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Für eine Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke
Von Ludwig Lindner
Die Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke ist aus folgenden Gründen notwendig und verantwortbar:
1. Die Laufzeitverlängerung ist notwendig, weil es bis heute kein Konzept für bezahlbaren Ersatzstrom für die Grundlast gibt, der Strom also teuer im Ausland gekauft und teuer hertransportiert werden müsste.
2. Die deutschen Kernkraftwerke vermeiden 150 Mio. t CO2/Jahr, so viel wie der gesamte Straßenverkehr abgibt. Das kommt der Umwelt zugute. Man braucht keine CO2-Zertifikate.
3. Deutsche Kernkraftwerke haben weltweit den höchsten Sicherheitsstandard.
Jedes Jahr sind mindestens 5 deutsche Kernkraftwerke unter den „Top Ten“ der Welt. Jährlich wird jedes deutsche KKW über mehrere Wochen mit einem Aufwand von über 25 Mio. EUR von über 1000 Fachkräften inspiziert, wobei sehr viele Teile ausgetauscht werden. Jährlich so „runderneuerte“ Kernkraftwerke sind daher sicherer als zu Betriebsbeginn. Deshalb sind Bezeichnungen wie „Schrottreaktor“ unseriös und falsch.
4. Auch das Kernkraftwerk Krümmel erfüllt die hohen internationalen Sicherheitsstandards. Die Trafoschäden haben überhaupt nichts mit der nuklearen Sicherheit zu tun. Trafoschäden gibt es auch bei der Deutschen Bahn und in anderen Industrien.
5. Die angebliche Anhäufung von Störfällen in deutschen Kernkraftwerken ist eine Legende, die von den Kernkraftgegnern, z.B. Sigmar Gabriel verbreitet wird.
Tatsache ist: In der Statistik der deutschen Kernkraftwerke für die letzten 15 Jahre gab es 2158 gemeldete Ereignisse. Davon gehörten 96,6 Prozent zu INES 0, des Weiteren 3,3 Prozent zu INES 1, und nur 3 Ereignisse waren Störfälle nach INES 2.
Nach der sogenannten INES-Skala (International Nuclear Event Scale): INES 0: keine oder nur geringe sicherheitstechnische Bedeutung, INES 1 ist eine Störung: Abweichung vom Normalbetrieb der Anlage, INES 2 ist ein Störfall: Auswirkungen innerhalb der Anlage, z.B. Kontamination, begrenzter Ausfall von Sicherheitseinrichtungen. (Unterweser 1998, Philippsburg 2x 2001) http://www.buerger-fuer-technik.de/body_ines_-skala_zur_bewertung____.html
6. Absicherung gegen Flugzeugabstürze: Gegen den Aufprall von militärischen Düsenjets sind die deutschen Kernkraftwerke ausgelegt. Gegen voll beladene Passagierflugzeuge sind die deutschen Kernkraftwerke unterschiedlich gut abgesichert, bieten aber durchweg einen gewissen Grundschutz. Viele der Kernkraftwerke um Deutschland herum sind gar nicht gegen Flugzeugabstürze ausgelegt. Gegen Terroristen sind auch große Fußballstadien, das Oktoberfest in München, Chemieanlagen und Raffinerien nicht abgesichert. Hier helfen nur Sicherheitspersonal in den Flugzeugen und geschlossene Cockpits, wie es die Israelis erfolgreich praktizieren.
html http://www.buerger-fuer-technik.de/body_schutz_von_terroristischen_ang
7. Andere Länder sind von ihrer Ausstiegspolitik abgerückt: Italien hat seinen Kernenergieausstieg rückgängig gemacht und plant den Bau neuer Kernkraftwerke. Schweden, das 1980 beschlossen hatte, bis 2010 vollständig auszusteigen, ist dabei, die Leistung aller zehn Kernkraftwerke zu erhöhen. Alle Anlagen haben unbefristete Betriebsgenehmigungen. Die Regierung beabsichtigt, den Ersatz von Altanlagen durch Neubauten zuzulassen. Die Niederlande hatten ihr einziges Kernkraftwerk 2003 (nach 30 Betriebsjahren) abschalten wollen. Stattdessen verlängerten sie die Laufzeit auf 60 Jahre und diskutieren den Bau neuer Anlagen. Belgien, das vor wenigen Jahren die Laufzeit seiner Kernkraftwerke auf 40 Jahre begrenzt hatte, hat die Laufzeit seiner Kernkraftwerke um 10 Jahre verlängert.
8. Laufzeiten der sonstigen Kernkraftwerke im Ausland: in den USA haben bereits 54 der 104 Kernkraftwerke eine Laufzeitverlängerung auf 60 Jahre erhalten. Die Schweizer Kernkraftwerke haben eine unbefristete Betriebsgenehmigung. Desgleichen die 59 Kernkraftwerke in Frankreich; sie müssen sich aber alle zehn Jahre einer Sicherheitsüberprüfung unterziehe. Die Kernkraftwerke in Finnland haben Betriebsgenehmigungen für 50 Jahre bzw. 60 Jahre. Auch in Ungarn und Russland wurden die Laufzeiten von Reaktoren verlängert.
9. Zur Endlagerung: Rund 95 Prozent der nuklearen Abfälle sind schwach- oder mittelradioaktiv. Für sie ist die 2014 als Endlager in Betrieb gehende Ex-Erz-Grube Konrad im Bau. Die Technik der Endlagerung der übrigen, hochradioaktiven und damit Wärme abgebenden 5 Prozent ist seit langer Zeit durchgerechnet und bezahlbar (weit unter 1 ct pro kWh,) das zugehörige Endlager „Salzstock Gorleben“ ist nach den bisherigen Untersuchungen geeignet und auch durch Vereinbarung zwischen der Rot-Grünen Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen vom 14.6.2000 so bestätigt. Die weitere Erkundung von Gorleben ist seit 1998 politisch gestoppt.
Die Finanzierung der gesamten nuklearen Entsorgung ist seit 1979 gesichert.
10. Kostenvorteile durch längere Laufzeiten der Kernkraftwerke in Deutschland nach verschiedenen Berechnungen:
1. Vorteile bei einer Laufzeitverlängerung um 10 Jahre bei einem Strompreis von 51 EUR/MW E.ON 8,3 Mrd. , RWE 6,3 Mrd. EUR, EnBW 3,8 Mrd. EUR (Landesbank Baden-Württemberg LBBW. Handelsblatt 29.09.09, Kurzinfos aus Energie, Wissenschaft und Technik Nr. 290)
2. Nach Gutachten der Unternehmensberatung Frontier Economics betragen die volkswirtschaftlichen Vorteile der deutschen KKW bis zu 10 Mrd. EUR pro Jahr. (Dr.Gerd Jäger , RWE Vorstandsmitglied, atw 54.Jg.(2009 S.429), Kurzinfos
aus Energie, Wissenschaft und Technik Nr.288)
3. Prof.Dr.Pfaffenberger Univ. Bremen bei einer Laufzeitverlängerung der 17 deutschen Kernkraftwerke von bisher 32 Jahren auf 40 Jahre ergeben sich zusätzliche Gewinne von 61 Mrd. EUR für alle deutschen KKW der Stromversorger. (Kurzinfos aus Energie, Wissenschaft und Technik Nr.279/1).
