einfach nicht so sehr darauf achten wie uns der Frauenfußball verkauft werden soll. Wir müssen Ihn selber wahrnehmen und zwar so wie wir Ihn sehen wollen.
sachma

sachma
30.06.2011  10:46

(Vorweg - kennen wir uns? Meine Frau Ulla zumindest?)  Was Sie schreiben finde ich weitgehend richtig.  Fast gar keine Gelbekarten und Grätsche sind sehr selten. Aber das Fussball an und für sich anders ‘weicher’ ‘Familienfreundliche’ werden sollte - glaube ich nicht. Was fehlt in Frauenfussball ist m.E. die jahrelange üben auf Bolzplätze - Jungs fangen mit vier oder fünf und marschieren durch die F,E,D Jugend bis sie entdeckt werden und unter Vertrag bei Bayern München genommen werden.  In den Spielen bisher habe ich viele einfache Fehler gesehen, Ungenaue Pässe zuhauf - und schnell aufgeben wenn der Ball noch erreichbar wäre.  Alles kommt durch zehn Jahre Jugendfussball Erfahrung - Jungs sind meistens technisch besser.  Nicht jede/jeder kann ein Xavi sein aber gibt es eine Frau mit ähnlichen Talente?

Geoffrey Roberts
30.06.2011  10:49

Probieren Sie es doch einfach mal mit Rugby als Alternative.
Da werden Sie (auch bei den Frauen) neben dem Teamgedanken weder “Kampf, Risikobereitschaft, Leidenschaft, Leidensbereitschaft und das Bis-an-die-Grenzen-Gehen” vermissen; das versichere ich Ihnen. Trotzdem handelt es sich um einen Sport voller Respekt gegenüber den Gegnern und dem Schiedsrichter - die Entscheidungen werden meist ohne Murren akzeptiert. Nur der Kapitän darf sich beim Schiedsrichter beschweren.
Leider findet dieser Sport (komischerweise vor allem) in Deutschland kaum Anklang.
Warum eigentlich?

Übrigends ist Frankfurt, im Gegensatz zum Fussball, noch mit einer Mannschaft in der ersten Bundesliega vertreten…
Martin

Martin
30.06.2011  12:02

“Mit einem Blick auf prominente Frauen in unterschiedlichsten Positionen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verweigere ich jedenfalls der Annahme, dass Frauen grundsätzlich fairer und gerechter sind, die Gefolgschaft.”

Darum geht es ja auch gar nicht, um fair und gerecht. Frauen sind / spielen weniger agressiv. Das ist das Entscheidende und das ist auch gut so. Ich denke, da können Sie und wir alle mitgehen.

Ron
30.06.2011  12:04

Der Artikel ist absolut richtig, auch wenn ich einigen Beobachtungen nicht ganz zustimme und ebenfalls wie sachmal, einige sehr körperbetonte Spiele gesehen habe, wo allerdings viele Fouls nicht geahndet werden. Ein deutliches umschubsen einer Stürmerin vor dem Tor, wie im Spiel Brasilien- Äquatorial-Guinea, hätte einem Elfer geben müssen, aber keiner hat sich beschwert. Was den angenehmen Character der Spiele ausmacht. Das permanente gemecker, oft zu unrecht ist ein Teil des Fußballs, der mir persönlich die Freunde daran nimmt. Als Zuschauer, wie als Spieler.

Was das drumherum angeht, kann man das so wie Max sehen, dass sich hier die “Ehre der Männlichkeit” verletzt fühlt. Vielleicht ist das auch so, aber für die Menschen denen genau dies Spaß macht, wird durch die Entwicklung der vergangenen Jahre, auch im Männerfußball, immer mehr ein Refugium geraubt. Das diese Menschen ausgelacht werden, zeigt den mangelnden Respekt gegenüber Menschen, die nicht die gleichen Vorstellungen haben.

Traurig aber wahr, die Gesellschaft soll immer gleicher werden, damit alles schön sauber ordentlich ist und gut vermarktet werden kann.

Struppi
30.06.2011  12:19

“Zahlreiche dieser Werte werden im Allgemeinen als „typisch männlich“ und negativ bezeichnet – und sind heute auf dem Rückzug: Risikobereitschaft gilt als verantwortungslos, große Leidenschaft als Vorstufe zum blinden Fanatismus, und das Grenzen-Testen als sinn- und zweckloses Aufbegehren gegen vernünftige Selbstbeschränkungen und rationale Sachzwänge. Im Gegensatz zu diesen Werten werden Attribute wie Balance halten, gezügelte Emotionalität, Sensibilität und Rücksichtnahme, Sicherheitsstreben und die Bereitschaft zurückzustecken, als modern, positiv und „weiblich“ eingestuft.”

Das würde ich voll unterschreiben und als “Zivilisation” bezeichnen.

