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Skeptizismus: Nicht Sünde, sondern Pflicht

Von Brendan O’Neill

Der Skeptizismus ist eine Grundlage des modernen Denkens. Wir sollten ihn als festen Bestandteil des öffentlichen Lebens verteidigen. Aber heute droht das Wort Skeptiker zu einem Schimpfwort zu werden, meint Brendan O’Neill, Chefredakteur des britischen Novo-Partnermagazins Spiked.


Können Sie sich noch an jene Zeiten erinnern, in denen Skeptisch-Sein als gut galt? Als das Aufstechen ideologischer Blasen und das Stellen unangenehmer Fragen zu überlieferten Denkweisen als ehrbarer Zeitvertreib angesehen wurden? Als Zweifeln und gründliches Hinterfragen für ernsthaftes intellektuelles Streben gehalten wurden?

Nostalgie für vergangene Zeiten

So groß war die Liebe zum Skeptizismus in vergangenen Zeiten, dass der im 19. Jahrhundert lebende englische Biologe Thomas Henry Huxley ihn problemlos als „die wichtigste aller Pflichten“ und den blinden Glauben, das Gegenteil des Skeptizismus, als „die unverzeihliche Sünde“ bezeichnen konnte. John Stuart Mill, Huxleys Kollege und ein schmerzender Dorn im Auge von Anti-Liberalen allerorts sagte, dass die Menschheit die Pflicht habe, skeptisch zu sein, weil nur die „vollkommene Freiheit (der allgemein geltenden Meinung) zu widersprechen und (die allgemein geltende Meinung) abzulehnen“ uns näher an die Wahrheit heranführen könne. Diese Tage sind lange vorbei. Jetzt ist Skeptizismus ein Schimpfwort. Jemanden als Skeptiker zu bezeichnen, ist nicht mehr als Auszeichnung, sondern eher als Bezeichnung für diejenigen zu verstehen, die töricht genug sind, Experten, vor allem Klimatologen, in Frage zu stellen. Das S-Wort kommt der heutigen Gesellschaft mit einem süffisanten Lächeln über die Lippen und ist damit weit davon entfernt, als „die höchste aller Pflichten“ zu gelten. Es lässt sich kaum noch von einem anderen, ähnlich klingenden S-Wort unterscheiden, „septisch“: Beide bedeuten krank, infiziert, potenziell gefährlich. Ein Beispiel für die modische Ablehnung des Skeptizismus ist eine von Prinz Charles gegen die Klimaskeptiker gerichtete Bemerkung. Er sagte, das Volk habe mit seinem lästigen Zweifel an der Klimaforschung schamlos dazu beigetragen, den Planeten in einen „sterbenden Patienten“ zu verwandeln. Er fand dabei Zuspruch von Lord Stern, dem Autor eines Berichtes über die Ökonomie des Klimawandels. Er beschrieb Klimaskeptiker als „Mächte der Finsternis“.

„Die Gleichstellung von Skeptizismus mit Teufelswerk nimmt die Bezeichnung der Skeptiker als ‚Mächte der Finsternis‘ vorweg.“

Wahnsinn. Was für eine beeindruckende Kehrtwende weg vom Verständnis des Skeptizismus im 19. Jahrhundert. Damals wurde er noch für ein Mittel gehalten, das die öffentliche Debatte durch Abschütteln der Fäulnis von den Gehirnen der Menschen aufklären und beleben konnte. Die Tatsache, dass eine komplett neue Generation in dem Glauben aufwachsen wird, dass Skeptizismus ein boshaftes, hinterhältiges, dem Planeten schadendes Streben darstellt, ist das Resultat der weiten Verbreitung des Begriffs „Klimaskeptiker“. In den Worten des Ethikexperten der BBC, Justin Rowlatt: „Das Wort Skeptiker läuft Gefahr, zu einer Beleidigung zu werden“ – was unpassend sei, da Skepsis „tatsächlich ein gesunder Instinkt“ wäre. Die Verwandlung des Wortes „Skeptiker“ in ein Schimpfwort, das denjenigen an den Kopf geworfen wird, die gewisse etablierte Weisheiten oder Expertise hinterfragen, geht aus der vormodernen Einstellung gegenüber dem Skeptizismus hervor. „Skeptiker“ ist schon einmal eine Beleidigung gewesen – in den frühen Jahren der Aufklärung, als einige (meist religiöse) öffentliche Persönlichkeiten in Panik gerieten bei der Vorstellung, die Menschen könnten zu kritisch werden und die Autorität in Frage stellen. So wird dem Skeptizismus in Gangreana, einem Werk aus dem 17. Jahrhundert über die vermeintlichen Gefahren der Ketzerei, nachgesagt, zur „Laxheit des Lebens“ zu führen. Ein Pamphlet aus dem Jahre 1707 mit dem Titel Two Treatises on the Christian Priesterhood beschreibt Ketzer als diejenigen, deren „Gedanken von Skepsis und vom Teufel beherrscht“ werden. Diese Gleichstellung von Skeptizismus mit Teufelswerk nimmt die Bezeichnung der Skeptiker als „Mächte der Finsternis“ durch Lord Stern bereits vorweg. Bis in die Moderne hinein setzte sich die Tendenz, den Skeptizismus als gefährlich darzustellen, in den konservativen Schichten der Gesellschaft durch. Ein religiöser Schriftsteller behauptete zum Beispiel im 18. Jahrhundert, dass „man giftige Luft atmet, wenn man den Argumenten eines Skeptikers Gehör schenkt“, als Huxley, Mill und andere den Skeptizismus tapfer als Quelle der Vernunft priesen. Die Verteufelung des Skeptizismus ist im 21. Jahrhundert mit aller Gewalt zurückgekehrt. Allerdings haben heute sogar diejenigen, die sich selbstbewusst als „Skeptiker“ bezeichnen, ein Problem mit Skeptizismus, der zu weit geht. So geben sich die Richard Dawkins liebenden und wissenschaftspreisenden „Neuen Atheisten“ zwar gerne als überaus skeptisch, aber dennoch werden sie alle in der Luft zerreißen, die den Klimawandel oder Expertenwissen im Allgemeinen in Frage stellen. Der ehemalige Fernsehmoderator Johnny Ball wurde bei einem Treffen von „Skeptikern“ ausgebuht, weil er die Klimaforschung verspottete. Außerdem kann jeder, der sich unabhängig vom Thema über die populärsten Vertreter der Trend-Skeptiker – vom Darwinismus bis zur Drogenpolitik lustig macht – davon ausgehen, als begriffsstutzig, kindisch, gar gefährlich bezeichnet zu werden – eben als eine unaufgeklärte „Macht der Finsternis“. Dieser traurige Abklatsch von Skeptikern versteht die wissenschaftliche Autorität genauso wie die früheren Kritiker der Skeptiker die religiöse Autorität verstanden haben – als unantastbar.