Die beträchtlichen „Gewinne“ durch eine längere Laufzeit sind für die Arbeitsplätze in unserer Wirtschaft wichtig, da sie in Konkurrenz im globalen Wettbewerb stehen, die billigen Strom aus Kernkraftwerken haben (in USA 1,1 ct/kWh in der Erzeugung). Die Gewinne sollten nicht den erneuerbaren Energien zugute kommen. Diese sind genug subventioniert. Der heutige technische Stand der Erneuerbaren Energien (vor allem der Solarzellen) rechtfertigt keinen breiten Markteinsatz, da eine Wettbewerbsfähigkeit nicht erreichbar ist. Die Gewinne aus der Laufzeitverlängerung sollten für Kindergärten, Schulen und der Ausbildung der Jugend verwendet werden.
Dr. Ludwig Lindner ist pensionierter Chemiker und war früher in Chemie- und Energieunternehmen tätig. Er ist Mitinitiator der Internetplattform http://www.buerger-fuer-technik.de. In Novo102 (9-10 2009) erschien zuletzt von ihm und Lutz Niemann der Artikel “Ab ins Endlager” über die altbackenen deutschen Kapriolen um die Lagerung radioaktiver Abfälle.
Zahlreiche weitere Artikel zum Thema finden sich im Novo-Dossier „Atomkraft"
20.10.2009 | Permanenter Link
Kategorie(n): Wissenschaft und Technik | Atomkraft
Bevor ich Punkt fuer Punkt auf diese Argumente eingehe, vorweg eine Standortbestimmung: es geht nicht um die Frage “Atomkraft oder erneuerbare Energien”. Es geht um die Frage Markt- oder Planwirtschaft.
Haetten viele Staaten der Erde, allen voran USA, Frankreich und das Vereinigte Koenigreich, aber auch Deutschland unter Atomminister Strauss, nach 1945 nicht in der Hoffnung, mittels eines “zivilen” Atomkraft-Industrie-Komplexes sich die Option fuer eine militaerische Nutzung zu erwerben, diese gegen den Willen der Industrie, wie einst auch das Asbest, forciert, gaebe es kein einziges Atomkraftwerk zur Stromerzeugung.
Atomreaktoren der Siedewasser- oder Druckwasserbaureihe waren ausschliesslich als kleine 5 MW-Reaktoren fuer Atom-U-Boote gedacht, andere Reaktorbaureihen ausschliesslich fuer das “Erbrueten” von Bombensprengstoff. An Stromerzeugung dachte dabei niemand, alle Beteiligten wussten, dass das sowohl zu gefaehrlich wie kostspielig werden wuerde. Jedoch ging es den Militaers wie mit der zivilen Automobil-Industrie: ohne eine zivile Automobilwirtschaft waere die Entwicklung von Achsen, Motoren, Sitzen, Scheibenwischern unbezahlbar, die Ingenieure staenden nicht zur Verfuegung usw., ein Panzer oder Mannschaftsfahrzeug kaeme nicht ueber das Prototypstadium nicht hinaus. Den Mechanismus kann man wunderbar am Beispiel der Flugzeugindustrie nachvollziehen.
Erst nachdem die “progressiven” Elemente, bei uns die Sozialdemokratie auf die Atom-Schiene fuer billigen Strom setzten (siehe Godesberger Programm), als interessierte wissenschaftliche Scharlatane so billigen Strom versprachen, dass man auf Zaehler wuerde verzichten koennen, weil sie viel zu teuer seien, da begann das Atomprogramm sich vom militaerischen Hintergrund zu loesen und eine Eigendynamik zu entwickeln, die bis heute anhaelt: staatliche Forschungssubventionen in weltweit Billiardenhoehe und Ausfallgarantien fuer Entsorgung und nicht versicherbare Grosskatastrophen rechnen den Atomstrom schoen, kostenguenstig war er jedoch nie und das dice Ende kommt erst noch.
Rechnet man die Gesamtkosten EINSCHLIESSLICH der unterlassenen Rueckstellungen fuer katastrophale Grossereignisse, vulgo “Super-GAU” genannt, und die GESAMT-Kosten der Entsorgung, die entgegen des Autors Behauptung nach wie vor ungeklaert ist und es wohl fuer immer bleiben wird (wer glaubt, Finanzierungen fuer eine Million Jahre Biosphaeren-Abschluss durchrechnen zu koennen, mag sich bitte nicht mit mir, sondern den gerade erst auf dem Muellhaufen der Geschichte gelandeten mathematischen Oekonomen unterhalten, die entgegen vieler Kritiker seit spaetestens 1971 die heutige Weltwirtschaftskrise angeblich nicht vorhersehen “konnten”), so kommt man auf Kosten in einer Groessenordnung von ueber einem bis mehreren Euro Gestehungskosten fuer nuklear erzeugten Strom pro Kilowattstunde - das 20- bis 100fache konventionell erzeugten Stromes, eine veritable wirtschaftliche Katastrophe fuer kommende tausend Generationen. So widersinnig erneuerbare Energien statt z.B. Blockheizkraftwerken (die auch Grundlastfunktion uebernehmen koennen) wirtschaftlich sind, die Atomenergie stellt alles in den Schatten, was die Menschheit je an wirtschaftlichem Unsinn erdacht hat.
Die Frage laesst sich ganz einfach zuspitzen und deren oeffentlich nie ausgesprochene Antwort fuehrte 1977 zum Verzicht auf saemtliche bis dahin noch nicht genehmigten ca. 120 geplanten deutschen Atomkraftwerke nach dem gescheiterten Genhmigungsverfahren fuer den damals modernsten Reaktor, Biblis Block C, und diese Frage lautet:
Wenn ein Atomkraftwerk durch IRGENDEIN denkmoegliches Ereignis zerstoert wird (mit Durchschlagen der Schutzhuelle und Bersten des Druckkessels mit Freisetzung fast des gesamten radioaktiven Inventars) - was waeren die Folgen und wuerde eine Gesellschaft sie tragen wollen?
Die Folgen waeren, wenn es in Deutschland oder Frankreich oder den Niederlanden passierte, die vollstaendige Unbewohnbarkeit Mitteleuropas.