Aha.
30.06.2011  12:21

Mit “Kampf, Risikobereitschaft, Leidenschaft, Leidensbereitschaft und das Bis-an-die-Grenzen-Gehen” hat das was man im Maennerfussball geboten bekommt meiner Meinung nach wenig zu tun. Eine treffendere Charakterisierung waere “Koeperverletzung, Ignoranz, Respektlosigkeit, Betrug, Unsportlichkeit”. Wer das so mag meinetwegen, aber man sollte doch abwegen, ob man Kindern diese Werte im Rahmen unseres “Volkssports” von kleinauf vermittel will.
Also weiter so liebe Frauenfusballerinnen, es lebe das koeperlose, technische Spiel!

Alb
30.06.2011  12:43

100%ige Zustimmung.

Frauen spielen zivilisierter Fußball - gar keine Frage. Einsatz, Siegeswille sind trotzdem da.
Aber ich kann mir im Frauenfußball einfach keinen Zidane-Kopfstoß mit vorheriger unflätigen Verbalprovokation vorstellen. Wobei - doch. Meine Schwester, blonde Frauenfußballerin mit Leidenschaft, durfte sich von der gegnerischen Stürmerin so lange und häufig als “hellgelbe Sau” titulieren lassen, bis sie diese dann beherzt von den Beinen geholt hat und verdientermaßen Gelb kassierte. Aber das sind sicher Ausnahmen - im Amateurbereich.

Wenn ich mir die gerade laufende Sommerlochdiskussion anhöre zum Thema: “Kein Alkohol in Deutschlands Fußballstadien” muss ich dem Schreiber Recht geben. Familien-Erlebnisfußball ist offensichtlich gewollt.

Männerversteher
30.06.2011  12:47

“Auf dem Platz zeugen die Regelveränderungen der letzten Jahrzehnte von dem gezielten Versuch, Emotionalität zu zügeln und Aggressivität zu bändigen mit dem Ziel, das Spiel „familienfreundlicher“, sprich: friedlicher und weniger draufgängerisch zu machen.”

Für die angesprochenen Regeländerungen hätte ich gerne mal ein Beispiel gesehen. Und wenn Sie nun die Rote Karte für eine Grätsche von hinten anführen und das _ernsthaft_ kritisieren wollen, dann ist Ihnen wohl auch nicht mehr zu helfen.

Andernfalls gab es mMn seit den 30er Jahren bis auf Abseitsregelungen, Gelbe Karte Hin-und-Her für Trikotausziehen, Auswechselungen und Golden-Silver-Whatever-Goal Änderungen keine Regeländerungen.

Ich persönlich halte auch nichts vom Frauenfussball. Das liegt aber einfach daran, dass ich mich schlecht daran gewöhnen kann, dass ein Sport, der derart unterschiedlich ist bei Männern und Frauen trotzdem noch gleich heisst. Ist insofern ein wenig wie Lacrosse, wo es bei den Frauen 2 Spielerinnen mehr auf dem Feld sind und Körperkontakt verboten ist. Ganz anderes Spiel, gleicher Name…

Marco
30.06.2011  13:44

Das bewegt die männliche Volksseele und so manch einer mag tatsächlich um einen Teil seiner Männlichkeit bangen.
Nach den div. Katastrophen wie EHEC und Atomausstieg, ist nun ein neues Angstthema am Fernsehtischchen gelandet.

Aber da seid ihr Bundesbürger noch gut bedient, in Österreich hat sich ein Arzt mit nicht katholischem Religionsbekenntnis zur Äußerung verstiegen, dass Sport für Frauen überhaupt ungesund sei.

:-))

e.moser
30.06.2011  13:49

Ich finde es sehr schade , dass öffentliche Meinungen immer mehr gleichgeschaltet werden. Wir sind eine Gesellschaft der Intoleranz , der Antimeinungsfreiheit. Fussball ist da ein Ventil. Der Kommentar ist dabei absolut richtig , auch wenn ich sehr gerne Frauenfussball sehe und unterstütze.Individualität ist ein hohes Gut ,das durch das Wort “Zivilisation” nicht ersetzt wird.Aber die dümmsten schreien ja bekanntlich gerne am lautesten…

Tobias
30.06.2011  14:21

Der Sport ist etwas Gutes. Er hält uns in Form , ist gut als Ventil bei Aggression und Depression und macht Spass. Den Sport so zu regeln , wie es bei der Frauen WM gemacht wird , also Familienfreundlich ist daher absolut falsch.Einerseits Märchen von Killerspielen predigen , andererseits aber den Sport verkümmern lassen , das sieht vielen ähnlich.