Wohin mit dem Skeptizismus in der Zukunft?

Jeder Mensch, der etwas auf seine kritische Gesinnung hält, sollte jedoch über den Scharfsinn des wahren und aufgeschlossenen Skeptizismus verfügen. Und er sollte vor allem gegen die Ideen und Weisheiten eingesetzt werden, die die Autorität stützen und von denen uns gesagt wird, dass wir nicht in ihnen herumstochern oder in sie hineinstechen dürfen. Durch Skeptizismus können wir uns am besten davor schützen, wenn uns einfältige Ideen, fadenscheinige Ideologien und abgeschmackte Gemeinplätze als gesunder Menschenverstand verkauft werden sollen. Er hinterfragt alles – vor allem das, von dem man uns sagt, dass es nicht in Frage gestellt werden darf.

Aus dem Englischen übersetzt von Sabrina Proschmann.

Brendan O’Neill ist Chefredakteur des britischen Novo-Partnermagazins Spiked.

Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift The Big Issue unter dem Titel „Sceptics have courage – it’s your Milian duty“ erschienen.

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17.06.2013 | Permanenter Link |

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Kommentare

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Was kommt als nächstes? Holocaust-Skeptiker sind das Rückgrat der Gesellschaft? Nur durch Gravitations-Skepsis kann die Wissenschaft vorankommen? Gruselig!

Und natürlich hat Prinz Charles recht. Den Klimawandelskeptikern geht es nicht um Skepsis oder Erkenntnisgewinn, sondern um das Bremsen, um Manipulation und um Propaganda.

Es ist übrigens nicht so, dass diese Skeptiker nicht gehört wurden. Im Gegenteil. Viele Klimatologen bemühen sich mit geradezu stoischem Gleichmut, die Einwände der Skeptiker wieder und wieder und wieder zu entkräften. Nur haben die Skeptiker eben gar kein Interesse an Fakten.

Die werden bspw. auch nächstes Jahr noch herumlaufen und behaupten, dass es seit 1998 keine Erwärmung mehr gibt. Dass 1998 besonders heiß war - ein statistischer Ausreißer eben - und dass man davon ausgehend keinen Trend ableiten kann, ficht die Skeptiker nicht. Die _wissen_, dass es Blödsinn ist, und trotzdem bleiben sie bei der Behauptung.

Man kann das in vielen öffentlichen Foren beobachten. Selbst wenn die Skeptikern glasklar erklärt bekommen, warum es sinnlos ist, einen statistischen Ausreißer als Grundlage der Statistik herzunehmen, behaupten sie eine Woche später wieder, dass es seit 1998 keine Erwärmung mehr gibt.

Skepsis ist richtig und wichtig. Vom Dach zu springen, weil man Gravitations-Skeptiker ist, ist hingegen ignorant und dumm. Beim Thema Klimawandel schadet die Ignoranz leider dem gesamten Ökosystem.

W. Zagl
18.06.2013  10:19

Grundsätzlich stimme ich dem Autor zu, dass eine skeptische Grundhaltung enorm wichtig ist. Die Frage ist jedoch: Wichtig wofür? Und die Antwort muss lauten: Zur Wahrheitsfindung! Selbstverständlich darf (und sollte!) man grundsätzlich erst einmal alles bezweifeln, danach wird ein “guter” Skeptiker jedoch den Fakten folgen, um sich eine Meinung zu bilden die möglichst nahe an der Wahrheit liegt und umso überzeugter daran festhalten, je sicherer die Faktenlage sich darstellt. Ziel einer skeptischen Untersuchung kann nicht sein, wie der Autor es darstellt, Authoritäten in Frage zu stellen, sondern sich von falschen Vorstellungen zu befreien. Andernfalls verabschiedet man sich vom gesunden Skeptizismus und betritt das Revier der Agendaskeptiker: Verschwörungstheoretiker, Evolutionsgegner, Esoteriker etc.. Auch die meisten Klima"skeptiker” fallen in diese Kategorie, da kein naturwissenschaftlich einigermaßen gebildeter Mensch heute noch bestreiten kann, dass das Wirken des Menschen einen Einfluss auf das Klima hat. Selbstverständlich sind noch viele Interpretation und vor allem Präskriptionen zur Debatte freigegeben, wer jedoch die Augen vor wissenschaftlichen Fakten verschließt, hat es nicht verdient als Skeptiker bezeichnet zu werden.

K0ilar
18.06.2013  10:40

@W. Zagl
Bitte unterlassen Sie die Arroganz, mir zu unterstellen es ginge mir nicht um Erkenntnissgewinn! Das unverschämt, und wirft ein Licht auf IHRE Denkweise, nicht MEINE!
Machen Sie sich doch bitte einmal die Mühe, und laden Sie sich die Originaldaten der Nasa (http://data.giss.nasa.gov/gistemp/tabledata_v3/GLB.Ts+dSST.txt) herunter und tragen Sie sie in eine Excel- Datei ein. Dann erstellen Sie sich ein Diagramm - sollte jemand mit Normalbildung beherrschen konnen - und schauen sich das Ergebniss an.

“Beim Thema Klimawandel schadet die Ignoranz leider dem gesamten Ökosystem”
Was zu beweisen wäre….
Zumindest den Wärmeliebenden Pflanzen und Tieren würde es nützen. Gehören diese nicht zum Ökosystem?