Zweite Frage: Ist es denkunmoeglich, dass eine solche Katastrophe je passiert? Nein, und die Sicherheitstechniker behaupten das auch nicht, sie behaupten lediglich, das Ereignis sei so selten, dass dieses “Restrisiko” nicht ins Gewicht falle UND sie behaupten, es traete keinesfalls morgen auf, sondern erst nach Abschalten des letzten Reaktors; selbst die Phrenologen sind nicht solch einem Wahngebilde aufgesessen . Die mathematischen Versuche, hier die Methoden der im Wesentlichen in der Raumfahrt erfundenen Fehlerbaumanalyse anzuwenden (wieviele Space Shuttles sind heruntergefallen?), sind zwar wissenschaftlich widerlegt (in Biblis 1977 wurde der These von Befuerwortern und Genehmigungsbehoerde zaehneknirschend zugestimmt, die Katastrophe trete mit einer Wahrscheinlichkeit von “eines zu einer Million Jahren” auf, aber bei einer Fehlerwahrscheinlichkeit von “plus minus zehn Millionen Jahren” - ha ha, das war kein Witz, aber die meisten Techniker, selbst nur mittelmaessige Mathematiker, merken gar nicht, wenn sie ihren Computerprogrammen unsinnige Daten fuettern und dann ebenso unsinnige Werte errechnen). In der Tat, wer Russisch Roulette spielt, beweist mehr mathematischen Verstand und, nebenbei bemerkt, wenn er seine Sechstel-Chance wahrnimmt, schaedigt er niemand anderen als sich selbst.
Also: die Berechnungen der Sicherheitstechniker bezueglich der Auftretenshaeufigkeit katastrophaler Grossereignisse an Atomkaftwerken sind schonmal grundfalsch, rechnerisch moegen sie richtig sein, entbehren aber jeder realen Grundlage und fuehren zu Fehlerabweichung groesser den Vorhersagewerten.
Aber unterstellen wir, die Schaetzung von einem Super-Gau in einer Million Betriebsjahren sei realistisch, dann heisst das bereits, dass bei 1.000 Atomkraftwerken das Ereignis weltweit schon einmal in tausend Jahren eintritt. Einmal in tausend Jahren also machen wir Mitteleuropa (oder die USA, oder Teile Asiens) fuer weitere tausende Jahre unbewohnbar, und das fuer ein paar Jahrzehnte Energie-Mix, ohne das wir auch ausgekommen waeren. Wer sich das ausdenkt, muss krank sein, dumm oder gewissenlos.
Es geht aber noch weiter: Was einmal in einer Million oder, realistischer, einmal in tausend Jahren auftritt, kann JEDERZEIT auftreten, sowohl erst in tausend Jahren als auch gleich heute. Die Moeglichkeit, dass es am ersten Betriebstag auftritt ist exakt genauso wahrscheinlich, wie dass es trotz mehrfachen Ablaufs von tausend Jahren NIE auftritt. Das eben gerade ist das faszinierende an unabhaengigen Wahrscheinlichkeiten: von gar nie bis gleich fuenfmal hintereinander ist alles drin, siehe die Wuerfelergebnisse beim Mensch-Aergere-Dich-Nicht.
Sind das aber ueberhaupt unabhaengige Wahrscheinlichkeiten?
Auch das eine Eigentuemlichkeit der Atomverstromung: wo ein Atomkraftwerk steht, baut man in der Regel ein weiteres hin, das hat mit logistischen Gruenden, mit Industriepolitik und der begrenzten Anzahl geeigneter Standorte (an Fluessen fuer’s Kuehlwasser, aber nicht zu nahe an Grossstaedten u.a.) zu tun.
Nehmen wir nun an, an einem Standort, an dem sich bereits ein oder zwei weitere Atomkraftwerke befinden, tritt ein Super-GAU ein (dass er statistisch GEWISS eintritt, wird ihnen jeder Sachverstaendige, wenn auch mit gequaeltem Augenaufschlag, bestaetigen oder er riskiert seine Professur - bleiben Sie einfach beharrlich) - glauben Sie, dass, wo einzig schnelle Flucht vor dem Strahlen- und Krebstod retten kann, wird sich eine Notmannschaft finden, die die verbleibenden noch unbeschaedigten Atomkraftwerke geordnet herunterfaehrt, die Kernbrennstaebe ins Abklingbecken auslagert, was Wochen dauert, da man damit nicht sofort beginnen kann, und was der vorgeschriebenen Prozeduren mehr sind? Ich bin heute noch den Feuerwehrleuten und anderen Freiwilligen von Tschernobyl dankbar, die mit ihrem Leben dafuer bezahlt haben, und sich dessen bewusst waren, dass sie durch Zuschuetten des Reaktors mit die Kettenreaktion unterbrechenden Neutronenfaengern (u.a. Borverbindungen) und mit Beton verhindert haben, dass mehr als das laecherliche Dreissigstel des Strahlentodes ueber uns kam, den wir ob unserer Hoffaertigkeit damals verdient haetten. Obwohl diese Radioaktivitaet von Tschernobyl vielleicht zweitausend km zurueckzulegen hatte, machte sie hier in Westeuropa viele landwirtschaftliche Produkte ungeniessbar, die Luftfilter von Autos und Klimaanlagen zum hochradioaktiven Sondermuell und brachte die naehergelegenen Lappen in Finnland unwiederbringlich um ihre jahrtausendealte Rentierkultur, da die diesen als Nahrung dienenden Farne so stark radioaktiv belastet waren, dass die sich davon ernaehrenden Rentiere ungeniessbar wurden. Atomkraft schafft also obendrein noch Sozialfaelle. Eine Systemanalyse darf fragen: welche Fernwirkungen haette ein russisches Kohlekraftwerk maximal haben koennen? Eben gar keine, und DAS ist der Unterschied zur Atomtechnik - selbst wenn alles gut geht, lastet diese unseren Nachkommen unbeherrschbare radioaktive Erblasten auf, aber wehe, wenn es nicht gut geht, dann muessen Millionen Menschen dran glauben - und das alles fuer ein paar laecherliche Kilowatt ...
Wer immer wieder ad nauseam behauptet, Tschernobyl sei eine andere Baulinie, mit unseren heutigen Druckwasserreaktoren nicht vergleichbar und ohnehin der Sozialismus an allem schuld, der frage sich zweierlei: warum hat man den Atomkraftbefuerworter Trittin als Sozialisten die Laufzeit unserer westdeutschen Atomkraftwerke verlaengern lassen (soviel zu sozialistischen Experimenten) und was macht es fuer einen Unterschied, wenn ein statistisch nachweislich moeglicher und statistisch NOTWENDIGER Super-GAU hie wie dort eintritt, nur vielleicht etwas weniger haeufig, dafuer aber in viel dichter bevoelkerten Gebieten?