Tobias
30.06.2011  14:24

Mir scheint das Bild vom Männerfußball, das dem Kommentar zu Grunde liegt, völlig idealisiert zu sein. Das Problem ist doch, dass der Männerfußball in den letzten Jahrzehnten Eigenschaften wie Risikobereitschaft, Individualismus und Mut durch Taktik, Disziplin, Spielkonzepte, Risikovermeidung ersetzt hat. Viererkette statt Libero, Sicherheits-Ballgeschiebe statt genialem Pass, “taktische Fouls”, “Die Null muss stehen” als oberstes Prinzip. Da spielen die Frauen doch oft entschieden männlicher. Zum Glück gibt’s aktuelle Besserungs-Tendenzen bei den Herren, aber zur Arroganz gegenüber dem Frauenfußball besteht kein Anlass.
Im Übrigen: Wer im Stadion “Wichser” brüllt, meint grundsätzlich irgend einen anderen. Und er brüllt ja nicht nur Wichser, sondern auch Bimbo, schwule Sau oder was aggressive Vollidioten sonst noch so brüllen. Darauf kann ich gerne verzichten, und ich weiß auch nicht, ob es eine Qualität des Fußball-Betriebes ausmacht, sich über andere auskotzen zu können. Das ging in den 50er oder 60er Jahren auch noch anders, obwohl da der Fußball sicher keinen Deut weniger männlich war als heute.

Dieter Lintz
30.06.2011  14:32

Ganz genau, was dieses Land unbedingt braucht, ist einen Platz, wo man laut “Wichser” schreien darf!
Wo kämen wir denn hin, ohne all die Ultras, Hooligans und entsprechende Polizeigewalt?!

Antifußball
30.06.2011  14:45

Meines Erachtens werden in dem Artikel Phänomene AUF und NEBEN dem Platz vermischt.

Dass Frauenfußball weniger leidenschaftlich ist, kann ich nicht entdecken. Er ist vielleicht nur noch nicht so durchprofessionalisiert und -millionarisiert, dass die Mädels bereit wären, auch auf Kosten der eigenen Würde via gelber Karten, Schwalben und Tätlichkeiten zum Ziel zu gelangen.

Richtig ist aber, dass der Fußball zum sterilen Unterhaltungsprodukt für die ganze Familie verkommt. Natürlich sollen Frauen und Kinder auch ins Stadion gehen! Dass das mit einem Verbot aller vielleicht nicht ganz so appetitlichen und korrekten Emotionen und Verhaltensweisen einhergehen soll, darf aber nicht sein.

Also, lasst uns alle gemeinsam ins Stadion gehen und bitte darüber hinwegsehen, dass manche Leute dort schimpfen, fluchen, rotzen, rauchen, besoffen sind, sich gehen lassen, nicht gut gekleidet sind, total verblödet sind, andere belehren oder erziehen wollen.

Niccolo
30.06.2011  14:49

Nur wer den Fußball in seiner ursprünglichen Form liebt, kann diesen Text verstehen. Machen Sie sich also keine Sorgen um die negativen Kommentare von Personen, die nicht verstehen können, was Sätze wie dieser bedeuten:

“Der „familienfreundliche Fußball“, dessen Reinform offensichtlich der Frauenfußball darstellen soll, läutet nicht nur den Rückzug des kämpferischen Fußballsports zugunsten eines sauberen, aber auch emotionslosen Abziehbildes ein. Er bereitet gleichzeitig den Niedergang des kulturellen Phänomens Fußball als einem der letzten Refugien von Freiheit und emotionaler Ausgelassenheit in einer ansonsten immer stärker geregelten und kontrollierten Gesellschaft vor. “

Ich finde Ihren Kommentar treffend analysiert und bin dankbar, dass jemand die Gefühle ,die ich seit den ersten medialen Vorboten der Frauen WM hegte, jedoch bisher nicht richtig einordnen und formulieren konnte, in Worte verpackt hat, die das ganze auf den Punkt bringen.

Fan
30.06.2011  15:07

Der Schreiber hat völlig recht, wobei seine Ansicht über den Frauenfußball als solches noch etwas zu gut zu sein schein.(Habe das Champions League Finale gesehen. Mit Fußball hatte das enig Ähnlichkeit)
Es geht nicht um den Verlust der Männlichkeit. Wen interessiert so was? Es geht um das Schaffen einer sicherheitsfixierten, risikoaversen Gesellschaft. Die meisten Leute merken das nicht einmal, wie man an einigen Kommentaren schön erkennen kann. Der Deutsche ist und bleibt halt Untertan.

Es gibt noch etwas, dass mir die Frauen WM etwas verleidet: Ich habe permanent das Gefühl, dass ich erzogen werden soll. Es kann niemals einfach über den Sport geredet werden, es wird immer prinzipiell (Gehaltsunterschiede etc.) Es kann auch kaum ein Artikel geschrieben, ohne dass darauf hingewiesen wird, dass die Frauen erfolgreicher sind, als die Männer. Was etwas Deutschland fixiert ist. Ich bin Argentinier und kann keineswegs behaupten, dass die Frauen irgendwie erfolgreich wären. Die Männer WM wird auch immer von Männern gewonnen, nur nicht unbedingt von Deutschen.