@K0ilar
Sie schreiben:
“Verschwörungstheoretiker, Evolutionsgegner, Esoteriker etc.. Auch die meisten Klima"skeptiker” fallen in diese Kategorie” - siehe Antwort zu @W. Zagl

“da kein naturwissenschaftlich einigermaßen gebildeter Mensch heute noch bestreiten kann, dass das Wirken des Menschen einen Einfluss auf das Klima hat”
Bitte quantifizieren!
Wenn Sie das können, können Sie mehr als das IPCC, und Sie sind reif für einen Nobell-Preis!
So, wie Sie das schreiben ist das nichts als eine Phrase ohne Aussagewert.

Alles in Allem habe ich das Gefühl, dass Nicht-Skeptiker eher leichtgläubig sind, da sie sich nicht selber informieren sondern einfach nachplappern was sie in irgendwelchen Medien gelesen/gesehen haben. Das ist schade, da auf diese Weise keine Grundlage für Diskussionen existiert.

Ludvik Medved
18.06.2013  13:08

@Ludvik Medved
Haben Sie dieses Textdokument ernsthaft abgetippt? :D

Jeder “mit Normalbildung” schaut sich wohl eher die bereits fertig geplotteten Graphen zu denselben Daten an: http://data.giss.nasa.gov/gistemp/graphs_v3/

Nao
18.06.2013  15:54

@Ludwig Medved

Sie bestätigen genau das, was ich hier zum Thema Skeptiker ausgeführt habe. Ein geradezu borniertes Besserwissertum (Einfach mal ne Excel-Tabelle anlegen und damit tausende Wissenschafler widerlegen!), gepaart mit Manipulation und Propaganda.

Das ist eben das Problem mit Klimawandelskeptikern: Sie behaupten - direkt oder indirekt -, dass tausende Klimatologen nicht nur zu dumm dazu sind, einen Graph zu erstellen, nein, sie sind auch noch zu dumm dazu, ihn zu lesen.

Und dann wundern sich diese Leute darüber, dass sie auf einer Stufe mit Holocaust-Leugnern und Kreationisten stehen.

W. Zagl
18.06.2013  16:48

NEE, das wollte ich eben nicht. Ich wollte die originalen Daten, um mir ein eigenes Bild machen zu können.
Sie sehen z.B. das keine Absolutwerte eingezeichnet sind, sondern nur Abweichungen vom Durchschnittswert. Das ist bei der Nasa angenommene 14,40 grad.
Da ich auch noch andere Zahlenreihen vergleichen möchte, ist das notwendig. Außerdem spiele ich auch mit der Skalierung und stelle fest, dass es darauf sehr ankommt um die Dramatik besser abschätzen zu können
“Jeder “mit Normalbildung” schaut ....”
Genau - deswegen bin ich auch nicht normal, sondern Skeptiker. :-)

Ludvik Medved
18.06.2013  17:12

@W. Zagl
Einfach mal ne Excel-Tabelle anlegen und damit tausende Wissenschafler widerlegen

Jetzt mal im Ernst: Werfen Sie mir tatsächlich vor, dass ich WISSEN will, und nicht alles einfach GLAUBE?????

Sind Sie tatsächlich ohne Informationen in der Lage die Ergebnisse von Tausenden Klimabefürwortern und Tausenden Skeptikern zu bewerten?
Das traue ich mir nicht so einfach zu!
Irgendwo muss man anfangen, und dabei stellt man fest, dass die Temperaurkurve TATSÄCHLICH seit 1998 abflacht. So einfach ist das!
Und ich stelle fest, dass ich KEIN EINZIGES KLIMAMODELL finden konnte, das die Temperauturentwicklung seit 2000 auch nur im entferntesten richtig vorausgesagt hat.
Im NACHHINEIN hat man erklärungen geliefert (z.B. El Ninho + Aerosole).
Dann stellt sich die Frage: gab es das vorher nicht? Sind die erst in den letzten 15 Jahren aufgetaucht, oder haben sich seitdem die Naturgesetze verändert? Warum ist das nicht in den Modellen berücksichtigt?
WIE ZUVERLÄSSIG SIND DIESE MODELLE ÜBERHAUPT?
Sollen wir unser Leben auf Grund unzuverlässiger Aussagen ändern?
Das sind fragen, die sich jeder stellen kann - und muss -  wenn er gewillt ist seinen eigenen Verstand zu gebrauchen!
Darf ich Sie daran erinnern, dass wir schon einige Katastrophen hinter uns haben, die nie stattfanden?
Ist uns nicht vorhergesagt worden unser Wald wäre bis zum Jahr 2000 verschwunden?
Hat der Club of Rome uns nicht in den 70´ern vorausgesagt das uns einige Rohstoffe im letzten Jahrzehnt ausgehen sollten, und Öl sowie Gas in diesem Jahrzehnt?
Übrigens waren das Voraussagen basierend auf - tätätätäääh! - Computermodellen.
Also nicht einfach GLAUBEN sondern WISSEN ist angesagt!

Ludvik Medved
18.06.2013  17:44

Da kann ich mich nur wundern. Es ist in Deutschland immer noch so, dass man alles glaubt, was die Medien und die Politiker verbreiten. Sich selbst zu informieren, ist doch heute so einfach. Wir haben das Internet und können alle Meinungen abfragen. Die Leserkommentare der Kritikergegner sind bezeichnend. Bitte informieren Sie sich doch mal nicht nur bei Rahmstorf, Greenpeace, SZ, Zeit und Genossen. Eine Information, die wirklich über alle Zweifel erhaben ist, bekommen Sie beim IPCC. Dort lesen Sie, dass man dort rätselt, warum die Temperaturen sich in den letzten 14 Jahren nicht mehr erhöht haben. Da können Sie auch deutlich in Graphiken sehen, wie groß die Differenz der gemessenen zu den in Computerspielchen errechneten Temperaturen sind.