Es treten in Westeuropa aus einem 1.300-MegaWatt-Atomkraftwerk dann ca. 4.000 Hiroshima-Bomben-Aequivalente Radioaktivitaet aus, und in Tschernobyl nur die Haelfte, weil kleiner. Dass das in Tschernobyl angeblich haeufiger auftritt, bei uns aber ebensowenig ausgeschlossen werden kann, ist ein schwacher Trost. Genauso wie niemand behaupten wuerde, dass durch besonders gute Ueberwachung der Lottokugeln ausgeschlossen werden koenne, dass es drei Jahre lang keinen “Sechser” mehr gibt, genausowenig kann auch die groesste Sorgfalt eines Atomkraftwerksbetreibers (und die wollen wir, um dieses Argument nicht zu verwaessern, mal unterstellen) eine Katastrophe einmal in 1.000 Jahren (bei 1.000 AKW weltweit) oder in 5.000 Jahren (bei 200 AKW usw.) verhindern. Und das kann ebenso wie erst in 1.000 Jahren auch schon MORGEN sein.
Eine der statistisch nie auszuschliessenden und bis heute nicht beherrschbaren Moeglichkeiten ist z.B. der Sproedbruch des Druckkessels - dieser wird einfach so behandelt, als sei er unmoeglich und, das weiss jeder Materialkundler, das ist schlichtweg Bloedsinn. Derselbe Experte belaechelt die Weigerung von Kardinalen, durch Galileis Teleskop zu schauen, weigert sich aber, die physikalischen Gesetze wahrzunehmen und versteckt sich hinter Schein-Wahrscheinlichkeiten, die nur auf Berechnung, nicht auf Experiment beruhen, wie es sonst in der Fehlerbaumanalyse und der Unfallforschung ueblich waere.
In all diesen Berechnungnen werden aber die Moeglichkeiten ABSICHTLICH herbeigefuehrter Funktionsstoerungen voellig ausgeblendet (in gewisser Weise war uebrigens auch Tschernobyl eine abschtlich herbeigefuehrte Gefaehrdung, ein Experiment, nur mit boesem Ausgang).
Diese Gefahren bestehen einerseits in einem direkten terroristischen Anschlag, zu dem nachweislich ein halbes Dutzend Spezialkraefte genuegen, die Bundeswehr hat es selbst ausprobiert, die Regierung verschweigt das Experiment bis heute.
Die andere Moeglichkeit ist der direkte Angriff mit einer (nicht-atomaren!) Rakete, einem Marschlugkoerper, bunkerbrechenden Bomben - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wollte man Atomkraftwerke dagegen robust auslegen, waeren sie nicht bezahlbar, tut man es nicht, riskiert man einen unvorhersehbaren und unabwendbaren Ueberraschungsangriff mit der sicheren Ausloeschung der gesamten eigenen Millionenbevoelkerung oder, wenn der Kriegsgegner regelgerecht erst den Krieg erklaert, muss man SOFORT alle Atomkraftwerke abschalten und hat dann ausgerechnet im Krieg weder was von dem Energiemix, der doch angeblich so unabhaengig vom Oel macht, noch den Strom, um die Ruestungsindustrie und die Mobilmachung zu versorgen.
Die Logik muss uns erstmal einer erklaeren. Unsere Generaele wissen das, die Szenarien liegen in den Schubladen, die Bevoelkerung wird belogen.
Halten wir mal fest: Atomkraft kann sich nicht rechnen, weil niemand die Rueckstellungen fuer die beschriebenen Ereignisse in einer Bilanz verkraften koennte. Darum werden sie teils durch mathematisch unhaltbare und nie getestete Modelle weggerechnet und was verbleibt, unter einer staatlichen Ausfallhaftung, fuer die das Staatsvermoegen gar nie ausreichen wuerde, versteckt. Wer ansonsten ein Atomkraftwerk in Betrieb naehme, muesste am gleichen Tage zum Amtsgericht gehen und Insolvenz anmelden, weil seine Rueckstellungen fuer die Eventualfaelle so gigantisch waeren, dass die gesamte Volkswirtschaft, geschweige denn die vergleichsweise mickrigen Aktiva von E.ON, Vattenfall oder RWE, nicht reichen wuerde, sie zu kompensieren.
Nun aber zu den 10 Punkten des Dr. Lindner, obwohl die sich damit eigentlich laengst erledigt haben:
Es gibt sehr wohl bezahlbare Konzepte fuer Grundlaststrom, nur darf man nicht erwarten, dass sie neben einer bereits finanzierten Loesung zusaetzlich aufgebaut werden. Nur darum sind sie jetzt nicht im von Herrn Lindner bemaengelten Umfang vorhanden. Wer sein Auto aufgibt und stattdessen eine Bahncard kauft, kann das Geld ja auch nur einmal ausgeben. Haette man die Atomwirtschaft nicht subventioniert, dann gaebe es jetzt andere Kraftwerke. Soll das Argument heissen, andere vergleichbare Industriestaaten OHNE AKW haetten keinen Grundlaststrom? Wie man sich bettet, so liegt man - aber wo bitteschoen ist dieser Grundlaststrom, wenn im Fall eines kriegerischen Konflikts saemtliche Atomkraftwerke entladen werden muessen??? Ach ja, da machen wir dann ja nachts eh’ Verdunkelung ... manche Grosseltern koennen hier gedanklich aushelfen.
Die CO2-Vermeidung: abgesehen von dem Streit, ob der Klimawandel menschengemacht ist oder nicht: JEDER zusaetzliche Eintrag von Waermeenergie in unser Oekosystem, sei es aus fossilen oder Atombrennstoffen, traegt zur Erderwaermung bei. Bei den vermutlichen Steiergerungsraten des Stromverbrauchs war die bisherige, durch staatliche Eingriffe entstandene, zentralisierte Stromversorgung ohnehin nie zukunftsfest. Rechnerisch genuegen alle in Deutschland ueberbauten Flaechen, um mit der dort auftreffenden Sonnenenergie den gesamten Waermebedarf UNTER diesen Flaechen zu decken. Stattdessen wird in Atomkraftwerke investiert, die von ALLEN KRAFTWERKEN DEN SCHLECHTESTEN WIRKUNGSGRAD HABEN und in Photovoltaik, die von allen Sonnenenergienutzungen den schlechtesten Wirkungsgrad hat. Drum sind beide auch so teuer und wer so unsinnig denkt, dem kann man bei den noch komplexeren Ueberlegungen in der Sicherheits- und Reaktortechnik gleich gar nicht trauen.