Das Wesen des Fußballs ist auch nicht die Rudelbildung oder das Spucken oder die Hooligans(Allein schon, dass das dauernd erwähnt werden muß, zeigt das mentale Fahradhelmtragen einiger Zeitgenossen). Schau dir ein Spiel von z. B. Borussia Dortmund(um nicht Barca zu erwähnen) an und du wirst auch nur bei kleinstem Verständnis eine Ahnung davon bekommen, was Fußball tatsächlich ist.

Wenn ihr hier Luschen werden wollte, werden eben Andere euren Platz einnehmen und das werden keine Frauen sein.

Nichts für das ganze Elend können übrigens die Spielerinnen und andere Akteurinnen selber. Alles, was ich bisher von z. B. Steffi Jones gehört habe, scheint mir symphatisch und vernünftig zu sein.

Salvatore
30.06.2011  15:10

Der Artikel spricht mir aus der Seele. Nach 35 Jahren und über 1.000 Stadionbesuchen kann ich den Trend eindeutig bestätigen. Natürlich hat das auch positive Seiten (wer will schon bloß wegen Fußball verprügelt werden?), aber vor allem regieren immer mehr Anpassung, Kommerz und übertriebene “Sicherheit”.

Und damit verliert das Stadion eine seiner wichtigsten Eigenschaften: Es war immer ein Fluchtpunkt vom Alltag. Bei vielen vor dem Elend und der Monotonie des eigenen Daseins, bei anderen emotionaler Urlaub.

Als voll berufstätiger Familienvater muß ich immer konstruktiv, beherrscht und vorbildlich sein, muß mich mit komplexen Vorgängen auseinandersetzen und Entscheidungen treffen.

Im Stadion muß ich das alles nicht. Ich beschäftige mich mit etwas, was eigentlich eine völlig irrelevante Nebenveranstaltung ist, kann schreien, schimpfen, rumhüpfen, singen, jubeln, weinen oder mir die Haare raufen. Jedenfalls kann man das in den zunehmend kleiner werdenenden Reservaten, die den Fans noch gelassen werden.

Aber jetzt schon sind 80% der Stadien mit Konsum-Zombies gefüllt, die ein “Event” besuchen und einfach nur unterhalten werden wollen. Weitgehend unbeleckt von Fachkenntnis und emotionslos werden die Spiele verfolgt, aber bei jeder noch so blöder Musikeinlage über Lautsprecher stumpfsinnig mitgeklatscht.

Bei der Frauenfußball WM beträgt die Zombie-Quote 100% und deshalb gehe ich da nicht hin. Und erst recht nicht zum Public viewing.

Grüße
dG

PS: Geprügelt habe ich mich in 35 Jahren nicht ein einziges Mal

der_Grillfreund
30.06.2011  15:22

Im Endeffekt ist es doch womöglich nur Geschmackssache ob man den Fußball als harmlose familienunterhaltung oder emotionsgeladenes, befreiendes Event betrachtet. Ich bin es gewohnt sich z.B. über (gefühlt oder real) ungerechtfertigte gelbe Karten und die unfairness des Gegnerischen Teams aufzuregen während ich Fußball schaue, genauso wie ich das kämpferische akzeptiere und über die fouls “meines” Teams hinwegsehe. Aber ob das die bessere herangehensweise ist als die beschriebene “zivilere” bleibt dabei offen. Ist das kämpferische, das angeblich gezähmt werden soll, grundlegend in der Natur des Mannes oder durch Erziehung und Kultur bestimmt? Und viel wichtiger, macht es wirklich Sinn, sich an solchen doch heutzutage eher romantischen Werten festzuhalten, oder wäre es nicht besser zu akzeptieren, dass sich Zeiten und Werte ändern? Es würde mir nicht gefallen, wenn Fußball gezähmt und normalisiert wäre - aber vielleicht muss man akzeptieren, dass einem der Sport emotional nicht mehr zusagt um eine Entwicklung in Richtung eines friedlicheren Wettbewerbs zu begünstigen - denn eines ist so gut wie sicher: Wer mit der dargestellten, “entmannten” version des Fußballs aufwächst wird daran nichts mehr als störend empfinden.

Hans Maulwurf
30.06.2011  15:55

Eine urwüchsige und proletarische Kultur wie des Fußball(schauen)s ruft heutzutage eben leider die LoHaS und Nannies auf den Plan, die dem ganzen einen sanitaristischen und “familienfreundlichen” (im amerikanisch-puritanischen Sinne) Maulkorb verpassen wollen. Alkohol- und Rauchverbote in Stadien und dorthin führenden Verkehrsmitteln gehören dazu, polizeistaatliche Exzesse und wohl auch das Propagieren bestimmter, angeblich ‘weiblicher’ Werte. Vermutlich gehört das Nachwachsen aufgestylter Barbies bei den jüngeren Fußballspielerinnen ebenfalls dazu.