Gerhard Bleckmann
18.06.2013  19:11

“Irgendwo muss man anfangen, und dabei stellt man fest, dass die Temperaurkurve TATSÄCHLICH seit 1998 abflacht.”
Um wieviel denn und ist der Trend signifikant(können sie die Berechnungen gleich mitposten)?
Aber nein stimmt ja man muss ja nur die Daten in eine Excel-Tabelle eingeben und dann schätzen ob es vlt. nach unten oder oben geht, wieso verschwenden wir überhaupt noch Zeit mit Berechnungen etc.?
(http://www.aussmc.org/documents/waiting-for-global-cooling.pdf)

ogrim
18.06.2013  19:43

“Sollen wir unser Leben auf Grund unzuverlässiger Aussagen ändern?”

Ja, natürlich? Und sei es, weil selbst der dümmste Halbtroll erkennen müsste, dass der jetzige Weg irgendwo gegen die Wand führen muss, egal, ob es nun der Klimawandel ist oder schlicht und ergreifend das Problem, dass man immer mehr Ressourcen immer schneller verbraucht und das nicht klappen kann?

Christian
18.06.2013  20:19

Die Klimaforscher sind skeptisch und die Klimakatastrophenleugner sind skeptisch und die Medien sind skeptisch und deren Rezipienten sind skeptisch. Die Politiker, ihre Widersache, ihre Wähler - alle haben die Skepsis gepachtet.

Die einfachen Antworten sind meistens falsch. Die Medien haben nicht immer recht, die Wissenschaftler nicht und Oma Gudrun, die das Gewitter einen Tag vorher schon im Bein hat auch nicht.

Wer glaubt dass man sich Skeptizismus wie ein Fairtrade T-Shirt mit Umweltzertifikat überstreifen kann, und dann ist man skeptisch oder fair, der soll ein Kreuz am Kettchen tragen oder einen anderen Erlösungsfetisch.

Die Klimadebatte jetzt in einem Kommentar auf 3-4 griffige Punkte schrumpfen zu lassen - manche scheinen anzunehmen man könne es in einem Satz sagen - an dem Spiel beteilige ich mich jetzt nicht.

Stefan W.
18.06.2013  23:34

Ach, wär das schön, wenn mal jemand einfach lesen würde, was Donna Laframboise über den “Delinquent Teenager ...” zusammengetragen hat. Das soll’s mittlerweile auch auf deutsch geben. Schon Vince Eberts “Denken Sie selbst ...” würde helfen. Beide Titel beschäftigen sich (bei Ebert: auch) mit dem IPCC. Saubere Recherche, klare Aussagen - nur lesen muss man’s halt!

Soll ich mich etwa daran gewöhnen, dass heftiges Meinen (mit - Kunststück! - “Beweiszitaten”) jeden kritischen Diskurs erschlägt?

Wie wäre es denn mit Tatsachen und Argumenten? (Aber vielleicht muss man erst mal nachschlagen - nicht nur googlen! -, was Tatsachen und Argumente sind? Da hilft vielleicht ein Gang ins Kinderzimmer. Bei gutem Religionsunterricht o.ä. steht da viellicht der Schüler-Duden Philosophie ...)

Dieter Sulzbach
19.06.2013  00:30

Wenn ein Arzt einem Patienten sagt, er habe Krebs, und er müsse eine teure und sehr unangenehme Therapie machen, sonst würde er sterben, dann hat der Patient mehrere Möglichkeiten:

- Er kann dem Arzt glauben, und mit der Therapie beginnen.
- Er kann sich noch eine zweite und möglicherweise auch eine dritte Meinung von Krebsspezialisten einholen, und dann auf Basis dieser drei Meinungen entscheiden. Dann ist er ein Skeptiker.
- Er kann auch Medizin studieren, selber Krebsspezialist werden, und dann entsprechend selber entscheiden—wenn er genug Zeit hat.
- Er kann so lange rumfragen, bis irgendwer ihm sagt, dass die Ärzte nur Geld verdienen wollten, und dass er mit einer Vitamintablette schon wieder gesund werden würde. Und dann aussagen, es gäbe keinen Konsenz. Dann ist er aber kein Skeptiker, dann ist er ein Idiot—und vermutlich bald tot.

97% der Forscher, die das Klima intensiv studieren, die wissenschaftliche Artikel darüber verfassen, sind sich sicher, dass der Mensch das Klima in schädlicher Weise beeinflusst. 97% von hunderten, wenn nicht tausenden von Menschen, die sich mit dem Thema wirklich auskennen.

Ich wünsche mir von Herzen, dass diese 97% daneben liegen. Ich wünsche mir, dass sie alle irgend einen Fehler gemacht haben, dass sie irgendeinen Effekt übersehen haben, dass der menschengemachte Klimawandel doch noch ausfällt. Aber ich bin nicht bereit, meinen Kindern dieses Risiko aufzudrücken.

Übrigens: Ludvik Medved, ich habe die Daten runter geladen, und in eine Tabelle eingetragen, und angeschaut. Zu meiner Überraschung (nicht wirklich) sieht der Graph den Bildern auf der Seite die Nao verlinkt hat sehr ähnlich.