Der welweit hoechste Sicherheisstandard. Wie schon dargelegt, sind saemtliche Sicherheitsberechnungen Makulatur (Nachweise gerne auf Nachfrage), damit verbietet sich auch ein direkter Vergleich. Was hier gemeint scheint, ist, dass wir die komplexesten Sicherheits-EINRICHTUNGEN haben. Genau hier aber liegt der Hund begraben: man weiss aus der Sicherheitswissenschaft, dass zunehmende Komplexitaet Unsicherheiten an anderer Stelle erzeugen und dass daher eine hochkomplexe und zugleich sichere Anlage eine Illusion ist. Ab wann Komplexitaet in Dysfunktionalitaet umschlaegt, sah man gut am Klinikum Aachen. Da aber auch das sicherste Atomkraftwerk gesprengt werden kann, hat es mit seiner dann freiwerdenden mehrtausendfachen Hiroshima-Bomben-Radioaktivitaet auf einem bewohnten Planeten nichts zu suchen und seine Sicherheitsstandards sind dafuer komplett irrelevant, so wie Airbags und Sicherheitsgurt beim Sturz von einer 1.000 Meter hohen Klippe in einen hundert Meter tiefen See.
Richtig, die Trafoschaeden in Kruemmel besagen wenig ueber den kerntechnischen Teil der Anlage, hoechstens kann, und das tut wohl die Aufsichtsbehoerde, aus dem Umgang mit diesem Ereignis generell auf eine (Un-) Zuverlaessigkeit rueckgeschlossen werden, und dann kann es einem gehen wie dem besoffenen Radfahrer, der daraufhin seinen Pilotenschein verliert. Aber die Diskussion ueber Kruemmels Sicherheit fuehrt auf Abwege, die zwei Hauptprobleme verschleiert: die generelle Gefahr, die von JEDEM Atomkraftwerk ausgeht und genuegend geschildert wurde, und, dass auch das sicherste AKW Atommuell produziert, dessen Endlagerung ungeklaert ist.
Auch bei den Stoerfaellen gebe ich, ebenso wie Kruemmel, dem Autor eingeschraenkt recht - aber es laesst dennoch tief blicken, dass solche harmlosen technischen Vorkommnisse bei Atomkraftwerken meldepflichtig sind, waehrend sie es in einer Metzgerei nicht sind. Und jene, die dieses Meldewesen erfunden haben, stammten nicht aus der Anti-Atom-Bewegung ... Das hat genau den Grund, dass diese Dinger so extrem gefaehrlich sind, dass man nicht erst warten kann, um am ungeschickten Umgang mit einem grossen Problem zu erkennen, wie ungeeignet ein Betreiber sein mag, sondern schon aus hoffentlich glimpflich verlaufenden Faellen seine Schluesse ziehen muss und moechte.
Bei den Flugzeugabstuerzen wagt der Autor sich dann arg aufs Glatteis: erstens beruhen alle die Behauptungen, dieses oder jenes AKW sei gegen dieses oder jenes Flugzeug mit dieser oder jener Geschwindigkeit gefeit auf reinen Schaetzungen und Berechnungen, weil anders als in der Automobilindustrie und von mir mit dem Erfolg der Nicht-Genehmigung von Biblis Block C und aller noch anstehenden geplanten 120 Reaktoren in den siebziger Jahren gefordert, keinerlei Crash-Tests die Richtigkeit nachgewiesen haben, und zweitens blenden diese Spielereien saemtlichen absichtlichen Angriffe aus. Warum aber soll ein Gegner sich mit hunderttausend Mann und tausend Panzern unserer Grenze naehern und eigene Leute gefaehrden, wenn er nur einen einzigen Marschflugkoerper einsetzen muss, mit dem er ein Atomkraftwerk sprengt? Dass Fussballstadien ebensowenig gefeit seien, den Vergleich haben Sie selbst nicht ernst gemeint, aber gehofft, NOVO-Leser seien dumm genug, ihn valide zu finden, gelle? Wer aufs Fussballstadium stuerzt toetet sich und maximal alle, die er dort trifft. Wer einen Marschflugkoerper auf Biblis lenkt, toetet nicht mal sich selbst, aber alle Einwohner im Rhein-Main-Gebiet, Rhein-Neckar-Gebiet, in Teilen Frankreichs und der Rest haengt von Wind und Wetter und, wer es so sehen mag, der Gnade Gottes ab. Entsprechende Berechnungen liegen dem Bundesinnenministerium seit den sechziger Jahren vor und gehen von mindestens Millionen Toten und noch viel mehr Spaetschaeden aus. Soviel zum Fussballvergleich auf Stammtischniveau, da platzt einem aber dann doch schon die Hutschnur ...
Dass andere Laender aehnlich dumm oder duemmer sind, ist kein Argument. Aehnliche Argumente hatten wir bei der Eugenik und den Zwangssterilisierungen, der Gentechnik, der Euthanasie, dem Bau von Hochhaussiedlungen und der Verbriefung von Schrott-Hypotheken. Bestimmt habe ich was vergessen?
Laufzeitverlaengerungen - hier wird’s besonders grauslig: Atomkraftwerks-Druckkessel sind nach ihrer Inbetriebnahme nicht mehr direkt ueberpruefbar, insbesondere nicht auf ihren tueckischen Sproedbruch, der ja, wie dargestellt, zum Super-GAU mit seinen im schlimmsten Fall Millionen Toten fuehren kann (muss nicht - kann aber; mit Marschflugkoerper in jedem Fall). Daher werden in den Druckkesseln im Kern Metallstuecke aus demselben Material der Kesselwandung aufgehaengt, die sog. “vorlaufenden Proben”. Sie heissen so, weil sie den strahlenden Kernbrennstaeben naeher sind und daher staerker bestrahlt werden und, so die Theorie, daher auch frueher ermueden muessten. Bei jeder Wartung, i.d.R. einmal im Jahr, werden davon welche entnommen und untersucht, um anhand des Vorlaufs fruehestmoeglich die Gefahr eines Sproedbruches der eigentlichen Kesselwand abschaetzen zu koennen.
Da die AKW urspruenglich fuer ca. dreissig Jahre Laufzeit (netto, d.h. mit planmaessigen Stillstandszeiten koennen das schon mal vierzig Kalenderjahre sein) ausgelegt waren, und solche Metallstuecke die Stroemung des Kuehlwassers behindern, wurde auch nur eine bestimmte Menge eingehaengt. Jedes Jahr werden bei der turnusmaessigen Revision welche entnommen und untersucht, die sind dann ersatzlos weg. Irgendwann sind sie alle weg ... also genau dann, wenn der Kessel am aeltesten ist, fehlen einem die Vorwarn-Proben fuer den katastrophalen Sproedbruch, WENN man die Laufzeit dann ueber die Zeit hinaus verlaengert, die beim damaligen Planen der vorlaufenden Proben maximal unterstellt wurde. Wer verantwortet das eigentlich? Stahl neigt auch dazu, ploetzlich zu ermueden und zu bersten nach Ueberschreiten bestimmter Belastungswerte, testen kann man das bei Atom-Druckkesseln wieder mal nicht, anders als in der Automobilindustrie, da ein solcher Test ja nur im Betrieb durchgefuehrt werden kann. Nicht einmal mitten in der Sahara koennte man das aber wagen, wir bekaemen im Zweifel immer noch soviel Radioaktivitaet ab wie einst durch das nur halb kaputte Tschernobyl.