Christoph Lövenich
30.06.2011  16:24

Dieser Artikel ist viel zu argumentativ und sachlich.

Das macht es schwerer, den Autor als Frauenfeind darzustellen. Ein Fall für die Gender-Kommission. Kritiker des Feminismus dürfen nicht intelligenter als dessen Repräsentanten sein.


Aber mal nebenbei. Ich find Frauenfußball toll. Es ist einfach eine tolle Abwechslung und bietet eine gewisse Komik. Sowohl Virilität von Frauen als auch verweiblichten Fußball. Das ist lustig, wenn man ausschließlich die Ästhetik und Dynamik vom Männerfußball gewöhnt ist.

Das eigentliche Problem ist diese lächerliche Beweihräucherung, die Qualitäten des Männerfußballs und Schwächen des Frauenfußballs in ihr Gegenteil verkehrt. Oder besser gesagt: Die meint, beide “Fußbälle” miteinander vergleichen zu können. Beides ist so in Ordnung, wie es ist, und auch nicht anders denkbar. Ein wertender Vergleich (in dem die Frauen natürlich besser abschneiden müssen) ist völlig sinnlos.

Kritikpunkt: Die im Text gefeierte Maskulinität und Aggressivität ist zum Teil ein Trugbild.

Auch der Männerfußball wird sich tatsächlich langfristig zivilisieren und fairer werden.

Allerdings natürlich auf männliche Weise. Es wird immer ein deutlicher Unterschied zu spüren sein. Insofern hat der Autor recht.

Man sollte aber nicht tatsächliche Destruktivität (auch im Publikum) undifferenziert feiern und mit Maskulinität verbrämen.
Die Destruktivität wird abnehmen, Die Maskulinität wird bleiben.

Das einseitige Lob der Frauen ist einfach nur lächerlich. Je nach Maßstab kann ich die Männer für ihre Größe oder Frauen für ihre Kleinheit loben. Die Maßstäbe sind allerdings heutzutage von Gender-Polizisten vorgegeben.

James T. Kirk
30.06.2011  16:35

Herzlichen Dank für die vielen unterschiedlichen Kommentare zu meinem Artikel!

Sachma hat sicherlich Recht, dass Frauenfußball körperbetonter geworden ist. Mir ging es ja gerade darum aufzuzeigen, dass dem Frauenfußball Werte aufgedrückt werden, die evtl. nicht zu ihm passen bzw. von Fußballspielerinnen überhaupt geteilt werden. Ich persönlich finde das Drumherum der Frauen-WM jedenfalls sehr interessant, was niemanden daran hindern soll, sie selbst wahrzunehmen. Die lebendige Diskussion hier zeigt, dass die Wertediskussion am Thema Frauen-WM offensichtlich viele Memnschen interessiert.

Max hat Recht, ich halte “Verweichlichung” tatsächlich nicht für ein erstrebenswertes Ziel. An Softness, Zauderei und Unentschlossenheit fehlt es der Gesellschaft nun wahrlich nicht. Ich wünsche mir tatsächlich ein wenig mehr Robustheit, sowohl in Debatten, als auch im realen Leben. Das sollte im Übrigen auch für Kinder gelten @Alb.

@Marcus: Ich denke schon, dass sich die Regelauslegung in den letzten Jahren spürbar verändert hat, und zwar genau in die Richtung, dass der Sport in eine richtung getrimmt wird, auf dass er sich besser zum Transport von Werbebotschaften eignet. Dass gerade auch die Politik sich zunehmend vom Flutlicht Bescheinen lässt, passt dazu. (siehe hierzu meinen Artikel zur WM 2006 unter http://www.novo-magazin.de/82/novo8224.htm)

@ Dieter Lintz: Sicherlich haben Sie Recht, dass im Fußball Risikovermeidung eine große Rolle spielt. Es wäre interessant, die Parallelen zu gesellschaftlichen Entwicklungen genauer zu untersuchen. Dass eine Gesellschaft aber solche Rückzugsräume braucht, in denen man sich auch mal - in Grenzen - gehen lassen kann, ist für mich aber unbestreitbar. Es geht ja auch nicht nur um negative Gefühlsausbrüche, denn diejenigen, die zuweilen “Bimbo” schreien, sind, das wissen wir spätestens seit Badesalz, die größten Jubeler, wenn “Anthony Sabini”, der “wie eine Gazelle” läuft, plötzlich für den eigenen Club spielt. Es geht beim Fußball vor allen Dingen um Gemeinsamkeitserlebnisse - eine Erfahrung, die man außerhalb des Fußballs kaum noch machen kann. auch deswegen ist die Anziehungskraft des Fußbnalls so gestiegen und lockt auch die Politik.