TheCarl
19.06.2013  00:44

In der Betrachtung die „Skeptiker als Störenfriede“, als liberale Freigeister zu beschimpfen, weil sie sich dem modischen Glauben des herrschenden Mainstream an eine Theorie, eines vom industriell wirtschaftenden Menschen verursachten Klimawandels nicht bereitwillig unterordnen wollen, zeigt sich doch ein „dogmatischer“ Konflikt.
In dem der allgemein ablaufende Wandel des Klimas in Bezug zur Weltbevölkerung und deren Wirtschaft und Wohlstand gesetzt wird, schlägt die Betrachtung mehrere Wege ein.
Die Beweisführung, nach der die Menschheit am Klimawandel schuld sei gelingt zwar naturwissenschaftlich nicht, aber es lässt sich mit der Schuldhypothese enorm erfolgreich Geld eintreiben, ohne etwas materiell Sinnvolles anzubieten.
In dem eine durch ein Dogma von einem Klimagas, das wohlhabende Menschen schuldhaft verursachen und eine Klimakatastrophe auslösen, die vorgeblich bekämpft und verhindert werden muss, werden zwar nicht z.B. die Kernkraftwerke als gasfreie Stromerzeuger gefördert, stattdessen entstehen riesige Investitionsblasen in Sonnenschein- und Windgeschäfte, die immer Subventions-Mausolen bleiben werden.
Es werden Steuern auf Co2 erhoben, es erfolgt politischer Aktionismus und Lobbyismus mit allen Übertreibungen.
Es entstehen teure Verbraucher feindliche Subventions-Gebirge an Bio-Benzin, Bio-Diesel, Bio-Gas und Bio-Dies und Öko-Das, die sämtlich in einem marktwirtschaftlichen freien Wettbewerb keine Chance haben.
Die Euphorie mit der Konzerne sich auf den Weg machten, an der modischen Theorie vom Klimawandel Renditen zu erzielen ist verflogen, angesichts der riesigen Verluste, die „erwirtschaftet“ wurden.
Die dogmatische Behinderung von kritischer Vernunft verursacht die wirklich vermeidbaren katastrophalen Schäden, darum ist ein kritischer Wettbewerb um bessere Konzepte auf einem freien Markt der konstruktive Weg.

Hans Meier
19.06.2013  10:48

@TheCarl: Dass bei den 97 % auch alle die mitgezählt wurden, die von dem menschlichen Einfluss auf das Klima in Höhe von 5 % ausgehen, stört Sie nicht?

Mich macht soetwas -z.B. - skeptisch.

Und was unsere Kinder bzw. Großkinder angeht: Stellen Sie sich einfach vor, alle die Mühen und Mittel, die da jahrzehntelang verpulvert werden, beruhen auf einem grandiosen politisch und medial befeuerten Irrtum. Wie rechtfertigen Sie dann Ihren Kindern gegenüber diese unglaubliche Verschwendung?

Die Untersuchung von Donna Laframboise zum IPCC, s.o., ist übrigens nicht nur sehr lesenswert, sondern inzwischen tatsächlich auch auf deutsch zu haben.

Dieter Sulzbach
19.06.2013  12:08

Sehr geehrter Herr Stefan W.
Sie haben natürlich recht, jeder glaubt er denke richtig. Das andere Menschen zu anderen folgerungen gelangen als ich, damit kann ich gut leben.
Wenn ich aber als Skeptiker (wir erinnern uns:das ist das Thema dieses Artikels) in eine Verschwörecke gedrängt werde, muss ich mich wehren, indem ich das von mir weise und meinen Standpunkt darlege. Dass es im Rahmen dieses Forums nicht umfassend geschehen kann ist mir natürlich klar.
Das ich mir ein eigenes Bild machen möchte ist meiner Skepsis zu zuschreiben.
Ich könnte es mir leichter machen und einfach Skeptiker-Argumente wiederholen.
Das aber wäre nicht skeptisch sondern gläubig - nur in einer anderen Richtung.
@TheCarl
Bitte studieren Sie die Studie genauer - ich kann Ihnen versichern: Sie werden überrascht sein!
“Aber ich bin nicht bereit, meinen Kindern dieses Risiko aufzudrücken. ” Das ist ehrenhaft und auch verständlich.
Toll finde ich, dass Sie sich die Arbeit mit der Tabelle gemacht haben. Natürlich muss eine Gleichheit vorhanden sein, da die Quelldaten die selben sind. Ich habe darauf hingewiesen, da ein Teilnehmer die Erwärmungspause abgestritten hat, darüber hinaus benötige ich - wie erwähnt - absolute Daten um verschiedenen Quellen miteinander vergleichen zu können.
Ihnen persönlich möchte ich noch ein Kompliment machen, da Sie diskutieren konnen ohne beleidigend zu werden - wenn das doch überall so wäre!

Ludvik Medved
19.06.2013  12:17

@TheCarl
Ihr Beispiel mit dem Krebspatienten ist gar nicht so schlecht!
Es hinkt ein wenig an einigen wenigen Punkten.
1.Der Krebspatient hat keine Zeit
Wenn er nicht schnell handelt, wird er sterben.
Die Folgen der Klimaerwärmung würden aber langsam eintreten, und wir könnten auch andere Massnahmen treffen um die Folgen zu mildern.
Beispielsweise kann man höhere Dämme bauen, was ohnehin irgendwann nötig wird.
Der Meeresspiegel steigt seit der letzten Eiszeit unaufhöhrlich, auch ohne eventuelle Wärmeeffekte. Das nur als Beispiel.
2. Ohne Behandlung steht das Ende fest - mit Behandlung hat er eine gute Chance zum Überleben.
Wissen Sie, weshalb ich zum Skeptiker geworden bin? Bis etwa 2007 habe ich nur von Klimaerwärmung gehört, jetzt spricht man von Klimawandel. Es kann kälter werden oder Wärmer. Nix genaues weiss man nicht. Kein Klimawissenschaftler kann sich da festlegen. Das beweist, dass diese Leute zum grossen Teil seriös sind. Es macht aber nachdenklich, dass exakte Aussagen nicht getroffen werden können - das Ergebniss ist also offen.
3. Es gibt verschiedene Behandlungsmethoden
Das vermisse ich bei der Klimadebatte. Alternativen zum Stop von CO²-Emissionen und Umbau der Weltwirtschaft werden nicht diskutiert. Gäbe es andere Möglichkeiten?
Wie sieht es mit einer Kosten - Nutzen - Analyse aus? Bis auf wilde Spekulationen habe ich noch nichts darüber lesen können - Zeitungsberichte ohne Quellenangaben betrachte ich als Spekulation. Wie sieht es mit den Vorteilen einer CO² - Erhöhung aus, die es ja auch gibt? Sollte man das nicht abwägen?