Ob die es im Ausland anders machen, spielt keine Rolle, dass sich Politiker und gekaufte Gutachter in Unverantwortlichkeiten ueberbieten, haben wir in der Wirtschaftskrise schoen betrachten koennen. Ob eine Genehmigung unbefristet unter dem Vorbehalt des Widerrufs (z.T. im Ausland) oder befristet mit der Moeglichkeit der Verlaengerung (bei uns) erteilt wird, ist ein rechtstechnisches Detail, so unwichtig wie es fuer den Wohnwert der Unterschied zwischen Stockwerkseigentum und Eigentumswohnung war.
Die Endlagerung ist zwar durch- und totgerechnet wie auch die bereits widerlegte Sicherheitstechnik, darum aber nicht weniger falsch. Aus fiktiven Annahmen fiktive Werte zu errechnen ist keine Kunst, schluessig und ueberzeugend nachzuweisen, dass es irgendwo auf der Welt gelaenge, den hochradioaktiven Muell sicher eine Million Jahre wegzuschliessen waere es dagegen. Die Bundesbank hat es nicht mal geschafft, die alten Deutsche-Mark-Noten vor Grabraeubern sicher zu verschliessen, eine Million Jahre lang sichere tektonische Formationen gibt es weltweit nicht (und sicher heisst: sicher, nicht, “na ja, bisher ist nix passiert”) und gegen kriminelle Energie ist gar nichts sicher, in einer Million Jahren nicht einmal Fort Knox oder glaubt jemand, die Vereinigten Staaten sehen in 500 Jahren noch genauso aus wie heute? Selbst groessenwahnsinnige Diktatoren haben bisher nur von tausend Jahren geredet, die Atommuellentsorger sind nicht nur noch groessenwahnsinniger, ihr Toetungspotential ist es auch um den gleichen Faktor.
Hand aufs Herz: wollen wir ueber Punkt 10, die Kostenvorteile noch reden? Ja, RWE u.a. haben solche Vorteile, weil sie weder die Risiken noch die langfristigen Folgen in ihren Bilanzen mit beruecksichtigen muessen. Sie haben weitere wettbewerbsverzerrende Vorteile dadurch, dass sie in erhoehtem Masse (immerhin: die Besonderheit der Atomtechnik scheint vage hindurch) Rueckstellungen u.a. fuer die Entsorgung bilden und diese Finanzen natuerlich gewinnbringend anlegen muessen. Das bedeutet einen steuerlichen Vorteil (Rueckstellungen sind thesaurierte, nicht zu versteuernde Gewinne zu Gunsten spaeterer Ausgaben) und ausdiesen haben RWE und Konsorten eine beispiellose Uebernahme anderer Industriezweige finanziert, wie sie anderen Konzernen vor Steuern in disem Masse voellig unmoeglich ist. Also fuehrt Atomkraft sogar noch zu industrie- und wettbewerbspolitisch bedenklichen Verzerrungen, auch wenn ich die Gefahr verschmerzen kann angesichts millionenfacher Spaetschaeden und den radioaktiven Immissionen aus dem Normalbetrieb.
Auch die werden naemlich heruntergespielt: die Kinder-Leukaemistudie zu den Umgebungen von Atomkraftwerken hat den Abgleich nicht anhand von Abwind-Ellipsen, d.h. nicht nach der Verteilung der Konzentrationen der radioaktiven Partikel am Boden, sondern nach Postleitzahlen vorgenommen. Dass in neuerer Zeit ploetzlich mehr Leukaemiefaelle den AKW-Standorten zugeordnet werden koennen, hat fast ausschliesslich damit zu tun, dass mit der Wiedervereinigung die Postleitzahlgebiete kleinraeumiger wurden und dass seither noch mehr Zeit vergangen, die Belastung also summiert groesser geworden ist.
Gehen Sie aber in Philippsburg zum Tierarzt und fragen sie ihn im Fluesterton wieviele Missbildungen an Haustieren er im Jahr erfasst und wie diese sich zu denen in anderen Gebieten verhalten (ein Mehrfaches!) oder fragen Sie sich, warum in der Wesermarsch nach Ausbau der Atomkraft jedes Jahr mehr Abdeckereien fuer missgebildete Kaelber Auskommen und Brot fanden, und sie brauchen keine Kinder-Leukaemiestatistik, um die Mutagenitaet und Teratogenitaet unserer “weltweit sichersten"Atomkraftwerke schon im Normabetrieb erschreckend hoch zu finden. Hier fuehrt die Regierung einen kalten Atomkrieg gegen die Landbevoelkerung und die Medien unterstuetzen sie wortgewaltig dabei.
Sehr geehrte Graue Eminenz,
weniger wäre mehr gewesen!
... nicht, wenn es um die Entvoelkerung Mitteleuropas geht ...
Sehr geehrte Graue Eminenz,
im Gegensatz zu Ihrem Beitrag möchte ich meine Antort kurz halten. Ihr Kommentar ist in den meisten Fällen falsch, pauschal und von Unwissenheit geprägt.
Sie sind wohl deshalb eine graue Eminenz, weil Sie unter Altersstarrsinn leiden und eine starke ideologische Verbohrtheit ihren Verstand trübt.
Den Ausführungen von Hr. Dr. Lindner stimme ich voll zu.
Die gewählte CDU/CSU/FDP-Regierung wird uns hoffentlich vor dem Energiekollaps und dem darauf folgenden wirtschaftlichen und sozialen Kollaps bewahren. Die Ansätze sind dazu schon zu sehen. Ich freue mich auf die Rückkehr zur Vernunft, damit die Energietechnik weiter entwickelt wird. Das heißt, es können neue Reaktorkonzepte (EPR, AP1000) verwirklicht werden. Die Forschung kann sich auf die Wasserstofftechnologie und die Fusionsreaktoren konzentrieren.
Die Verfügbarketi von bezahlbarer Energie ist ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft und unseres Wohlstands für alle.
Einen Dank an Herrn Dr. Lindner für die Zusammenstellung wichtiger Argumente für eine Verlängerung der Betriebszeiten unserer deutschen Kernkraftwerke! Ein vorzeitiges Abschalten von international als besonders sicher und effektiv arbeitenden Anlagen wäre vergleichbar mit dem vorfristigen Verschrotten von noch voll betriebsfähigen, gut gepflegten Autos, nur eben um ein riesiges Maß schädlicher für die Gesamtwirtschaft, zumal in Zeiten einer Wirtschaftskrise!