Matthias Heitmann
30.06.2011  20:52

Genau, was wir brauchen ist echter Männerfußball! Wo den anderen kein Respekt entgegen gebracht wird. Wo schon im Kindesalter über leichte Bauchansätze, verstolperte Bälle und längere Haare gelästert wird. Wo Betrüger als Vorbilder dienen. Wo keine Rücksicht auf andere genommen wird, die Zigarettenrauch und Bierduschen am Spielfeldrand als verzichtbar empfinden. Wo Mann um so toller ist, je prolliger der rausgehauene Spruch war. Wo nach kleinsten Berührungen rumgeschrien wird, als würden die Spieler abgestochen. Ich wusste doch, das war noch was, das die Welt (nicht) braucht.

Thomas M
30.06.2011  21:33

Interessanter Artikel und viel interessantere Kommentare. Scheinbare sind hier viele Frauenversteher unterwegs, die die weibliche Postmoderne als “Zivilisation” bezeichnen. Muhahahaha…

Wer beim Frauenfußball lediglich an Sport denkt, müsste eine Ausnahme sein, denn Frauenfußball hat längst eine dominierende sozialideologische Note entwickelt. Die Ankündigung der Frauenfußballmeisterschaft in der lokalen Zeitung begann mit folgenden Wörtern „es sollten noch Männer geben, die ihre Nase über Frauenfußbal rümpfen …“ um dann fortzuführen „… nur Machos glauben nicht an ein Frauenfußballsommermärchen“. Dieser formulierte erhobene Zeigerfinger verdeutlicht, dass beim Frauenfußball längst nicht um Sport geht sondern um ein Messinstrument für den neuen modernen Frauenversteher. Die Haltung zum Frauenfußball sagt aus, ob ein Mann sich zum guten sensiblen gleichgestellten modernen Mann entwickelt hat oder ob er immer noch ein hinterwäldlerischer, chauvinistischer, böser Macho geblieben ist. Es wundert mich deshalb nicht, dass viele mediale Größen und Altfußballer, die einst als Machos verschrien waren, heutzutage Frauenfußball und Fußballerinnen über den Klee loben und ja unsere Frauen sind sogar um Welten besser als die Jungs. Wer würde da widersprechen wollen? Keiner will medial als Bösewicht, als Chauvinist und schlimmstenfalls als Macho gelten. Auch Frauen interessiert es den Sport herzlich weniger, als viel mehr die Haltung des eigenen Partners zu dieser existentiellen Frage: lebe ich mit einem guten dressierten Mann oder mit einem unverbesserlichen Rüpel? Und die Männer übertreffen sich mit Begeisterung für den Frauenfußball und ich wette, unterbewusst aus dem Grund, als braves Männchen das letzte Dressurstück vorführen zu wollen: „seht her, Mädels, ich bin ein guter Bub und stehe auf Frauenfußball“, natürlich aus sportlichen Gründen. Wer daran glaubt, er wird selig, denn ein Fußballbegeisterter, der internationale Wettkämpfe und Champions-leage verfolgt, kann unmöglich allein aus sportlichen Gründen sich für das langsame Rumgekicke einer Sportart bei dem die Weltmeisterinnen (deutsche Auswahl) gegen die B-Jugend vom Vfb-Stuttgart mit 3:0 vom Platz gefegt worden sind? Nein, nein um Sport geht es hier nicht. Frauenfußball scheint primär dazu da, um der Kompensation der weiblichen Minderwertigkeitskomplexe „wie werden es den Jungs zeigen“ zu dienen. Die Vollendung dieser therapeutischen Maßnahme besteht darin, wenn die Jungs dabei auch Männchen machen und es bestätigen. Die Frauen fühlen sich besser und die braven Männer können dann ihr Zuckerlis holen.

Ich persönlich, mag Fußball, echtes schnelles Fußball. Ich schaue mir viel lieber meine Großmutter beim Gebissreinigen zu, als mir das zeitlupen Gekicke der Frauen anzuschauen. Frauenfußball??? nein Danke. Lasst mal Stecken, Mädels. Ich kann schlecht gegen meine Natur ankämpfen und bleibe leider Chauvinist, Macho und hinterwäldlerisch und daher für Männchen machen vollkommen ungeeignet.