Jetzt haben Sie eine ziemlich gute Zusammenfassung meiner Ansichten zum Klimawandel. Die Klimaforschung steckt noch in den Kinderschuhen, deshalb sind Fehler verständlich. Da mache ich niemandem einen Vorwurf. Auch die Ungewissheiten bei einem hochkomplexen Forschungsgebiet sind nur natürlich.
Desto wichtiger sind eine gesunde Skepsis und die persönliche Informiertheit, soweit es dem Einzelnen möglich ist. Wir leben in einer Demokratie in der alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht. Vernünftige Wahlentscheidungen sind nur möglich soweit man zumindest einige rudimentäre Informationen besitzt. Leider werden wir durch die Medien dabei nicht unbedingt unterstützt. Der Rest ist einfach, um es mit Kant zu sagen, der Mut den eigenen Verstand zu gebrauchen.
Liebe Grüße aus Essen

Ludvik Medved
19.06.2013  13:10

@Christian
Das mit den Ressourcen ist doch nicht neu, das Problem gibt es solange es Menschen (besser Lebewesen) gibt. Aber immer hat es einen Ausweg gegeben, so haben sich in der Eiszeit Braunbären zu Eisbären entwickelt. Energie haben wir im Überfluss z.B. durch Fracking und die fast unendlich verfügbare Kernkraft. Aber die wird ausgerechnet von den CO2 Alarmisten abgelehnt. Mit den Kastoren, die unsere Politiker vergraben wollen, kann man in den neuen KKWs vom Typ IV, hunderte von Jahren Strom erzeugen. Angst ist ein schlechter Ratgeber (es gab noch keine Opfer durch die Kernkraft in westlichen KKWs, einschließlich Fukushima), vertrauen Sie doch einfach mal auf die Fortschritte, die Wissenschaftler, Ingenieure, Physiker und Chemiker erarbeiten. Es ist kein Krieg, wir brauchen keinen Mangel verwalten.

Gerhard Bleckmann
19.06.2013  16:05

@Ludvik Medved
“Bis etwa 2007 habe ich nur von Klimaerwärmung gehört, jetzt spricht man von Klimawandel. Es kann kälter werden oder Wärmer. Nix genaues weiss man nicht.”
Den Begriff des Klimawandels gab es auch schon vor 2000(Nur ein Beispiel das ich gerade noch offen hatte:onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1029/1998GL900157/full), es scheint auch der in der Fachliteratur häufiger verwendete Begriff zu sein(bei googlescholar ~2,3m Treffer für climate change und nur ~1,1m für global warming). Es ist also nicht so, dass dieser Begriff extra erst geschaffen wurde.
Und man weiß schon etwas nämlich das die globalen Durschnittstemperaturen steigen werden wenn die CO2-Konzentration in der Atmosphäre weiter ansteigt(http://chemport.cas.org/cgi-bin/sdcgi?APP=ftslink&action=reflink&origin=npg&version=1.0&coi=1:CAS:528:DyaL28XpvFWl&pissn=0028-0836&pyear=1985&md5=6d9acb224b7a8ecdc0e64546faea277c), wie sich das nun auf einzelne Bereiche genau auswirken wird wird noch diskutiert.

ogrim
20.06.2013  00:37

Dieter Sulzbach:
“Und was unsere Kinder bzw. Großkinder angeht: Stellen Sie sich einfach vor, alle die Mühen und Mittel, die da jahrzehntelang verpulvert werden, beruhen auf einem grandiosen politisch und medial befeuerten Irrtum. Wie rechtfertigen Sie dann Ihren Kindern gegenüber diese unglaubliche Verschwendung?”

Der Mensch hat prinzipiell wenige Grundbedürftnisse: Essen, Trinken, Schlafen, Atmen, Dach über’n Kopf. Geld kann man nicht essen, man kann nicht darin wohnen, es hält einen nicht warm (außer im Ofen vielleicht). Was künftige Generationen brauchen, ist also gesunder Boden, gute Luft, Raum zum Leben. Selbst wenn sich die Bemühungen darum als “unglaubliche Verschwendung” herausstellen sollten, ist diese Verschwendung immer noch besser als die mögliche Alternative: Hunger, verpestete Luft, Menschen auf engstem Raum, weil sich Meer und Wüsten immer weiter ausbreiten. Meines Erachtens wird da besser dreimal zu viel investiert als auch nur einmal zu wenig. Und glauben Sie mir, dass mir als Kind herzlich egal war, dass das jetzt gerade die billigste Alternative zur Entsorgung von Abwässern war - ich war nur traurig darüber, dass ich in dem Fluss nicht einmal baden durfte, aus dem meine Großeltern angeblich noch direkt getrunken haben.

Ludvik Medved:
“Wie sieht es mit einer Kosten - Nutzen - Analyse aus? Bis auf wilde Spekulationen habe ich noch nichts darüber lesen können - Zeitungsberichte ohne Quellenangaben betrachte ich als Spekulation. Wie sieht es mit den Vorteilen einer CO² - Erhöhung aus, die es ja auch gibt? Sollte man das nicht abwägen?”

Interessant. Bei der Suchanfrage “Vorteile CO2 Erhöhung” erhalte ich den Wikipedia-Artikel zur CO2-Narkose… Sie sprechen vermutlich von den Gewächshaus-Experimenten bzgl. Pflanzenwachstums. Diese wurden allerdings mehrfach durchgeführt und führten regelmäßig zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Kosten-Nutzen siehe oben. Zugegeben, den “Wohlfühlfaktor” des Menschen kann man auf den ersten Blick nicht monetär bewerten - ist er deshalb wertlos? Es gibt aber tatsächlich Methodiken zur monetären Bewertung von Naturgütern - diese kommen interessanter Weise ausgerechnet in Amerika regelmäßig zum Einsatz. Dass Sie dazu nichts gefunden haben, wundert mich ein wenig, es gibt mehr brauchbare Suchergebnisse als zu den Vorteilen der CO2-Erhöhung.

Gerhard Bleckmann:
“Mit den Kastoren, die unsere Politiker vergraben wollen, kann man in den neuen KKWs vom Typ IV, hunderte von Jahren Strom erzeugen.”

Mit diesen Kernkraftwerken ist nicht vor 2030 zu rechnen. Dann müssen diese noch in ausreichender Menge hochgezogen werden - falls sich überhaupt jemand findet, der sofort darin investiert. Die Geschichte zeigt, dass das eher unwahrscheinlich ist. Bis dahin wird man also noch etliche Atomfässer in irgendwelchen Salzstöcken verlieren, die dann künftige Generationen nichtsahnend ausbuddeln oder irgendwann in ihrem Trinkwasser wiederfinden werden.