Dank aber auch dem Kommentator „Graue Eminenz(GE)“! Sein Beitrag veranschaulicht geradezu in klassischer Weise auf welch schwammigem Fundament die Argumente der Gegner einer friedlichen Nutzung der Kernenergie in unserem Lande oftmals beruhen. Dieses abstruse Konglomerat von mehr oder weniger verdautem Halbwissen zeigt ganz deutlich das offensichtlich in vielen Bevölkerungsgruppen bestehende Defizit an differenzierten Kenntnissen auf diesem zugegebenermaßen sehr komplexen Gebiet der Naturwissenschaft und Technik.
Obwohl der Kommentator „GE“ versprach auf die 10 von Herrn Dr. Lindner vorgebrachten Argumente einzugehen, lieferte er nur wortreiche Polemik, ohne auch nur ein einziges der Argumente belastbar widerlegen zu können.
Leider erscheint es nahezu unmöglich mit vertretbarem Aufwand auf alle die im Text von „GE“ enthaltenen Ungereimtheiten einzugehen. „GE“ hat offensichtlich viele Wissens- und Verständnislücken. Diese beginnen schon bei der Darstellung der Historie.
Obwohl die Kernspaltung als eine grandiose epochale Entdeckung des menschlichen Geistes leider ursprünglich zunächst nur als Fluch der Menschheit wahrgenommen wurde, fand ihre friedliche Nutzung doch trotz aller Widerstände schon frühzeitig das Interesse junger kreativer Wissenschaftler und Ingenieure. So wird wohl der Jubel groß gewesen sein, als bereits 1951 (!) in einem Forschungszentrum im US-Bundesstaat Idaho erstmals vier Glühlampen durch Strom aufleuchteten, der durch die Spaltung von Uranatomen erzeugt worden war. Später dann griff das Interesse an der friedlichen Nutzung besonders auf Deutschland über, nachdem auf der 1. Genfer Atomkonferenz 1955 die Großmächte die Erforschung, Entwicklung und Nutzung der Kernenergie zu friedlichen Zwecken freigegeben hatten. Dies fand seinen Niederschlag in der Zweckbestimmung im §1 des als Basisgesetz in Deutschland erlassenen Atomgesetzes und führte in der Folgezeit zu vielen international anerkannten wissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Spitzenleistungen und damit zu hohem Ansehen der deutschen Experten im Ausland. In einem Land wie Deutschland, das in ganz besonderem Maß auf die Nutzung seiner geistigen Ressourcen angewiesen ist, wurde die neue Technik schnell zur segensreichen Option für einen schnellen Aufbau der Nachkriegsindustrie.
(Bekanntermaßen liefert die friedliche Nutzung der Kernenergie bis in die heutigen Tage einen wichtigen Beitrag zur Deckung des Energiehungers der ständig ansteigenden Weltbevölkerung und wird ihn auch weiterhin zunehmend leisten müssen. Ein deutscher Sonderweg unter Verzicht auf diese Option wird international nur marginal Einfluss ausüben. Das hat nichts damit zu tun, dass selbstverständlich alle weiteren Möglichkeiten zur Energieumwandlung und –nutzung zum Einsatz kommen müssen, jeweils entsprechend den spezifischen Randbedingungen und Möglichkeiten.)
Die Behauptung der „GE“, die friedliche Nutzung der Kernenergie in Deutschland einzuführen wäre ehemals nur mit dem Ziel erfolgt eine Option für eine später militärische Nutzung zu schaffen, “ ohne die sonst kein einziges Atomkraftwerk zur Stromerzeugung überhaupt gebaut worden wäre“ ist schon – ohne Fakten- und Quellennachweis – eine ziemlich dreiste Unterstellung! Selbst wenn es zu der damaligen Zeit noch einige skurrile Altnazigehirne gegeben haben mag, so wären in den Nachkriegsjahren wirklich kaum Anhänger für solche Gedanken zu finden gewesen. Also bitte verehrte „Graue Eminenz“: Belegbare Nachweise statt Behauptungen!! Es war einfach eine Zeit des ingenieurtechnischen Aufbruches, die bis heute ihre positiven Auswirkungen zeitigt: Jährlich wird durch unsere 17 Kernkraftwerke die Emission von 150 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermieden und eine sichere Bereitstellung der Grundlastversorgung mit Elektroenergie für Industrie und Privathaushalte gesichert. Ein Verzicht auf diese KKWs ist außerordentlich schwierig, wie z.B. in http://www.novo-magazin.de/91/novo9165.html „Deutsche Energiepolitik auf dem Weg nach nirgendwo“ nachzulesen ist. Das dies so ist, dafür hat die ehemalige Bundesregierung unter Rot-Grün selbst den Nachweis erbracht, als sie nämlich mit der Novellierung des Atomgesetzes in der Fassung vom 22.April2002 die geordnete Beendigung der Nutzung der Kernenergie anordnete, ohne klare Aussagen darüber zu machen auf welche Weise die abzuschaltenden Kapazitäten ersetzt werden sollen! Nebulöse Angaben über Energiesparen und Steigerung der Nutzung regenerierbarer Energien ohne quantitative Planungszahlen reichen eben nicht. Auch inzwischen vorgelegter Studien (siehe obige Webseite) brachten keine Klärung. Es war schon eine merkwürdige Politik der Gesetzgebung: Verbieten ohne vorher über Ersatz nachzudenken! Dies wird sich nun endlich ändern, da bin ich zuversichtlich!
Das wichtigste ist, dass künftige Entscheidungen über die Sicherstellung der Energieversorgung unseres Landes ausschließlich auf der Basis wissenschaftlich-technischer, ökonomischer und ökologischer Kriterien getroffen werden und dass dabei endlich auf ideologische und parteipolitische Vorgaben verzichtet wird! Dies gilt natürlich auf allen einschlägigen Gebieten. Wenn beispielsweise der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Herr Wolfram König gleich am ersten Tag den Bundesparteitages der Grünen (am 24.10.2009) in Rostock besucht, um als Gast den Beratungen beizuwohnen, dann kommen mir diesbezüglich schon einige Bedenken.