Emmanuel Declerq
30.06.2011  23:04

MANN will nicht so gerne vom Baum herunterkommen und wenn er das tut, so zieht er ein Weibchen am Haarschopf hinter sich her mit geschulterter Keule.
Ich bin mir nicht so sicher, wer da die lächerlichere Figur abgibt.
Das Fussballspiel wurde erst vor etwas mehr als 100 Jahren eingeführt und muss wie eine Befreiung gewesen sein für die damaligen Männer, denn erst durch den Fußball wurden sie scheinbar zu richtigen Männern. Was mögen die wohl vorher gewesen sein?
Sie zogen damals in den Krieg wie auch heute noch und haben seit Bestehen des Fußballspieles 2 mal ganz besonders kräftig “zulangen” dürfen.
Festgefangen in alten Mustern tun mir die Männer leid, welche sich nur in solchen Mustern als Mann wiedererkennen und am alten Rollenverhalten verbissen festhalten.

e.moser
01.07.2011  00:54

Heitmann hat Recht mit der These, dass Frauenfußball sich eine Ideologie anzueignen scheint, die auf Risikolosigkeit, Innovationsfeindlichkeit und - letztlich - Schwächlichkeit hinausläuft. Insofern lässt sich am Frauenfußball ablesen, warum die Deutschen willigst aus Atomkraft aussteigen.
Als Fußball-Muffel und Frauen-Versteher möge man mir erlauben, Frauenfußball aus hormonellen Gründen abzulehnen. Für mich ist diese Sport-Neuigkeit ein weiterer Schritt hin zur befruchtungs-unattraktiven Frau. Das Ganze kennt man schon zur Genüge von Veranstaltungen wie Frauen-Body-Building. Hätte sich die Evolution diesen Unsinn ausgedacht, die Menschheit wäre sicher an Begattungs-Unlust versandet.

Josef Hueber
01.07.2011  01:01

Fußball ist es nur, wenn Schalke spielt. Alles andere ist ödes Gekicke. Das schaue ich mir nicht an.

Peter Heller
01.07.2011  01:28

Sehr geehrter Herr Declerq,

es mag schon schlimm sein, sich in der “weiblichen” (?) Postmoderne verstrickt zu sehen. Plötzlich verschwimmen die Identitäten, die eingeölten Rollenmuster laufen unrund. Ist zum Heulen, wa? Ich kann mir schon vorstellen, aus welchem tradierten respektive überkommenen Setzbaukasten Sie Ihre Dichotomie Macho/Frauenversteher hervorzaubern. Plausibel macht es diesen an Manichäismus grenzenden Budenzauber aber nicht.

“Lasst mal Stecken, Mädels. Ich kann schlecht gegen meine Natur ankämpfen und bleibe leider Chauvinist, Macho und hinterwäldlerisch und daher für Männchen machen vollkommen ungeeignet.” - Gerade hierin zeigen Sie wunderbar, wie sehr Sie Männchen gerade der zweiten Natur nach sind. Aber solange Sie in Ihrem Hinterwädlerwald genügend Bäume zum Beinchen heben haben, können Sie in dieser Pose wohl noch bestehen. Immerhin: Männchen, die bellen, beißen nicht.

Spott zum Gruße, Tobias Prüwer

Tobias Prüwer
01.07.2011  02:29

24 kommentare - kein einziger von einer frau…

Ritze
01.07.2011  05:49

@Matthias: Der Name ist “Marco”, mit “o”.
Und wieder rausgewieselt, sag’ ich mal. Ich warte auf ein Beispiel zur Regeländerung (von mir aus nun auch nur noch Regelauslegung, im Gegensatz zum Originalartikel). Ein grobes Bauchgefühl reicht für eine solche Behauptung nicht. Ich frage mich jetzt auch schon die ganze Zeit, wie wohl eine solche Änderung oder Andersauslegung die Eignung für den Transport von Werbebotschaften verbessern soll? Langsam werde ich wirklich neugierig. Der Verweis auf Politik und andere Artikel hilft in dieser Frage jetzt nicht so unbedingt weiter.

Marco
01.07.2011  07:47

@Marco: Der Fußball ist tatsächlich immer stärker “verregelt” worden. Hier können Sie es nachlesen… ein Artikel von mir + ein Interview, das ich diesbzgl. mit einem Fußball-Historiker geführt habe
“Fußballprofis wie Erwachsene behandeln”
http://www.novo-magazin.de/63/novo6348.htm

„Die FIFA sollte die Schiedsrichter anweisen, weniger kleinlich zu pfeifen“
http://www.novo-magazin.de/82/novo8230.htm

Stefan Chatrath
01.07.2011  13:17

Das Spiel DFB vs. NFF gestern abend war jedenfalls kein Beispiel für überkommene Weiblichkeitsstereotype, “familienfreundliche” Harmlosigkeit oder kleinliches Pfeifen.

Christoph Lövenich
01.07.2011  19:48

Hallo!