Gerhard Bleckmann:
“vertrauen Sie doch einfach mal auf die Fortschritte, die Wissenschaftler, Ingenieure, Physiker und Chemiker erarbeiten.”

Ich bin selbst in der Technik tätig und vertraue dem Können der Menschen um mich herum - ich vertraue allerdings nicht den Geldhaien oder Politikern, die das Ganze wohl oder übel finanzieren müssen. Wieso sollten auch ausgerechnet diejenigen, die Umweltschutz für Geldverschwendung halten, von jetzt auf gleich in teure neue umweltschützende Technologie investieren? Das funktioniert doch bereits jetzt schon kaum bis gar nicht, wie gerade einige der hiesigen Klima"skeptiker” auch eindrucksvoll beweisen, deren Blick alleinig auf monetären Aspekten liegt.

Nao
20.06.2013  08:38

Keine Frage, die Alimentierung der Solarindustrie erscheint nicht mittelfristig vernünftig. Allerdings muss man dazusagen, dass die Subventionen für die Atomkraft ebenfalls absurd hoch ist, und zwar einerseits wegen der Endlagerung, die natürlich noch niemand bezahlt hat, und die nicht über den Strompreis bezahlt wird, und zweitens ist die Summe, bis zu der sich die Energiewirtschaft gegen eine Havarie versichern muss, lächerlich. Auch hier zahlt das Risiko der Steuerzahler.

Stefan W.
20.06.2013  22:15

@Nao: Ich bin im Zweiten Weltkrieg geboren und in Norddeutschland aufgewachsen. Zu unseren Gewässern, um einen Ihrer Punkte zu beleuchten, folgendes.

Im Zuge des “Wirtschaftswunders”, also dem wachsenden Wohlstand unserer Gesellschaft, wurde nach und nach auch in ländlichen Regionen eine Kanalisation gebaut, dazu Kläranlagen und auch Filter zur Luftreinhaltung, was ja auch auf die Wasserqualität einwirkt. (Alles lange vor dem Auftreten von “Grünen” o.ä.) Sobald das Geld dazu vorhanden war, in Deutschland weitgehend durch Technik und Industrie erwirtschaftet, wurden sauberes Wasser und der “blaue Himmel über der Ruhr” als vernünftige Ziele angepeilt und weitgehend erreicht. Fragen Sie mich besser nicht, ob ich lieber damals oder heute aus einem Fluss trinken würde. Gewässer werden bei uns gehegt und gepflegt, oft mit erheblicher Privatinitiative. Fischarten in Rhein und Elbe nehmen zu. Dort gibt es wieder Fischfang!

Erhebliche Gewässerverunreinigungen gab es kürzlich, als aus einem Stausee so viel Schlamm in ein Gebirgstal strömte, dass dort kilometerweit ein geschützter und gehegter Biotop abgetötet wurde. Ganze Gewässerabschnitte in Norddeutschland wurden vergiftet, so dass die Fauna dort praktisch verschwand, weil Biogasanlagen Leckagen hatten. Das haben Sie in der Zeitung gar nicht gelesen und in den Nachrichten kam das auch nicht? - Kein Wunder! Die Verursacher waren ja auch Erzeuger bzw. Speicher von “umweltfreundlichen” Energien. Statt über von uns hier und jetzt angerichtete Schäden aufrichtig Rechenschaft zu geben, philosophieren viele deutsche Journalisten lieber über ‘fracking’ - und zwar ohne sorgfältige Prüfungen der Risiken abzuwarten. Nein, das Ergebnis weiß man vorher. Dieser Sachverhalt sollte doch eigentlich skeptisch machen. Oder nicht? Nicht, wenn man sich im Zustand des Glaubens befindet und daher “weiß”, was die Wahrheit ist!

Dies nur als bescheidenes Beispiel zu Ihrer Katastrophenaufzählung, wobei mich schon interessieren würde, was Ihre Informationsquellen sind. Aber das lassen wir in diesem Rahmen wohl besser - obwohl das möglicherweise erklären würde, warum ich skeptisch bin und so viele Informationsquellen nutze. (Auf der Startseite hier finden Sie übrigens eine Reihe hoch interessanter “Dossiers” zu wichtigen Themen!)

Zum Schluss verkneife ich mir mühsam meine Frage, wann und wo wohl Ihre Großeltern aus Flüssen getrunken haben, die Sie nur als Abwasserrinnsale kennengelernt haben. Vermutlich ist das Leben dort sehr “natürlich” und ohne Industrie oder andere leistungsfähige Wirtschaftszweige, die eine Gewässer- und Luftreinigung bezahlbar machen. Man sieht solche Bilder mit Gasmasken tragenden Menschen ja regelmässig in TV-Berichten ...

Dieter Sulzbach
23.06.2013  22:28

Stefan W.
Die Behauptung, die Kernenergie würde subventioniert, stammt von Greenpeace. Glauben Sie wirklich dieser Lobbygruppe? Hier will man nur die durch die “Eneuerbaren” steigenden Energiekosten verschleiern. Lediglich Forschungsprojekte wurden subventioniert und die Entsorgung ist über Rücklagen bezahlt, das kann man nachlesen. Dass es teuerer wird, ist politisch- ideologisch gewollt und durch Aktionen von Umweltaktivisten provoziert. Am Wochenende ist in Ludwigshafen eine 9500 qm große Lagerhalle mit Solardach abgebrannt. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Brand vom Solardach ausgegangen ist. Wo ist das Kadmium geblieben?

Gerhard Bleckmann
25.06.2013  10:25

Greenpeace. Glauben Sie wirklich dieser Lobbygruppe?

In diesem Punkt, ja.

Wieso setzen Sie “Eneuerbaren” in Anführungsstriche? Halten sie die für nicht so erneuerbar wie behauptet?

Rücklagen für 100 000 Jahre - das glaube ich sofort.

und durch Aktionen von Umweltaktivisten provoziert.