Noch ein Wort zum Kapitel Leukämie und mutagenen Veränderungen:
Es ist wohl der absolute Gipfel mangelhafter Sachkenntnis, wenn „GE“ über „millionenfache Spätschäden“ und über die „von Tierärzten im Flüsterton“ zu erfahrende Zahl von Missbildungen bei Tieren in der Nähe von Philippsburg spricht und die immer mal wieder diskutierte Zahl von Kinderleukämien in der Wesermarsch als Folge von Aktivitätsfreisetzungen aus einem KKW anführt. Es dürfte sich inzwischen auch in Laienkreisen herumgesprochen haben, dass für alle durch ionisierende Strahlung hervorgerufenen Änderungen (seien sie somatischer oder genetischer Art) immer die Dosis – Wirkungsbeziehung maßgebend ist. Nach der 7-stufigen Bewertungsskala für Störungen und Unfällen in Kernanlagen wären dafür mindestens „ernste Störfälle“ (Bewertungsstufe 3, definiert durch sehr geringe Freisetzungen mit Strahlenbelastungen der Bevölkerung in Höhe eines Bruchteiles der natürlichen Strahlenbelastung!)erforderlich gewesen. Solche Fälle gab es nicht und was die Anhängerschaft von Studien über die Clusterverteilung von Leukämiefällen anbetrifft, so musste auch sie zur Kenntnis nehmen, dass bis heute eine epidemiologisch klare Zuordnung der verschiedenen Ursachen für das Auftreten von Krebs (z.B. durch Strahlung oder chemische Noxen) noch nicht möglich ist. Studien, die einen Vergleich anstellten zwischen Gebieten der Bundesrepublik mit unterschiedlich hohen Werten der natürlichen Strahlenexposition und den bekannten in Clustern gehäuft auftretender Krebserkrankungen konnten keinen Zusammenhang nachweisen! Wer behauptet der Betrieb von Kernkraftwerken führe zu krebsartigen Erkrankungen in der Umgebung verbreitet Schwachsinn oder betreibt bewusst böswillige Panikmache!
Doch noch einmal zurück zum Kommentar von „GE“! Soeben habe ich die Erwiderung auf die Bemerkung von Herrn Grantzau gelesen und ich frage mich, ob ich wirklich weiter auf den Text eingehen soll. Was für eine skurrile Vorstellung von den objektiven Risiken kerntechnischer Anlagen wird hier geäußert. Andererseits aber kann so eine Darstellung der Sachverhalte aber auch nicht einfach unwidersprochen hingenommen werden. Meine Sorge besteht einfach darin, dass solche verworrenen Gedanken an anderer Stelle nur Schaden anrichten können.
Es macht vermutlich wenig Sinn hier auf die an vielen Stellen des Textes der „GE“ sichtbar werdenden fachlichen Defizite einzugehen. Zu empfehlen ist auf alle Fälle ein ausgiebiges Grundlagenstudium der Stoffgebiete Kerntechnische Sicherheit, Strahlenschutz und Mathematik, Teilgebiet Wahrscheinlichkeitslehre. Und um auf die letzte Ergänzung von „GE“ einzugehen, natürlich kann man auch mal über Katastrophen nachdenken, die zur Entvölkerung von Europa führen können. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist durchaus nicht Null. Aber dann handelt es sich um die Folgen eines Meteoriteneinschlages, wie ihn die Erde seit ihrer Existenz schon mehrfach erlebt hat. Mit Kernraftwerken besteht hierbei kein Zusammenhang! Eintrittswahrscheinlichkeiten für alle denkbaren Szenarien lassen sich auf der Basis sehr sorgfältig ermittelter Ausgangsdaten durchaus mathematisch zuverlässig berechnen, ihre Interpretation bzw. vergleichende Bewertung ist für Laien erfahrungsgemäß selten einfach. Über Wahrscheinlichkeiten allerdings ohne eine Quantifizierung zu sprechen, ist nichts anders als eine wertlose Spinnerei!
Übrigens verehrte Graue Eminenz, wie Sie in Ihrem Bemühen, um anderen eine unlautere Verfahrensweise vorzuwerfen, dabei sogar auf die Phrenologie verweisen, ist schon wirklich sehr verblüffend! (Phrenologie: „eine als irrig erwiesene Anschauung, dass aus den Schädelformen auf bestimmte geistig seelische Veranlagungen zu schließen sei“; Quelle: Duden Fremdwörterbuch Dudenverlag Mannheim…1997).
Ich stelle mir immer wieder die Frage: Wo liegen die Ursachen für solche eklatante Fehlmeinungen? Auf Pisa kann es bei einer Grauen Eminenz nicht zurückgeführt werden, obwohl in ähnlichen Fällen immer auch mangelhafte naturwissenschaftliche Kenntnisse anzutreffen sind.
Wo liegt die Schuld? Was ist zu tun?
Kompliment an Polyboy: Sie haben es schneller gesagt!
@Polyboy und Ringel:
Ich stelle fest, Sie gehen weder auf meine Argumente ein, noch bringen Sie neue.
Was ich geschrieben habe, ist belegbar, Novo kann mich gerne gegen angemessenes Honorar als Autor einladen, darueber koennten wir reden.
Nur eines zur Veranschaulichung Ihrer Rechenkuenste:
“Bekanntermaßen liefert die friedliche Nutzung der Kernenergie bis in die heutigen Tage einen wichtigen Beitrag zur Deckung des Energiehungers der ständig ansteigenden Weltbevölkerung”
Halten Sie im Ernst einen Beitrag der Atomenergie von 2,1% des Weltenergie-Verbrauchs (2005) fuer einen ‘wichtigen Beitrag zur Deckung des Energiehungers’ ?
Dabei ist aber noch unberuecksichtigt, was die Kuehlung, Abschirmung und Bewachung des hochradioaktiven ueber mehrere hunderttausend Jahre kosten wird - schon fruehe Systemanalysen haben nahegelegt, dass ein Atomkraftwerk vermutlich ueber seinen GESAMTEN Energie- und Stoffkreislauf MEHR Energie verbraucht als es Strom erzeugt!
Polyboy - Kernenergie in Deutschland
Die Mehrzahl der Kernenergiefachleute die es noch in Deutschland gibt befinden sich im Ruhestand. Nahezu alle auf Deutsch verfassten fachlich interessanten Bücher haben Jahrzehnte gesehen. Ich fürchte die Ökologen haben in ihrem Hass auf die traditionelle Wissenschaft ganze Arbeit geleistet.
Die Entwicklung der Kernenergie verlagert sich nach Indien, China und Südkorea. Diese Länder werden noch ein paar Jahre brauchen um der Entwicklung der Kernenergie Impulse zu geben.
In Deutschland wird man möglicherweise die bestehenden Kraftwerke pflegen und vielleicht auch leistungssteigern. Das wars!
Wenn eine künftige Gesellschaft auf Deutschem Boden eine moderne Energieerzeugung realisieren möchte, so wird man diese in Indien, oder Südkorea kaufen müssen.
Vandale


Lieber Herr Dr.Lindner,
wieder ein gelungener Artikel, der Aufklärung bringt in das Lügengespinnst rund um die Kernkraft. Besonders dankbar bin ich für Ihre Aussagen im letzten Abschnitt. Dem stimme ich voll zu.
Beste Grüße
Bibliothekar
20.10.2009 14:35