Stefans Hinweis auf seinen Artikel macht die Sache nur noch schlimmer - Zitat aus dem dortigen Text: “Bei den Spielern noch immer hoch angesehen, sah [dieser Schiedsrichter] in seiner Laufbahn als Unparteiischer das Regelbuch stets nur als Empfehlung und löste heikle Situationen zumeist mit viel Fingerspitzengefühl.”
Ein Schiedsrichter, der das Regelwerk nur als “Empfehlung” ansieht, wird GELOBT - dabei wird geflissentlich übersehen, dass daraus geradezu zwangsläufig große Untreschiede in der Bewertung von Spielsituationen entstehen: Wenn jeder Schiedsrichter nicht nach Regeln, sondern nach eigenem Gusto entscheidet, kann niemand wissen, wie eine konkrete Spielsituation gehandhabt wird. Solche Unsicherheit kann sich auf alles auswirken: auf die geplante Abseitsfalle, auf die Kampfbereitschaft, auf die Taktik ...
Ich finde es wichtig, dass für alle Spieler in allen Situationen die Regelauslegung gleich ist - das gehört zur Fairness im Fußball dazu. Sowas wegzufordern, heißt im Klartext: Ich will keine Fairness im Fußball.

Im übrigen möchte ich mich Abls Kommentar anschließen: “Mit ‘Kampf, Risikobereitschaft, Leidenschaft, Leidensbereitschaft und das Bis-an-die-Grenzen-Gehen’  hat das was man im Maennerfussball geboten bekommt meiner Meinung nach wenig zu tun. Eine treffendere Charakterisierung waere ‘Koeperverletzung, Ignoranz, Respektlosigkeit, Betrug, Unsportlichkeit’.”
Sehr treffend formuliert. Wer Elfmeterschinder, Treter, Meckerfritzen und Großchancenvernichter sehen will, ist in der Bundesliga wharhaft gut aufgehoben. Das Wort “Fußball” möchte ich an dieser Stelle vermeiden.

Diese andere Seite der Medaille hat der Text nicht erwähnt - Setzen, sechs!

Thomas N.
01.07.2011  20:29

Sehr geehrter Herr Prüwer,

vielen Dank für Ihre Reaktion. Scheinbar habe ich einen wunden Punkt bei Ihnen getroffen, so dass Sie nun sehr persönlich reagieren und einem Sammelsurium von verkrusteten Begriffen à la tardierte-Rollenmuster-Heulen-Beinchen-Heben-Spott um sich Schlagen. Das nehme ich sportlich an.

Dennoch sollten Sie sich, mindestens drei Mal am Tag bedanken, dass Machos, wie mich gibt, die Ihnen das Gefühl geben, Sie wären was Besseres. Stellen Sie mal vor, Sie haben kein Feindbild mehr.

Ohne jeglichen Spott zum Gruße, sondern mit tiefsten Mitleid.

Ihr Großmeister Emmanuel Declerq

Emmanuel Declerq
02.07.2011  13:43

“Mit ‘Kampf, Risikobereitschaft, Leidenschaft, Leidensbereitschaft und das Bis-an-die-Grenzen-Gehen’  hat das was man im Maennerfussball geboten bekommt meiner Meinung nach wenig zu tun. Eine treffendere Charakterisierung waere ‘Koeperverletzung, Ignoranz, Respektlosigkeit, Betrug, Unsportlichkeit’.”

Ich weiß ja nicht, die Spiele welches Vereins du dir anschaust. Ich habe alle Spiele der abgelaufenen Saison von Borussia Dortmund gesehen. Von dem, was du da aufzählst, hab ich dabei aber Nichts gesehen. Dafür aber wirklich guten Fußball. Und als ehemaligem Spieler(hauptsächlich 3. Liga) und Trainer ist mir die Materie duchaus vertraut. Ich weiß nicht, was dein Problem ist. Vielleicht siehst du ja nur das, was du sehen möchtest.

Salvatore
02.07.2011  13:55

@Emmanuel Declerq

“Ich persönlich, mag Fußball, echtes schnelles Fußball. Ich schaue mir viel lieber meine Großmutter beim Gebissreinigen zu, als mir das zeitlupen Gekicke der Frauen anzuschauen.”

Vielleicht sollten Sie sich einfach mal überwinden und sich ein Spiel der laufenden WM ansehen - dann würden Sie schnell merken, dass Ihre Vorurteile mit der Realität wenig zu tun haben.

Hasso
05.07.2011  11:39

Mir war der Eckstoß-Kampfruf der Saarbrücker Fans “Ooooh…Arschloch, Wichser, Hurensohn” schon vor 20 Jahren peinlich.
Ich würde dem nicht nachtrauern.
Aber da die Saarbrücker Vereinsführung ihr recht erfolgreiches Frauenteam lieber aufs Widerwärtigste demontiert hat statt zu unterstützten, muss der Saarbrücker Fanblock wohl auch nicht Ihre Sorgen teilen, in Zukunft an Asozialität zu verlieren…

El Weidlerino
06.07.2011  08:39

Liebe Fussball-Vorkammentaroren!
Habe ich etwas verpaßt? Ging es Herrn Heitmann evtl. eher weniger um den Frauenfussball, als mehr um den Zustand einer “verweiblichten” Gesellschaft?

Harry Hain
07.07.2011  11:56

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