Die auf geheime Weise Wasser in die Asse einleiten - sonst glauben Sie aber nicht an Verschwörungstheorien? Zumindest nicht an alle?

Haben Sie auch einen Aluhut auf?

Stefan W.
25.06.2013  23:27

Stefan W.
Die “Erneuerbaren” setze ich in Anführungszeichen, weil man Energie nicht erneuern kann. Haben Sie den Physikunterricht geschwänzt? Und die Kastoren wird man in 20 bis 30 Jahren für viel Geld an Schwellenländer verkaufen, die ihre Kernkraftwerke vom Typ IV damit betreiben.
Das mit dem Aluhut müssen Sie mir erklären.

Gerhard Bleckmann
27.06.2013  10:16

-  zuVergleich Subventionen erneuerbare Energien und Atomstrom:
Zahlen würde mich auch interessieren, um beim Argumentieren nicht im Nebel zu stochern. beim Schnellgoogeln findet man aber fast nur die Greenpeacezahlen, deren Aussagekraft mir ncht so klar ist.
Wichtig wäre ja außer den nackten Zahlen, auf welche Zeiträume sich die beziehen und was da alles reingerechnet wird.
Würde man beispielsweise die Förderung der Erneuerbaren auf einen längeren (zukünftigen)  Zeitraum beziehen, lägen die Subsventionen deutlich höher, da sie ja erst seit Kurzem subventioniert werden. Für Prognosen würde es dann wohl zu kurz greifen.

Kathrin Siebert
27.06.2013  17:03

@Gerhard Bleckmann:

Die “Erneuerbaren” setze ich in Anführungszeichen, weil man Energie nicht erneuern kann. Haben Sie den Physikunterricht geschwänzt?

Nein, und auch den Deutschunterricht nicht, wo man lernt, dass Worte ihre Bedeutung im Kontext erlangen, und Physikunterricht war nicht unser Kontext.

Der Aluhut ist ein modisches Accessoire unkritischer VT-Gläubiger. Sie scheinen zu glauben, dass unsere Republik von Körnerfressern gesteuert wird, die heimlich für Wassereinbruch in der Asse gesorgt haben, um die Atomkraft schlecht zu machen.

Sie schrieben doch “von Umweltaktivisten provoziert”? Jetzt zeigt sich, dass die Gutachten gekauft worden sind, und man sucht erneut nach einem geeigneten Endlager. 2030 will man die Erkundung abschließen - solange steht das Zeug herum, wa?

@Kathrin Siebert:
Das ist doch eigentlich ganz leicht: Wenn die konventionellen, fossilen Energieträger Öl, Kohle und Gas zur Neige gehen, dann stürzen sich all die Nationen auf das Uran - was machen dann die Uranpreise?

Oder bleiben die unten, gibt es da so viel? Wenn ja, dann können wir ja billig Atomstrom in Russland oder Spanien kaufen und müssen den Dreck nicht selbst entsorgen. Das Risiko den anderen zu überlassen ist moralisch nicht problematisch - sie können ja auch auf Wind und Sonne spekulieren wenn sie wollen. Wenn sie uns den Strom nicht verkaufen wollen, dann ist die Produktion nicht so billig oder die Entsorgung ein größeres Problem - was dann auch auf den Preis durchschlagen soltle.

Allerdings gibt es eine Lobby die die Kosten auf die Allgemeinheit abwälzen will, und die Risiken einer Havarie, aber die Gewinne in die eigene Taschen stecken.

Stefan W.
28.06.2013  00:39

@ Stefan W. Vorweg: Ich gehöre zu denen, die gegen Atomkraft in den 70er demonstriert haben, damals habe ich noch naiverweise gedacht, dass es doch viel besser sei, mehr in die Forschung von Solarenergie zustecken.
Als Nichtnaturwissenschaftlerin - und eben auch einseitig denkend (gegen Atomlobby) aber eben ohne Kenntnisse - behagte es mir nicht so besonders, mich dem Gedanken zu öffnen, dass Atomenergie doch nicht so einfach unter den Tisch zu kehren ist.
Allein schon, weil die Ausbeute bei Wind und Sonne eben nicht stabil ist, weil andere nicht von Atomkraft Abstand nehmen werden, die deutschen (und letztlich auch die japanische) Atomkraftwerke sicherer sind als russische - wie man ja in der Vergangenheit gesehen hat. Auch wenn man die Risiken nicht schmälern will, kann man sie nicht einseitig darstellenn. Die Toten und Umweltschäden, die mit den als umweltfreundlich gepriesen Technologien verbunden sind, ebenso nicht unerheblich sind (Habe aber leider keine Vergleichszahlen), die Kosten ebenso.
Die Frage der Endlichkeit stellt sich bei Bioenergie sehr stark, weil die Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion besteht und die Flächen begrenzt sind (gleichzeitig wird ja auch noch Bioanbau bevorzugt, der auch noch geringere Erträge bringt). Die Produktion von Solarzellen ist nicht unproblematisch, Windernernergeigewinnung verschandelt die Landschaft, ganz abgesehen von wirtschaftlichen Aspekten.
Was spräche gegen zentrale Versorgung auch durch Atomkraft, da wo es sinnvoll und möglich ist kombiniert mit anderen Energieformen? Norwegen scheint ja z.B. mit Wasserkraft gut zu recht zu kommen, in China ist das wohl problematischer wegen Staudammbrüchen und Erdbeben - und regional ergänzende Kleinlösungen.
Was neue Technologien hinsichtlich Atomenergie (und auch mehr Sicherheit) betrifft, bin ich ja noch blutigere Laiin, aber habe mitbekommen, dass bei der Nominierung des Biotec Awards eine Technik (unlauter) wieder rausgekickt wurde, die des Dual Fluid Reaktor.
Das bedeutet, solche Optionen werden erst gar nicht ernsthaft geprüft, weil sie politisch/ideologisch nicht gewünscht sind. Gerade wenn man von der Begrenztheit der Ressourcen ausgeht, ist eine nüchterne Betrachtungsweise geboten.

Kathrin Siebert
28.06.2013  14:12

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